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Spruch zum Wochenende: Sonnenseite

„Positive Gedanken sind der beste Start für die Reise auf die Sonnenseite des Lebens.“ Da hat Jeremy A. White so was von recht – ich hab gestern einen winzigen positiven Schubser bekommen, eine kleine – überraschende – Nachricht. Ein Lebenszeichen von zwei lieben Menschen. Die sich getroffen haben – und dabei an mich gedacht haben. Einfach so, weil wir uns damals alle gemeinsam begegnet sind und uns eine Zeitlang beruflich begleiten durften. Daraus ist eine freundschaftliche Verbindung geblieben. Und das Glücksgefühl, dass sie sich getroffen haben, wollten sie mit mir teilen. Ist das süß? Ich nehm den Impuls mit ins Wochenende. Und werde mich gedanklich ein bisschen bewusster der Sonnenseite zuwenden.

Das mit der Kommunikation

Könnt ihr euch erinnern, dass ihr früher für Oma, Opa, Tante, Onkel, … Bilder gezeichnet habt, die dann in einen Umschlag gesteckt und mit der Post verschickt wurden? Gibts das heute noch? Weil ich bekomm von der Nichte immer öfter „selbstgeschriebene“ Nachrichten per Smartphone – und so sieht das beispielsweise aus:

Oder so:


Und wer fragen wollte: ja, das erzählt hin und wieder auch eine erlebte Geschichte, oder Wünsche, oder so. Und dauert, bis das geschrieben ist, weil jedes einzelne Motiv wird sorgfältig ausgewählt und die Anzahl genau abgestimmt, „nein, noch einmal, oder noch eins, ja, jetzt passt das.“ Jawoll!

Nachricht aus dem Krieg

In meinem Elternhaus wird gerade geräumt. Dabei kommen viele Erinnerungen zum Vorschein.

Zum Beispiel der große Schmerz meiner Urgroßeltern, im zweiten Weltkrieg haben sie 3 Söhne verloren. Zwei sind gefallen, der erste Todesfall wurde sehr lapidar mitgeteilt, per Telegramm. „Wir bedauern, ihnen den Tod ihres Sohnes Andreas mitteilen zu müssen. Er ist im Einsatz bei xxx gefallen.“

Der zweite Todesfall wurde von einem sehr persönlichen Schreiben des Kommandanten begleitet:
Werte Familie …!
Mir wird es heute zur traurigen Pflicht Ihnen einen großen Kummer zu bereiten. Ihr Sohn Lorenz ist am 29.3.43 in den frühen Morgenstunden durch einen feindlichen Scharfschützen durch Kopfschuss gefallen. Ihr Sohn war sofort tot und musste nicht mehr lange leiden. Vielleicht ist Ihnen das in Ihrem großen Schmerz ein schwacher Trost. Ich will Ihnen hier kurz schildern, wie Ihr Sohn gefallen ist. Bei der Abwehr eines schweren feindlichen Angriffes wurde der Gruppenführer Ihres Sohnes schwer verwundet. Ihr Sohn brachte den Verwundeten zurück und fiel beim Vorgehen in die Stellung. Ihr Sohn ist also bei einem Kameradschaftsdienst gefallen. Sie dürfen auf Ihren Sohn stolz sein, er war einer der tapfersten Soldaten meiner Kompanie. Besonders tragisch ist ja, dass Ihr Sohn gleich, nachdem er gerade knapp einen Tag wieder vom Urlaub zurück war, sein Leben lassen musste. Ihr Sohn war mir gerade ja deshalb so ans Herz gewachsen, weil er so schlicht und einfach seinen Dienst versah und als schneidig und einsatzbereit in der ganzen Kompanie bekannt war. Gerade sein letzter Einsatz, bei dem er seinen schwerverwundeten Gruppenleiter barg, beweist seine große Schneid und seine hohe Auffassung über Kameradschaft.
Wir haben Ihrem Sohn in Koschelewow (ca 60 Kilometer südwestlich von Orel) ein schlichtes, würdiges Soldatengrab gerichtet. Er ruht an der Seite von mehreren anderen Kameraden seiner Kompanie.
Die Hinterlassenschaft Ihres Sohnes geht Ihnen bei der nächsten Gelegenheit zu. Sollten Sie irgendwelche Hilfe benötigen, so werden Ihnen die Heimatdienststellen diese sicher angedeihen lassen.
Ich bin tief ergriffen von Ihrem Leid und verbleibe mit aufrichtigem Mitgefühl
Ihr
Hermann Xxx“

Den Brief hat der Leiter der Kompanie handschriftlich und persönlich 7 Tage nach dem Tod meines Großonkels Lorenz vom Einsatzort auf den Weg gebracht. Ob alles, was drinsteht, wahr ist? Egal, vielleicht hat es meine Urgroßeltern zumindest getröstet, untröstlich waren sie mit Sicherheit, ist es doch das zweite Kind, das in nicht einmal 2 Jahren verstarb.

Am schlimmsten mag die Familie jedoch getroffen haben, dass auch noch der jüngste Großonkel Jakob 1944 eingezogen wurde. Laut Unterlagen hat er die Heimat am 8. November verlassen, ist im Dezember an der Ostfront angekommen. Zum Jahreswechsel wurde er als vermisst gemeldet. Und ist es bis heute. In den 60er Jahren hat mein Großvater ihn “ für tot erklären“ lassen. In den 70er und 80er Jahren kamen Schreiben vom Roten Kreuz, in denen jeweils versucht wurde, seinem Verbleib auf die Spur zu kommen. Ohne Erfolg.

Ich versuche mich manchmal in meine Urgroßeltern hineinzuversetzen: 6 Söhne und 2 Töchter hatten sie. 5 Söhne wurden im zweiten Weltkrieg an die Front geschickt. Der älteste Sohn wurde ausgemustert, unser Großonkel Thomas ist in den letzten Kriegstagen abgehauen, hat sich auf den Weg nach Hause gemacht, ist 1945 unverletzt wieder daheim gewesen. Mein Opa kam in russische Kriegsgefangenschaft, doch auch von ihm haben sie Dank einer freundlichen Ärztin schon 1945 per Post gehört. 1947 durfte er nach Hause …. Es ist für meine Generation nicht nachvollziehbar. Nicht gedanklich, nicht emotional.