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Spruch zum Wochenende: Kritik

Ich möchte mich heute und auch in Zukunft nicht zum Brexit äußern, der mich gedanklich aber sehr beschäftigt. Deshalb ein kleiner Gedanke aus den vergangenen Tagen:

Ja, ich bin Gutmensch, habe tatsächlich aus dem Herzen heraus Mitleid, auch mit Superstars, die Millionen im Fußball verdienen. Die sich manchmal menschlich, öfter auch kindisch genannt, verhalten. In diesen Tagen sind selbst Couch-Potatoes nicht um ein vernichtendes Urteil verlegen. „Bringt keine Leistung“ ist da sicher noch eine sehr harmlose Variante der konstruktiven Kritik … Ich mag gute Fußballspiele, zittere oft mit. Und bin in meinen EM-Studios auch leidenschaftlich dabei, würde mir sicherlich öfter eine eierlegende Wollmilchsau aka verlässlicher Goalgetter wünschen. Und trotzdem hab ich Verständnis, dass es auch mal nicht klappt. Man(n) nicht mit dem Ergebnis zufrieden ist, ungläubig staunt, dass trotz des persönlichen Einsatzes kein Erfolg dabei rumkommt … Und mag den kleinen Herrn Götze, der zu Kritik den so treffenden und durchaus philosophischen Spruch „Mal ist man der Hund, mal ist man der Baum.“ gesprochen hat …

Eben entdeckt: eine Kolumne über das THEMA Wetter

Bin eben auf der Suche nach etwas ganz anderem über diese Kolumne gestolpert, musste sie lesen, nicken und dann auch gleich weiterempfehlen … Wie schön, dass mal jemand außer mir sich wundert, wie aggressiv sich Menschen rund um dieses Thema „entladen“ können. Meistens ja nicht wirklich über das Wetter, sondern über die Einstellung, Ansichten, das Empfinden, die Tendenz der Mitmenschen. Zitat aus der Kolumne:

„Irgendwann bleibe ich bei den Wetterprognosen hängen. Und staune. Es gibt tatsächlich Leute, welche Artikel übers Wetter, über Aussichten und Tendenzen, kommentieren. Da schreibt einer: «Zum Glück ist diese Affenhitze endlich vorbei!» Postwendend kontert ein anderer in gereiztem Ton: «Affenhitze? Die paar warmen Tage haben bei Ihnen wohl einen Sonnenstich ausgelöst! So himmeltraurig war der Sommer noch nie bei uns!» Das lässt jenen, der irgendwo auf einer Kanareninsel hockt, natürlich nicht kalt: «Was regt ihr euch so auf? Hier haben wir immer noch dreissig Grad und ihr in der Schweiz habt doch gar nichts anderes verdient, als Schnee und Regen!» Wie muss man das jetzt verstehen? Hockt dort auf Teneriffa ein Deutscher, der in irgendeinen Steuerstreit mit uns verwickelt ist? Oder warum findet er, dass wir Schweizer nichts Besseres als Sintfluten verdient haben?
Wie dem auch sei: Die Diskussionen übers Wetter spiegeln irgendwie die Lage der Nation. Was da an Aggressivität, Schadenfreude oder Gejammer ausgetauscht wird, nur weil es entweder zu heiss oder zu kalt, zu nass oder zu trocken ist, ist unglaublich. Nach der Lektüre der unzähligen Kommentare zum Artikel «Der Herbst ist da», staune ich einmal mehr über uns Menschen. Sind wir wirklich so elend beieinander, dass wir uns darüber ärgern können, dass einer Hitze mag und ein anderer Schnee schön findet. Die Tonalität der Kommentare ist dermassen von Wut geprägt, dass ich mich frage, ob die Leute jetzt wirklich böse aufs Wetter sind oder einfach ein Ventil brauchen, um ihren gesamten Lebensfrust loszuwerden. Denn was ändert das schon, wenn wir zu jeder Wettertendenz gleich rote Köpfe und dicke Hälse haben?“

Komplett nachzulesen unter http://www.wochen-zeitung.ch/index.asp?RubrikID=6&ArtikelID=32115

Danke an Verena Zürcher, die Kolumnistin, denn jetzt weiß ich, dass sich in der Schweiz auch jemand weniger Gedanken über das Wetter an sich, dafür aber um die oft so unerwarteteten Reaktionen darauf macht.

Und mal ganz ehrlich: muss man sich echt über etwas aufregen, das man nicht ändern kann? (Frage ich bei strahlend blauem Himmel mit ein paar Wolken und freu mich, dass die Vorhersage für die nächsten Tage positiv ist 🙂 …)