Schlagwort-Archive: olympiahalle

Musik am Mittwoch: Trying not to love you

Ich bin so gar kein Fan der großen Hallenkonzerte, noch nie gewesen. Die Münchner Olympiahalle hat sogar meinen persönlichen ersten Platz auf der Konzert-Shitlist, weil die Technik seeehr zu wünschen übrig lässt. Trotzdem hab ich letzte Woche einen Konzertabend mit Nickelback dort erlebt – der leider einmal mehr für schlechte Tonqualität und Aussteuerung gebürgt hat. Wirklich schade, ich bin sehr erleichtert, dass ich für diese Konzerttickets nicht viel Geld ausgegeben habe, sondern – man darf auch mal Glück haben – sie bei einem Gewinnspiel bekommen konnte. Trotzdem war das Konzert ein echtes Erlebnis, die Jungs waren gut gelaunt, haben das auch in der Moderation immer und immer wieder deutlich gemacht. Ein sehr gelungener Abend – was laut Setlist als Zugabe kommen sollte, dann aber spontan fehlte ist „Trying not to love you“, hab ich mir jetzt quasi aus Stuttgart ausgeliehen 🙂

Advertisements

Musik zur Gewitterstimmung

Passend zur Gewitterstimmung rockt Lenny Kravitz gleich die Münchner Olympiahalle – gestern hat er für viel zu wenige Gäste geprobt, sehr sehr besonders – Handys waren verboten, deshalb eine etwas ältere Aufnahme

Da hüpft das Fan-Herz 🤟

Mein Herz tanzt #6


Ich hab mir fest vorgenommen: wenn ich groß bin heirate ich einen Rockstar. Ganz sicher keinen Prinzen. Weil laaaaaaangweilig. Aber so einen King of Rock. Eine Diva und Primadonna in Person, viel zu viel Alkohol, wenig Schlaf und möglicherweise noch so das ein oder andere Übel im Gepäck, eh klar. Wobei: ich könnte durchaus verstehen, sollte sich Caleb Followill Donnerstag ein bisschen wie der Prinz auf der Erbse gefühlt haben. Haben doch die Konzertkritiker ganze Arbeit geleistet und das Münchenkonzert der Kings of Leon nach allen Regeln der Kunst verrissen. Hm. Waste a Moment. Ein vertaner Abend? Ich war da. Eine von gar nicht mal so wenigen. Und bin immer noch geflasht. Und hab sehr viel mehr sehr geile Musik gehört als „nur“ Sex on Fire und Use somebody

Ich mag Calebs Stimme. Sehr. Ich bewundere seine kraftvolle Röhre. Die scheinbar ohne Druck von ganz tief kommt und ganz tief geht. Männlich und gefühlvoll, was er vor allem bei The Runner mit Akkustikgitarre während des Umbaus vor dem roten Vorhang hören lässt. Und Walls. Und Notion. Und und und. Was kann der Kerl musikalisch. Irgendwann hatte er Probleme mit seinen In-Ears, zieht sie einfach ab, singt ohne weiter, jeder Ton sitzt – den Ersatz gabs erst zum nächsten Stück. Selten genug im Rock’n’Roll, deshalb erwähne ichs halt.
Katja Krafts Kritik hab ich gern gelesen, die Frage: „Wie viele Kinder wohl auf seine Kappe gehen? Nicht durch physisches Zutun freilich – allein durch die musikalische Inspiration dieses genialen Songs. Denn meine Güte, ist das eine rauschige Kleider-vom-Leib-reiß-Nummer!“ hab ich durchaus schon vielfach aus unterschiedlichsten Blickwinkeln analysiert. 

Generell: das ist Musik, teilweise wahnsinng schnell, laut, irre. Da steht diese Musikerfamilie, 3 Brüder und ein Cousin, also auf der Bühne, recht unspektakulär: kommen, spielen, irre Gitarren, geilen Bass, krasse Drums – und gehen mit ihren Instrumenten ab. Ja, da ist wenig Interaktion mit dem Publikum, zwischendurch etwas Genuschel, wenige Ansagen, Überleitungen oder Konversation. Hi, we are Kings of Leon. Dass die Kritiker nach Showbands wie Aerosmith, Coldplay, Depeche Mode und Guns’n’Roses (um nur ein paar zu nennen, die in den letzten Tagen vor dem Münchner Publikum gespielt haben …) dafür kritisieren? Ich habe nichts vermisst. 

Dass die 9.000 Konzertbesucher fast kritisiert werden für zu wenig Stimmung, wohl im Vergleich zu den 60.000 am Vortag im Olympiastadion? Fragwürdig. Ja, es gab keine Zugabe, das können wir gerne diskutieren. Für mich war es stimmig, die 4 KoLs haben mich mehr als 100 Minuten mit auf ihren musikalischen Trip genommen, ich hatte von Gänsehaut über „Ich-muss-tanzen-und-mich-im-Rhythmus-bewegen“ und „Wenn-ich-groß-bin-heirate-ich-einen-Rockstar“ bis zu „So-viele-Solos-Staunen“ alle Glücksgefühle, die ich mir gar nicht so geballt erhofft hatte, erleben und auskosten dürfen. Und ich war fasziniert, wie viel Plektrons und Drumsticks und Wasserflaschen die ersten Reihen der Arena abbekommen haben. 

Musik ist und bleibt Geschmackssache, mein Herz tanzt noch etwas zum Sound der Kings of Leon … und wenn ich mal groß werden sollte heirate ich ganz bestimmt einen Rockstar. Oder 2. Oder 3. Oder so.

Mein Herz tanzt #5

Wenn es wieder mal in die bei mir nicht beliebte Olympiahalle geht. Wenn man ohne Erwartungshaltung in ein Konzert einer Band „unserer aller Jugend“ geht. An Allerheiligen in der Weltstadt mit Herz, Hochburg des Bayernlands, wo in meinen Jugendtagen striktes Tanzverbot am hochkatholischen Feiertag herrschte … wenn die Vorband so grottenschlecht ist, dass man als Nichtraucher gerne draußen im Dunst steht, um sein Gehör zu schützen. Wenn dann Musiker über 50 auf die Bühne hüpfen und uns und unsere Herzen zum Tanzen bringen.

Mit uns meine ich nicht nur die Konzertfreundin und mich, sondern auch fast jeden der Besucher in der riesengroßen Halle. Ab der ersten Minute, als Flea mit einem Move auf die Bühne hüpfte. Waren wir am Start. Dann kommt das Geburtstagskind du jour dazu, an seinem 54. Geburtstag rockt Anthony Kiedis mit uns. Und wie. Mit seiner Stimme, die so besonders ist. Anders. Weich. Männlich. Sich so perfekt einfügt in die Musik. Geht tief unter die Haut. Weniger ein Gänsehautgefühl, es ist vielmehr dieses  „so fühlt es sich an“. Auf die Backgroundsängerin, die sich öfter mal einmischte, hätte ich gut verzichten können. Auf Joshs Gitarristensolo-Cover zu „Heroes“ dagegen nicht, auch nicht auf die Jam-Sessions vor Chads Schlagzeug.

Ich bin nicht sicher, aber ich hatte das Gefühl, auch Mr. Kiedies hat seinen Geburtstagsabend gerne mit uns gefeiert? Am Ende fiel es dem so bunt gemischten Publikum, da war vom Spießer zu Rocker, vom Teenie mit Papa bis zur Harleygang im gesetzten Alter alles dabei, sichtlich schwer, die Jungs von der Bühne gehen zu lassen. Und das vollkommen geflashte Konzertfreundinnen-Dreamteam schwebte tänzelnd dem Ausgang zu … im Kopf auch ein Dankeschön an die Band, dass sie fit sind, rocken. Sicher ist vieles einstudiert, aber trotzdem kam bei mir nicht eine Sekunde kein Gefühl an. Im Gegenteil, sie fühlen sich gut an, die Red Hot Chili Peppers auf ihrer Tour 2016.

Can’t stop, Under the Bridge, Californication, Suck my kiss, Give it away, By the way … weil ich seitdem einige Ohrwürmer habe, teile ich einen – damit eure Herzen mit meinem rocken, äh tanzen, dürfen 😉

Dann muss noch eine Anekdote festgehalten werden: unser Platz war der Allerbeste, nicht in der Front, sondern in der Last Row. Und zwar exakt mittig zur Bühne. Alles im Blick. Kein Wunder, dass neben uns unzählige Selfies gemacht wurden? Immer der Versuch, sich selbst und die leere, sehr minimalistisch gehaltene Bühne im Hintergrund ins beste Licht zu rücken? Bei einer süßen Blondine scheint es trotz wirklich bezauberndem Lächeln nicht geklappt zu haben? Wir haben sie bestimmt 15 Minuten lang in immer neuen Posen neben uns abdrücken gesehen … am Ende sehr angestrengt.

Und ebenfalls in Erinnerung bleiben soll mir ein Mann in Lederjacke, der mindestens 90 Minuten links neben uns abgerockt hat, vollkommen mit der Band und in ihre Musik versunken – mit einem verzückten Lächeln im Gesicht. Einfach nur glücklich. Da war so viel positive Energie im Raum. Hach, mein Herz tanzt weiter, so viel schöne Momente hat es abgespeichert …