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Gute Gene?

Oder ist doch der Lebensstil mit dafür verantwortlich, dass manche Menschen unwahrscheinlich attraktiv älter werden, andere eben nicht?

Sonntag abend saß ich im Konzert, ganz hinten, um gut zu hören und einen guten Blick zu haben. Ich war früh dran und hatte Zeit, ausgiebig das bunte Treiben um mich herum zu beobachten. Da kommt eine Frau auf mich zu, die ich seit vielen Jahren kenne. Ich hatte vergessen, dass sie im Ort wohnt. Und beim Anlächeln denke ich so: wow, dir sieht man deine mittlerweile mindestens 70 Jahre nicht an. Aber gar nicht. Immer noch dunkles, dichtes Haar, zum kunstvollen, aktuell äußerst modernen Dutt gesteckt. Eine gute Figur zu einer aufrechten Haltung, zeitlos klassisch dein schwarzes Shirt mit gut sitzender Hose. Dazu eine Jacke in der Signalfarbe rot. Dezentes Make-Up. Wow!

Sie unterhielt sich dann mit der vor mir sitzenden Dame, gleiches Alter, alte Freundinnen. Die trug einen langen geflochtenen Pferdeschwanz, schlohweiße, aber dicke Haare. Bequeme Jeans, einen hellen Strickpulli, legere Sitzhaltung. Wie ich hatte sie sich eine Beobachterposition ausgesucht, um in Ruhe die Menschen anzuschauen. Im Gespräch der beiden war eine Lebhaftigkeit in alle Richtungen, so durfte ich immer wieder einen Blick auf ihr Gesicht werfen: was für eine Haut, Lachfältchen, aber sonst keine noch so winzige Alterserscheinung festzustellen. Keinerlei Make-Up, alles echt. Wow. Und was für ein ansteckendes Lächeln in den blitzenden Augen. Wow!

Gute Gene? Ein guter Jahrgang? Gute Umgebung? Gutes Leben? Egal, eine bewundernswerte Ausstrahlung. So wie die zwei möcht ich mit 70 unterwegs sein, mich in meiner Haut sichtlich wohlfühlen und das Leben in vollen Zügen genießen.

Superwoman

Kürzlich kam Mademoiselle nach einem Tag im Schnee nach Hause und entledigte sich selbständig sämtlicher dicker Kleidungsstücke. In T-Shirt und Strumpfhose stakste sie in ihr Zimmer, um einige Zeit später in einem neuen Outfit wieder bei der Familie im Wohnzimmer zu „erscheinen“. In ihrem geheimen Kinderzimmer-Reich hat sie sich ein Kostüm der Superlative zusammengesucht. Im Gürtel über der Strumpfhose steckten ein altes Handy, ein Stift und noch ein paar weitere kostbare Utensilien. Auf dem Kopf ein Partyhütchen von einer vergangenen Geburtstagseinladung. Die Augen versteckt hinter einer Papp-Maske. Ergänzt durch einen Stoffrest, als Umhang über der Schulter geknöpft. Der nun zum großen Auftritt selbstbewusst mit beiden Armen begleitet von einem fröhlichen Lachen ausgebreitet wurde: „Hier kommt Superwoman!“

Leider kein Bild – zu schade!

Die Obstpflückerin

Kürzlich hab ich mich mittags 20 Minuten in den schönen Obstgarten, ab von der Straße, weitab von der Strandpromenade gesetzt. Und einer Frau zugeschaut, wie sie Obst vom Baum geholt hat. Sie hatte dazu eine eigene Technik und das perfekte Outfit: eine grüne Latzkose, dazu hohe Gummistiefel, eine langärmlige Bluse und ein Kopftuch. Hält Wespen, den Dreck vom Baum und matschiges Obst fern. Unter dem Baum hatte sie weitflächig eine Plane ausgelegt. Mit einem langen Stiehl mit Griff fasste sie die Äste und schüttelte. Sacht, damit nur das reife Obst runterfällt. Dann fasste sie die Enden der Plane zusammen. Ich wollte ihr zum Umfüllen in die beiden Eimer zur Hand gehen – aber „Nein, das ist lieb, vielen Dank. Ich muss jetzt erst mal alles rausfischen, was matschig ist, das dauert – und keine Sorge: ich hab da meine Technik, mache das seit Jahren alleine …“. Süß, die Frau Obstpflückerin, wie sie da ihren ganz eigenen Stil entwickelt hat? Da kommt nur handverlesene Qualität ins Glas, die Marmelade würd ich sofort kaufen.