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Paradiesisch

Gestern hab ich meine beste Freundin gesehen, ein seltenes Geschenk, das für sich gesehen schon unendlich wertvoll ist. Und beim Abholen ihrer Eltern vom Vatertagsausflug habe ich einen Blick ins Paradies auf Erden erhaschen dürfen – so darf meins sein: Ein großer Garten, von der Straße führt eine lange Zufahrt ins Grundstück, Sichtschutz durch Büsche, Bäume, große Steinquader. Wiesen und Rasenflaechen. Alles sehr aufgeräumt, aber dennoch Natur. Dann kommt man am Häuschen an, davor wir früher auf den Dörfern eine Linde mit Bankerl drumrum. Sehr einladend. Direkt daneben ein Kinderspielplatz, mit allem was da sein muss: Schaukel, Rutsche, Klettergerüst, Sandkasten. Dahinter ein Rondell mit Bänken, in der Mitte der Lagerfeuerplatz. Hinter dem Haus Tische und Bänke mit den Gästen, der Kommunikationsort. Dann aber beginnt erst die eigentliche Gartenanlage: unter den Bäumen Liegestühle mit Blick auf den See, mit einem kleinen Boot, Steg, vielen Sitzgelegenheiten. Der tiefste Punkt der Anlage, alles läuft auf den See zu oder vom See aus. Im Hintergrund der Hügel, schön angelegt, man ahnt, dass hier über lange Jahre eine Pflanze neben die andere gesetzt wurde, mit Liebe und viel Freude am harmonischen Einklang oder Begeisterung für wilde Akzente. Hier stehen Buchsbäume, die der Anlage eine Parkähnliche Ausstrahlung verleihen, etwas weiter blüht eine Wiese voll ungebändigtem Löwenzahn. Am See sind unter einer Pergola mit gerade beginnendem Blauregen noch mal Tische aufgebaut, sehr einladend. Oder man setzt sich wirklich aufs noch warme Teakholz und beobachtet die Fische, die nach einiger Zeit neugierig auftauchen.
Gestern haben sich in diesem Paradies Freunde und Familie getroffen, Alt und Jung, friedlich vereint. Sie haben den Feiertag gemeinsam verbracht, haben Freizeit genossen. Es gab viel Essen, genug zu trinken – und in der traumhaften Umgebung durfte jeder tun und lassen, worauf er Lust hatte. Die alten Freunde sassen um den Tisch, sie haben gemeinsam gegessen und getrunken, das Leben gefeiert, auf die alten Zeiten angestoßen, sind in Erinnerungen geschwelgt. Daneben haben die kleinen Gäste gespielt, waren ganz versunken in Phantasie und die Möglichkeiten in der Natur, weitab von Straßen oder anderen Gefahren. Sicher! Und auf der Schaukel oder am Trampolin hat auch der ein oder andere Opa noch mal dem Kind in sich freien Lauf gelassen.
Und für die Ruhe zwischendurch gabs ein Nickerchen auf einem der Liegestühle. Mit Blick auf See und Himmel. Brauchts mehr zum Glücklichsein? Da fehlt nicht viel, denn sogar das Wetter war perfekt: Sonne, blauer Himmel, ein angenehmer Windhauch. Vollkommen macht es die Freundschaft, die die Menschen verbindet, die hier zusammenkommen und den Augenblick gemeinsam im Hier und Jetzt erleben.

Zapfig kalt in London

Eigentlich wollte ich heut mal wieder etwas durch London spazieren, vielleicht sogar einen neuen Stadtteil zu Fuß erlaufen? Oder zumindest etwas an der Themse entlang schlendern? Oder durch Notting Hill schlendern, in Läden stöbern, … egal, so weit zum Plan. Die Wirklichkeit war anders, weil es hier zapfig, zapfig kalt ist. Meine letzten Aufenthalte in Englands Hauptstadt haben ja immer all jene Lügen gestraft, die behaupten, hier regnets IMMER, es hat IMMER Nebel, einfach IMMER schlechtes Wetter. Wenn ich die letzten Jahre nach London gereist bin hatte ich IMMER tolles Wetter: einmal im Januar sogar einen strahlend kalten, dafür supersonnigen Morgen auf dem Weg zum Meeting, klare Sicht beim Teamausflug im London Eye, am nächsten Tag beim Rückflug freien Blick auf ganz London. Ein anderes Mal Sommerfeeling Ende April, im T-Shirt durch Soho, Eis schleckend im Hyde Park, Sonnenbrillenalarm.

Hm, dieses Mal also – zumindest heute – alles anders. Es ist wirkliches Shietwetter, kein Regen, dafür schneidend kalter Wind. Ist mit Erkältung nicht ohne, insofern hab ich alle guten Vorhaben schweren Herzens sein lassen, mich mit Mütze, Handschuhen und warmem Schal ausgerüstet. Und zumindest die knapp 2 Meilen von Victoria Station zu meinem Hotel zu Fuß zurückgelegt. Um mich erstmal etwas rund um den Buckingham Palace in die falsche Richtung zu verlaufen. Blöd aber auch – dann einfach umgekehrt und immer Richtung Chelsea Bridge bis in mein Hotel. Unterwegs gabs genug Flair, ein wunderschönes altes Pub, tolle Häuserzeilen im typisch englischen Stil, auch ein paar alte Häuser, die heute so gar nicht mehr in eine Metrolpole zu passen scheinen. Schööööön! Und das letzte Stück um die Brücke gings an zwei wunderschönen Parkanlagen entlang. Wenigstens etwas London eingeatmet.

Ansonsten war heute ein Tag der Premieren: ich nutze mein Hotelzimmer, genieße den Luxus einer eigenen Badewanne, um die Kälte aus den Gliedern zu bekommen. Liebe meinen Bademantel und das superflauschige Handtuch, das zum Kuscheln einlädt. Habe zum ersten Mal in meinem Leben Room Service geordert – natürlich ein Club Sandwich, what else? Und überlege, ob es in englischer Zeit nicht echt zu früh ist, zu schlafen. Aber ich bin so müde …

Noch ein paar Fragen, die ich mir in London immer stelle, weil sie einfach immer aktuell sind:

  • warum tragen die Mädels hier immer Ballerinas und frieren sich anscheinend nicht den Arsch ab bei den Temperaturen?
  • warum brauchen die Engländer immer eine Extrawurst? Linksverkehr, Pfund, …
  • gibts in England eigentlich Bauaufseher, die sich eine Baustelle auch mal daraufhin anschauen, was abenteuerlustige Kinder hier alles finden können?
  • warum gibts hier so viele wirklich auffällige Charakterköpfe?
  • verstehen sich Engländer untereinander, also versteht jeder jeden Dialekt?
  • kann man London wirklich wie seine Westentasche kennen?
  • und die aktuelle Frage dieses Tages aus aktuellem Anlass: glaubt ein Engländer wirklich, dass in diesem Klima die wunderschönen, frisch gepflanzten Olivenbäume in seinem Vorgarten eine Überlebenschance haben? Ist das eigentlich vorsätzlicher Mord an diesen so wunderschönen Pflanzen?

Happy evening