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Pferdemädl

"Unser" Pferdchen

Die bezaubernde Nichte hat eine Vorliebe fürs Reiten. Und für Pferde. Auf alle Fälle hat sie seit ein paar Wochen eine Vereinbarung mit einer Freundin meiner Schwester, ihrer Mama, getroffen: sie bekommt Reitunterricht, dafür muss in dem Zeitraum ihre Mama das Baby der Freundin im Kinderwagen spazieren schieben. Hat auch schon ein paar Mal ganz gut geklappt. Kürzlich haben dann alle einen kurzen Schreckmoment erlebt, das Pferd ist nämlich durchgegangen … sie hat sich mit beiden Händen ganz fest in die Mähne gekrallt, gut festgehalten und ist oben geblieben. Zum Glück waren es auch keine Kilometer, die das eigentlich brave Pferdchen mit ihr so vor sich hin rannte, sondern nur eine kurze Strecke. Aber immerhin. Das darf sie jetzt voll Stolz jedem erzählen, was sie für ein Pferde- und Reitermädl ist, das oben sitzen bleibt. Jawoll 🙂

Erklärungen aus der Tierwelt

Viel menschliches Tun ist leichter zu verstehen, wenn man sich in der Tierwelt umblickt: Sonntag war ich mit Freundinnen auf dem Oktoberfest unterwegs. Im Zelt saßen wir mit unfreiwillig freiem Blick auf einen Mann, der ständig und stundenlang in den Haaren seiner Begleiterin herumwuschelte. Seinen Kopf mit ihren Haaren bedeckte. An ihr knabberte, sie umarmte, sie berührte. Ihr war das nicht immer angenehm – mit zunehmendem Alkoholgenuss schien ihre Abwehr aber zu erlahmen. Jetzt komme ich auf meinem täglichen Arbeitsweg an einer Pferdekoppel vorbei, gestern abend knabberten zwei Pferde jeweils am Rücken des anderen herum. Heute morgen seh ich, wie ein Pferd seinen Kopf an der Mähne des anderen reibt … Und weil mich das Pferdevrhalten so sehr an Sonntag erinnerte hab ich eben nachgeschlagen: „Gegenseitiges Knabbern ist ein freundlich gemeintes Sozialverhalten.“

Nicht mehr, nicht weniger. 🙂

Gschmackerl

Über der Wiesn liegt ein besonderer Duft, am Vorabend war’s diese Mischung aus Bier und
dem ersten heißen Fett. Als Test für die Hendl, Würstl, das erste Schmalzgebäck… Schon am Eröffnungstag kommt der Eigengeruch der vielen Menschen dazu, die Pferde der Brauereigespanne hinterlassen Duftmarken. Die ersten Überreste müssen mit Wasser von den Wegen gespült werden. Obwohl es nach oben hin freier Himmel ist staut sich auf den Wegen der Theresienwiese schon nach wenigen Stunden so der ein oder andere Geruch oder besser: Gestank. Draußen darf geraucht werden, nach so ein paar Bier lechzen die Raucher förmlich danach. In den Zelten riecht es, seitdem drinnen nicht mehr geraucht werden darf, teilweise sehr streng. Die Dunstwolke hatte nicht nur schlechte Seiten, der Smog hat sich angenehm über die körperlichen Ausdünstungen und Ausscheidungen der betrunkenen Massen gelegt. Es wird geschwitzt, es wird getrunken, es wird gegessen, es wird gef…. Ja, so manche Gase möchte Frau nicht riechen müssen, da würde ich sehr viel lieber passiv Rauchen!
Krass ist: das ist aktuell auch weit über die Grenzen der Wiesn hinaus in ganz München zu erschnuppern. Auf den Wegen zu und in U-Bahn, S-Bahn, Tram, Taxiständen. Auf den Straßen rund um die Wiesn (kein Wunder dass viele Anwohner Jahr für Jahr ihre Wohnungen verlassen oder vermieten, um das nicht einatmen zu müssen). Weiter geht’s in den öffentlichen Verkehrsmitteln, in den Taxen, in After-Wiesn-Lokalen, auf dem Heimweg zu Fuß. Einfach überall.
Zum Glück verflüchtigt sich dieses Gschmackerl nach der Wiesn schnell wieder, puh!

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Tanzen auf der Wiese

Eins hab ich am Wochenende gelernt: auf einer Wiese tanzen geht problemlos auch im Herbst. Dazu braucht man weder Sommer noch warme Temperaturen. Beigebracht hat mir alles, was es zum Spaßhaben beim Tanzen auf der Wiese braucht mal wieder meine noch nicht mal zweijährige Nichte.

Wichtiges Utensil sind Gummistiefel und eine Matschhose. Dann muss natürlich eine passende Wiese aufgesucht werden, am besten also die ganze Familie warm einpacken und bei fast irrsinnigem Spätnachmittaglicht mit ein paar guten Freunden losmarschieren. OK, besser ist es natürlich, sich von der Tante auf dem Dreirad schieben lassen. Mit dabei waren übrigens auch Kinderfreundinnen, die auf dem Fahrrad oder Laufrad ganz schön flott unterwegs waren. Aber wir sind gut hinterhergekommen. Erst mal die eigentliche Hauptattraktion, zwei Pferde in der Koppel, begutachten. Nachdem die beiden wichtigsten Fragen, also

1. wer ist das Mädchen, wer ist der Junge?

2. mögen die Kekse?

beantwortet waren, wars dann schnell nicht mehr sehr spannend. Und das hatte zur Folge, dass wir nach einem kurzen Brezenessen auf der Bank (V., L. und ich) von der kleinsten Mit-Spaziergängerin verlassen wurden.

Sie ist einfach mal ziemlich schnell die Wiese den Hügel runter gelaufen, ganz allein. Natürlich immer im Hinterkopf, dass ihr schon jemand (also ich) folgen wird. Und dann hat sie ganz einfach die Arme ausgestreckt und sich in der Wiese um die eigene Achse gedreht. Was war das für ein wunderschöner Anblick, lachend, glucksend vor Glück, mit sich und der Welt total im Reinen. Am lustigsten war übrigens, als sie dann etwas ins Torkeln kam und nach vorne mitten in den Matsch geplumpst ist. Und von der ebenfalls lachenden Tante einfach wieder hochgehoben wurde zur nächsten Tanzrunde. Ich hab mich natürlich angeschlossen, ebenfalls die Hände zum Propeller ausgestreckt, Kopf nach hinten und mit Blick in den Abendhimmel mitgetanzt.

Was kann das Leben herrlich unkompliziert sein?