Schlagwort-Archive: projekt txt

Tangieren [*.txt]

Wenn ein Mensch beschließt, seinen Lebensmittelpunkt zu verändern, dann tangiert das die Mitmenschen nur peripher.

Wobei: Alte Nachbarn werden zu neuen Nachbarn. Freundschaften müssen anders gepflegt werden. Ein neuer Rhythmus ist notwendig, denn da findet Veränderung statt, für alle, die davon direkt und indirekt betroffen sind …

Also kann man dann doch im übertragenen Sinne davon sprechen, dass die beschlossene Veränderung des einen Menschen doch alle anderen tangiert. Und zwar gar nicht so peripher.

Der eine beschließt, aus welchen Gründen auch immer, den Umzug in eine andere Stadt. Die Familie kommt mit. Und wer weiterhin Kontakt haben soll oder möchte, den betrifft es. Den geht es etwas an. Den berührt es.

Ohne, dass ihn die Entscheidung direkt tangiert, ohne, dass er etwas beeinflussen oder gar ändern könnte.

————————————–

Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 10. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt lautet: Tangieren.

Advertisements

Wald [*.txt]

„Wenn Du einmal Kummer oder Sorgen haben solltest im Leben, dann geh wie jetzt mit offenen Augen durch den Wald und in jedem Baum und in jedem Strauch, in jeder Blume und in jedem Tier wird Dir die Allmacht Gottes zum Bewusstsein kommen und Dir Trost und Kraft geben.“

Das Zitat aus dem ersten Film der Sissi-Trilogie lässt sich ergänzen:

Wenn der Wurm drin steckt, wenn es zu viel wird, wenn Gedanken ruhelos wandern, wenn der Körper zwickt, wenn alles nervt –

Wenn die Welt sich weiterdreht, wenn sie kurz verharren sollte, wenn es zu laut ist, wenn alles stört –

Wenn Worte verhallen, wenn Lächeln gefriert, wenn Ideen verfliegen, wenn Zusammenhalt vonnöten ist –

Wenn vieles zusammenkommt, dann gibt es einen Weg – er führt tief in den Wald hinein.

Im Innersten angekommen, im Herzen des Waldes, lässt die Seele los, was belastet. Und alles kann frei atmen , frische, reine Energie durchfließt den Körper. Spätestens auf dem Rückweg ist das Auge offen, für die Schönheit der Natur.
————————————–

Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 7. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt lautet: Wald.

Alkohol [*.txt]

Kult, wird in meiner Generation gerne auf Parties gespielt. Und alle grölen begeistert spätestens beim Refrain mit. Habt ihr schon mal genau dem Wortlaut gelauscht? Wie hat Herbert Grönemeyer Alkohol und seine Wirkung so treffend beschrieben:

„Wir haben wieder die Nacht zum Tag gemacht. Ich nehm‘ mein Frühstück abends um acht. Gedanken fließen zäh wie Kaugummi. Mein Kopf ist schwer wie Blei, mir zittern die Knie. Gelallte Schwüre in rotblauem Licht, vierzigprozentiges Gleichgewicht, graue Zellen in weicher Explosion – Sonnenaufgangs- und Untergangsvision. Was ist denn los, was ist passiert? Ich hab‘ bloß meine Nerven massiert. 

Die Nobelszene träumt von Kokain Und auf dem Schulklo riecht’s nach Gras. Der Apotheker nimmt Valium und Speed und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas. Was ist denn los, was ist passiert? Ich hab‘ bloß meine Nerven massiert. Alkohol ist dein Sanitäter in der Not. Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot. Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst. Alkohol ist das Schiff mit dem du untergehst …“

In meinem Fall kann ich selten über Sanitäter oder Fallschirmerlebnisse berichten, für mich ist es eher der Drahtseilakt bzw. das untergehende Schiff, habe noch nie erlebt, dass ich meine Nerven massieren wollte. Und ich hasse den Tag danach: ehrlich gesagt, mir schmeckt eigentlich kein alkoholisches Getränk. Wenn ich trinke, dann hauptsächlich, um es der Gemeinschaft um mich rum einfacher zu machen. Damit sie nicht immer Fragen stellen und sich Sorgen machen müssen. Selten aus echtem Genuss. Ja, ich Vertrag auch nichts, bin schnell angesäuselt. Wobei: da gibt’s auch Abende, da kann ich trinken in Massen – und spüre nichts. Tagesform eben. 

Ich brauch ihn nicht, den Alkohol, weder zur Betäubung noch für das schale Gefühl nach so einem Rausch. Nein, nicht wirklich.

—–

Beitrag zum Schreib-Projekt [*.txt], das vierte Wort lautet „Alkohol„.

Nächtelang [*.txt]

Meistens verschläft man es ja, dieses viel zitierte Nächtelang. Aber manchmal nicht.

Dann ist an Schlaf nicht zu denken. Man könnte schlafen gehen, aber da ist etwas, das davon abhält.

Und meistens weiß man hinterher ganz genau, dass es gut war, wachgeblieben zu sein. Sogar sehr gut.

Denn dieses Nächtelang-Gefühl, das ist es wert, immer mal wieder zitiert zu werden. Und vor allem: erlebt worden zu sein.

Außer natürlich, man hätte lieber geschlafen …

************

Geschrieben für das [*.txt]-Projekt 2017 – das zweite Wort lautet „Nächtelang„.