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Sonntagsfreude: Luxus

Zeit ist Luxus, die ich heute morgen so was von genieße. Ich habe eben eine ganze Stunde in neuen und alten Blogs geschmökert, durfte Gedanken folgen, über Erlebnisse schmunzeln, kleine Geschichten lesen, mich an Bildern erfreuen. Meine ganz persönliche Sonntagsfreude, mein Sonntagmorgen-Luxus.

Und dann möchte ich eine kleine Erinnerung festhalten, an unseren diese Woche verstorbenen Nachbarn. An den ich mich vor allem als Begleiter seiner Frau erinnern werde. Immer zu zweit haben die beiden so viel gemacht, waren zu Fuß, auf Fahrrädern, mit dem Auto in der Region unterwegs, haben sich für Land und Leute begeistert. Den beiden entging nichts, wer etwas wissen wollte, konnte sicher sein, es bei einem netten Ratsch zu erfahren. Über Jahre gehörten sie zu meinem musikalischen Publikum, haben nie große Worte gesprochen, aber sie kamen immer wieder. Ein schöneres Kompliment gibt es nicht. Sie werden älter, beide, hatten mit OPs und zahlreichen Krankenhausaufenthalten zu kämpfen. Und wurden schnell ungeduldig, statt auf Kur zu gehen wollten sie immer schnell wieder heim, in ihr Haus, in ihr Dorf. Letztes Jahr war er noch öfter zu Fuß unterwegs und besuchte mich an den Sonntagnachmittagen auf der Baustelle. Mit viel Interesse und guten Tipps, als früherem Maurer hab ich ihm gern zugehört. Noch vor ein paar Monaten har er seine Runden durch das Dorf auf dem Rad gedreht, wurde aber immer verwirrter. Jetzt durfte er im Krankenhaus friedlich einschlafen. In meiner Erinnerung fährt er weiterhin bei schönem Sommerwetter mit Strohhut seine Runden durchs Dorf – ausgeschickt von seiner Frau, die daheim auf dem Bankerl vorm Haus wartet und ihn dann ausfragt, was er gesehen hat …

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita, schaut bei ihr vorbei.

Familiengeschichten: Filmstoff

Gibt ja so Filme, da zweifelt man als Zuschauer, ob der Stoff nicht schlicht zu unrealistisch ist. Und dann passiert das Leben – und alles wird relativ.

Vor einigen Monaten gabs in der Familie zwei Trennungen – zeitgleich. Eine Cousine, ein Cousin, Geschwister, wieder auf dem Singlemarkt. Klar wurde in der Familie etwas spekuliert. Aber, na ja, man kennt sich. Ist ja auch nicht die erste Trennung in unserem Cousinen-Cousin-Netzwerk. Im Gegenteil. Dann hörte ich aus dem Freundeskreis ein paar Gerüchte. Komisch. Absurd. Mittlerweile bestätigt. Der Mann meiner Cousine lebt seit einigen Wochen glücklich mit der Frau meines Cousins. Bleibt irgendwie alles in der Familie? Oder zumindest bleiben die gewohnten Protagonisten. In neuen Rollen.
Und so auf einen Blick scheinen – bis auf meine Tante, die übrigens auch nur auf die von ihr jetzt nur noch Schlampe genannte Schwiegertochter sauer ist, die den braven und sicherlich auch nicht ganz ohne Einverständns involvierten Schwiegersohn verführt hat – kommen alle mit der Situation bestens klar.

Sollte das jetzt jemand verfilmen wollen: das Ende ist halt eher unspektakulär, irgendwie so Happy End à la Hollywood? 🙂

Opa Wilhelm

Worte – sagen so viel aus. Können so viel bedeuten. Die Pfarrerin hat bei der Trauerfeier für Opa Wilhelm sehr gute Worte gefunden, um sein Wesen zu skizzieren. Sie hat ihn tatsächlich nicht nur getroffen. Sondern sogar seinen Tonfall. Denn genau dieses liebenswerte, positive, das war seine Art der Kommunikation.

Als ich den Vater meines Schwagers kennenlernte, war er ein geselliger Mensch. Meine ersten Erinnerungen sind seine Ausführungen zum Postwesen, denn das war unsere Verbindung: mein Studentenferienjob seine lebenslange Aufgabe. Schon nach dem Jurastudium ist er in den Konzern eingestiegen, hat eine beachtliche Karriere hingelegt. Vieles konnte er bewegen, viele Positionen bekleiden. Und das hat er immer mit vollem Einsatz getan, sich engagiert, für eine gute Arbeitsatmosphäre gesorgt, so dass sich die Mitarbeiter auch mit weniger angenehmen Aufgaben wohlfühlen konnten.

Er war ein Genussmensch durch und durch, einem guten Essen, gutem Wein, gutem Bier niemals abgeneigt. Eine nette Anekdote, an die sich die Familie wohl gerne erinnert: mit den Kindern diskutierte er auch mal am Abendbrot-Tisch einen juristischen Fall. So brachte er ihnen bei, dass Argumentieren, Hinterfragen und davon Ableiten nicht nur bei Gericht, sondern in allen Bereichen des Lebens elementar sei. Im Teenageralter musste wohl vor allem seine Älteste häufig sehr gute Argumente anbringen, ehe sie ausgehen durfte …

Zudem war Opa Wilhelm schlicht ein angenehmer Zeitgenosse. Er lachte gern, erzählte Anekdoten aus seinem Leben, auch mal einen Witz. Ein Gentleman durch und durch, seiner Frau ein sehr fürsorglicher, liebevoller Ehemann. In den letzten Jahren wurde er gemächlich, war er als junger Familienvater gerne mit den Kindern in den Bergen unterwegs gewesen, seitdem ich ihn kenne war er nicht mehr sehr beweglich. Dann wurde er krank. Trotz guter Behandlung hat er seine Kommunikationsfähigkeit eingebüßt. Man konnte ihn immer schwerer verstehen. Für einen viel und gern sprechenden Menschen wie ihn sicher kein leichtes Los. Nachdem im letzten Jahr eine Behandlung gut angeschlagen hatte war er hoffnungsvoll. Dann kamen vor Weihnachten immer wieder neue Schwächeanfälle, schließlich die klare Diagnose, dass es weder eine Operation noch eine Chemotherapie geben werde. Wie lange noch? Leider nicht mehr lange. Er durfte zu Hause sein, liebevoll gepflegt von seiner Ehefrau und den drei Kindern nebst Familien. Auch sein jüngerer Bruder und dessen Ehefrau konnten sich noch verabschieden. Am Montag ist er friedlich für immer eingeschlafen. Von seinen Schmerzen und vor allem von aller Angst befreit …

Spruch zum Wochenende: True Love

62 Jahre war ein bezaubernder New Yorker mit seiner „True Love“ verheiratet. Gefunden und gesprochen hat ihn Brandon Stanton für sein bewegendes Blog-Projekt Humans of New York. Mich fasziniert die Einfachheit seiner Sicht zur Liebe, zur Entwicklung einer Beziehung, zum Gefühl füreinander.

„My wife used to say: ‘We are one.’ And believe me, she was not the type of person to overstate something. Now that she’s gone, I realize how right she was. So much of our lives were linked. We were very physical and affectionate. But we also shared every ritual of our life. I miss her every time I leave a movie and can’t ask for her opinion. Or every time I go to a restaurant and can’t give her a taste of my chicken. I miss her most at night. We got in bed together at the same time every night.“ (Quelle)