Schlagwort-Archive: intensiv

Spruch zum Wochenende: Zuhören

11263128_10153282799391800_2082985228151541120_oDiese Woche hat mir eine liebe Freundin diesen Text als kleines Dankeschön fürs Zuhören geschickt. Ich freu mich so, dass ich das hier teilen muss – und es erinnert mich immer wieder daran, wie glücklich es mich macht, wenn ich auf einen Menschen treffe, der mir zuhört, mich raushört und spürt, offen für alles ist, was zwischen den Worten steckt, mir hilft, meine Gedanken und Gefühle zu strukturieren. Schön, wenn ich das auch für andere sein kann, eine gute Zuhörerin.

„Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war das Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher Leser sagen, zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur recht wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig.Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte, was den anderen auf solche Gedanken brachte – nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und aller Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm plötzlich Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten. Sie konnte so zuhören, dass ratlose, unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. Und wenn jemand meinte, sein Leben sei ganz verfehlt und bedeutungslos und er selbst nur irgendeiner unter Millionen, einer, auf denen es überhaupt nicht ankommt, und er ebenso schnell ersetzt werden kann wie ein kaputter Topf – und er ging hin und erzählte das alles der kleinen Momo, dann wurde ihm, noch während er redete, auf geheimnisvolle Weise klar, dass er sich gründlich irrte, dass es ihn, genauso wie er war, unter allen Menschen nur ein einziges Mal gab und dass er deshalb auf seine besondere Weise für die Welt wichtig war. “ (Michael Ende / Momo)

Von Kindern lernen: Geld spielt keine Rolle

Wer Kinder beobachtet merkt schnell: Geld spielt bei weitem nicht die Rolle, die wir Erwachsenen ihm zuordnen. In alle Richtungen betrachtet. Wertvoll bedeutet für kleine Menschen meistens nicht, wieviel etwas gekostet hat. Nicht beachtet kann ganz schön teuer gewesen sein. Besitz ist relativ, „meins“ kann ganz schnell unwichtig sein, wenn ein anderer etwas hat, was man selber haben möchte. Oder ob ein Geschenk beispielsweise nach „groß und viel“ oder nach „klein und wenig“ aussieht. Oder von wem es kommt. Das müssen Verwandte oft fast schmerzhaft erleben, wenn sie viel Geld ausgegeben haben, um Kinderaugen zum Strahlen zu bringen – dann wird am Gabentisch ein Geschenk nach dem anderen ausgepackt. Ohne dass die Investition irgendeine Wirkung erzielt.  Als Erwachsener tendiert man dazu, sich etwas leisten zu wollen. „Mein Haus, mein Boot, mein Auto“, längst nicht nur ein abgedroschenes Klischee, oder? Schadet nicht, sich regelmäßig vor Augen führen, was einem wirklich wichtig ist, eröffnet ein balanciertes Werteverständnis. Und – ein wichtiger, wenn auch vielzitierter Gedanke – die wichtigsten Dinge im Leben lassen sich mit Geld nicht bezahlen ….

Das mit dem Nachdenken

Ich hab was gewonnen. Und mich sehr gefreut. Also sogar sehr sehr. Nicht enthusiastisch, sondern einfach aus dem Herzen heraus. Sicher stiller, als andere, nicht nervös oder aufgeregt. Dafür keinesfalls weniger intensiv. Jetzt war das kein „materieller“ Gewinn, sondern Zeit. Mit einem von mir sehr geschätzten Menschen. Also mein liebstes Geschenk für die von mir geliebten Menschen. Ein Tag, ein paar Stunden. Was eben möglich ist. Wertvoller als alles, was man mit Geld kaufen kann. Im Vorfeld hab ich viel nachgedacht, denn – in Zeiten von www und Social Media und so – war mein Gewinn so aufbereitet, dass wir zwar „zu zweit“ waren, uns sehr nett unterhalten haben, viel gelacht haben. Aber eben von Kameras umgeben, Selfies gemacht wurden. Und alles aufgezeichnet. Schon ist das alles gar nicht so für mich, sondern öffentlich … Und es war gut, dass ich das vorher mit mir abgemacht hatte. Mich bewusst dafür entschieden habe. Meins draus gemacht habe. Und meinen Gewinn für mich genossen habe. Was danach kommt ist nicht wichtig. Gestern war ein sehr intensiver Tag, ein glücklicher Tag.
Was ich wieder mal gelernt habe: Wir sollten manchmal einfach das tun, was uns glücklich macht, und nicht das, was am besten ist… Egal, ob es nur eine Minute, eine Stunde oder einen Tag dauert. Der Augenblick zählt und wird in Erinnerung bleiben. Und es schadet keinesfalls, nachzudenken. Realistisch und ohne rosaroten Erwartungsplüsch zu bleiben schützt das kleine große Glücksgefühl.

Von Kindern lernen: Staunen

Habt ihr in letzter Zeit mal ein Kind beim Staunen erlebt? Davon kann man sich so viel abschauen. Als Erwachsener tendiert man ja zu einer abgeklärten Verhaltensweise. Staunen ist eher so ein innerliches Ding, bemerke ich zumindest hin und wieder. Dabei ist es so toll, einen Augenblick staunend zu verharren, zu bewundern, ehrfürchtig zu bemerken. Die Ankunft der Störche zum Beispiel, Schmetterlinge beim Flattern, wie viele Knospen gerade an den Bäumen sprießen. Wie viele Ameisen in einem Hügel leben. Wie der Sturm mächtige Bäume zersplittert hat, als ob man einen Zahnstocher auseinander bricht …

 

 So ein Moment des Staunens hat viel mit Aufmerksamkeit zu tun, mit Begeisterungsfähigkeit, mit Zeit. Nichts ist selbstverständlich, das Staunen eines Kindes macht das manchmal überdeutlich. Und wenn dann noch so viele Fragen kommen, und man nicht auf jede Antworten kann: genau das beweist doch, dass diese Ehrfurcht, der offene Mund, die großen Augen gerechtfertigt sind. Staunen ist toll, auch wenn es nicht das eigene Staunen ist. Es öffnet den Blick, macht die Welt bunter und lässt uns intensiver erleben. Erstaunlich 😉