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Das mit den Wimpeln

Beinahe wär da was ziemlich schiefgelaufen mit dem so wichtigen stimmigen Bild der Landshuter Hochzeit, haben doch die Männer des Aufbauteams tatsächlich eine Wimpelkette falsch befestigt. Und nun dürfen alle LaHo-Freunde sich bei meiner alten Freundin S. Bedanken. Ihrer Aufmerksamkeit plus der akribischen Foto-Dokumentation samt beherzter Sofort-Aktion ist zu verdanken, dass die Herren ihren Irrtum sofort korrigieren konnten.

Gut, sie musste sehr schnell sein, ein A4-Ausdruck in Farbe war notwendig und sie musste schon recht eindringlich bei den muskelbepackten Arbeitern vorsprechen. Nicht ganz einfach für ein so kleines zierliches Geschöpf. Schließlich haben die Herren alles nach Plan gemacht. Aber nach mehrmaligem Stirnrunzeln, Augen zusammenkneifen und aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: beide Hubwagen zurückgesetzt und die Wimpel korrekt angebracht.

Man stelle sich das Ausmaß vor, wär das nicht entdeckt worden: Tausende hätten irritiert nach oben geblickt, wo eine Wimpelkette zu tief und einfach vollkommen aus der Reihe getanzt wäre. Das hätte schlicht die gesamte Optik der sonst so wunderbaren Bilder gestört. Also an dieser Stelle für so viele: von Herzen Dankeschön. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte sie nicht so beherzt eingegriffen …

Der in seinem Büro arbeitende Hausherr hat von der drohenden Gefahr übrigens außer lauten Schreien und Flüchen sowie eifrigem Rennen hin und her erst nach Beseitigung des drohenden Übels erfahren: „Da war keine Sekunde Zeit, ich musste dringend handeln, statt reden …“ Wie wahr!

Beim folgenden Kontrollgang durch Alt- und Neustart wurden keine weiteren Mängel festgestellt und per Foto-Dokumentation „quasi“ abgenommen. Die Förderer können froh sein über so aufmerksame Anwohner … auch wenn ganz bestimmt ein gaaaaaanz klitzekleines Eigeninteresse mit im Spiel war, hätte die falsch gehängte Wimpelkette doch tatsächlich den freien Blick der Freunde auf die eine Seite der Altstadt verhängt und damit die Fotofreude arg getrübt.

 (alle Bilder: stilgericht.com)


Durchhalten

 Habe einen interessanten Gedanken gelesen: selten haben Menschen mehr To-Do-Listen, mehr zu kochen, zu backen, einzukaufen, zu planen, zu organisieren, als in den Wochen vor Weihnachten. Noch mal putzen, festlich dekorieren, beliebig viele Plätzchensorten, das Menü für die Festtage, die Silvesterparty, ….und dann wären da noch die Geschenke für die Liebsten. Und noch ein paar berufliche Kleingkeiten, Jahresabschluss, Planung, Weihnachtsfeier. Arztbesuche. Alles ganz schön viel für die sogenannte „stade Zeit“. 

In meinem Fall hab ich meinen zweiten vorweihnachtlichen Urlaubstag. Auch ich habe Pläne und viel vor. Zum Glück spare ich mir den üblichen vorweihnachtlichen Stress, in diesem Jahr wird es weder Weihnachtspost noch Geschenke geben. Ich hoffe, das enttäuscht niemanden. Aber mir ist gerade wichtiger, dass wir bald keine Baustelle mehr haben. Und zum Glück empfinde ich körperliche Arbeit als äußerst entschleunigend und meditierend. So fällt mir das Durchhalten nicht gar so schwer. 

Was heute nur wirklich nervt: all die kleinen Haken, Schrauben, Aufsätze und so viel mehr, die beim Umzug der Eltern ganz logisch in Kisten verpackt wurden, um hinterher einfach und systematisch auffindbar und einsetzbar zu sein, wurden irgendwann in der Übergangswohnung mal von irgendwem ausgepackt und nicht mehr sehr logisch irgendwohin geräumt. Und jetzt find ich nix. Und suche und suche, statt Schritt für Schritt wieder „aufzubauen“. Grummel.

Das mit mir und dem öffentlichen Nahverkehr

20140805-092812-34092910.jpgIch fahre gern Auto. Am liebsten würde ich vor allem dann gerne Auto fahren, wenn das aus Gründen nicht möglich ist – wie vergangene Woche, als der kleine Franzose in der Werkstatt war. Nicht deshalb, weil es keine Alternativen gibt. Sondern schlicht, weil der öffentliche Nahverkehr und ich keinen guten Draht zueinander aufbauen. In meiner Schulzeit gab es keine Alternative zum Schulbus. Täglich 45 Minuten einfache Fahrt. Da meine Station die erste auf dem Schulweg war konnte ich mir zumindest einen genehmen Sitzplatz wählen. Später im Studium war ich ebenfalls auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen, oft ohne Sitzplatz. Seitdem ich arbeite bevorzuge ich, vor allem frühmorgens allein mit mir und meiner Musik in der schützenden Umgebung meines Autos zu sein. Ich mag noch nicht reden, mag noch niemanden beachten müssen.
Konkret musste ich letzte Woche meinen Arbeitsweg von München aus koordiniert bekommen. Und war wirklich positiv überrascht, wie gut die Netzabdeckung durch Bus und Bahn ist. Mit den Öffentlichen dauert mein Arbeitswegs mit mindestens 2 x Umsteigen etwas über 90 Minuten, wenn alle Anschlüsse klappen. Zum Glück habe ich Arbeitskolleginnen, die mich mehrmals mitnehmen konnten. Denn durch die Mitfahrgelegenheit spart man doch deutlich Zeit.
Was mir wieder aufgefallen ist: Fahrpläne und vor allem der benötigte Tarif stellen mich als Wenig-Nutzer vor ein Rätsel. ich kann nur mutmaßen, dass ich die richtigen Tickets hatte, denn auf Fragen habe ich von verschiedenen Mitreisenden sehr unterschiedliche Tipps erhalten … Dann war ich mehrfach schneller unterwegs, als laut Fahrplan, weil ich oft sogar mehr als eine Verbindung überspringen konnte? Oder die angegebenen 5 Minuten Fußweg weniger als eine Minute gedauert haben?

Fazit: Es hat alles funktioniert – und ich bin sehr froh, dass ich jetzt wieder Autopendler bin.

Anekdote: Auf der letzten Zugfahrt Richtung Werkstatt saß ich neben einer Familie, Großeltern, Mama und 3 Mädels, die mit reichlich Gepäck unterwegs in die Ferien waren. Sie zeigten beim Schaffner ein Bayernticket für 5 Personen vor – und ein Schuljahreszeugnis. Denn: wer da eine Eins drin stehen hat darf kostenlos die Regionalzüge der Bahn nutzen. Eigentlich galt das nur am ersten Ferientag, aber der Schaffner hat ein Auge zugedrückt.

 

Das Ding mit der Kontrolle

Jeden Montag gehe ich mit der Schwimm-Ute zum Sportprogramm ins Bad. Und falls ich früher dran bin sitze ich zum Warten inmitten von Schwimm-Müttern. Ich bewundere diese tiefenentspannten Mamas. Die ihre gesamte Kinderschar anziehen, sammeln, abfüttern, fertigmachen, quatschen. Und das alles scheinbar mit endlos Zeit und vollkommen tiefenentspannt. Da sitzt eine Mama von 3 Mädels im Alter von „Ich-kann-zwar-schon-laufen-bin-aber-noch-etwas-wacklig-und-falle-ständig-um“ bis neunmalkluges Vorschuldkind. Die 3 toben nach dem Schwimmen mit ihren Freunden aller Altersklassen um die Wette – alle haben so viel Energie, als ob sie nicht vorher schon einen Schwimmkurs gemacht und sich da kräftig körperlich bewegt hätten. Die Mama sitzt neben mir auf der Bank, packt in aller Seelenruhe Taschen, Obst und Getränke  für die kleinen Raubtiere, hin und wieder holt sich eine einen Happen. Und überlässt sie ansonsten ganz sich selbst.

Die Jüngste wackelt noch unsicher, steckt auch mal fest, befreit sich aber immer wieder selber. Grinsend erobert sie neben mir die Treppe, purzelt, rappelt sich selber wieder auf. Ihre Mutter? Grinst mich an. Und die Kleine lernt, dass sie das ohne Mama schaffen kann. Die Kids wirbeln schon ganz schön wild, der ein oder andere Sturz tut ordentlich weh.  Die Mama konzentriert sich in der Zwischenzeit auf andere Dinge. Und vermittelt dadurch ein Gefühl von: ich vertraue drauf, dass ihr klarkommt. Oder kommt, wenn ich euch helfen muss. Hat was, ich bewundere diesen relaxten Umgang mit Kontrolle. Was würde es schon helfen, wenn die Mama hinter den Kindern herflitzen würde und sie vor allem bewahrt? Klappt ja doch nicht. Und je eher sie lernen, was geht und was nicht, desto besser.  Oder?