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Das mit der Dekade

Wie schnell doch 10 Jahre vergehen – wobei: da ist so wahnsinnig viel passiert, in diesen 10 Jahren. Also so gesehen: wieviel doch in 10 Jahren drin steckt. Jetzt hat der Große also die erste Dekade seines Lebens „hinter sich“, hat seine ganz eigene Kindheit erlebt. Und wohl oder übel muss man sich dann als große Freundin klarmachen: ab sofort ist er auf dem Weg vom Kind zum Teenager. Vor uns liegt die Pubertät, es gab schon erste Gefühle für ein Mädchen, die anders waren, als bei allen anderen. Aber da gehört ja noch einiges mehr dazu, so ab jetzt eben. Den Geburtstag gestern? Hat er mit Legospielen verbracht – also nicht mit dem, was ich so als Kind unter Lego verstand. Da gibts jede Menge Computerspiele. Und Bausätze für komplizierte Fluggeräte und all so was . Jungskram eben. Morgens waren da schon Geschenke zum Auspacken angehäuft. Von wem was und wie und überhaupt? War am späten Nachmittag schon gar nicht mehr so klar, aber immerhin Konzerttickets für Revolverheld dabei. Und es gab sein Lieblings-Sandwich zu Mittag. Oma und Opa kamen zu Besuch. Und in der Schule musste sogar der Direktor kommen, weil aus einem Schimpfwort ein heftiger Streit zwischen zwei Mitschülern wurde, den der Lehrer nicht mehr deeskalieren konnte … Samstag geht es mit 9 Freunden ins Kino.

Eigentlich wollte er ja gern die Neuverfilmung des kleinen Prinzen sehen, aber das fanden die anderen uncool. Wie gut, dass deine Mama und deine Patentante mindestens genauso uncool wie du sind, den Film werden wir uns dann einfach irgendwann vor Weihnachten alle miteinander ansehen. Denn wir teilen mit dir die Vorliebe für dieses kleine Büchlein, die Sehnsucht nach der Zeit zum Träumen. Und irgendwie trifft das auch grade zum 10. Geburtstag so besonders gut, laut Kurzinhalt soll der Film zeigen, wie sehr eine Mutter „alles“ durchorganisiert, aus dem Kind soll ja mal etwas werden. Nicht auf dem straffen Stundenplan steht die kindliche Zeit zum Träumen. Bis der Nachbar einen Papierflieger schickt. Und damit beginnt als Film im Film die Geschichte vom kleinen Prinzen, der einen in der Wüste abgestürzten Piloten trifft. Mit einfachen, kindlich-philosophischen Weisheiten erklärt er auf berührende Weise, was im Leben wichtig ist. Hach, da freu ich mich jetzt schon drauf, den mit euch zu schauen.

Alles Liebe zum 10. Geburtstag, mein großer Kleiner

Wunder des Lebens

Im April läuft das Cosmic Cine Filmfestival , in dem besondere Filme gezeigt werden. In diesem Jahr 17 Beiträge, unter anderem zu sehen in München. Bewegende Filme mit wunderbaren Bildern, im Mittelpunkt stehen die Themen Nachhaltigkeit, Bewusstsein und Kreativität. Es geht darum, zum Umdenken anzuregen, zum Ändern aufzufordern, auf Lösungen aufmerksam zu machen … Es geht um Natur, um Umwelt, um das Wunder des Lebens, das durch Achtsamkeit erhalten werden soll. Um Hoffnung für die Zukunft. Die Filme öffnen Augen – und Herzen.

Ich hab mir den Trailer angesehen und hoffe, dass ich wenigstens einen Termin schaffe. Hier klicken für mehr Infos.

Beste Chance

Toll, wenn liebe Freundinnen gute Einfälle haben – und Karten für eine Kino-Premiere im Sommer-Open-Air besorgen. Noch viel besser, wenn es um den dritten Teil einer Filmreihe geht, auf die ich lange gewartet habe. Am tollsten, wenn das Wetter passt, der Film hält, was er vesprochen hat, der Sommerabend regenfrei, wenn auch nicht ganz lau ist. Wir hatten das Glück, Beste Chance mit den Machern und Schaupielern in einer super entspannten Premierenstimmung zu erleben – am Schluss ein blendend gelaunter, überglücklicher, wenn auch total durchgefrorener Marcus H. Rosenmüller, der jeden Mitwirkenden so herzlich nach vorne holte. Voll Stolz auf ein Projekt, das dieses Mal aus dem heimischen Bayern ins so andersartige Indien entführte. Super sympathisch war übrigens, dass er viel erzählen wollte, sich kurz halten sollte, über Insider-Themen lachen musste, das aber so charmant, dass um mich rum viel mitgelacht wurde …
Alles dreht sich um die Erlebnisse von Kati und Jo, zwei „ganz normalen“ Mädels vom Land, aus Tandern, dicke Freundinnen. Die eine studiert nicht so recht überzeugt in der Weltstadt München, die andere hat es nach Indien verschlagen. Etwas chaotisch und plötzlich ist die Situation ganz anders – und jetzt machen sich die beiden Papas auf den weiten Weg von Bayern nach Indien, auf die Suche nach den Töchtern. Und spätestens ab da gibt es viel zu lachen, denn zwei Bayern in Indien? Mehr über den Film, Inhalt, Schauspieler gibts hier nachzulesen – wer wie ich mit Beste Zeit eingestiegen ist, selber vom Dorf kommt und sich auf dem Land zu Hause fühlt, den erwartet ein Kino-Abend voll Lachen, Wohlfühlen, Genießen – alle anderen: sprachlich wirds vielleicht schwierig, aber es gibt viel zu lachen. Und vor allem wunderbar emotionale Bilder.
Und wenns nach meiner Begleitung geht: einen Vorteil hat es, in einen Kinosaal zu gehen, euch kann die Natur in Form kleiner Mäuse, die sich zu späterer Stunde in Sicherheit fühlten und von den Büschen aus auf Nahrungssuche gingen, nicht erschrecken 😉 Fast vergessen: die ersten Andeutungen zu einer möglichen Fortsetzung kommentiere ich jetzt einfach mal mit: ja, bitte, sehr gerne. mehr davon.

3096 Tage

Gestern abend saß ich mit hunderten von Menschen im Matthäser Kino und habe einen Film gesehen, über die Entführung eines zehnjährigen Mädchens, das sich nach 8 Jahren befreien konnte. Besonders nachdenklich stimmt mich, dass diejenige, deren Geschichte erzählt wird, mit im Kinosaal saß. Viele Gäste haben sich umgedreht, versucht einen Blick auf Natascha Kampusch zu erhaschen, die Frau zu sehen, die das alles erlebt hat. Ich habe auch geschaut, mich dann aber wieder nach vorne gedreht, in der Erwartung in den nächsten 109 Minuten ohnehin viel zu viel zu sehen, viel zu viel mitzufühlen – und trotzdem nicht nachempfinden zu können, was eigentlich geschehen ist.

Sobald der Film lief war eine fast greifbare Stille im Raum, eine seltsame Ergriffenheit. Bei diesem Stoff bleibt niemand unberührt, jeder auf seine eigene Weise, ich vermute, dass jeder Kinobesucher aufgrund seines eigenen Erfahrungshintergrunds andere Schlussfolgerungen zieht, sich mit unterschiedlichen Gedanken und Eindrücken befasst und seine Sicht der Dinge hat. Vielleicht ist das der Grund, warum Regisseurin und Produzent klargestellt haben, dass sie eine Geschichte zum Film gemacht haben, die auf wahren Begebenheiten beruht. Aber eben auch eine Filmgeschichte ist.

Es ist schwierig, ein Urteil abzugeben, denn „gefällt mir“ ist definitiv nicht passend. Ich fand den Film berührend, er stimmt nachdenklich, macht in vielen winzigen Sequenzen aufmerksam, wie wenig der Mensch beobachtet, wie wenig wir darauf vorbereitet sind, Situationen, die eigentlich „ganz normal“ erscheinen, zu hinterfragen. Im Unterschied zu den zahlreichen Kritikern finde ich mutig, sowohl diese sehr eigene Geschichte als Stoff in einen Film fließen zu lassen, daran mitzuarbeiten und hinterher inmitten eines Publikums zu sitzen, das erwartet, danach alle Antworten auf „offene“ Fragen zu bekommen, als auch, Fragen schlicht nicht zu beantworten. Für alle, die auf der Suche nach Antworten sind ist der Film nichts – er erzählt eine Geschichte. Eine erschreckende Geschichte, die bedrückt, beklemmt, ängstigt … Nicht mehr und nicht weniger.

Ich bin dennoch froh, den Abend mit dem Film verbracht zu haben. Er hat mich zum Nachdenken gebracht, mich dankbar gemacht, für die Fenster in meinem Kinder- und Jugendzimmer, die immer offenen Türen nach draußen, die frische Luft, Sonne, Schnee, Garten, Wiesen und Wälder … Ich bin sehr still und noch ein Stück bewusster aus dem Film herausgegangen. (Und war irritiert, dass es Menschen gibt, die beim Abspann sofort anfangen zu plappern – aber das ist wohl eine mögliche Übersprungsreaktion? Egal!) Das Klavier im Abspann habe ich als unwahrscheinlich schön empfunden, traurig und melancholisch, aber gleichzeitig positiv – sehr passend.

Für mich das Motiv des Films: die blaue Decke, die der Entführer seinem Opfer im Wagen überwirft, um sie zu verbergen, taucht am Ende wieder auf, als die Polizei die Befreite vor neugierigen Blicken und Fotografen schützen will. 8 Jahre später, nach 3096 Tagen …

Eine gute Kritik steht heute auf Merkur Online, dieser in der Rheinischen Post online kann ich mich nicht anschließen, aber das sind zwei Meinungen, die zeigen, wie sehr das Thema polarisiert.