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Projekt ABC #B wie Baum

Der aktuelle Buchstabe im Fotoprojekt vom Wortman lautet #B – dazu ist mir einiges eingefallen, ich hab mich beim Blättern in meinem virtuellen Fotoalbum aber für B wie Baum entschieden:

Einmal mag ich Bäume in jeder Form sehr gerne, sie sind eines meiner liebsten Bildmotive. Als Objekt oder als Bestandteil. Bäume, Wald, ein Ast, ein Hintergrund … Dann fasziniert mich dieser Apfelbaum aber in den letzten Jahren besonders. Er steht in meiner Nachbarschaft in einer Wiese, die jetzt seit vielen Jahren von einer Kuhherde bevölkert wird. Im Frühjahr treibt er, obwohl er so knorrig ist, meist eine schöne Blüten- und Blätterpracht aus, so dass die Tiere in den späteren heißen Monaten tatsächlich seinen Schatten suchen. Viele Menschen bleiben beim Spazierengehen oder Radfahren stehen und bewundern die Kühe und Kälber. Den Apfelbaum dagegen beachtet kaum jemand – außer, wenn die Kühe sich zur Mittagsruhe drum herum gruppieren … Ob er viele Äpfel trägt kann ich nicht sagen – aber er lebt, Jahr für Jahr. Und wenn ich ihn so ansehe, dann macht er die Bilder besonders.

Regenschutz kann er auch …

Dorfleben an einem Sonntagvormittag

Wer regelmäßig mitliest weiß, dass ich meine Wochenenden auf dem elterlichen Bauernhof sehr genieße. Da ist es meist schön ruhig und erholsam. Wobei, dieser Sonntag vormittag wird unvergessen bleiben. Gegen halb 10 Uhr klingelte das Telefon, dran eine Nachbarin. „Ihr müsst mal auf der Weide nach dem Rechten schauen, sieht so aus, als ob eine ausgebüchst ist …“. Sie konnte gar nicht aussprechen, so schnell waren meine Brüder und ich aus dem Haus.

Tatsächlich graste die Ausreisserin friedlich im Garten des anderen Nachbarn. Bis wir kamen – dann trabte der Kuhteenager, erst ganz langsam, dann immer schneller davon. In die Freiheit, denn oberhalb der Weide ist meilenweit Ackerland und Wald. Erst mal blieb sie noch in der angrenzenden Stillegung stehen, um von den köstlichen Kräutern zu naschen. Als wir sie auch dort wieder fast eingekreist hatten machte sie sich in wilden Bocksprüngen auf und davon …

Hui, zum Glück brüllten die beiden zurückgebliebenen Pubertiere ganz laut nach der Nummer 3, sodass sie doch nicht in die große weite Welt mit gefährlichen Straßen und noch viel gefährlicheren Fahrzeugen davongelaufen ist, sondern über den Feldweg zurückgaloppiert kam. Wir konnten sie durch Nachbars und unseren Gemüsegarten (übrigens mitten durch Mutterns Tomatenhäusl-Spezialkonstruktion) irgendwann in eine Weidefläche treiben. Große Erleichterung, sie ist unverletzt, wir auch.

Das Loch im Weidezaun ist längst repariert – und sehr schnell war auch wieder Strom drauf. Das war nämlich eigentlich die Ursache, dass die junge Dame überhaupt türmen konnte. Normalerweise lernen die Weidetiere, dass sie die Nase nicht durch den Zaun stecken sollten, um draußen zu schnabulieren – wenn aber natürlich seit Tagen keine Elektrik  drauf ist, funktioniert das Gelernte schnell nicht mehr.

Jetzt ist es bei uns ja familiär immer so, dass keiner schuld gewesen ist. Also hat „keiner“ den Stromstecker gezogen. Und nicht mehr eingesteckt. Vor allem der nicht, der Mitte letzter Woche die eine Weidefläche abgemäht hatte und dazu alles ausgesteckt hatte … der saß Sonntag vormittag, wie es sich für männliche Dorfbewohner im besten Alter gehört, beim Frühschoppen und hat den ganzen Spaß verpasst. Na gut, die Nachbarn werden ihm sicher erzählen, wie seine Familie der Kuh nachgejagt ist … zum Glück waren wir alle grad da, weil ob meine Eltern das allein bewältigt hätten?