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Viele gute Gründe, von Herzen dankbar zu sein

Ich hab mich von der lieben Freidenkerin inspirieren lassen, meine Dankbarkeit aufzuschreiben und finde, es gibt keinen besseren Tag dafür:

1. ich bin gesund und zwar so, dass ich über Wehwehchen klagen kann

2. meine liebsten Menschen sind gesund oder dürfen heilen

3. ich habe mehr als einen Ort, an dem ich ein Dach über dem Kopf habe und an dem ich mich zu Hause fühle

4. ich kann gut alleine sein und fühle mich selten isoliert

5. es gibt Menschen, denen ich am Herzen liege

6. es gibt Menschen, die mir am Herzen liegen

7. ich habe lesen und schreiben lernen dürfen, kann Bücher lesen und verstehen – und ich darf meine Gedanken und Erlebnisse aufschreiben

8. ich durfte eine Schulausbildung genießen

9. ich durfte studieren und mich weiterbilden

10. ich habe einen Beruf gefunden, der mich erfüllt

11. der Beruf ist nicht systemrelevant und ich darf dennoch weiterhin arbeiten, mein Arbeitgeber ist engagiert, uns als Mitarbeiter zu unterstützen

12. durch meine berufliche Auszeit und den Wechsel in eine andere Branche weiß ich, dass ich sehr wenig „brauche“, um klarzukommen

13. ich komme mit Veränderung gut klar (auch wenn ich sie für mich durchdenken muss)

14. ich kann mich an Regeln halten

15. ich weiß zu schätzen, wenn andere sich an Regeln halten

16. ich darf in Bayern leben und weiß meine Umgebung inklusive der darin lebenden Mitmenschen sehr zu schätzen

17. ich bin in einem freien Land und ohne Einschränkungen aufgewachsen

18. ich erkenne verantwortungsbewusste und -volle Politik

19. Solidarität ist mir wichtig, nicht nur in Krisenzeiten

20. ich bin mehr Wir- als Ich-Mensch, ein Teamplayer – lieber gemeinsam stark

21. viel von meinem großen Glück liegt im Augenblick, im Erkennen von kleinen Glücksmomenten

22. ich weiß den Wert von Freizeit zu schätzen

23. ich kann anpacken und Dinge lernen, die ich noch nie gemacht habe

24. ich bin das Gegenteil von einem Mathe-Genie, aber ich beherrsche die Grundrechenarten und weiß, wem ich den Rest der Zahlenweltherrschaft überlasse, also wen ich bitten kann, mir zu helfen

25. ich habe im Lauf meines Lebens gelernt, alles trotz Unsicherheit erst mal anzunehmen und damit umzugehen, statt mich von der Angst lähmen zu lassen

26. ich habe Menschen, die ich um Rat fragen kann

27. ich bin umgeben von Technik, die mir ermöglicht, soziale Distanz so zu überbrücken, dass ich mein eben nicht Gegenüber nicht nur stimmlich, sondern sogar Lächeln sehen kann

28. ich darf Lächeln

29. ich darf das Gute erkennen und mich darüber freuen

30. ich habe in meinem Leben nur gelesen, dass Frauen nicht gleichberechtigt sind und musste mich noch nie unterordnen

31. ich musste noch nie unter Hunger leiden, stolpere eher immer mehr über den Überfluss an Nahrungsmitteln

32. mein Luxus hat mit Zeit zu tun und ich bin sehr dankbar, dass mir die letzten Wochen einmal mehr klargeworden ist, dass ich da durchaus weniger rücksichtsvoll sein werde, weil ich Zeit mit den liebsten Menschen einfordern darf (Danke an die beste Freundin für dieses Impuls)

33. ich fühle mich sicher

34. ich schätze mein Heimatland für diese Absicherung

35. ich erkenne politische Besonnenheit und kann radikale, populistische „Argumentation“ einordnen

36. ich mag es nicht, wenn sich Menschen in Krisen in den Vordergrund positionieren, darf aber bemerken, wenn jemand im Hintergrund tatkräftig Besserung schafft

37. ich werde täglich überinformiert und darf mir die Informationen entnehmen, die mich interessieren

38. ich kann über verschiedenste Kanäle frei meine Meinung formulieren, es aber auch bleiben lassen

39. ich bekomme Antworten, wenn ich frage

40. ich darf mich freimachen von Verschwörungstheorien und sonstigen beklemmenden Angstzuständen

41. ich darf mich klein und unwichtig fühlen

42. ich bewege mich in der Gesellschaft und entscheide innerhalb von gesetzlichen Regeln, wie konform ich mich anpasse

43. ich habe schon viel von der Welt gesehen und erkenne immer mehr, dass es weniger darum geht, weit, fern und mit viel Trara zu reisen, sondern immer wieder neue und alte Wege zu gehen

44. mir ist klar, dass ich nichts besitze, sondern meine „Besitztümer“ nur meine Lebenszeit begleiten

45. ich wertschätze dieses mein eines Leben sehr, genauso wie es ist

46. ich komme in unserer schnelllebigen Zeit klar, aber genauso gut mit dem aktuellen Zustand des völligen Ausgebremstwerdens

47. ich habe das große Glück, dass ich das alles erkennen und verstehen darf – und dankbar dafür sein kann.

… was immer ich vergessen habe, es steckt sicherlich irgendwo in diesen 47 guten Gründen, die mir für heute ausreichen sollen 🙏

1.05

Da ist er also, der Monat, in dem Nichte 2.0 loszieht, das Leben mit noch kleinen, aber flinken Schritten, im Sturm zu erobern. Sie ist jetzt Krippenkind.

  • Noch läuft die Eingewöhnungsphase, und natürlich sind die Erzieherinnen noch längst nicht so schnell, wie der kleine Wirbelwind. Aber alle gewöhnen sich aneinander.
  • Das mit den anderen Kindern ist interessant – die verstehen nur nicht auf Anhieb, wenn sie sich mit ihnen über die geliebte große Schwester austauschen will und reagieren auf das Lieblingswort „Nini“ irritiert. Werden sie schon noch lernen.
  • Auch, dass sie besser auf ihre Trinkflaschen aufpassen müssen. „Alles meins“.
  • Essen in der KiTa passt. Spätzle mit Soß? Für Nichte 2.0 bitte Nachschlag …
  • Und ein bisserl sind wir schon verwandt, gleich den ersten Virus hat sie herzlich willkommen geheißen und Magen-Darm mit nach Hause gebracht. Hat sie natürlich mit der großen Schwester geteilt und auch noch den Herrn Papa angesteckt. Ja, so geht Familie.
  • Auch in Franken kann man sich zu Halloween verkleiden – die Kostümauswahl und alle sonstigen Vorbereitungen machen so Spaß – kann man auch großartig die kleinen Kästchen nehmen und Fotos und Videos vom Styling und anschließendem Spielen machen. Einfach drauf rumwischen, soll ich’s dir zeigen? Gib mir das Handy … iiiiich kann das schon.
  • Wir haben einen dritten Hasen, ich helf fleißig mit beim Eingewöhnen. Und beim Füttern und Versorgen gschaftl ich mit wie die Großen.
  • Treppensteigen? Kann ich. Mit links. Runter? Hoffentlich sind die Großen schnell genug …
  • Die unterste Treppenstufe ist nach wie vor beliebter Aufenthaltsort – nicht nur zum Sitzen, da kann man liegen, balancieren, höher klettern, sich austesten – und runter purzeln. Wehtun? Klar, geht auch.
  • Dass auf der Terrasse Kräuter eingetopft sind ist großartig, die kann man großzügig ernten. Und wie schön man die Erde überall verteilen kann. Besser als jedes andere Spielzeug. Und der grüne Daumen kann nie früh genug gefördert werden.
  • Bücherlesen ist auch großartig – wichtig ist, dass mindestens auf einer Seite Kühe vorkommen. Man darf durchaus weiterblättern und andere Tiere anschauen. Dann gehts aber schnell zurück zu den „Muh“.
  • Herbstlaub ist toll, kann man schön aufheben, aufräumen, wieder auf den Boden schmeißen …
  • Im Wagen fahren ist ok – reingesetzt werden dagegen S… großes Geschrei, also laut, wütend, teilweise müssen sogar Tränen fließen. Doof, weils hinterher oft sooooo viel zu lachen und quatschen gibt.
  • Hängerchen sind deutlich beliebter als andere, ebenfalls süße Kleidungsstücke.
  • Das Erbdirndl wurde gefunden, passt aber möglicherweise nicht mehr (lang) …
  • Die Sommerkälbchen-Mitbewohner von Oma und Opa sind ins Winterquartier umgezogen, das verursacht Irritationen. Weil „die kommen nächstes Jahr wieder“ ist für nicht mal eineinhalbjährige schlicht keine adäquate Erklärung.
  • Was, Tante Gigi ist am Telefon? Hörer zu mir. Nicht die langweilige Lautsprechertaste. Ich. Will. Das. Telefon. Damit watschle ich dann rum, wie es die großen machen. Klar sag ich auch was. Was die immer alle wollen, „du musst schon was sagen“. Phhhhh.
  • Mit dem Autofahren, ja, das ist immer noch so eine Sache. Also, wenn alle dabei sind, dann geht’s einigermaßen. Hauptsache die große Schwester, quasi das persönliche Bordentertainment. Aber allein mit Mama oder Papa …? Und dann noch Stau? Das verschlaf ich lieber (also im Idealfall, sonst ist knautschig angesagt und das macht allen anderen keinen, ich wiederhole KEINEN Spaß).

Sonntagsfreude: Sommergefühl

Die Woche hat sich gut angefühlt, obwohl ich eine Jobabsage bekommen hat, die mich wurmt. Weil ich halt kein Mann bin … klar, das hat keiner so begründet, aber es ist offensichtlich. Gut, bin ich nicht, kann ich nicht ändern. Dafür hab ich das schöne Wetter für meine Auszeit gepachtet und gedacht, ich gehe schwimmen. Wie früher, vor dem blöden Sturz, also wenigstens 30 Minuten am Stück. In einem menschenleeren Schwimmbad mit 50-Meter-Becken, vormittags, nachdem ich die Nichte zum Reiten gefahren habe. Ging gut, sogar 45 Minuten, die anschließende Rückfahrt im Auto begann die Hand und dann der ganze Arm zu schmerzen, mit Kühlpack und Kytasalbe geht es seitdem einigermaßen. Gestern früh beim Duschen hab ich mir den Rücken „verrissen“ und mich seitdem auf 0 Bewegung gesetzt. Klappt bei dem Wetter auf einem Liegestuhl im Schatten recht gut. Ein Buch und überhaupt kein Bedürfnis, mich schnell zu bewegen … wie hat eine Freundin so schön geschrieben: wir werden alt. Also körperlich. Na ja. Aber wir wissen durch unser Alter auch, dass es vorbeigehen wird. Und darauf wart ich heute, an diesem Sommer-Sonntag, an dem ich wieder nichts vorhabe, außer schmerzfrei auf meiner Liege im Schatten zu verbringen.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Buch-Tipp: Auf Null

Man merkt, dass das Renovieren irgendwann und hoffentlich dem Ende zugeht. Ich mach jetzt meistens „halb-halb“ Wochenenden: einen Tag rumgschafteln, einen Tag erholen. Sonntag hieß das: Lesen unterm Kastanienbaum. Ein Buch, das mich gefunden hat. Ein Roman, für mich stecken viele, unzählige, durchaus auch von mir immer wieder durchgespielte Gedanken drin. Eine junge Frau ist nicht an ihrer Krankheit gestorben, sondern „kämpft sich“, mit allen Ängsten, zurück in die Normalität. Eine fiktive Geschichte. Eine der unzähligen möglichen Varianten. Der Klappentext: „Im Krankenhaus hat Nina bei Problemen den Notknopf gedrückt. Doch im echten Leben? Gesund – aber nicht geheilt. Das ist Ninas Diagnose nach überstandener Leukämie. Für die Zwanzigjährige klingt das wie: Freu dich bloß nicht zu früh. Ohnehin hat die Krankheit alles verändert. Mit ihrer besten Freundin Bahar ist sie zerstritten, ihr Bruder ist strenggläubig geworden, und Nina würde eher einem Hütchenspieler vertrauen als ihrem eigenen Körper. Dann lernt Nina Erik kennen und ist schneller in ihn verliebt, als ihre Angst vor einem Rückfall es erlaubt. Aber wie soll Liebe funktionieren, wenn einem der Mut zum Leben fehlt? Ein mitreißender, lebenskluger und hinreißend komischer Debütroman.“ Und eine Sequenz musste ich so oft lesen, weil sie vor Augen führt, was für ausgesprochene Gedanken sich Hinterbliebene wie betroffene Kranke anhören müssen: „Jedenfalls eine tolle Frau, da können wir beide uns noch eine Scheibe von abschneiden.“ Ein tiefsinniges Seufzen. „Es trifft eben immer die Falschen.“ Ich weiß jetzt nicht genau, inwieweit sich das „falsch“ auf mich bezieht. War es falsch, dass ich krank geworden bin, oder falsch, dass ich gesund geworden bin …“

Das Buch habe ich in einem Rutsch „verschlungen“, hier kann man ein paar Seiten reinlesen. Warum es mich so fasziniert? Kann mich einem von zahlreichen Kommentaren nur anschließen: was kann die Autorin Catharina Junk schreiben. Ich mag ihren Schreibstil, die Art, wie sie Gedanken laut werden lässt, mag die Traurigkeit und den Humor des Buches, hatte Tränen in den Augen und musste aber auch immer wieder laut loslachen. So muss lesen sein.