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Es riecht nach frischem Hopfen in der Holledau

Es ist Hopfenzupfzeit, das riecht und sieht man, in der ganzen Holledau. Am Wochenende bin ich auf verschiedenen Wegen (Autobahn, Landstraßen) durchgefahren und hab geschnuppert, es ist herrlich! Anders als in vergangenen Zeiten, an die ich mich noch aus meiner Kindheit erinnern kann, wird der Hopfen heute sehr modern, technisch gut gelöst, mit bei weitem geringerem Einsatz von Arbeitskraft geerntet. Ein Traktor, ein Fahrer, ein Abreißgerät, der Hopfen direkt auf den Wagen. Auch im Betrieb braucht man nur noch einen, der in die Maschine einhängt, einer schaut, dass der abgefüllte Sack nicht überläuft. Trotzdem helfen alle mit, es ist eine anstrengende Arbeit.

20130817-212842.jpgAuch wenn sich vieles verändert hat, unverändert bleibt der Duft, der ganz besondere Geruch, der in der Luft hängt, an den ich mich seit Kindertagen erinnere und den ich jedes Jahr herbeisehne. Wie das riecht? Süß und gleichzeitig herb. Etwas bitter. Vielleicht wie eine Mischung aus frisch gemähter Wiese mit vielen Kräutern drin, dazu wie durchs wirbelnde Laub laufen, dazu noch eine Prise frischer Baumschnitt, das alles gut abgeschmeckt. Und noch etwas herber – oder so. Dieser besondere Geruch bedeutet für mich das Ende des Sommers, den Beginn des Altweibersommers, den Übergang zum Herbst. Wenn ich ihn mal ein Jahr verpasse bin ich ein Stück weit orientierungslos, etwas fehlt. Bin ja gebürtige beziehungsweise aufgewachsene Holledauerin (Hallertauerin). Meine Heimat ist eine Region, gelegen in Teilen Ober- und Niederbayerns. Dazu gehören ganz grob die Landkreise Freising, Pfaffenhofen, Kehlheim, Landshut und Eichstätt. Aufgewachsen bin ich an der südöstlichen Grenze, kurz vor Moosburg, die Stadt wird gern (wie Ingolstadt, Schrobenhausen, Kelheim oder Freising auch) als eines der Tore in die Hallertau bezeichnet. Die Holledau ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt mit 15 Siegelbezirken (ich bin nicht sicher, ob die Zahl stimmt, da ich mich sehr wundere, dass Hersbruck auf Wikipedia zur Hallertau gezählt wird, insofern: bitte korrigiert hier gerne).

Neben der Hopfenernte, die gerade läuft, zugegebenermaßen so, wie auch in den anderen deutschen Hopfengebieten Spalt, Hersbruck und Tettnang, rühmen wir Holledauer uns gerne, ein besonderer Menschenschlag zu sein. Nicht nur Bayern, nicht nur Ober- oder Niederbayern, sondern eben Holledauer. Trinkfest, gesellig, menschenfreundlich, fleissig, kontaktstark, musikalisch – deshalb gibts sogar Lieder auf den besonderen Flecken Erde, den der liebe Gott für diesen besonderen Menschenschlag geschaffen hat, zum Beispiel eine Volksweise, das „Holledauer Lied“:


Da nicht jeder den Text verstehen wird fasse ich das in eigenen Worten und etwas verkürzt zusammen: als Gott die Welt erschuf fiel ihm am 7. Tag auf, dass noch etwas fehlte und er schaffte den schönsten Fleck der Welt, die schöne Holledau. Mit sanften Hügeln, dem Fluss Abens und dem wunderbaren weißblauem Himmel. In einer kleinen Bergkapelle wurde mal ein Schimmel versteckt, leider hat er es nicht überlebt, aber seine Geschichte wird noch heute in Liedern und Theaterstücken weitererzählt. Wer Hopfen nicht kennt, kennt die Arbeit nicht, die er macht, aber sein Erzeugnis: das beste Bier der Welt wird mit Holledauer Hopfen gebraut. Am Lebensende geht der Holledauer nach einem arbeitsreichen Leben gern in den Himmel, schaut von dort aus gerne liebevoll auf seine Heimat herab, die im Leben viel Mühe, aber auch viele schöne Momente geschenkt hat.

Ja, der Holledauer ist stolz, ein besonderer Menschenschlag. Und nicht nur das: der Komponist Erhard Kutschenreuter hat den Hallertauern sogar ein eigenes Nationalepos, eine Operette, ein niederbayerisches Singspiel in 3 Akten hinterlassen. Das zur Hopfenzupfzeit im Markt Siegenburg aufgeführt wird und dieses Wochenende Premiere gefeiert hat: der Holledauer Fidel 2013. Dazu bald mehr.

Ferienspaß

Am Sonntag habe ich mir, nach einem ausgiebigen Besuch im Mega-Planschbecken der bezaubernden Nichte, einen Tag wie in den Sommerferien gegönnt und bin auf Landstraßen durch meine Heimat gefahren. Bei flirrender Hitze, die mich mit wirklich berauschenden Farbtönen verwöhnt hat. Tiefgrüne Hopfengärten neben Getreidefeldern, von gelb über gold bis hin zu schon wieder braun, da umgeackert. Durch Wälder, die hügelige Landschaft – die Hallertau ist schon ein bezaubernder Flecken Erde. Ganz besonders an einem Hochsommertag, der sich anfühlt wie in den großen Ferien.

In meiner Kindheit hieß das: sich von morgens bis abends draußen herumtreiben. Bei schönem Wetter ein Traum. Auf den Feldern wurde die Ernte eingeholt, sehr spannend als Kind. Obwohls auch schon echte Mitarbeit war. Unser Papa hatte noch einen eigenen kleinen Mähdrescher. Nicht modern und klimatisiert, wie die großen Exemplare heute. „Klimaanlage“, das war kurze Hose und T-Shirt plus – unvergessen – ein Sonnenschirm, der die ungebremste Hitze abhalten sollte. Da konnte ich stundenlang zuschauen, wie gemäht wurde, wie Getreide in Wägen verteilt wurde. Hinterher durften wir Kinder das Stroh verteilen, ehe es von einer Strohpresse in handliche Pakete verpackt wurde. Als wir etwas größer waren mussten wir die dann auch noch auf den Wagen aufladen. Hab ich damals gehasst, weniger, weils so anstrengend war, vielmehr, weil man sich an scharfen Strohhalmen alles zerschnitten hat und das hinterher wie Hölle gejuckt hat …

Ende August dann das Highlight: die Hopfenernte. Dauert im Schnitt so 2-3 Wochen. Und war für uns als Kinder ein riesiger Spaß. Wir durften Traktorfahren. Irgendein Erwachsener hat erst mal Traktor und Ladewagen bis zum Hopfenfeld gefahren, dann ist einer mit einer großen Schere vorausgelaufen, um die Pflanzen unten abzuschneiden, eines der Kinder darf den Traktor durchlenken, was nicht sehr schwer ist, da die Spur vorgegeben ist, der zweite Erwachsene hinten drauf reißt den Hopfen ab und legt ihn auf den Wagen. Dann fahren alle zurück zum Hof, wo weitere fleißige Helfer warten, den Hopfen in die Pflückmaschine einzuhängen und auszuklauben. Am schönsten waren die Zeiten, als meine Eltern dafür witzige Studenten zur Mithilfe hatten, die sich in den Semesterferien etwas Geld verdient haben. Neben der Bezahlung waren die auch immer ganz glücklich über die Hopfenzupferverpflegung: mindestens zwei mal pro Tag eine Brotzeit, mittags ein sehr reichliches Mahl, oft abends noch ein kühles Bier und eine warme Mahlzeit. Für uns Kinder die schönste Zeit, hinsetzen, etwas mitessen, den Geschichten zuhören, die Großen bewundern und anhimmeln.

Die Sommermonate mit Erntezeit waren für uns als Kinder eher spielerisch, ein einziges großes Abenteuer: Heu mähen und einfahren, da kann man lustige Versteckspiele erfinden oder auf dem Heuboden im frischen Heu herumtoben. Bei der Hopfenzupf findet man immer wieder Marienkäfer, die gerettet werden müssen. Oder man klaubt runtergefallene Hopfenreben auf- am besten als Wettbewerb, „ich hab mehr als du“. Traktorfahren durch den Hopfen ist sehr abenteuerlich, man kann lauthals singen und keiner hört zu. Oder – wie meine Schwester es mal ausprobiert hat – testen, ob man wirklich in der Spur bleiben muss oder ob man auch mal quer durchs Feld fahren kann. Immer noch eine legendäre Geschichte bei Familienfeiern …

Farbenfrohes Wochenende zu Hause

iPhone_ 152 - KopieEin langes Wochenende mit viel schönem Wetter ist Balsam für Herz und Seele.

iPhone_ 151 - KopieAlso zumindest haben sich die letzten Tage auf mich so was von positiv ausgewirkt.

Kein Wunder, ich bin ganz tief in meine farbenfrohe Heimat versunken.

Kann sagen, wer mag, aber wenn die Sonne scheint,

iPhone_ 150 - Kopieder Himmel tiefblau strahlt,

iPhone_ 148 - Kopieein paar weiße Wolken fast friedlich dahinschweben – könnte ich den ganzen Tag einfach nur dasitzen und Löcher in die Luft starren.

Weils so schön ist!

Dazu kommen ja seit ein paar Wochen leuchtend gelbe Rapsfelder, und – das muss an dieser Stelle mal geschrieben werden – manchmal scheints da fast, als ob unser heimischen Landwirte die besten Maler wären?

Ein Feld leuchtend gelber Raps,

daneben eine grüne Wiese,

daneben ein hellgrünes Getreidefeld,

daneben ein Feld noch braun,

die Saat spitzt gerade erst nach oben …

iPhone_ 146 - KopieSo schön? Ein paar Bilder zum verdeutlichen …  iPhone_ 127 - Kopie

 

 

 

 

Bei meinem eigenen farblichen Tun hab ich mich für Weiß entschieden und einem Stapel alten Wirtshausstühlen einen frischen Anstrich mit (mal sehen, ob wirklich) wetterbeständiger Lasur entschieden. Mittlerweile sind die Schmerzen meines Malerarms etwas abgeklungen, tja, Frau Schreiberlein und Schreibtischsitzerin ist diese Form von Arbeit nicht gewohnt. Dabei macht es so viel Spaß – und falls jetzt jemand genau hinschaut: perfekt solls gar nicht sein, sondern selbstgemacht. Und die Lösung, damit meine Eltern die Gartenmöbel nicht vom Garten in die Wiese oder umgekehrt schleppen müssen! Ich finds super, jetzt fehlt noch der Tisch, Projekt Tun fürs nächste Wochenende.

iPhone_ 177Ganz wichtig an langen Wochenenden: liebe Freunde treffen, auch bei Regen in Gummistiefeln durch den Wald stapfen. Und die Wolkengebilde am Himmel vor oder nach dem Gewitter genauso wie den Sonnenschein bewundern. Tut ebenfalls so gut. Und dann noch lecker essen, gute Gespräche führen, mal ganz ehrlich: kann nicht immer langes Wochenende sein?

iPhone_ 173Beinahe vergessen: hatte ja auch noch den Weltbacktag zum Anlass genommen, meiner Mama zum Geburtstag ein Küchlein zu mischen (von Backen kann keine Rede sein). Kleiner Kritikpunkt am Rezept: der Honig-Vanille-Käsekuchen ist sehr lecker, den Boden würde ich beim nächsten Mal trotzdem aus Bröseln mit Butter machen und ein paar Minuten backen lassen. Und damit die Creme fester wird würde ich beim nächsten Mal 2-3 Blatt Gelatine reinmixen, sonst ist es eine arge „Batzerei“, wie wir in Bayern so schön sagen 🙂