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Sonntagsfreude: Verlässlichkeit

Es gibt da noch eine kleine Geschichte nachzuliefern, die sich um den Gesang bzw. die Musik dreht. Das ist über vielen Vorbereitungen fast etwas in den Hintergrund getreten. Die Tage vorher war weder Raum noch Zeit für Stimmübungen … am Vortag war ich mit der bezaubernden Nichte in der Kirche, um die Buchskranzerl aufzuhängen, da hab ich etwas „geträllert“. „Coco, das hört sich voll komisch an …“

Naja. Am Hochzeitsmorgen gabs so viel zu tun, da war nicht eine Sekunde, in der ich nervös werden konnte. Wobei es dann noch richtig turbulent wurde, denn die Fotografin hat mich kurzerhand für ein Shooting der Accessoires aus meinem Zimmer ausquartiert. Doof, denn ich musste meine 7-Sachen zusammensuchen, die Strumpfhose ist und bleibt seitdem spurlos verschwunden und für ohne war’s definitiv zu kühl…

Durch die ungeplante Veränderung und die Suche kam mein Zeitplan durcheinander, ich kam ungekämmt und ungeschminkt 10 Minuten zu spät, aber – anders als in meinem Traum – mit allen Noten in der Kirche an. Ein paar Rescue-Tropfen später war ich so weit. Und nach einem erstmaligen Durchspielen mit der Querflötistin später haben wir schon den Pfarrer vor uns stehen, noch mal kurz Durchsprechen – und los geht’s.

Ich habe mir das schwerste Stück an den Anfang gelegt, das Kyrie aus der Schubert Missa in G. Solistisch. Es fehlen Facetten, die in anderen Stimmen oder der Instrumentierung liegen, aber mir gefällt es auch für Solo-Sopran sehr gut. Lief gut, am besten kam wie erwartet das selbstkomponierte Stück einer Freundin an, der Text stammt aus dem 1. Brief an die Korinther. Wir haben „Das Hohe Lied der Liebe“ im Wechsel aufgeführt: Singstimme und Querflöte übernehmen abwechselnd das Motiv. Hat gut geklappt. Während der Kommunion dann das Pater Noster von Mensing – eine sehr eingängige Singstimme, die Begleitung ist an einigen Stellen na ja, da hatten wir bei der letzten Probe schon etwas variiert. Und zum Schluss abwechselnd solistisch und Volksgesang „Segne du Maria“.

Ich war mit mir und meiner Stimme zufrieden. Das Feedback hab ich auch fast durchwegs aus der Hochzeitsgesellschaft bekommen. Auf jeden Musiker wartet natürlich auch Kritik, die kam dankenswerterweise von Mutter und Schwester. Denen das anspruchsvollste Stück, das Kyrie, nicht gefallen hat. Hab ich technisch am besten gesungen … insofern lass ich es einfach mal so stehen. Und ich bin von Herzen froh über mein fehlendes Diven-Gen. Das wird Sängerinnen ja zu gerne angelastet. Für die nicht stattgefunden Ruhe vor dem Auftritt plus mangelnde Routine hab ich schon ziemlich gut abgeliefert. Und Punkt.

Ob ich, wie vom kleinen Bruder schmunzelnd bemerkt, die doch recht stressige Karriere der Hochzeitssängerin wieder aufnehmen werde? Kommt in der Tat auf Faktoren wie Zeit und Lust an. Wir werden sehen. Aber ich bin und bleibe ein kleines bisschen stolz, die musikalische Umrahmung einer Trauung ist ein sehr persönliches Geschenk, sehr einmalig und besonders.–

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„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.

Gute Gene?

Oder ist doch der Lebensstil mit dafür verantwortlich, dass manche Menschen unwahrscheinlich attraktiv älter werden, andere eben nicht?

Sonntag abend saß ich im Konzert, ganz hinten, um gut zu hören und einen guten Blick zu haben. Ich war früh dran und hatte Zeit, ausgiebig das bunte Treiben um mich herum zu beobachten. Da kommt eine Frau auf mich zu, die ich seit vielen Jahren kenne. Ich hatte vergessen, dass sie im Ort wohnt. Und beim Anlächeln denke ich so: wow, dir sieht man deine mittlerweile mindestens 70 Jahre nicht an. Aber gar nicht. Immer noch dunkles, dichtes Haar, zum kunstvollen, aktuell äußerst modernen Dutt gesteckt. Eine gute Figur zu einer aufrechten Haltung, zeitlos klassisch dein schwarzes Shirt mit gut sitzender Hose. Dazu eine Jacke in der Signalfarbe rot. Dezentes Make-Up. Wow!

Sie unterhielt sich dann mit der vor mir sitzenden Dame, gleiches Alter, alte Freundinnen. Die trug einen langen geflochtenen Pferdeschwanz, schlohweiße, aber dicke Haare. Bequeme Jeans, einen hellen Strickpulli, legere Sitzhaltung. Wie ich hatte sie sich eine Beobachterposition ausgesucht, um in Ruhe die Menschen anzuschauen. Im Gespräch der beiden war eine Lebhaftigkeit in alle Richtungen, so durfte ich immer wieder einen Blick auf ihr Gesicht werfen: was für eine Haut, Lachfältchen, aber sonst keine noch so winzige Alterserscheinung festzustellen. Keinerlei Make-Up, alles echt. Wow. Und was für ein ansteckendes Lächeln in den blitzenden Augen. Wow!

Gute Gene? Ein guter Jahrgang? Gute Umgebung? Gutes Leben? Egal, eine bewundernswerte Ausstrahlung. So wie die zwei möcht ich mit 70 unterwegs sein, mich in meiner Haut sichtlich wohlfühlen und das Leben in vollen Zügen genießen.