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Spruch zum Wochenende: Immer dann

IMG_2822„Immer dann, wenn die Liebe nicht ganz reicht, wünsche ich dir Großherzigkeit.
Immer dann, wenn du verständlicherweise auf Revanche sinnst, wünsche ich dir Mut zum Verzeihen. 
Immer dann, wenn sich bei dir das Misstrauen rührt, wünsche ich dir einen Vorschuss an Vertrauen. 
Immer dann, wenn du mehr haben willst, wünsche ich dir die Sorglosigkeit der Vögel des Himmels. 
Immer dann, wenn du dich über die Dummheit anderer ärgerst, wünsche ich dir ein herzhaftes Lachen. 
Immer dann, wenn dir der Kragen platzt, wünsche ich dir tiefes Durchatmen. 
Immer dann, wenn du gerade aufgeben willst, wünsche ich dir Kraft zum nächsten Schritt. 
Immer dann, wenn du dich von Gott und der Welt verlassen fühlst, wünsche ich dir eine unverhoffte Begegnung, ein Klingeln an der Haustür. 
Immer dann, wenn Gott für dich weit weg scheint, wünsche ich dir seine spürbare Nähe.“
(Verfasser unbekannt)

Immer dann, wenn ein Jahr endet, wünschen wir uns „ein gutes Neues“ – und blicken, hoffentlich mit warmherzigen, dankbaren Gedanken, auf das Alte zurück.

2016 ist ein Schaltjahr, wir werden morgen 366 Tage miteinander verbracht haben – das macht in Summe 8.784 Stunden, 527.040 Minuten und unfassbare 31.622.400 Sekunden … Wahrscheinlich waren das nicht ganz 31 Millionen Glücksmomente, aber da waren ganz bestimmt ganz viele? Und es waren auch die nicht so schönen, weniger guten Augenblicke dabei? Aber eben nicht nur …

Zum Jahresende sinniere ich über den Reichtum an Zeit, der uns geschenkt wird. Ich wünsche euch ein schönes Wochenende, mit unendlich vielen Sekunden, jede einzelne eröffnet uns die Gelegenheit, sie bewusst wahrzunehmen.

Heimweh

img_4709Als sich die Eltern der beiden jetzt wieder Münchner, aber doch einige Jahre „Schweizer“ Patenkinder für ein Leben anderswo entschieden haben, hatten wir viel Gesprächsbedarf. Ein Umzug mit Kindern bedeutet auch, hinsichtlich der vorher vertrauten Wegbegleiter Sicherheiten schaffen, vorbauen, abstecken. Dass ich ja ein Mensch sei, der Freundschaft auch auf Distanz führen kann, das war beiden sehr wichtig. Der Umzug sollte schließlich die berufliche Karriere vom Herrn Papa fördern, alles andere würde sich schon geben.

Was alle Erwachsenen damals unterschätzt haben: wie stark das Heimweh werden kann. Nach München, nach den hier lebenden Menschen, nach der Muttersprache, nach den Freunden, nach Ritualen … das lässt sich auch nicht auf typische Wahrzeichen Münchens reduzieren, gehört aber alles in den einen riesengroßen Topf von Heimatgefühl. Dazu gehört, beim Bäcker Grüßgott zu sagen und Semmeln zu kaufen. Dazu gehört, das Gefühl zu haben, schnell und jederzeit in den Bergen zu sein. Dazu gehört aber vor allem so viel mehr, was sich gar nicht in Worte fassen oder mit Orten, Plätzen, Festen oder ähnlichem festmachen lässt.

Als die Frau Mama mir dann berichtete, dass sie zurückkomme, mit den Kindern, auch auf die Gefahr hin, eine Fernbeziehung führen zu müssen. Weil es ihr das Herz breche, vor Heimweh. Da wurde sie verstanden. In fast 4 Jahren waren es immer die Kurzaufenthalte in München, die sich nach Heimat anfühlten. Für die ganze Familie.Auch neu geschlossene Freundschaften in der Schweiz haben bei Monsieur niemals denselben Stellenwert besessen, wie seine Münchner Freunde. Jedes Mal hat er Rotz und Wasser geheult, wenn er sich trennen musste.

Wie groß dieses Heimweh war, wie tief die Wurzeln waren, wie schnell sie sich nach dem Zurückkommen im neuen Heim, in der Umgebung, im alten neuen Freundeskreis, im Münchner Jahresablauf, in der Heimatroutine wohlgefühlt haben. Wie glücklich alle 4 waren und sind, seit der Papa wieder in München arbeitet. Wie sehr haben sich die großen 3 „nach Hause“ gesehnt. Und auch Mademoiselle, die ja in der Schweiz geboren ist, wurde so schnell ein Münchner Mädl. Alle sind sie längst angekommen, fragt man heute nach Heimatliebe, bekommt man ein zufriedenes „Wir sind Münchner!“zur Antwort.

Mich beschäftigen diese Gedanken seit einigen Wochen, denn durch die Erkrankung des Patenkinder-Opas hat räumliche Distanz und Nähe einmal mehr eine andere Wertigkeit erhalten. Deshalb möchte ich mit diesem Text auf Andreas Frage zu „Heimat und Heimweh“ antworten und einen Beitrag aus dem Beobachter-Blickwinkel zum Thema „Was würdet ihr an München vermissen?“ für München.de antworten.

 

Spruch zum Wochenende: Abschied

Es ist Zeit, viel zu früh, wenn auch seit langem erwartet. Zeit, in diesen herbstlichen Novembertagen zu hoffen, dass er noch mal Sonne und Farben und gelebtes Leben tief in sich aufnehmen darf, auf dass ihn  ein paar Sonnenstrahlen kitzeln und zum Lächeln bringen. Zeit, den Papa meiner besten Freundin los zu lassen, ihn und sie und alle seine Lieben auf den letzten Metern zu begleiten, gedanklich. Leider habe ich sein „kimmst wieder“ wohl zum letzten Mal gehört, aber wir werden es uns ganz in seinem Sinne tief im Herzen bewahren. Beziehungsweise fortführen. Und einmal mehr muss ich bemerken, wie nahe wir uns in solchen Zeiten kommen können. Diesem Gedanken widme ich meinen Spruch zum Wochenende: „Abschied ist die innigste Weise menschlichen Zusammenseins.“ (Hans Kudszus)

Distanz [*.txt]

Einen Meter, mindestens, manchmal auch mehr – brauche ich, zwischen mir und Menschen, die ich nicht kenne. Diese Distanz hilft mir, erst mal anzutesten, ob ich den anderen „riechen“ kann. Mit seiner Energie klarkomme. Näher sollte mir ein Fremder besser nicht kommen. Das ist mein persönlicher Abstand. Und ich respektiere das auch bei anderen. Näher kommen kann man sicher immer noch. Später. Wenn man sich schon beschnuppert hat. Oder auch nicht.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 16. Wort lautet “Distanz”.