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Spruch zum Wochenende: Das erste Lebensjahr

Vor einem Jahr war die Anspannung groß, die letzten Stunden, ehe Nichte 2.0 endlich „da“ war. Ich kann mich so gut erinnern, wie der kleine Neuling Teil unserer Familie wurde. Die letzten 12 Monate waren so intensiv, jeder Entwicklungsschritt dieses ersten Lebensjahres so unglaublich spannend. Liebe und Urvertrauen, das ist, was die Zeit vor allem geprägt hat. Und was unserem jüngsten Familienmitglied definitiv von allen Seiten, vor allem von ihrer großen Schwester und ihren Eltern, entgegengebracht wird. Es bleibt spannend, aber erst mal wird am Wochenende Geburtstag gefeiert, ich hoffe, das kleine Geburtstagskind freut sich genauso drauf wie wir „Großen“. Und wir sind alle so gespannt darauf, wie sich dieser kleine Mensch weiterentwickeln wird:
„Der Anfang der Entwicklung ist der wichtigste Teil, besonders wenn es sich um ein junges und zartes Geschöpf handelt; denn dies ist die Zeit, in der der Charakter geformt wird.“ (Platon)

Der 10. Monat

  • Ein aufregender Monat war das für Nichte 2.0. Kaum war die große Schwester wieder gesund und in der Schule hatte sie die Windpocken … sehr viel mehr muss ich dazu nicht schreiben, zum Glück wird sie sich nicht dran erinnern. Und hoffentlich später über die Streuselkuchenbilder lachen können, der kleine Körper war von Pusteln übersät. Aber sie ist bereits wieder quietschfidel.
  • Schon davor hat sich die Mobilität quasi innerhalb von Stunden potenziert. Nachdem wir uns alle etwas Gedanken hinsichtlich des einbeinigen Krabbelns gemacht hatten wurden Experten befragt. Zwischenzeitlich ist klar: es gibt keinen körperlichen Grund, warum sie immer nur auf einer Seite das Bein mit einsetzt, insofern amüsieren wir uns jetzt über die temporeiche Fortbewegung. Und klar ist: es gibt keine sicheren Plätze mehr, denn sie kommt überall hin und zieht sich überall hoch …
  • Neben Brabbeln, Krähen, Gurren, Plappern, Schreien, Flüstern hat sie das Singen für sich entdeckt. Gut, dass in mir wenig vom Ehrgeiz meiner Schwester steckt, sonst würde meine kostbare Freizeit wohl in Gesangsstunden und musikalische Frühförderung umgewandelt 😉
  • Ma-mma, Ba-ba, Om-ma … die ersten Worte kommen, nicht immer korrekt zugeordnet, aber wer will da Bitteschön so kleinlich sein?
  • Die Welt wird spielerisch erkundet, allerdings schafft es aktuell kein Spielzeug und keine Beschäftigung, die kleine Wespe dauerhaft zu fesseln. Kommt durchaus vor, dass das mitspielende Personal immer noch versucht, einen Turm zu bauen, obwohl längst was anderes interessant ist. (So schwierig, gutes Personal zu finden … )
  • Großartig ist es, am großen Panorama-Fenster kniend oder stehend die Vögel im Garten zu beobachten und das zu kommentieren. Oder ist das nicht doch nur Vorwand, um die von Mama und großer Schwester liebevoll angebrachte Raupe-Nimmersatt-Deko abzureißen …?
  • Alles essen ist quasi nur noch eine winzig kleine Entfernung entfernt, das wird herrlich. Spätzle mit doch etwas scharfer Soße von der Oma wurden schon mal getestet und für gut befunden (das Verziehen des Gesichts soll alle vom Gegenteil überzeugen, aber wir fallen nicht drauf rein …)
  • Die große Schwester hat der kleinen ihren Platz abgetreten und sitzt jetzt auf der Bank, Nichte 2.0 thront im Kinderstuhl am Tischende.
  • Ich hab schon mal erwähnt, dass Wagerlfahren so gar nichts für sie war, das ist neuerdings gaaaanz anders, jetzt sitzen wir ja auch und können neugierig alles in Augenschein nehmen, was um uns rum passiert. Normalerweise schlafen wir dann irgendwann kurz ein …
  • Wie die große Schwester begeistert sich Nichte 2.0 für Tiere, die Hasen sind wie Kino, die Miezekatze ist der Hit und am Wochenende war das jüngste Familienmitglied live dabei, als die Gastkälber auf der Sommerweide am großelterlichen Bauernhof angekommen sind.
  • Vor ein paar Tagen musste ich akut an meinen jüngsten Bruder denken, wie der „kleine“ Onkel als Baby verschränkt sie die Hände hinter den Ohren bzw. dem Kopf und lehnt sich zurück. Bei ihm war das damals ein untrügliches Signal für Müdigkeit, meist schlief er eine Minute später, tief und fest. Am liebsten unter dem Tisch 😉
  • Nicht zu vergessen: die große Schwester vergöttern, ihr alles nachmachen, nachplappern, sie immer anstrahlen und anlachen.
  • Endlich ist das Fremdeln nach Augenblicken vergessen. Diese Woche darf die Mama allein zum Seminar fahren, der Papa hat für den Notfall die beiden Omas als Kriseninterventionsteam in Bereitschaft …

Der 9. Monat

  • Die vergangenen 4 Wochen sind, was die Erweiterung der zu vernichtenden Lebensmittel betrifft, durchaus zufriedenstellend verlaufen. Ist nur immer noch doof, dass die Großen öfter mal was anderes bekommen, aber gut, solange sie „selber“ essen darf hält sich der Ärger in Grenzen.
  • Zähne bekommen ist und bleibt nicht auszuhalten … auch wenn der großen Schwester ein Milchzahn mitten beim mit Windpocken krank sein ausgefallen ist (ja, die Langeweile ;-))
  • Das mit den Windpocken kam ansonsten sehr gelegen, sonst hätte Nichte 2.0 die Mama zu einem Seminar begleiten müssen – und das, wo es doch daheim am allerschönsten ist.
  • Gerade, wenn die Schwester nicht fit ist und aus der Schule daheim bleiben darf. Das findet die Jüngere sowieso toll, wenn die Große da ist: Hinterher! Immer! Alles haben und machen! Was die macht! Will auch!
  • Seit das mit dem Krabbeln reibungslos läuft kommt sie überall hin, überall ran – und entdeckt natürlich auch jeden kleinsten Krümel am Boden. Herrlich, die vielen Abenteuer ☺️
  • Trotzdem ist das erklärte Ziel Laufen: sie muss sich überall hochziehen, was gar nicht mal so sehr wacklig ist.
  • Kürzlich gabs per Bild den Fotobeweis, dass sie stabil vollkommen ohne Hilfe auf beiden Beinen steht – gut, beide Hände stützen am Boden, quasi der herabschauende Hund aus dem Yoga. Aber absolut alleine.
  • Sie kräht, gackert, brabbelt, gluckst, juchzt – unendlich viele Laute, die der kleinen Kehle entschlüpfen.
  • Und was sie sich freuen kann, wenn sie bespaßt wird: wie schon ihre große Schwester prustet sie vor Lachen, wenn man das Gesicht mit den Händen bedeckt, um unerwartet „aufzutauchen“ und ihr ein verschmitztes Kuckuck zuzurufen.
  • Spielen geht mit allem, mittlerweile wird auch das Spielzeug der großen Schwester erobert – dazu gehört alles Mögliche, was die längst nicht mehr beachtet. Praktisch. So sind jetzt alle Lego-Duplos und der alte WauWau, den die Onkel einst der bezaubernden Nichte geschenkt haben, ganz easy „Meins“ 😉
  • Unter der Woche sind die 3 Mädels ja meist allein zu Hause, da klappt das mit dem Schlafen „eigentlich“ ganz ok – kommt der Papa am Wochenende schaut das ganz anders aus. Da kann sie eigentlich nicht schlafen, weil ja einer mehr da ist – und sie was verpassen könnte … (ja, stimmt, wie die Schwester!)
  • Ganz wichtig, dass sie nicht ausgeschlossen wird. Man stelle sich vor, die Tante kommt die große Schwester zu einer Reitstunde abholen. Bezaubernde Nichte, deren Frau Mama und die Tante verlassen das Wohnzimmer, um sich im Gang anzuziehen und die X Utensilien, die ein Reitermädel so braucht, im Auto zu verstauen. Dafür hat Nichte 2.0 überhaupt Null Verständnis, was sich in wütendstem Gebrüll laut macht – das schlagartig endete, als sie auf dem Arm des Herrn Papa zuschauen durfte.
  • Das mit dem Fremdeln wird zum Glück besser – Mama ist und bleibt der sichere Hafen, aber zwischendurch kann man sich auch mal anderweitig beschäftigen lassen. Hurra!

Und ich merke hier kurz an, dass ich laut Meinung meiner Schwester die Monate falsch zähle. Finde ich nicht: ich fasse immer rückblickend den gerade erlebten Lebensmonat zusammen. Sollte das verkehrt sein „meine“ Tantendefinition 🤓 zur Erklärung …

Der 8. Monat

Die Zeit verfliegt – unfassbar, aber Nichte 2.0 ist schon bald ein dreiviertel Jahr alt.

  • In diesem Monat bereichern Vinschgerl, oder besser Brotkrume, und seit kurzem Butter-Brot-Würfel den Speiseplan. Und jeder einzelne Krümel wird bis auf den letzten Haps verspeist, der Hunger ist riesengroß, schließlich will sie jetzt ordentlich wachsen.
  • Die Zähne drücken auch ordentlich, das ist äußerst ärgerlich und muss der Umwelt mitgeteilt werden.
  • Ansonsten gurgelt es ordentlich aus ihr raus, also sie quatscht munter und ununterbrochen. Die bezaubernde Nichte und Nichte 2.0 „unterhalten“ sich aktuell in Baby-Sprache, wenn ich die Große frage, ob sie das versteht, ernte ich einen ungläubigen Blick. Auf den Vorschlag, dass sie dann doch ganz normal mit ihr sprechen könne ebenfalls … 🙂
  • Da alle in der Familie krank waren ist doch tatsächlich die zweite Fortbildung mit der Mama ausgefallen, ärgerlich … wobei: sie ist momentan so ein Mama-Kind, es wäre vermutlich für den mitreisenden Betreuer wirklich eine laute dreitägige Mission geworden!
  • Der Papa hatte einen kleinen Eingriff und war viel zu Hause, blöd nur, dass er sie nicht so viel tragen sollte. Daher ist es weiter auf Mamas Armen am allerbesten ….
  • Zur großen Ungeduld gesellt sich, dass Arme und Beine noch nicht so recht miteinander korrespondieren, mit den Armen würde sie durchaus vorwärts kommen, aber „hinten“ klappt es nicht. Insofern ist Krabbeln noch einen Ticken entfernt, was die Kleine tierisch nervt, weil sie ja die Große im Auge behalten muss, ihr hinterher will. Hach.
  • Die Neugierde für andere Menschen ist, solange sie bei der Mama ist, riesengroß, alles mitbekommen, alles sehen, der Kopf und der Körper drehen und wenden sich mit einer atemberaubenden Schnelligkeit, da könnten sich manche Hochleistungssportler was abschauen.
  • Schlafen wäre schon schön, aber da verpasst man ja viel zu viel. Insofern hält sie es mit einem Minimum aus, was manchmal dann doch auf die Laune schlägt.
  • Spielsachen sind toll, aber wie auch schon bei der großen Schwester kann man sie mit Fingerspielen, greifen und wegziehen und mit „Kuckuck-Spielen“ wunderbar zum Lachen bringen. Wie das geht: man versteckt sich, z.B. hinter einem Stuhl mit Kuckloch, und verschwindet erst, dann erscheint man im Kuckloch mit einem fröhlichen „Kuckuck“. Klappt zur Not auch mit den Kordeln eines Kapuzenpullis und den eigenen Händen 🙂
  • Bei den Großeltern zu Besuch und dann schlafen? Wie bitte? Da ist alles neu und aufregend, immer hört man was, immer ist was los. Nix da. Da gleichen sich die beiden Schwestern schon sehr, irgendwie habe ich zur Zeit das ein oder andere Deja-Vu 🙂
  • Die Mama hat für die große Schwester ein Erdbeerinchen-Kostüm genäht, da wurden per Handarbeit unzählige Pailetten angebracht – und dieses Mal war noch wichtiger, dass keine einzige runterfällt und irgendwo auf dem Boden liegen bleibt, fürs spätere In-den-Mund-schieben – das gleiche gilt übrigens für alle kleinen Spielzeugteilchen, Murmeln, Lego, …, was bei der Großen manchmal in Vergessenheit gerät und dann zu eigentlich überflüssigen Streitereien im Familienkreis führt. Seufz.