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Aprilwetterbeobachtungen im Mai

Gestern in einem Straßencafé irgendwo in München: eine kurze Pause zwischen Terminen, Blick auf den Himmel, kurzzeitig scheint die Sonne. Geht es sich aus? Schaffen wir einen Kaffee draußen, im Freien? Lasst uns optimistisch sein und bestellen. Der Kafee wird serviert, dazu eine Runde Decken. Was für ein netter, aufmerksamer Service. Nächster Blick zum Himmel: die schwarze Wolke schiebt sich unaufhaltsam näher. Neben uns setzt sich eine Mutter, sie hat eine Erstklässlerin und ein Baby. Für die Große gibts Eis, die Mama bestellt einen Kaffee – der Kleine wird gestillt. Familienidyll. Es folgt ein kurzer, aber heftiger Regenschauer, unser Sitzplatz im Freien ist gut abgeschirmt. Niemand wird nass. Perfekt. Es hört auf zu regnen. Plötzlich kreischt die Mutter neben uns entgeistert: ein gassigehender Hund hat in den Regenschutz des Kinderwagens gepinkelt – den sie neben den Kinderwagen auf den Boden „gelegt“ hat, aus ihrer Perspektive im Moment nebensächlich. Jetzt aber plötzlich … Findet sie gar nicht lustig. Die Hundebesitzerin auch nicht, sie entschuldigt sich, geht achselzuckend weiter. Denn woher sollte der arme Hund riechen, dass der Regenschutz nicht für ihn als trockene Kloschüssel dahin gelegt worden ist …?

Autobahnerlebnis

Gestern auf der Autobahn hatten wir ein Naturerlebnis: auf der Fahrt Richtung Heimat waren wir erst von Ost nach West unterwegs, hinter uns eine schwarze Wolkenwand, vor uns blauer Himmel. Nicht ganz blau, sondern ein Blau mit rosa Schimmer. Mein Blick nach vorne in Kombination mit den Rückspiegeln fast unwirklich. Dann haben wir die Autobahn in Richtung Süden gewechselt, hinter uns blauer Himmel, durchzogen von ein paar Wölkchen. Über und rechts von uns strahlender Sonnenschein. Scharf Links von uns die schwarzen Wolkenberge. Fast unwirklich die regennasse Fahrbahn, nicht nur etwas nass, sondern so viel Wasser, dass es wie Gischt hochgespritzt ist, aufgewirbelt von den Fahrzeugen. In Fahrtrichtung ein gleißend heller, fast nicht zu durchschauender Wassernebel. Irisierend im Gegenlicht der herbstlich tiefstehenden Sonne, im Seitenspiegel hatte ich immer wieder kleine Regenbogen. Schön, auf besondere Art und Weise zauberhaft. Aber auch gefährlich, denn es gibt Autofahrer, die lichtlos durch diese ohnehin schon schwer einsehbare Fahrtsituation geistern. Und die Blinker und ohne Blick in Rückspiegel oder Schulterblick Spur wechseln.
Wir sind sicher durch dieses Autobahnerlebnis gefahren und Heil zu Hause angekommen. Und ich hab immer noch diese wirklich seltenen Bilder im Kopf.

Verwunderung

Ich wohne in einem Wohngebiet. Mit ausreichend Tiefgaragen und Garagen und Stellplätzen. Ohne Wohnsilos. Meine Straße hat keinen Durchgangsverkehr, da parken nur Anwohner und Besucher des Lokals an der Ecke. Es gibt Tage, an denen ich mich wundere:

  • Gestern abend stand direkt vor meinem Haus eine Familie bei strömendem Regen in einer Parklücke, 5 Erwachsene, ein Kleinkind auf dem Arm, um einen Parkplatz freizuhalten, der für 2 Autos gereicht hätte. Als ich nachgefragt habe, ob sie beide Parkplätze freihalten, bekam ich die schnippische, also durchaus schuldbewusste Antwort: „Da kommt gleich jemand!“ Ich parkte also einen Kilometer entfernt, lief im strömenden Regen an der Gesellschaft vorbei zu meiner Haustür, „jemand“ war in der Zwischenzeit angekommen: und hat sich mit einem Auto so in die 2 Parkplätze gestellt, dass eben nur ein Auto drin parken kann – logisch!
  • Am selben Abend, während ich bei strömendem Regen einen Kilometer bis zu mir laufe, fallen mir 2 geparkte Autos auf: ein BMW-Cabrio und ein Passat. Beide mit offenem Kofferraum. Was bei strömendem Regen beim Passat jetzt nicht ganz so schlimm ist – aber ins Cabrio hats ordentlich reingeregnet? Weit und breit niemand – hätte ich die Deckel schließen sollen?
  • Heute morgen muss die Feuerwehr ins Wohngebiet, offensichtlich ein Notfall, denn sie kommen mit 2 großen Fahrzeugen und Blaulicht. Sie probieren von zwei Seiten, an das betroffene Grundstück heranzufahren, was ihnen aber nicht gelingt. Denn: die Dame, „jemand“, die gestern abend die 2 Parkplätze blockiert hat, hat heute morgen das Auto zum Beladen mal eben mitten in der Straße stehen lassen (deshalb konnte ich auch nicht ohne Umweg aus meiner Straße rausfahren … und ich sollte auch erwähnen, dass die beiden Parkplätze daneben frei waren ???). Die zweite mögliche Zufahrt wurde von einem Lieferwagen blockiert, der in zweiter Reihe stand und sich vom Martinshorn nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Zum Thema Verwunderung möchte ich Meister Goethe zitieren: „Was gibt einer Begebenheit den Reiz? Nicht ihre Wichtigkeit, nicht der Einfluß. den sie hat, sondern die Neuheit. Nur das Neue scheint gewöhnlich wichtig, weil es ohne Zusammenhang Verwunderung errregt und unsere Einbildungskraft einen Augenblick in Bewegung setzt, unser Gefühl nur leicht berührt und unseren Verstand völlig in Ruhe läßt.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Brief an den Regen

Lieber Herr Regen,

Ich war die letzten Wochen ruhig, habe meine Klappe gehalten, nicht auch noch meine Meinung zu Ihrem Dauerbesuch geäußert. Bin Ihnen nicht auf die Nerven gegangen. Kann ja durchaus verstehen, dass Sie gerne mal etwas länger bei uns sind.

Sie tun sich nicht immer ganz leicht, es allen recht zumachen? Sind Sie zu wenig präsent schimpfen alle, sind sie zu viel präsent – auch. Aber Ihre neue Taktik, einfach immer da zu sein? Nicht die Lösung. Jetzt ist gut.

Es darf und muss langsam auch mal wieder Ihre nette Kollegin, die Frau Sonne, ran. Und damit Sie es wirklich allen recht machen: lassen Sie Ihr doch den ganzen Monat? Oder noch besser: den ganzen Sommer? Und vielleicht wechseln Sie sich mit ihr ab? Also zum Beispiel tagsüber und abends Frau Sonne? Und nachts für ein oder zwei Stunden Herr Regen? Könnte mir vorstellen, dass das auch die Kritiker zufriedenstellen würde!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, mit freundlichen Grüßen von mir, die ich langsam alle Schlechtwetterlisten abgearbeitet habe … außer den Dingen, auf die ich trotz Regen keine Lust habe