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Familienzeit

Als Teil einer Großfamilie ist man an Trubel zu Weihnachten durchaus gewöhnt. Das Schöne am Erwachsensein ist: man bleibt gerne zu Hause, genießt diese Stunden. Ohne Stress, ohne das permanente Gefühl, woanders mit anderen Menschen in einer anderen Umgebung sein zu wollen. Daheim ist ein Wort, das wohl mit den Jahren an Wert gewinnt?

Für meine bezaubernde Nichte und ihre Eltern gilt das nur für den Heiligen Abend, an den Weihnachtsfeiertagen besucht man jeweils Ona und Opa. Ist also unterwegs und on the road. Da gibts dann noch mal Geschenke für alle, die alle vom 3jährigen Geschenke-Chef-Auspacker vom Papier befreit werden wollen. Um die Geschenke selber geht’s dabei gar nicht so sehr, Hauptsache, viel zu tun. Der gestrige Tag war ansonsten himmlisch harmonisch. Nichte und Tante ein eingespieltes Chaos-Team mit vielen kleinen Geheimnissen, die keiner sonst mitbekommt. Was haben wir gezwinkert und gekichert. Der Opa endlich mal voll gefragt, kurz vor dem Mittagessen beim Malen mit Wasserfarben (bleibt angesichts der Interessen meines Papas wohl einmalig und muss deshalb hier unbedingt festgehalten werden) und später im Stall beim Kühefüttern und versorgen. Es gab eine wohlverdiente Ruhepause, denn alle haben den Mittagsschlaf genutzt, um sich vom schweren Festmahl zu erholen. Danach eine kurze Mädelsrunde in die Dorfkirche, Kripperl schauen und ein paar weihnachtliche Liadl singen. Der Herr Papa war zwar auch dabei, ihm wurde aber sehr schnell das Liedbuch weggenommen und der Oma vorgelegt, „du kannst besser singen“. Und ja, gestern haben zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder 4 Frauenstimmen, 3 Sopran und eine glockenhelle Kinderstimme, unsere Dorfkirche zum Klingen gebracht. Und ob Kling Glöckchen Klingelingeling ein Kirchenlied ist oder nicht war mal sehr nebensächlich – V. kann jeden Ton und alle Strophen.

Der Tag war rum wie nix … Viel zu schnell, so schön war die Zeit. In meiner Kindheit war es übrigens auch der erste Feiertag, damals sind wir zu den Großeltern gereist. Wie alle anderen Geschwister meines Vaters nebst Familien auch. Ruhig wars da eher nicht, in meiner Familie väterlicherseits redet „man“, viel und laut. Wir Kinder waren meist schnell wieder raus aus der Küche, Cousinen und Cousins versammelten sich im Wohnzimmer. Spielen, später auch Fernsehen. Highlight des Nachmittags: die Oma-Weihnachtstüte, für jeden der über 20 Enkel identisch befällt, Geld, Nikolaus, Mandarinen, Erdnüsse, Plätzchen. Und die Brotzeit, mit hartgekochten Eiern und Essiggurken. Und danach wollten wir auch nur noch heim. Komisch, aber diese Nachmittage waren auch mal viel zu lang, und manchmal auch ganz schön langweilig ….
Schlimmer war immer der 2. Feiertag, die Einladung zu den Großtanten, Schwestern meiner Oma mütterlicherseits. Da gabs eine ordentliche Kaffeetafel, oft Torte, Kaffee, Kuchen. Wir Kinder mussten leise und gesittet sein – äh ja, genau. Es gab außer nach draußen gehen keine Spiele, und da durften wir nicht in den Dreck, weil sonst geschimpft wurde… Ach, was waren wir froh, wenn Weihnachten endlich rum war? Kaum zu glauben!

Freu mich heute sehr auf den Abend, leckeres Essen (was sonst?) und einen kleinen Kreis liebster Menschen. Weihnachtszeit ist so kostbar!

Dreikönigstreffen

Wenn anderswo Parteifreunde aufeinandertreffen, reden, sich über politische Ideen, Vorschläge und auch sonst so allerlei austauschen kommen bei meinen Eltern alljährlich die Geschwister meines Vaters zusammen. Mit Ehefrau oder Ehemann im Schlepptau. Meine Mutter macht sich schon Wochen vorher daran, Kochbücher zu studieren, die liegen dann wie Prüfungsunterlagen kurz vor Termin mit Einmerkungen solange offen überall verstreut, bis sie sich auf ein Menü festgelegt hat. Das meistens noch ein paar Mal leicht abgeändert wird – zum Beispiel wurde die Anzahl der Beilagen von vier auf dann doch nur drei reduziert. Zwar nur zähneknirschend, aber nach mehrmaligen Hinweisen auf die Thematik des Seniorentellers meinerseits hat sie dann doch klein beigegeben. Und es wurde in diesem Jahr auch tatsächlich keine Suppe oder sonstige Vorspeise gereicht. In den vergangenen Jahren mussten die armen Tanten und Onkel dann doch das ein oder andere mal abwinken, ob der Massen an Nahrungsmitteln, die ihnen da nach den Weihnachtsfeiertagen auf den Teller geladen wurden. Und das findet dann sogar meine Mama schade, wenn was weggeworfen werden müsste …

Auch beim alljährlichenh Familientreffen wird politisiert, es werden Geschichten ausgetauscht … In einer Lautstärke, die kein Kindergeburtstag toppen kann, egal welches Alter, egal wie viele Kinder. Dennoch setze ich mich gerne dazu und höre etwas rein. Schließlich werden gerade bei solchen Anlässen manchmal wahre Schätze der Erinnerung aufgerissen, zufällig erzählt man sich alte Geschichten. Vieles davon kann ich mir dann auch tatsächlich merken. Vieles ist vielleicht heute nicht wichtig, aber später – wenn man nicht mehr fragen kann – dann wüsste man es gerne.

Ich hätte meine Großeltern gerne vieles gefragt, sie hätten sicher nicht alles erzählt, denn die Kriegsgeneration hat über manche Dinge einfach nur geschwiegen. Ich war und bin dennoch neugierig und durchs Zuhören erfährt man auch immer viel über den Erzählenden, über seine Sicht, seine Weltanschauung, die nicht immer die meine sein muss – die aber immer dafür sorgt, dass der eigene Blickwinkel erweitert wird. Insofern: ich werd auch bei den nächsten Driekönigstreffen dabei sein, auch wenns die nächsten Jahre noch lauter werden wird, irgendwie ist das Klingen in den Ohren trotzdem jedes Mal wert!

Sich mal wieder wie 13 fühlen

Darf man, egal wie alt man ist. Macht am meisten Spaß mit einer lieben Freundin. Und am besten haben gerade alle beide Liebeskummer, sind frisch verliebt, schwärmen unsterblich für einen Musiker, Schauspieler, oder oder oder. Ganz wichtig ist: wenn man sich wie 13 fühlt ist nichts peinlich. Man kann gemeinsam lachen, sich alles vorstellen, alles ist möglich, alles kann passieren. Die Welt steht offen, es gibt keine Grenzen, der Phantasie wachsen Flügel. Man fühlt sich unschlagbar. Freundschaften werden für immer geschlossen. Das ganze Leben liegt vor uns, dennoch ist heute wichtiger als alles andere. Das Hier und Jetzt ist so unglaublich groß!
Wieder mal 13 sein ist wichtig, man sollte sich dafür nie zu erwachsen sein, im Gegenteil. Es tut irre gut, öfter mal alles zu fühlen, zu erleben, zu entdecken, wie mit 13.

Einen Vorteil hat es allerdings, sich wie 13 zu fühlen, auch wenn man etwas älter ist: die Elternentscheidungen verlieren an Einfluss 🙂

Zeit im Wald oder Wiesn-Wahnsinn?

In meinem Alter eigentlich gar keine Frage: als Bewohner der Stadt München geht man auf die Wiesn! Von Anfang an, so oft möglich, das ist als Oktoberfest-Fan keine Verpflichtung, sondern viel Spaß! Finde ich auch – aber in diesem Jahr werde ich die Wochenenden konsequent schwänzen! Zum Auftakt bei schlechtem Wetter mit Tausenden vorm Zelteingang quetschen? Bei Regen? Keine Lust! Beim schönsten Herbstwetter im stickigen Zelt, trinken, essen, schreien (sonst hört das Gegenüber nix…)? Nein danke!

Dieses Jahr mach ich’s wie die „alten Münchner“: wenige Male auf die Wiesn, gut geplant mit Reservierung oder spontan abends bei schönem Wetter draußen. Den Rest spar ich mir und meine kostbaren Wochenenden geh ich in den Wald, so wie heute: die Tante samt Patenkind, Eltern, Großeltern. Schwammerl suchen 🙂 Gut, wir haben vor allem Fliegenpilze gefunden, ist aber gut, um zu sagen „die nicht“! Und das Wetter war traumhaft. Und mit Kind im Wald ist toll, das ist echt eine andere Welt. Die Kleine sieht so viel, was wir Erwachsene übersehen. Und sie traut sich so viel zu, ist abenteuerlustig, entdeckt, stöbert…. Macht sooo viel Spaß!
Die Alternative würde heißen mit Großfamilie auf die Wiesn. Würde ihr bestimmt auch Spaß machen, es gibt viel zu sehen, alles bunt, laut, in Bewegung. Bei schönem Wetter gibt’s fuer Kids viel zu entdecken, Karussel, Spielzeug, Süßkram… Nur: braucht eine Zweijährige das? Und kann sie sich später dran erinnern? Wahrscheinlich nicht. Und für uns Erwachsene war der Ausflug in den Wald super erholsam – insofern: hat allen Spaß gemacht. Und nicht nur, als die Oma über einen Baumstumpf gestolpert ist!
Auf die Wiesn komm ich früh genug – und hoffentlich geht’s nächstes Wochenende wieder auf Pilzsuche in den Wald!