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Sonntagsfreude: Der Morgen danach

Was für eine Nacht: wie alle 80 Millionen, die hinter Jogis Jungs stehen, hab ich gestern kurz vor Mitternacht den Nervenkrimi mit einem Jubel abgeschlossen, und mit Herrn Buffon ein Tränchen verdrückt. Da schlagen in meiner Brust bekanntlich 2 Seelen. Auch wenn ich mit der aktuellen italienischen Nationalmannschaft nicht warm werde, es steckt eine alte Tradition, quasi eine uralte Liebe für den Fußball der Gli Azzurri drin. Und dennoch habe ich mich so gefreut – gut, äh, nicht ganz so, wie mein Bruder und seine Kumpels, deren überschäumende Freude sie heute morgen nach einem rauschenden Fest noch im Hof lautstark über Taktikänderungen diskutieren ließ. Bin nach wie vor nicht sicher, ob ich nicht doch den ARD-Experten Herrn Scholl rausgehört habe? Nach einem gemeinsamen Kaffee, der die Truppe schließlich doch schläfrig stimmte, war für mich an Einschlafen leider nicht mehr zu denken, denn seit 6 Uhr fährt hier eine Rennradgruppe nach der anderen vorbei, alle laut diskutierend. Ob die sich auf Abwegen von der Tour de France befinden?

img_4489Genug gegrübelt, das hat mir Zeit gegeben, mich über den unerwarteten Sonnenschein zu freuen, der durch die mit Plastikfolie verhüllten Fenster ins Haus fällt. Und nach endlich-mal-wieder-in-andere-Bligs-Reinlesen war ich eine Runde ums Haus drehen, der Putz muss aus allen Richtungen bestaunt werden. Und fotografiert. Zum Glück hat der Regen nicht zu viel Schaden angestellt. Das wird ganz schön schön. Ich freu mich. So sehr.

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita.

The times they are a-changing

Gibts hier Bob Dylan Fans? Ich gehöre jetzt nicht so klassisch dazu. Mir gefallen manche seiner Werke, aber er stünde keinesfalls auf der Liste meiner bevorzugten Musiker. Und trotzdem hab ich vor ein paar Wochen fasziniert dem Backstage-Talk rund um „Den Mythos Bob Dylan“ gelauscht. Zugehört, wie ein Musiker, Regisseur und Komponist (und noch so vieles mehr in einer Person), ein Hauptdarsteller, ein Musikjournalist und ein Autor, vor allem aber Fan, wie sich also 4 Männer mit einem jeweils ganz unterschiedlichen Zugang über Leben, Werk und Interpretationen des „größten“ Singer-Songwriters ausgetauscht haben. Und ich gebe zu: Feuer gefangen, denn was da zur Show erzählt wurde, die nächste Woche München-Premiere feiert, das hat mich neugierig gemacht. 20 Songs, gar nicht mal die bekannten Dylan-Klassiker, an einem Abend. Und Darsteller Florian Hertweck, der alles andere als ein Musical-Sänger ist, auch gar nicht versucht, wie Bob Dylan zu klingen, sondern sich seinen eigenen Weg gesucht hat, die Stücke zu interpretieren. Die Kostproben waren richtig gut, deshalb werd ich nächste Woche eine Aufführung besuchen und mir selbst meine Meinung bilden. Wer noch Interesse hat: vom 29. Juli bis 2. August. Weitere Infos gibts hier.

Ausflug ins Mittelalter

©meinesichtderwelt - Burg Trausnitz vom Zehrplatz aus
©meinesichtderwelt – Burg Trausnitz vom Zehrplatz aus

Im Mittelalter gabs noch kein Krimi-Dinner – dafür zahllose, zum Teil recht züggellose Bankette. Und sicherlich den ein oder anderen Kriminalfall. Ob die immer aufgeklärt wurden? Am vergangenen Wochenende durfte ich das kombinierte Weihnachts- und Geburtstagsgeschenk der Patenkinderfamilie einlösen: einen Abend mit Schauspiel und Festmahl auf meiner Lieblingsburg in der schönsten mittelalterlichen Stadt. An einem herrlichen Frühlingsabend erstrahlt die Trausnitz für uns im Sonnenuntergang mehr als einladend, die Vorfreude der Gäste im Burghof ist förmlich spürbar. Das Schauspiel beginnt, denn schon erschallen laute Rufe, ein Barde spielt. Es sind einheimische Mimen, die sich in Kämmerer, Hauptmann, Tuchändlerin, untreue Ehefrau, Mundschenk, Koch oder Wachmann aus längst vergangener Zeit verwandeln. Und der von mir sehr geschätzte Landshuter Schriftsteller Richard Dübell, der erst den Ermordeten darstellt, um später als Peter Bernward in „Colombo-Manier“ den Fall zu lösen.

Mysterium Criminis, der Fall fordert zum Mitdenken auf. In die Handlung integriert etwas mittelalterliche Geschichte und die Räumlichkeiten der herzoglichen Burg. Die Gäste werden zur kaiserlichen Delegation, die beim festlichen Bankett ein 4-Gang-Menü genießt – köstlich. Unvergesslich die Szenen auf dem Söller – hoch über den Dächern der Stadt, mit einem einmaligen Blick über die beleuchtete Alt- und Neustadt; auf Augenhöhe mit dem Turm der Martinskirche, der aus dieser Perspektive noch beeindruckender ist. In der Burgkapelle, in den Gewölben … Aufgeklärt wird der Fall schließlich rund um das festliche Bankett in der Burgschänke. Ganz ehrlich, es hat großen Spaß gemacht, das Schauspiel, aber auch das Zusammensein mit so vielen begeisterten/begeisterungsfähigen Menschen. Die Aufklärung des Falls sei hier nicht verraten, nur soviel: einmal mehr ein Lehrstück, dass es nie zu früh für aufmerksame Beobachtung ist … Ach ja, Aufnahmen sind nicht erlaubt, deshalb hier nur ein Bild der geliebten Trausnitz.