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Paula und die Pusteblume: Vorlese-Geschichten aus der Nachbarschaft

Heute Nachmittag schaut Paula den Nachbarmädels beim Spielen zu. Die Große rennt mit ihrem Fotoapparat durch den Garten. Immer wieder muss die kleine eine Blume in die Hand nehmen und pusten. Das schein den beiden großen Spaß zu machen, sie lachen und streiten gar nicht, wie sonst oft. Irgendwann meint die Große: „…und jetzt darfst du dir was wünschen – also erst was wünschen und dann pusten. Dann geht der Wunsch in Erfüllung!“

„Echt?“ Die kleine Schwester ist ganz begeistert und ruft laut: „Iiiich wünsch mir, dass die Ausgangsbeschränkungen vorbei sind und ich wieder alle treffen darf, Familie und Freunde …“ und sie pustet und pustet, bis alle kleinen Flugschirme in alle Richtungen davonfliegen.

Oh, das ist ein schöner Wunsch. Das will Paula auch. Sie hüpft durch ihren Garten und bei jeder Pusteblume pustet sie und pustet und pustet … schließlich legt sie sich erschöpft in die Nachmittagssonne und schläft ein bisschen. Als sie aufwacht hört sie, wie Herrchen und Frauchen sich unterhalten. Karin erklärt Andi: „Also, man darf die Familie wieder besuchen, und Freunde darf man auch treffen. Und ein paar Klassen dürfen wieder in die Schule gehen …“

So schnell können Wünsche in Erfüllung gehen. Hach. Paula saust lächelnd und mit fliegenden Ohren zum Gartenzaun. Auch dort führen zwei einen Freudentanz auf. Auch wenn sie selbst nicht in die Kita darf, die sie sehr vermisst, die kleine Schwester freut sich mit der Großen über ein bisschen Normalität.

„Fließend“ Homeoffice

Während Nichte 3.0 geboren wurde war ich da, damit 1.0 und 2.0 „normalen“ Alltag hatten. Aktuell bedeutet das, dass 2.0 nicht in die Kita oder zum Spielplatz darf, die große Schwester darf nicht in die Schule oder sich mit Freunden treffen. Beiden fehlt das, so richtig. Die jüngere macht das Beste draus, spielt im Sekundentakt was anderes und braucht immer das, was gerade verräumt ist. Oder sie geht schaukeln, schaukeln geht immer und stundenlang – aber das klappt dummerweise noch nicht allein. Da brauchts eine Anschubserin. Jetzt.

Die Große hat eine tolle Lehrerin, die für die Viertklässler ein Wochenprogramm erstellt hat, das sie „selbstorganisiert, bearbeiten können. Sie soll schließlich, auch wenn grad keine Normalität herrscht, zumindest ein paar Stunden für die Schule lernen.

Fragt man die jetzt ja mittlere nach hören großen Schwester, dann erklärt sie fließend, dass „Noni“ (ja, auch die Namen ändern sich) im Homeoffice ist. Ob die im Büro im obersten Stockwerk wirklich nur schulisches tut? Hm. Tja. Ich würde mal diplomatisch sagen: auch. Wobei jede Ablenkung hochwillkommnen ist. Und am Allerliebsten nehmen beide großen Schwestern grad „ihr“ Baby in den Arm. So geht Geschwisterstolz.

… Auch wenn der Lagerkoller immer nur ein paar Zentimeter entfernt scheint, im Großen und Ganzen wissen die zwei ihr Zuhause schon sehr zu schätzen. Immerhin hat die bezaubernde Nichte ohne jeglichen erwachsenen Impuls festgestellt, wie gut es ist, Haus und Garten zu haben. „Coco, stell dir mal vor, wir hätten nur eine winzig kleine Wohnung, ohne Balkon …“. Ja, das wäre in der Tat was ganz anderes. Und schon erkennt eine 9jährige, dass Dankbarkeit, für das was ist, angebracht ist, statt sich nach etwas zu sehnen, was man nicht braucht.

1.05

Da ist er also, der Monat, in dem Nichte 2.0 loszieht, das Leben mit noch kleinen, aber flinken Schritten, im Sturm zu erobern. Sie ist jetzt Krippenkind.

  • Noch läuft die Eingewöhnungsphase, und natürlich sind die Erzieherinnen noch längst nicht so schnell, wie der kleine Wirbelwind. Aber alle gewöhnen sich aneinander.
  • Das mit den anderen Kindern ist interessant – die verstehen nur nicht auf Anhieb, wenn sie sich mit ihnen über die geliebte große Schwester austauschen will und reagieren auf das Lieblingswort „Nini“ irritiert. Werden sie schon noch lernen.
  • Auch, dass sie besser auf ihre Trinkflaschen aufpassen müssen. „Alles meins“.
  • Essen in der KiTa passt. Spätzle mit Soß? Für Nichte 2.0 bitte Nachschlag …
  • Und ein bisserl sind wir schon verwandt, gleich den ersten Virus hat sie herzlich willkommen geheißen und Magen-Darm mit nach Hause gebracht. Hat sie natürlich mit der großen Schwester geteilt und auch noch den Herrn Papa angesteckt. Ja, so geht Familie.
  • Auch in Franken kann man sich zu Halloween verkleiden – die Kostümauswahl und alle sonstigen Vorbereitungen machen so Spaß – kann man auch großartig die kleinen Kästchen nehmen und Fotos und Videos vom Styling und anschließendem Spielen machen. Einfach drauf rumwischen, soll ich’s dir zeigen? Gib mir das Handy … iiiiich kann das schon.
  • Wir haben einen dritten Hasen, ich helf fleißig mit beim Eingewöhnen. Und beim Füttern und Versorgen gschaftl ich mit wie die Großen.
  • Treppensteigen? Kann ich. Mit links. Runter? Hoffentlich sind die Großen schnell genug …
  • Die unterste Treppenstufe ist nach wie vor beliebter Aufenthaltsort – nicht nur zum Sitzen, da kann man liegen, balancieren, höher klettern, sich austesten – und runter purzeln. Wehtun? Klar, geht auch.
  • Dass auf der Terrasse Kräuter eingetopft sind ist großartig, die kann man großzügig ernten. Und wie schön man die Erde überall verteilen kann. Besser als jedes andere Spielzeug. Und der grüne Daumen kann nie früh genug gefördert werden.
  • Bücherlesen ist auch großartig – wichtig ist, dass mindestens auf einer Seite Kühe vorkommen. Man darf durchaus weiterblättern und andere Tiere anschauen. Dann gehts aber schnell zurück zu den „Muh“.
  • Herbstlaub ist toll, kann man schön aufheben, aufräumen, wieder auf den Boden schmeißen …
  • Im Wagen fahren ist ok – reingesetzt werden dagegen S… großes Geschrei, also laut, wütend, teilweise müssen sogar Tränen fließen. Doof, weils hinterher oft sooooo viel zu lachen und quatschen gibt.
  • Hängerchen sind deutlich beliebter als andere, ebenfalls süße Kleidungsstücke.
  • Das Erbdirndl wurde gefunden, passt aber möglicherweise nicht mehr (lang) …
  • Die Sommerkälbchen-Mitbewohner von Oma und Opa sind ins Winterquartier umgezogen, das verursacht Irritationen. Weil „die kommen nächstes Jahr wieder“ ist für nicht mal eineinhalbjährige schlicht keine adäquate Erklärung.
  • Was, Tante Gigi ist am Telefon? Hörer zu mir. Nicht die langweilige Lautsprechertaste. Ich. Will. Das. Telefon. Damit watschle ich dann rum, wie es die großen machen. Klar sag ich auch was. Was die immer alle wollen, „du musst schon was sagen“. Phhhhh.
  • Mit dem Autofahren, ja, das ist immer noch so eine Sache. Also, wenn alle dabei sind, dann geht’s einigermaßen. Hauptsache die große Schwester, quasi das persönliche Bordentertainment. Aber allein mit Mama oder Papa …? Und dann noch Stau? Das verschlaf ich lieber (also im Idealfall, sonst ist knautschig angesagt und das macht allen anderen keinen, ich wiederhole KEINEN Spaß).

Kinderfasching

Wenn ich zurückdenke komme ich immer noch ins Schwitzen: Samstag war ich mit meiner Nichte im Kita-Fasching. Krass. Mir fällt kein anderes Wort dafür ein. Ich hab ja wirklich kein Problem mit lauten Massen, darf man als versierter Oktoberfestgänger und begeisterter Konzertgänger auch nicht haben. Aber schon beim Einlaufen in den Dorfkindergarten hab ich mit Kind auf dem Arm echte Beklemmungen bekommen …

Wahrscheinlich überträgt sich da die Sichtweise einer Zweijährigen auf die alte Tante? Keine Ahnung. Meine Erwartungshaltung war in jedem Fall ein paar Kinder mit ein paar begleitenden Erwachsenen. Aber: da waren Massen an Kindern, alle Altersstufen, von den ganz kleinen bis hin zu schon fast Teenagern. Hatte ich das Motto der Veranstaltung erwähnt? Auf dem großen weiten Meer – tummeln sich Cowboys mit Pistolen, Polizisten mit Pistolen, Indianer mit Pistolen, Spiderman mit Pistole, Superman mit Pistole, … es war so irre laut! Dass ich mich fast gefürchtet habe. Nicht zu vergessen die „anderen“ Zweijährigen (ich war da wirklich mit im Boot) rings um uns. Das dauert dann, bis die Minis auftauen, wenn überhaupt. Das Programm orientiert sich natürlich irgendwo in der Mitte, für die ganz Kleinen ist das noch eine Spur zu viel Trubel? Auch wenn sie sonst superfrech und mutig und ganz vorne dabei sind?

Dann das Highlight des Nachmittags: der Kasperl kommt! Der Raum für die gefühlt 500 Kinder und einige Begleiterwachsene: nicht mehr als 30 Quadratmeter! Meine Schwester, Mutter des Kindes, hat sich clever elegant aus der Affäre gezogen, die brave Tante sitzt natürlich mittendrin. Das Kasperltheater war – sagen wir mal ganz vorsichtig – in der Ansprache auch eher für Kinder gedacht, die den Kasperl schon kennen. Dann kam das Krokodil und hat die Prinzessin bedroht. Lautes Geschrei und Geschimpfe – und da waren die erlösenden Worte: Wo ist meine Mama? Wie gut, dass das Kind auf meinen Knien kurz geheult hat. So konnte ich die Schwitzkammer guten Gewissens pflichterfüllend mitten durch die Meute verlassen. Und draußen frische Luft schnappen. Und überleben 🙂

Nach diesem Ausflug bewundere ich alle, die in Faschings- und Karnevalsgesellschaften freiwillig einen Kinderball nach dem anderen absolvieren, einen Kindergarten nach dem anderen besuchen. Das ist wirklich eine Leistung, Hut ab!

Und ja, ich bin immer noch froh, dass wir danach bald heimgehen konnten und weiß seitdem Ruhe und frische Luft noch mehr zu schätzen!