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Abgehen [*.txt]

img_8008Eines ist ganz klar: Ich kann ohne das Oktoberfest leben. Ich habe schon ganze Wiesn-Zeiten eben nicht dort verbracht, sondern war zum Beispiel im Urlaub, in den USA oder in der Toskana. Oder letztes Jahr habe ich einfach geschwänzt und war – sogar leicht widerwillig – am letzten Abend wegen einer Einladung da. Verpasst habe ich sicher nichts. Aber die Frage ist schon berechtigt: würde mir etwas abgehen, etwas fehlen, sollte die Wiesn mal ausfallen oder nicht stattfinden? In den Jahren ganz ohne oder mit nur ein paar kurzen Besuchen habe ich schon etwas vermisst, nämlich die unzähligen kleinen Glücksmomente …

… wenn schon auf der Hackerbrücke der bairisch blau-weiße Himmel über der Theresienwiese strahlt.

… auch wenn ich nie mitfahren würde: ich liebe den Blick auf das zig Meter hohe Kettenkarussel.

… und den ersten Blick auf mein geliebtes Riesenrad. Und auch den 1001.

… und das erste Kreischen der Verrückten, die im Skyfall metertief im „freien Fall“ sind.

… die liebevollen Details, die an jedem Stand, an jedem Zelt, einfach überall zu entdecken sind, wie hier das Münchner Kindl, das mit einer Mass Bier den Besuchern zuprostet.

… viel bairisches Herzblut, das man so oft entdecken darf.

… da steckt ganz viel Herzlichkeit drin.

… ganz viele Herzerl und noch viel mehr Herzenssprüche.

… über allem thront die Bavaria. Und gebrannte Mandeln würden ebenfalls sehr abgehen …

… wobei: auch Erdnüsse, und Cashews, und Paranüsse, und und und.

… es ist so herrlich unbeschwert und kunterbunt.

… übrigens bei jeder Wetterlage. Und ja: ich hab die Wiesn auch schon im dichten Schneetreiben und bei wirklich ekelhaft nassem Regen erlebt. Muss nicht, aber geht.

… bairische Unikate.

… es ist der größte Jahrmarkt der Welt.

… alles dreht sich, ist in Bewegung.

… wer Ruhe sucht, darf sich ganz bestimmt neben ihn setzen. Und muss sich dafür nicht zwingend zum Affen machen.

… ja, wird diskutiert, mir würden die Brauereigespanne trotzdem abgehen.

… vielen Münchnern würde mittlerweile am allermeisten die Oide Wiesn abgehen,
mir auch.

… die Oide Wiesn hat so einen Zauber von früher mit den Menschen von heute, die das damals wahrnehmen und schätzen.

… sogar das Kettenkarussel ist auf der Oidn Wiesn „noch magischer“.

… und besonders liebenswert ist, dass man trotzdem den Ausblick auf die schönsten Seiten der Wiesn genießen darf.

… und dann kommt sie, die blaue Stunde. Für mich die kurzen Minuten, die mir am allermeisten abgehen würden.

… da wirds draußen meist recht voll, denn über dem Gelände liegt ein besonderer Zauber.

… mein Tipp: zur blauen Stunde ins Riesenrad einstiegen. Und über den Massen schweben.

… mit viel Glück gibts diesen Blick auf die Alpen, erkennt ihr die Zugspitze?

… aber auch einmal über die ganze München-City, Skyline von oben darf man sich freuen.

… der Mond und die Wiesn, das würde mir sehr fehlen. Egal in welcher Form.

… es gibt immer diese besonderen Himmelsstimmungen über der Theresienwiese.

… ein abendliches Lichtermeer.

… die wunderschönen Trachten, zum Umzug, aber auch sonst ist es immer wieder ein großer Genuss, Original-Trachten zu erspähen. Wer das auch möchte ist übrigens im Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn meist erfolgreicher als anderswo …

… ich liebe es, in den Biergärten zu sitzen, aber auch in den Zelten lässt es sich gut aushalten. Auch die Stimmung mit Tanzen auf den Tischen würde mir abgehen. Brauch ich nicht immer, aber es gehört dazu.

… das älteste Fahrgeschäft auf der Wiesn ist die Krinoline. Einsteigen und sich von der uralten Mechanik ein paar Mal auf und ab wippen lassen. Reicht mir vollkommen, mehr Höhenunterschiede mach ich nur im Riesenrad 🙂

… ein Blick in die Instrumente.

… zur Fahrt in der Krinoline spielt die Blasmusi auf.

… wenn es Nacht wird leuchten die Millionen (?reicht das?) Lichter fast schon irrisierend. Hier am Distel-Autoscooter, da geh ich mindestens einmal pro Abend vorbei.

… das Riesenrad bietet sich auch für eine Fahrt bei Nacht an, auch sehr empfehlenswert für kleine Romantikerherzerl wie mich.

… ja, die Lichter, eine Klasse für sich.

… am Abend versammelt sich vor allem bei Vollmond eine ganze Schar von Fotografen vor dem Riesenrad. Warum nur?

… so sehen Sieger aus: das war die Bezwingerin des Teufelsrad.

… für mich ein Pflichtbesuch: das Teufelsrad.

… obwohl man auf der Wiesn in den Zelten sehr gut essen kann gehört es irgendwie dazu, sich auf dem Heimweg noch eine Kleinigkeit auf die Hand zu holen.

… viele Jahre lang war das bei mir eine Backfischsemmel, mittlerweile würde mir am meisten meine kulinarische Entdeckung, Flammlachs in der Semmel, abgehen.

… genau, wie ich meinen Abend gerne mit einem Besuch am Toboggan ausklingen lasse und einfach nur zuschaue.

… das letzte Lied des Abends: Weils d a Herz hast wia a Bergwerk, ein KLassiker.

… und am letzten Abend leuchten die Sternwerfer, das ein oder andere Tränchen wird verdrückt. Bis nächstes Jahr.

… der letzte Blick: unbezahlbar. Ja, das alles würde mir definitiv abgehen.

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Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 9. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt lautet: Abgehen.

#Frühlings-Glückspilzmomente (7): Jahreszeitlich essen


Ein Grund meiner großen Frühlingsliebe sind diese zwei: ich esse nur regionalen Spargel, also nicht den, der ganzjährig im Supermarkt zu bekommen ist. Früher direkt vom Spargelhof der Eltern einer Freundin, heute meist aus der Abensberger Region, das liegt am nächsten dran an der Heimat, aber auch Schrobenhausen ist nicht gar so weit … und am allerbesten schmeckt Spargel mir übrigens mit frischer Bärlauchbutter. Auf Neudeutsch würde man das wohl als „Perfect Match“ bezeichnen? Ich nenne es jahreszeitlich essen. Es ist mir ein alljährliches Fest, zu meinen „geheimen“ Plätzen zu pilgern, den köstlichen Knoblauchgeruch tief einzuatmen. Und dann vorsichtig und mit Aufmerksamkeit für die Pflanzen zu sammeln. Was wichtig ist: nur die Blätter abpflücken, nie die ganze Pflanze ernten und immer vor der Blüte, sonst wird der Geschmack bitter … vor den giftigen „Doppelgängern“ wird ja oft genug gewarnt!

Spargel mach ich entweder ganz klassisch im Sud, mittlerweile aber am liebsten auf dem Blech: die gut geschälten Stangen nebeneinander auf ein flaches Blech, mit Meersalz und etwas braunem Zucker und ein paar Klecksen Butter, noch ganz wenig Wasser dazu, abgedeckt bei 200 Grad für mindestens 45 Minuten ins Rohr.


Für die Bärlauchbutter ein Packerl Butter mit einer guten Handvoll Bärlauch pürieren, nach Geschmack mit etwas Salz und Pfeffer abschmecken. Ich gebe keine Zitrone dazu, weil das für mich nicht mit dem Bärlauch harmoniert. Schmeckt auch perfekt zu Kartoffeln. Pesto mach ich übrigens auch nach Bauchgefühl. Etwa 3 Handvoll Bärlauch mit Nüssen (passt alles von Wallnuss, Pinienkernen, Macadamia, Paranut, Erdnüsse, Cashews …) gut bedecken und zerkleinern. Dann solange mit Öl (am besten Rapsöl, das ist geschmacksneutral und hält gut) pürieren, bis es die gewünschte Konsistenz hat. Ich gebe Käse bei Bedarf frisch zu, also beispielsweise Parmesan zu Nudeln. Dieses Jahr habe ich ein Bärlauchöl angesetzt (eine Handvoll Bärlauch gut getrocknet klein hacken und mit Sonnenblumenöl in eine Literflasche abfüllen, Bärlauch nach etwa einer Woche abseihen) und Bärlauchsalz (kleingehackten Bärlauch, sehr gut getrocknet, mit Salz gut vermischen) gemacht. Hm. So bleibt der Geschmack doch über die Saison hinaus erhalten.

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Ein Beitrag zu den Glückspilz-Momenten im April 2017. Danke an die Initiatorinnen Petra, Maire und Mel für den schönen Impuls, Glückspilz-Momente in dieser so treffenden Rubrik festhalten zu dürfen.

Nikolaustag

Hier wohnt er, der Herr Nikolaus
Nikolaustag

Als Kind war der Nikolaustag für mich mit Angst verbunden – schließlich kam nicht nur der freundliche alte Mann vorbei, sondern hatte einen lauten, furchteinflößenden Begleiter dabei, bei uns Krampus genannt. Der mit Ketten rasselte und irgendwas an sich hatte, was zumindest mir einige Jahre lang gehörigen Respekt einflößte. Auch die Geschichten, die so erzählt wurden: war man brav, kam aus dem Sack ein Geschenk. War man nicht brav, kam man in den Sack …? Oder es gab die Rute…? Zum Glück hinterfragt man als Kind nicht, aber man hat einfach Schiss. Denn mit etwas Nachdenken: der Nikolaus hat ja nur einen Sack dabei, dann stecken da die ganzen unartigen Kinder neben den Geschenken für die anderen??? Wenn der Besucher, der oft in Gewändern ankam, die sehr an Priestergewänder erinnerten, dann sein in goldenes Geschenkpapier verpacktes „Buch“ herauszog und vorlas, was gut, was weniger gut gelaufen ist, ja, da war ich richtig aufgeregt. Und zum Glück kann ich mich an kein einziges Mal erinnern, an dem es kein Sackerl, gefüllt mit Mandarinen, Nüssen und etwas Schokolade, für mich gegeben hätte. Sehr nett finde ich, dass meine Mutter, auch als alle ihre Kinder diesem Zeitalter schon längst entwachsen waren, noch lange jedem ein Sackerl packte …