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Sonntagsfreude: Nicht nur an meine Mama

Mal weg von allem, was um diesen Tag herum gestrickt wird: mich beeindruckt immer wieder sehr, was Mütter tun. Tagtäglich. Eine kleine Liebeserklärung so hin und wieder muss deshalb sein. Ich leihe mir für den heutigen Muttertag schöne Worte aus und widme sie meiner eigenen, aber auch allen anderen großartigen Mamas:

„Wenn nichts mehr geht, geh ich zu dir und klag dir meine Sorgen. Du nimmst dir Zeit, leihst mir dein Ohr – ich fühle mich geborgen.
Als ich ein Kind war, konntest du die Dinge für mich richten. Nun, da ich groß bin, hilfst du mir, sie richtig zu gewichten. 
Wenn nichts mehr geht, geh ich zu dir, du bist mein Zufluchtsort. Du schaust mich an, bist einfach da, und weiter braucht’s kein Wort.
Für das, was ich geworden bin, hast du den Keim gelegt. Du hast die zarte Pflanze lang
gehütet und gepflegt.

Auch wenn ich diese Worte oft im Alltagstrott nicht sage – heut sag ich sie: „Ich bin so froh, Mama, dass ich dich habe.“ (Renate Eggert-Schwarten)

Die letzten Tage hab ich mich kulinarisch inspirieren lassen, heute wird unsere Mutter mit einem neuen Spargelmenü verwöhnt, ich werde vom Experiment berichten.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – einen schönen Sonn- und Muttertag wünsch ich.

Das mit der Komfortzone

Menschen haben unterschiedliche Sichtweisen, es fasziniert mich immer wieder, wie anders Wahrnehmung ist. Katrin ist an MS erkrankt, auf ihrem Blog berichtet sie täglich von ihrem Leben und wie sie mit sich und ihrem Umfeld klarkommt. Kürzlich hat sie darüber gebloggt, wie sie in ihr heutiges Zuhause umziehen musste, ein Pflegeheim. Sie beschreibt es als Verlassen der Komfortzone. Ich habe ihre Worte mit Sicherheit zwei mal gelesen, denn ihr Blickwinkel hat mich unwahrscheinlich fasziniert, bewegt, nachdenklich gestimmt – auch irritiert.

Vor allem aber angeregt, über meine Komfortzone nachzudenken. Das war sehr lange mein Leben nur für mich. Ohne Rücksicht, ohne mir Gedanken zu machen. Habe sehr viel mitgenommen, erlebt. Bin geflogen und gescheitert. Immer, ohne über das nachzudenken, was folgen könnte. Schon mit viel zu viel zu vielen Wenn’s und Abers und überhaupt, nur im Fokus stand dabei hauptsächlich ich. Da war durchaus auch Verantwortungsbewusstsein dabei, aber eben aus meinem Blickwinkel, also das, was ich an Verantwortung freiwillig übernehmen wollte. Immer auf die festen Konstanten vertrauend, im Nachhinein ein bisschen wie in der rosaroten Wolke. Man sieht nur, was man sehen möchte. Was sich geändert hat ist, dass mir klargekommen ist, dass alles endlich ist. Dass wir Kinder nur jetzt die Chance haben, meinen Eltern etwas zurückzugeben, weil sie später nicht mehr da sein werden. Teil meiner Komfortzone war nämlich auch, dass ich immer zu ihnen in mein Zuhause kommen konnte, ein Wochenenddomizil hatte, meinen Rückzugsort, mir Kraft und Energue abholen konnte.

Es gab Essen, ein Bett und viel Zeit für mich. Die letzten mindestens 2 Jahre ist es anders: ich verlasse an den Wochenenden meine Stadtwohnung, fahre raus aufs Land, um auf der Baustelle zu arbeiten. Das kostet viel Kraft und Energie. Nur, was mir vorher nicht klar war, es gibt mir noch viel mehr. Meine Eltern heute auf ihrer seniorengerechten Ebene zu erleben, sie miteinander lachen zu sehen. Auch mal zu erleben, wie sie sich mittlerweile in ihrer schönen neuen und trotzdem gewohnten Umgebung – demnächst auch von außen frisch verputzt und wie neu – wohlfühlen, das war es definitiv wert, meine Komfortzone zu verlassen. Und trotzdem hoffe ich, dass sich irgendwann, in ein paar Wochen dann vielleicht, endlich mal dieses lang vermisste Gefühl wieder einstellt: Hach, Wochenende, ich fahr raus aufs Land zu den Eltern und es gibt dort nix für mich zu tun 😉 …

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Christine fragt auf ihrem Blog Stille-Stärken.de „Komfortzone verlassen? Oder lieber doch nicht?!“

Brief an Marie

Endlich wiedergefunden: diesen Zeit-Artikel, in dem ein Papa seiner Tochter einen Brief schreibt – um sich zu erklären, denn mit seiner Rolle fühlt er sich ihr gegenüber sichtlich unwohl. Hat ein schlechtes Gewissen. Eigentlich will er seiner Tochter eine unbeschwerte Kindheit schenken, klappt aber nicht. Weil der Druck auf die Kinder wächst, weil sie auch am Wochenende lernen müssen, statt zu spielen und Kind zu sein, weil es straffe Zeitpläne gibt. Weil man sich als Eltern schnell selbst unter Druck gesetzt fühlt von der Leistungsgesellschaft. Verzwickte Angelegenheit. Gleichzeitig eine Entschuldigung – aber auch keine. Weil eigentlich ist ihm ja klar, dass seine Tochter ihn gar nicht so rundum mit allen seinen Bedenken verstehen kann. Für sie ist ja ihre Welt normal. Alles, was Erwachsene von Kindern fordern: ist eben so. Sie kennt es nicht anders. Noch nicht mal einen Tag sei es ihm gelungen, sie das Kind sein zu lassen, das sie doch eigentlich sei …

Eine Frage, die beim Lesen unterschwellig auftaucht: ist es überhaupt unser Maßstab, also der Maßstab der heutigen Erwachsenen, über das Erleben der Kindheit zu urteilen? Auch wir sind vollkommen anders aufgewachsen, als die Generation vor uns. Und die davor und die vielen, die davor waren. Und ich sage mit Überzeugung, dass meine Kindheit wunderbar und unbeschwert war. Weil ich es so empfunden und gefühlt habe. Das sagen auch meine Eltern, die der Nachkriegsgeneration entstammen. Und da waren Erzählungen der Großeltern, die im ersten Weltkrieg Kinder waren. …

Was werden die heutigen Kinder über ihre Kindheit sagen, wenn sie da ankommen, wo wir heute bereits sind? Der Artikel ist so superklasse, toll geschrieben, fasst den Leistungs-Leidensdruck, der Eltern im wahrsten Sinn des Wortes handlungsunfähig macht, so auf den Punkt zusammen – dass ich ihn einfach nur zum lesen empfehlen kann.