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Heimatverliebt: Winter in der Hallertau

Was neben den Vorbereitungen für Weihnachten und dem Feiern noch besonders typisch ist im Winter in meiner Heimat? Es ist die stade Zeit im Hopfenland, Zeit für Ruhe, für Erholung. Darüber hab ich schon mal hier „sinniert“. Aber mir ist dann doch noch etwas eingefallen, heute vielleicht nicht mehr ganz soooo auf den Winter reduziert. Aber traditionell eine Tätigkeit, für die früher nur in den Wintermonaten Zeit war: das Eisstockschießen. Im Vereinsarchiv der lokalen Stockschützen, die sich heute mehrmals wöchentlich ganzjährig auf einem asphaltierten Platz nebst gemütlichem Vereinsheim treffen, steht geschrieben:

Zu einer der beliebtesten und bekanntesten Freizeitbeschäftigung in den Wintermonaten gehörte in Bayern schon immer das Eisstockschießen. Auf den Eisweihern waren im Winter alle anzutreffen, die über einen gedrechselten Eisstock verfügten, um ihr Können, Treffsicherheit und Zielgenauigkeit zur „Daubn“ unter Beweis zu stellen.

Jeder Mann hatte einen eigenen Stock zu Hause, oft über Generationen vererbt. Und damit geht’s an den kalten Tagen statt in die Hopfengärten auf zugefrorene Weiher. Keine optimalen Bedingungen, nicht top präpariert. Meist mussten sich die Männer erst mal denSchnee  wegräumen, vielleicht auch Eisbrocken aus dem Weg schießen. 

Dann aber, von Mal zu Mal mehr, wurde die Eisfläche glatter und die Herren der Schöpfung konnten zeigen, wie geschickt sie ihren Stock am nächsten zum Ziel, der „Daubn“, zu platzieren wussten. Ich kann mich an Jahre erinnern, in denen die Männer des Dorfes das Eis vom ersten bis zum letzten Tag über Wochen ausnutzen konnten. Sogar auf der großen Fläche des nahegelegenen Naturschwimmbades bis zu 100 „Mann“ auf dem Eis …

Tatsächlich ist das Eisstockschießen eine wundervolle Kombination, es ist Bewegung an der frischen Luft, hat einen hohen geselligen Aspekt und es zählt die Geschicklichkeit. Gemeinsam lachen, ratschen, in den kalten Monaten zusammenkommen. Eine schöne Tradition. Bislang hat es in diesem Winter erst eine hauchzarte Eisschicht, aber ich drücke den Hallertauern die Daumen, auf dass es noch ein guter Eisstockwinter werde.

Achso, ja, ich selbst bin eher „mittelmäßig“ begabt. Meine ersten Versuche waren äußerst ambitioniert, ich habe den Stock dann auch eher fliegen denn gleiten lassen. Statt dem Ziel am nächsten zu kommen schaffe ich es definitiv fast immer, den, der am weitesten weg ist, noch weiter rauszuschießen – zufällig. So viel zu meinem Talent. Aber zuschauen macht auch großen Spaß 😉

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Jule lädt zum Schreibprojekt „Heimatverliebt“ , in diesem Monat lautet das Thema „Winter in deiner Heimat“. Mein Beitrag über die Hallertau ist bestimmt auch typisch für ländliche Gebiete in Ober- und Niederbayern. Ich kenne das Eisstockschießen auch als beliebte Winterattraktion auf dem Nymphenburger Kanal in München oder auf verschiedenen Seen im bayerischen Oberland. Mehr Heimatliebe aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“.

Sonntagsfreude: Ungeplante Herbsttour

Hatte ich nicht geplant, aber da mein Bruder den gefährlichen Männerschnupfen erwischt hat durfte ich heute morgen einen kleinen Ausflug durch die Hallertau unternehmen. Hausmitteln vertraut er nicht, also sollte ich ihm „eine volle Dröhnung“ aus der Apotheke besorgen. Auf dem Land rotiert der Wochenenddienst, so führte mich die Fahrt ins schöne Wolnzach. 

Unterwegs hab ich den Weg sehr bewusst wahrgenommen, mich in Au über den neuen Marktplatz, die alte Post mit dem hippen Griechen, den Hinweis auf den geöffneten Schlossbiergarten, die wunderschöne Schmiede und das gut gefüllte Café Zintl gefreut. Auf den nächsten Kilometern gestaunt, wie grün und gleichzeitig farbenfroh die Wälder sich schon gefärbt haben und wie die leeren Hopfenfelder sich in die Landschaft schmiegen, hab über eine Vogelscheuche im altersschwachen Friesennerz gegrinst und versucht, die unzähligen Raben zu zählen, die oben auf den Hopfen-Stangerln sitzen, die Umgebung fest im Blick.

In der Apotheke waren überraschend viele Kunden für den Sonntag morgen, es ist Herbst und die Nasen triefen. Seufz. Auf dem Rückweg hab ich mich verfranst, wollte nur einen kleinen Umweg fahren, durch eine Vollsperrung und Umleitungen hab ich dann ein paar mehr Hopfendörfer besucht. Und einmal mehr die vielen Facetten meiner Heimat bewundert – wenn auch nicht alle: es gibt manche bauliche Stilrichtungen, sie sich bei aller Liebe und allem Verständnis einfach nur sonderbar im dörflichen Charakter ausnehmen, nicht integrierbar. 

Aber trotzdem schön, so eine herbstliche Ausfahrt durchs Hügelland – wenn man nicht vor sich hinträumt, um dann plötzlich im dichtesten Verkehr in Mainburg steckenzubleiben. Am Gallimarktsonntag suchte hier jeder einen Parkplatz, um zum Mittagessen ins Festzelt zu gehen, also natürlich jeder, außer mir, die ich das nicht so präsent hatte …

Und dann hab ich spontan noch einen zusätzlichen Abstecher gemacht, um am Hof meines Cousins „shoppen“ zu gehen. Seine Kinder ziehen seit Jahren Kürbisse und verkaufen die, um sich ein kleines Taschengeld zu verdienen. Das unterstütz ich, auch wenn die Kids das längst nur noch aus Nostalgie tun … Jawoll.

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita.