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Adventszeit in meiner Kindheit

Als ich Kind war wurden Lebkuchen nicht schon ab August im Supermarkt verkauft. Die Adventszeit begann mit Binden und Aufstellen des Adventskranzes, pünktlich zum 1. Advent. Ich hab die Wochen geliebt, denn auch beim sonntäglichen Kirchgang gab es jetzt 4 mal etwas zu erleben: jedes Mal wurde jetzt eine andere Kerze angezündet. Und ein Lied hatte 4 Strophen, jeden Sonntag wurde eine andere gesungen. Den Adventskranz zu Hause durften altersabhängig wir Kinder anzünden, als Älteste genoss ich da einen der seltenen Vorteile, entweder hab ich es selbst gemacht oder einem meiner Geschwister die Erlaubnis erteilt.
Besonders war für uns jedes Jahr der Barbara-Tag, an dem wir Kirschzweige in eine Vase stellen durften – bis Weihnachten sollten sie blühen. Hat nicht immer geklappt, aber das war eine wirklich schöne und sehr aufregende Tradition. Ich nehme mir seit Jahren vor, das weiterzuführen. Und auch in diesem Jahr verpasst, sehr schade.
Der Nikolaus – der übrigens, wie in Bayern üblich, immer den furchteinflößenden, mit Ketten rasselnden, uns mit der Raute ärgernden Krampus dabei hatte – hat uns immer mit kleinen Geschichten überrascht. Was wir besonders gut gemacht haben, wo wir mal weniger artig waren, was den Eltern das Leben schwer gemacht hat, am Ende immer die positive Überleitung zu einem kleinen Beutel. In dem viele Erdnüsse, leckere Mandarinen, etwas Schokolade und eine Überraschung steckten. Die Nikolaustage waren auch toll, wenn es der vielbegehrte Mann nicht zu uns geschafft hat, unsere Sackerl hat er dann netterweise vor der Haustür oder in der Garage abgelegt, je nach Wetterlage.
Meine Mama war schon immer eine vielbeschäftigte Frau, Plätzchenbacken gabs erst in der Adventszeit, nicht immer mit uns Kindern. Uns hat das zwar Spaß gemacht, wurde aber auch rasch langweilig. Wir hatten Sorten, die wir ausgestochen haben, so ein zwei Blech, den Rest musste sie dann machen, Spielen war schon wieder spannender. Trotzdem erinnere ich mich an den Geruch des von frisch gebackenen Plätzchen, der sich im ganzen Haus verteilt hat, der für mich fest in diese Zeit gehört und den ich so gerne schnuppere.
Der Weihnachtsbaum wird bei uns traditionell erst am 24. aufgebaut, mein Vater sucht aber in der Adventszeit schon einen schönen Baum im Wald aus, der dann rechtzeitig geschlagen wird. Die Stunden vor dem Heiligen Abend waren wir Kinder auch früher schon ins Schmücken mit integriert, vor vielen vielen Jahren wurden wir an einem stürmischen Weihnachtstag auch mal mit Strohsterne-Basteln beschäftigt, um vor lauter Aufregung nicht durchzudrehen. Und dann begann das Warten aufs Christkind. Oft steckten wir schon bettfertig im Schlafanzug, wurden auf die Couch neben dem warmen Holzofen in der Küche gesetzt, Oma oder Tante mussten uns beschäftigen, damit wir das Christkind nicht vom Geschenke vorbeibringen abhalten konnten … Adventszeit, Warten aufs Christkind, das waren herrliche Kindheitstage. Einfach schöne Erinnerungen, die ich nicht missen möchte.

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Figurprobleme

Die Vorweihnachszeit, es ist kalt draußen, überall liegen Plätzchen, auf den Christkindlmärkten lockt fettes Essen. Da mach ich mir heute mal Gedanken über das Thema Figur und Gesundheit. Der Anlass meiner nachdenklichen Stimmung hat aber gar nichts mit der Jahreszeit zu tun. Hab heute morgen nur mehrere Stunden in der Autowerkstatt meines Vertrauens verbracht, mein geliebter Peugeot weigert sich in diesen Tagen, das reichliche, auch mit Frostschutz versehene Spritzwasser auf meine Scheibe zu transportieren, War die letzten Tage im Blindflug und mit vielen Säuberungspausen unterwegs. Deshalb der Besuch heute morgen, damit ich endlich wieder klare Sicht bekomme.
Beim Warten kommt eine Frau auf den Hof gefahren. Sie steigt etwas umständlich aus, kommt rein, grüßt in die Runde, man kennt sich. Und beschwert sich lachend, dass der Sitz im Auto von Tag zu Tag mehr schrumpft. Sie passe da einfach nicht mehr rein, ob das bestellte Sondermodell bald geliefert werde? Wir kommen ins Gespräch, sie hat in den vergangenen 2 Jahren mehr als 100 Kilo zugenommen. Ist in ärztlicher Behandlung, aber keiner weiß so recht, woran es liegen könnte. Sie wäre nie zu dünn gewesen, immer ein paar Kilo mehr auf den Rippen. Jetzt sei das aber deutlich zu viel, sie mache aktuell eine Ernährungskur, bislang ohne Ergebnis. Und um sich wenigstens etwas Freiheit zu erhalten bekommt sie eine Sonderanfertigung für einen Autositz. Um es beim Autofahren bequem zu haben.
Anschließend war ich im Supermarkt, habe dort eine Frau in den 40ern gesehen, die im Körper eines kleinen Mädchens „steckt“. Das Frausein verkörpert sie durch dicke Schminke, hohe Absätze, lange Fingernägel, stylische Klamotten. Aber sie trägt eine Jeans in Kindergröße. Neben ihr zwei Kinder, beide noch keine 10 Jahre alt. Ihre vielleicht 8jährige Tochter hätte ihre Jeans tragen können.
Bei der Fahrt übers Land habe ich dann wieder einmal ein etwa 17jähriges Mädchen gesehen, das sommers wie winters an der Hauptstraße entlang spazieren geht. Nicht etwa, um die Schönheit der Natur zu genießen, dafür hat sie kein Auge. das as sie macht hat auch nichts mit Sport oder Spaß an der Bewegung zu tun. Sie hat entweder etwas zu lesen dabei oder beschäftigt sich mit einem Tablet PC. Sie läuft scheinbar ohne Ziel, einfach nur um zu laufen. Der Blick ist konzentriert, nach unten, vollkommen vertieft in das, was sie während des Spazierengehens tut. Sie ist meistens schick gekleidet, trägt im Sommer schöne Kleider, moderne Shirts, heute hatte sie ein Strickkleid über Leggins und Boots, darüber ein Fellwestchen – sehr schick, nur leider schlottert alles an ihr. Denn sie ist viel zu dünn. Statt Beinen hat sie Striche, aus kurzen Ärmeln schauen magere Ärmchen heraus. Sie läuft, aber mit einer extrem schlechten Körperhaltung. Nicht nur der Blick ist abwesend, auch ihre Haltung signalisiert, dass sie nicht spazierengeht, um spazierenzugehen. Wahrscheinlich läuft sie, um ihrer Krankheit davonzulaufen. Ihr Körper IST krank, vielleicht auch ihre Seele.

Das sind 3 kranke Frauen, jede auf ihre Art: eine isst normal, durch eine Krankheit nimmt sie kolossal zu und wünscht sich nichts sehnlicher, als normal zu sein. 2 andere hungern, um einem Ideal (welches auch immer das sein mag) nahezukommen. Nichts davon ist schön! Und bezüglich der beiden zu dünnen Wesen: Ich wünsche mir bei solchen Beobachtungen immer eine bessere Gesundheitsaufklärung, über die Organschäden, die nicht essen verursacht, über die Beschwerden, die eine miserable Körperhaltung verursacht, über Genuss und ein gesundes Körpergefühl. Die Frau heute morgen hat ihre Lebenslust trotz krassem Übergewicht noch nicht verloren, und sie ist bereit, dafür viel zu tun …