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Heimatverliebt: Krampuszeit

Für mich als Kind, aufgewachsen in der Hallertau, vollkommen normal: der Nikolaus erschien mit einem hässlichen Begleiter. Der Krampus war für uns, auch wenn wir nix angestellt hatten, eine Schreckgestalt – eine hässliche Fratze, vermummt in alte Säcke, stinkend und mit Ketten rasselnd, immer ein Reisigbüschel zum „tratzen“, also Bestrafen der unartigen Kinder, dabei … Dieser Brauch war wohl etwas eingeschlafen, stattdessen wurde der in rot gewandete Heilige in den vergangenen Jahren häufig von süßen, goldenen Engerln begleitet, damit die Kinder nicht so viel Angst haben müssen.

Das Bild darf ich mit freundlicher Genehmigung der Freidenkerin verwenden, Dankeschön.

Schön, dass ich in diesem Jahr in der Region viele Hinweise finde, dass es einen Nikolaus mit Krampus gibt. Und nicht nur das, auf zahlreichen Christkindlmärkten gab es einen Krampuslauf. Dazu kommen bislang hauptsächlich Gast-Perchtengruppen aus dem Alpenraum, wo die Tradition noch sehr aktiv gelebt wird. Aus der weiteren Region bin ich auf die Amperperchten oder Frisinga Fratzen gestoßen. Die Perchten sind nicht der Krampus, den ich aus meiner Kindheit kenne, aber irgendwie haben die winterlichen Schreckgestalten bestimmt einen gemeinsamen Ursprung?

In Moosburg hat sich jetzt ganz neu eine Perchtengruppe namens „Moosburger Moordeifen“ gebildet, die an den Adventswochenenden die Innenstadt mit dieser alten Tradition belebt.

Tatsächlich macht das Zuschauen, wie die Gruselgestalten mit lautem Lärm ihrer Glocken durch die Straßen ziehen, um Passanten zu erschrecken, richtig Spaß. Wegen mir persönlich zuliebe müssen sie ihre Ruten dabei nicht einsetzen, ich finde die Verkleidungen, die an Teufel oder gefährliche Tiergestalten mit Hörnern und Fratzen durchaus furchteinflößend genug.

Ich beobachte, dass Traditionen wie Krampus oder Raunächte, aber auch alte Speisen und Getränke oder Brauchtum die die Waldweihnacht in der Region neue Beachtung findet, und finde das gut. Weitere Gedanken über Weihnachten in der Hallertau hab ich hier, hier und hier schon mal aufgeschrieben. Und über Mythen in der Region hab ich noch einen interessanten TV-Beitrag gefunden, also lieber in die Christmette gehen, statt mit dem Hund zu quatschen …


Jule und Ina laden zum Schreibprojekt „Heimatverliebt“, dieses Mal geht es um Weihnachtszauber. Darüber hatte ich schon mal geschrieben, aber mir fällt erstaunlicherweise zu jedem Impuls doch was Neues ein. Kein Wunder, meine Heimat, die Hallertau, bietet so viel. Mehr aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“. Und auch wenn die beiden Initiatorinnen das Schreibprojekt beenden, ich werd wohl Heimatverliebt bleiben und immer mal wieder etwas über die schöne Holledau schreiben … ❤️

Musik am Mittwoch: Advent

Ich freu mich auf mein erstes Adventskonzert 2017 morgen abend – schön wirds, klassisch und doch ganz anders:

Euch allen einen schönen Nikolaustag, ich hoffe, ihr habt ein paar Mandarinen und Nüsse bekommen? Oder eine schokoladige Überraschung?

Sonntagsfreude: Mädelswochenende

p1110227Die Nichte hat zum Geburtstag einen Ausflug mit mir in die Lieblingsstadt Landshut geschenkt bekommen, auf die Burg Trausnitz zu einer weihnachtlichen Führung. Deshalb hat sich das Chaosteam gestern bei strahlender Wintersonne auf den Weg gemacht. Im Auto haben wir die Kilometer rückwärts gezählt, schaffen Erstklässler schon fast fehlerfrei … der kleine Tierpark im Hofgarten bot keine Überraschung, dafür kann man am Ochsenklavier super balancieren.

p1110262Als uns 3 Ritter zu Pferd entgegenkamen hielt ich das für Teil des Programms, erst später wurde klar, dass eine Filmcrew unterwegs war – und wir zwei mittendrin. Und der Herr Luther war auch da, also natürlich ein Schauspieler. Man war das spannend, ich musste xtausend Bilder machen, zum Glück sind nicht alle gut.

p1110233Mit Verspätung führte uns ein mittelalterlich-gekleidetes Grüppchen dann auf den Söller, ein sensationeller Blick auf die weihnachtlich geschmückte Stadt, dann wurden wir Raum für Raum durch alte Tradition und Brauchtum des Advents geleitet. p1110270Die Geschichte zu den Barbarazweigen, Schnuppern an weihnachtlichen Gewürzen, die Entstehung des Namens Pfeffersack, die Erfindung von Lebkuchen, die ursprünglich hart waren – dazwischen gabs ein paar Nüsse. p1110276Weiter mit Äpfeln, die mit Stecken zum Kerzenhalter wurden, einem Spinnrad samt Spinnerin, Klöpfeln, das mit Wurst und Spekulatius belohnt wird, sowie der Klärung der Frage, p1110273was denn jetzt stimmt: Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind …

Eine sehr Landshutbezogene Weihachtsgeschichte gab es über den übermütigen Hofnarren, der zu Weihnachten beim Üben plötzlich den Teufel als p1110281sein Spiegelbild sieht und darüber so erschrickt, dass es ihm die Sprache verschlägt. Erst ein Jahr später findet er seine Stimme wieder, nur die Schimpfworte, die bleiben weiterhin stumm …

p1110290Auch ein paar Raunachtsfratzen haben wir näher kennengelernt, zukünftig werde ich den blutigen Thomas, die grässliche Lutz und die zwei Fratzen der Frau Percht zwischen den wilden Perchtengesellen ganz bestimmt erkennen. Und geräuchert haben wir auch, in einem alten „Bügeleisen“ … Begleitet wurde die Führng durch Sagen und Geschichten der Weihnacht von alten Instrumenten, Dudelsack, p1110295Laute und Schalmei,  am Ende ertönte ein mittelalterliches Marienlied auf der Orgel der Burgkapelle.

Auf der Heimfahrt haben wir Rudolph-the-red-nosed-reindeer auf einem Busch entdeckt, die Kilometer nach Hause gezählt und mit den Großeltern eine ordentliche Brotzeit mit p1110286kleingehacktem Geräuchertem auf Butterbrot verputzt. Leckerschmecker. Danach durften Oma und Tante bei zwei Folgen Mia and Me keinen Mucks machen, im Anschluss ging’s für die Nichte ins Bett, die Tante freute sich über den ersten Weihnachtsfilm des Jahres: „Liebe braucht keine Ferien“.

p1110235Der Sonntag startet mit fröhlichem Gegacker, ausgiebiger Analyse, wieso das Pferd des einen Ritters gestern so unruhig war, wieso dies, wieso jenes, … eben haben wir Spiegeleier gefrühstückt, für die Nichte „schön glibberig“, für die Tante beidseitig durch, so wie es jede eben mag. Jetzt schauen wir uns das Wetter an und entscheiden, wie wir den  Sonntag rumbringen. Schön, so ein Mädelswochenende!

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita.

Nikolaustag

Hier wohnt er, der Herr Nikolaus
Nikolaustag

Als Kind war der Nikolaustag für mich mit Angst verbunden – schließlich kam nicht nur der freundliche alte Mann vorbei, sondern hatte einen lauten, furchteinflößenden Begleiter dabei, bei uns Krampus genannt. Der mit Ketten rasselte und irgendwas an sich hatte, was zumindest mir einige Jahre lang gehörigen Respekt einflößte. Auch die Geschichten, die so erzählt wurden: war man brav, kam aus dem Sack ein Geschenk. War man nicht brav, kam man in den Sack …? Oder es gab die Rute…? Zum Glück hinterfragt man als Kind nicht, aber man hat einfach Schiss. Denn mit etwas Nachdenken: der Nikolaus hat ja nur einen Sack dabei, dann stecken da die ganzen unartigen Kinder neben den Geschenken für die anderen??? Wenn der Besucher, der oft in Gewändern ankam, die sehr an Priestergewänder erinnerten, dann sein in goldenes Geschenkpapier verpacktes „Buch“ herauszog und vorlas, was gut, was weniger gut gelaufen ist, ja, da war ich richtig aufgeregt. Und zum Glück kann ich mich an kein einziges Mal erinnern, an dem es kein Sackerl, gefüllt mit Mandarinen, Nüssen und etwas Schokolade, für mich gegeben hätte. Sehr nett finde ich, dass meine Mutter, auch als alle ihre Kinder diesem Zeitalter schon längst entwachsen waren, noch lange jedem ein Sackerl packte …