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#Sonntagsfreude

Es gibt diese Tage, da hat man einen ganz anderen Plan – und dann entscheidet man, alles anders zu machen. Weil sich die bezaubernde Nichte beschwert, schließlich haben wir uns schon Wochen nicht gesehen. Also packe ich Oma, Opa und Onkel heute nachmittag ins Auto und wir fahren auf „den Gillamoos“. Ein niederbayrisches Volksfest. Um uns dort zu verlustieren. Das Programm meiner Nichte war klar, „ich hab 5 Euro und fahre mit jedem Karussell“. Alles klar. Erst mit einem Jeep, dann Motorrad, dann Fahrrad – zum Schluss eine Spritztour auf einer himmelblauen Vespa. Dann zwei Runden Ponyreiten, erst auf einer braunen Stute, dann auf dem „Punkte-Pony“. Danach waren alle Erwachsenen durchgeschwitzt und durstig. Die bezaubernde Nichte hatte unterwegs noch einiges entdeckt, was sie noch ausprobieren wollte, aber für vieles ist sie noch zu klein. Im Bierzelt ist es trotz Kinderecke langweilig. Dann die Frage: „darf ich mit dir Riesenrad fahren?“ Hm, ihr erstes Mal – und da kann man nicht so leicht wieder aussteigen, wenn es doch noch nix für sie ist …. Alle waren überzeugt, dass wir einen Rückzieher machen. Aber wir sind eine Runde mitgefahren. Bei strahlend blauem Himmel haben wir von oben auf den Kirchturm und auf die Hopfenlandschaft rund um Abensberg geschaut. Bei der ersten Umdrehung wars uns schon etwas schwindlig, aber es wurde immer besser. Und es gab soooo viel zu sehen. Hinten auf einer Koppel dürfen sich die Pferde vom Pony-Reiten ausruhen, Menschen, Zelte, der Vogelpark, der Kuchlbauer-Hundertwasser-Turm … Auch wenn mein Programm heute so vollkommen anders hätte sein sollen, das war ein wirklich toller Sonntag nachmittag.

Mehr Sonntagsfreude bitte hier nachlesen.IMG_0790.JPG

Hopfenland – die andere Seite

HopfenkranzerlDa hab ich die letzten Wochen so sehr vom Hopfenland geschwärmt, die Hopfenzupf in schillernden Farben geschildert, am Wochenende Mutterns wirklich sehr hübschen Hopfenkranz von allen Seiten gebührend bewundert – und dann das: platte Reifen. …

DAS ist nämlich leider der Nachteil an der Hopfenzupf: die Straßen sind vor allem bei dem Schmuddelwetter der vergangenen Tage sehr dreckig und irgendwo dazwischen kann sich durchaus auch mal ein Stück böswilliger Draht verstecken. Der nichts anderes im Sinn hat, als sich in Autoreifen zu bohren. Natürlich in meine, sowieso klar. Jetzt hab ich frisch geflickte Reifen, immer noch ein sehr dreckiges Auto und freu mich, dass bei meinem nächsten Heimatausflug die Hopfenzupf rum sein wird und ich hoffentlich erst mal ohne unwillkommene Mitfahrer unterwegs sein werde. Meine Daumen sind gedrückt.

Es riecht nach frischem Hopfen in der Holledau

Es ist Hopfenzupfzeit, das riecht und sieht man, in der ganzen Holledau. Am Wochenende bin ich auf verschiedenen Wegen (Autobahn, Landstraßen) durchgefahren und hab geschnuppert, es ist herrlich! Anders als in vergangenen Zeiten, an die ich mich noch aus meiner Kindheit erinnern kann, wird der Hopfen heute sehr modern, technisch gut gelöst, mit bei weitem geringerem Einsatz von Arbeitskraft geerntet. Ein Traktor, ein Fahrer, ein Abreißgerät, der Hopfen direkt auf den Wagen. Auch im Betrieb braucht man nur noch einen, der in die Maschine einhängt, einer schaut, dass der abgefüllte Sack nicht überläuft. Trotzdem helfen alle mit, es ist eine anstrengende Arbeit.

20130817-212842.jpgAuch wenn sich vieles verändert hat, unverändert bleibt der Duft, der ganz besondere Geruch, der in der Luft hängt, an den ich mich seit Kindertagen erinnere und den ich jedes Jahr herbeisehne. Wie das riecht? Süß und gleichzeitig herb. Etwas bitter. Vielleicht wie eine Mischung aus frisch gemähter Wiese mit vielen Kräutern drin, dazu wie durchs wirbelnde Laub laufen, dazu noch eine Prise frischer Baumschnitt, das alles gut abgeschmeckt. Und noch etwas herber – oder so. Dieser besondere Geruch bedeutet für mich das Ende des Sommers, den Beginn des Altweibersommers, den Übergang zum Herbst. Wenn ich ihn mal ein Jahr verpasse bin ich ein Stück weit orientierungslos, etwas fehlt. Bin ja gebürtige beziehungsweise aufgewachsene Holledauerin (Hallertauerin). Meine Heimat ist eine Region, gelegen in Teilen Ober- und Niederbayerns. Dazu gehören ganz grob die Landkreise Freising, Pfaffenhofen, Kehlheim, Landshut und Eichstätt. Aufgewachsen bin ich an der südöstlichen Grenze, kurz vor Moosburg, die Stadt wird gern (wie Ingolstadt, Schrobenhausen, Kelheim oder Freising auch) als eines der Tore in die Hallertau bezeichnet. Die Holledau ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt mit 15 Siegelbezirken (ich bin nicht sicher, ob die Zahl stimmt, da ich mich sehr wundere, dass Hersbruck auf Wikipedia zur Hallertau gezählt wird, insofern: bitte korrigiert hier gerne).

Neben der Hopfenernte, die gerade läuft, zugegebenermaßen so, wie auch in den anderen deutschen Hopfengebieten Spalt, Hersbruck und Tettnang, rühmen wir Holledauer uns gerne, ein besonderer Menschenschlag zu sein. Nicht nur Bayern, nicht nur Ober- oder Niederbayern, sondern eben Holledauer. Trinkfest, gesellig, menschenfreundlich, fleissig, kontaktstark, musikalisch – deshalb gibts sogar Lieder auf den besonderen Flecken Erde, den der liebe Gott für diesen besonderen Menschenschlag geschaffen hat, zum Beispiel eine Volksweise, das „Holledauer Lied“:


Da nicht jeder den Text verstehen wird fasse ich das in eigenen Worten und etwas verkürzt zusammen: als Gott die Welt erschuf fiel ihm am 7. Tag auf, dass noch etwas fehlte und er schaffte den schönsten Fleck der Welt, die schöne Holledau. Mit sanften Hügeln, dem Fluss Abens und dem wunderbaren weißblauem Himmel. In einer kleinen Bergkapelle wurde mal ein Schimmel versteckt, leider hat er es nicht überlebt, aber seine Geschichte wird noch heute in Liedern und Theaterstücken weitererzählt. Wer Hopfen nicht kennt, kennt die Arbeit nicht, die er macht, aber sein Erzeugnis: das beste Bier der Welt wird mit Holledauer Hopfen gebraut. Am Lebensende geht der Holledauer nach einem arbeitsreichen Leben gern in den Himmel, schaut von dort aus gerne liebevoll auf seine Heimat herab, die im Leben viel Mühe, aber auch viele schöne Momente geschenkt hat.

Ja, der Holledauer ist stolz, ein besonderer Menschenschlag. Und nicht nur das: der Komponist Erhard Kutschenreuter hat den Hallertauern sogar ein eigenes Nationalepos, eine Operette, ein niederbayerisches Singspiel in 3 Akten hinterlassen. Das zur Hopfenzupfzeit im Markt Siegenburg aufgeführt wird und dieses Wochenende Premiere gefeiert hat: der Holledauer Fidel 2013. Dazu bald mehr.

Sommerwochenende

Ein herrlich faules Sommerwochenende – Sonne und Schatten im Garten genießen, ausschlafen, früh ins Bett gehen, 2 Bücher lesen (von vorne bis hinten), Sonnenblume und Mamas Kräuterbuschen von allen Seiten gebührend bewundern. Ganz ehrlich: die letzten 2 Tage fühlen sich von vorne bis hinten wie Urlaub an.

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