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Kichern

Darf man das? Als Erwachsener mit kichern und sich über einen gelungenen Streich eines Kindes freuen? Sogar wenn der sich gegen einen anderen Erwachsenen, gar die gestrengen Kindseltern, richtet? Gar nicht so leicht zu beantworten, denn schließlich muss man sich als Vorbild immer politisch korrekt verhalten, dem Kind also aufzeigen, dass es mit Streichen nicht gewinnen kann. Oder doch?
Ich hab beschlossen, das etwas lockerer anzugehen – und mitzukichern. Mit gutem Beispiel, also über einen gelungenen Streich muss ich einfach aus ganzem Herzen lachen und spätestens, wenn ein Kind vor Freude giggelt bleibt mir eh nix übrig: ich giggle mit. Solange dabei niemandem was passiert, keiner zu Schaden kommt, vollkommen OK. Und im Idealfall kann der, über den gelacht wird, einfach mit kichern? Das wäre der gelungenste Streich!

Kinderlogik zur Fastenzeit

Als Kind hab ich mir die Welt einfach selbst so zurechtgelegt, dass es für mich Sinn gemacht hat. Das hatte gar nichts damit zu tun, dass ich nicht schon als Kind so lange nachgefragt hätte, bis ich etwas verstehen konnte – aber manchmal, und das ist heute immer noch so, gibts einfach keine passende Begründung, also zumindest keine, die man mit Kinderlogik nachvollziehen kann. Ein Klassiker: die Fastenzeit.

Meine Oma war eine strenggläubige Frau, die Fastenzeit wurde bei uns also sehr ernst genommen und in jedem Fall eingehalten. Wenn sich sonst in der Speisekammer immer ein Stück Schokolade oder Bonbons finden ließ: ab Aschermittwoch war nicht mal die Frage zulässig, ob etwas Süßes im Haus zu finden sei. Wehe, sie hätte einen von uns mit Süßkram erwischt. Da gabs kein Pardon! Nur wie kann man einem Kind jetzt erklären, was das genau ist, diese Fastenzeit?

Wenn ich mich zurückerinnere, dann wurde nie von 40 Tagen gesprochen? Und ich kann mich auch nicht an das Argument erinnern, dass es nach der ganzen Völlerei jetzt auch mal guttue, mit Maß zu essen? Und da ich auf Süßes eh nicht so erpicht war fand ich den Aspekt, auf Schokolade verzichten zu müssen, auch damals gar nicht mal erschreckend. Es war eher das radikale Element, das mich geängstigt hat, dieses: wir müssen jetzt von einem auf den anderen Tag alles anders machen, als noch gestern. Gestern haben wir uns den letzten Krapfen gegönnt, heute ists damit Schluss. Manche der sogenannten Fastenspeisen treffen die Geschmacksnerven von Kindern wie ein Glas Spülwasser den erlesenen Geschmack eines Weinkenners. Das essen zu müssen war für mich als Kind gleichbedeutend mit: jetzt musst du hungern … Wenn ich zurückdenke hab ich es mir wohl so zurechtgelegt, dass es einfach gar nichts Gutes mehr zu essen gibt. Und das war in meiner kindlichen Vorstellung eher wegen einer Hungersnot (auch wenn ich nicht so genau wusste, was man sich darunter vorstellen sollte) als wegen eines religiösen Zeitraums. Es schien in jedem Fall wie eine Katastrophe – und das mitten im Überfluss.

Der Aspekt des bewussten freiwilligen Verzichts, damit konnte ich als Kind so gar nichts anfangen. Meine Kinderlogik war in jedem Fall, dass man zur Enthaltsamkeit gezwungen wird und dass es jemanden gibt, der jeden Verstoß akribisch ins Sündenregister notiert.

Der einheimische Bock-Käfer

Es gibt Tage, da freut man sich als Kind so richtig drauf, manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu viel? So ein Tag war gestern für meinen kleinen Großen: ich war nämlich als Besuch angekündigt. Die ganze Familie besucht nach Weihnachten das alte Zuhause, die Tage sind randvoll mit Besuchen bei Oma und Opa, bei lieben Freunden und dann kommen auch noch ein paar Erwachsene zu Besuch, das ist SOOOO toll. Und dann das: der angekündigte Besuch kümmert sich nicht nur um die eigentliche Hauptperson, den siebenjährigen Dreh- und Angelpunkt seines Daseins, sondern beschäftigt sich auch noch mit der kleinen Schwester. Und mit den nervenden Eltern. …

Ohne Worte, teilen ist nicht einfach. Und dann kommt es schnell dazu, dass aus all der überwältigenden Vorfreude überschäumende Wut wird, dass der ganze Tag ein einziges Auf und Ab der Gefühle wird, man in einer Sekunde lacht, sich freut, ganz verschmust ist, in der nächsten verärgert, traurig, wütend, heult, vor lauter Grimm die ganze Welt anschreien könnte. Und vor allem mit dem Fuß aufstampfen muss – was den nächsten Ärger mit den Eltern in einer Wohnung mit hellhörigem Parkett und direkt darunter wohnenden Mitbewohnern schon wieder heraufbeschwört.

Und trotz diesem Gefühlschaos habe ich die Stunden mit meinen beiden Patenkindern und deren Eltern gestern so sehr genossen, etwas Ironie und sich selbst nicht ganz so wichtig nehmen hilft in den Momenten des erbosten Zorns zum Glück weiter. Belohnung sind die sonnigen Momente an der Isar, die man mit einem Lächeln ganz tief aufsaugen kann, die Ausblicke auf glückliche Münchner, die genau wie wir das Wetter und das Zusammensein in der frischen Luft genossen haben, die gelöste Stimmung. Dazwischen kleine liebevolle Umarmungen, Kuscheln und auch mal ein paar Heimlichkeiten, die mir ins Ohr geflüstert werden.

Ich hoffe, dass der Große sich an seine bockigen Attacken (daher die Überschrift, denn von seiner Mama wurde der kleine Zornbickl, wie man ihn in Bayern nennen würde, bei seiner Entdeckung im Isarwald in den „einheimischen Bock-Käfer“ umbenannt, um ihn nicht mit dem sonst so süßen Blondschopf zu verwechseln :-)) nicht lang erinnert und statt dessen die wunderbaren Momente an der Isar im Kopf behält. Den Fluss, die Stromschnellen, die Brücken, den Friedensengel, die Konstruktionen und alles, was wir sonst noch so gesehen und bewundert haben. Und ich freu mich auch aufs Wiedersehen – ganz bestimmt irgendwann im neuen Jahr!

Jedem geht mal „die Vernunft aus“

Als Kind hatte ich oft mal den Eindruck, nicht gerecht behandelt zu werden: immer Verbote, immer geschimpft werden, nie meinen Kopf durchsetzen. Auch – oder natürlich gerade dann – wenn ich recht hatte. Aus meiner heutigen Perspektive muss ich sagen: Kinder wissen nicht immer, was gut und richtig ist. Aber es gibt auch Situationen, in denen eure Eltern, die Großeltern oder die lieben Tanten und Onkel einfach mal mit der Situation überfordert sind. Das kann einfach dadurch passieren, dass der Tag lang und anstrengend war, dass man sich gerade gestritten hat, dass man sich über etwas geärgert hat. Kurz: auch Erwachsene halten sich nicht immer an die selbst gesetzten Regeln, sind nicht immer gerecht, nicht immer fair. Es passiert jedem, dass er mal nicht gut agiert, sich über etwas ärgert, nicht mehr souverän sein kann und sogar ein Stück weit die Kontrolle verliert.

Wichtig ist für Erwachsene und Kinder zu verstehen, dass das in der Situation zwar so ankommt, aber keinesfalls böse gemeint ist – ja, das ist manchmal schrecklich ungerecht! Und als nichterziehungsberechtigte Tante sitze ich dann nebendran und denke: soll ich mich einmischen? Kann ich mich einmischen? Was kann ich sagen, ohne die Situation noch weiter zu eskalieren? Passiert mir in beide Richtungen: denen die Vernunft ausgeht – Kinder, die unvernünftig provozieren.

In diesem Jahr saß ich mal mit den Eltern meiner Patenkinder gerade glücklich in der Sonne, um uns rum Trubel, aber wir waren gerade so schön im Moment angekommen. Erwachsene mögen sowas – als Kind ist das langweilig. Deshalb die Frage „Wer spielt jetzt mit mir?“ Die kleine Schwester ist noch zu langweilig und es sitzen da 3 Erwachsene, jeder ein potentieller Kandidat. „Wir sitzen jetzt erst mal 10 Minuten, lass uns einfach mal in Ruhe.“ Nach gefühlt 30 Sekunden „Aber jetzt gehts lohohos, los, wer spielt mit mir!“ Darauf gabs dann keine klare Antwort, kein einfaches Nein, sondern einen bombastischen Anpfiff. Der aus Sicht des betroffenen 6jährigen und aus meiner nicht wirklich gerechtfertigt war. Etwas zu sehr Anpfiff, etwas zu aggressiv in der Situation – aber passiert. Und es wäre schrecklich, wenn ein Kind sein ganzes Leben lang denkt, das wäre persönlich gemeint gewesen – oder es hätte etwas verkehrt gemacht. Er hat sich so ungerecht behandelt gefühlt, Schnute, „aber ich hab doch gar nix verekhrt gemacht ….!“

Man kann von einem 6jährigen nicht verlangen, die Welt mit den Augen eines gestressten Erwachsenen zu sehen. Und man kann von einem Erwachsenen nicht immer verlangen, dass er Verständnis für alle Bedürfnisse eines Kindes hat. Und trotzdem: die Welt ein bisschen unbeschwerter nehmen, den Stress abschütteln, Dampf an den richtigen Stellen ablassen, sich Zeit für die Kinder nehmen, wenn sie wach sind, das ist alles immer dann möglich, wenn die Energiereserven aufgeladen sind.Wenn die Batterie leer ist sieht es anders aus …

Es gibt keinen Wegweiser für Mama und Papa, Oma und Opa, Tante und Onkel, was wann wie zu tun ist, wenn die Vernunft mal ausgeht. Und auch das muss man wahrscheinlich lernen, gehört zum Prozess des kindlichen Begreifens dazu. Solange es bei Ausrutschern bleibt, alle sich ansonsten an die gesetzten Regeln halten, ist es wahrscheinlich ok. Das Maß sollte es aber nicht werden. Und was ich nie akzeptieren möchte, ist etwas an einem Kind auslassen, nur damit es einem als Erwachsenem besser geht. Was ich nicht toleriere ist Gewalt. Aber ich weiß, dass auch meinen Eltern immer mal wieder die Hutschnur geplatzt ist. Vor allem mit mir als der Ältesten, die sich nicht immer an die Regeln gehalten, häufig die Grenzen ausgetestet und generell immer dagegen geredet hat. Und heute verstehen wir uns so gut – so sollte es sein, oder?