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Sonntagsfreude: „Mein“ Weihnachtsbaum

Weihnachten 1995 hab ich Post bekommen, meine kleinen Freundinnen aus der Fidel-Zeit haben mir Grüße, Wünsche, Karten und kleine Überraschungen geschickt. Darunter ein sehr liebevoll-selbstgebastelter Weihnachtsbaum. Der seitdem an meiner Pinnwand hing. Und mich jedes Mal, wenn ich ihn betrachtete, an die große und vor allem so unerwartete Freude erinnerte. Durch den Umbau war die Bastelarbeit unauffindbar, ich hatte mich fast damit angefunden, dass sie für immer verschwunden war. Kürzlich haben mein Bruder und ich etwas auf dem Dachboden gesucht, dabei hab ich „meinen“ alten Weihnachtsbaum entdeckt. Der seitdem einen Ehrenplatz hat, mit einer Lichterkette beleuchtet wird und sogar einen Weihnachtsmann und Kugeln hat er bekommen. Ein bisschen darf er noch hängen, dann wird er mit in die Kisten mit Weihnachtsdekoration verpackt und darf mich ab sofort wieder jährlich zu Weihnachten überraschen. Ich freu mich drauf.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Kindheitserinnerungen #4: Kindergartenzeit

Als Dorfkind war meine Kindergartenzeit geprägt durch das Autofahren, also den Transport. Ein paar Kinder aus dem Dorf, meistens die gleichen, alle gemeinsam im hellblauen VW Käfer meiner Eltern. Oder wahlweise in anderen Kleinfahrzeugen, wie das damals eben „normal“ war. Wir hatten zwar schon so was wie Sitzkissen, die aber eh nie für alle ausgereicht hätten. Deshalb Tür auf, Sitz nach vorne kippen, alle hinten rein, einsteigen und die paar Kilometer nach Hause fahren. Wenn’s zu voll auf dem Rücksitz wurde durften auch mal einer oder zwei auf den Beifahrersitz, yeah! Alle stiegen bei uns im Hof aus und liefen nach Hause. Ja, die Kinder liefen auch einfach raus aus dem Kindergarten, es gab kein Klingeln, keinen angekündigten Abholer, wenn die anderen Eltern noch nicht da waren fuhr eben einer mehr mit …

Ich habe nicht mehr viele konkreten Erinnerungen, außer an meine ersten beiden Tage, über die ich hier schon mal geschrieben habe. Und an einen Tag, an dem es alle besonders eilig hatten, rauszukommen. Zum Kindergarten ging’s eine steile Treppe hoch, wer rauswollte, musste da runter. An diesem Tag war ein großes Gedränge und Gerangel, ich hatte Probleme beim Schuhe wechseln und war plötzlich mittendrin. Wurde selber geschubst und bin gestolpert, blieb aber irgendwie auf beiden Beinen. Eine meiner Kindergartenfreundinnen hatte nicht so viel Glück, sie ist die vielen Stufen heruntergefallen, kam auf dem Unterkiefer auf, hat übelst geblutet und sich zwei (Milch-)Zähne ausgeschlagen. Aua. Mich schüttelts heute noch, war auch damals pures Mitleid.

Und noch an eins erinnere ich mich: als Kindergartenkinder und auch in den Grundschuljahren durften wir mit auf Wallfahrt gehen. Jedes Jahr laufen aus allen Dörfern der Gemeinde Gruppen zu einem kleinen, uralten Wallfahrtskirchlein in der Nähe, ich glaube, Termin ist der Montag nach Fronleichnam. Der Fußmarsch dauert etwa eine Stunde, das schaffen auch Vierjährige-Plus. Nur: so lange und vor allem die ganze Zeit beten? Langweilig. Insofern war unsere sonst immer lächelnde Kindergartenschwester „etwas“ geplagt. Vor allem, als wir vom Weg rechts in den Wald abdrifteten, natürlich immer paarweise, so, wie wir eben nebeneinander her gehen sollten … aber das war nun mal zu verlockend. Oder quatschen, kichern, sich Beobachtungen zuflüstern. Oder beim Überqueren der Straße Dummheiten machen. Zum Glück hat die Andacht am Ziel nicht zu lange gedauert und dann waren auch schon die Eltern da, um uns am kleinen, begleitenden Jahrmarkt in Empfang zu nehmen. Sonst hätte die Ärmste sicher komplett die Kontrolle über ihre Kindlein-Schar verloren. Kindlein hat sie uns immer so liebevoll genannt, also nicht nur meinen Jahrgang, sondern alle ihre vielen Gruppen, die sie noch bis ins hohe Alter betreut hat. Ich mochte sie, richtig gerne, und hab mich immer gefreut, sie zu treffen und mit ihr zu ratschen, sie war eine ganz liebevolle Ordensfrau, hatte mich auch als Erwachsene noch ein Stück weit in ihr Herz geschlossen. Und durfte sie verabschieden, als das Kloster aufgelöst wurde.

Ja, so war sie, meine Kindergartenzeit, unbeschwert und mit zwei Jahren zum Glück überschaubar. Ich bin gerne hingegangen, war dann aber auch froh, als es nach den großen Ferien mit der Schule losging. Und freue mich, dass Nina dieses Mal in ihrer Rubrik „Kindheitserinnerungen“ nach diesem Lebensabschnitt fragt.