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Zusammenfassung aus Kindersicht

Zur Hochzeitsfeier waren ja doch eine ganze Reihe kleiner Besucher anwesend, mir bietet sich damit eine gute Möglichkeit, noch mal alles aus ihrem Blickwinkel zusammenzufassen:

  • Wer die Chance hat, einer Braut am Hochzeitsmorgen beim Schminken und Anziehen zuzusehen, sollte es tun – auch wenn das für fast 7jährige irgendwann langweilig wird. Zum Glück gibt’s zwischendrin Jobs wie Fön holen und Onkel oder Goßeltern ärgern …
  • Die doofe Tante hat die Nichte eine Stunde länger schlafen lassen, das konnte nur durch ein Frühstück auf dem Kanapee mit Blick auf die werdende Braut gutgemacht werden.
  • Das Ringmädchen ist beim ersten Erscheinen des Brautpaars auf der Treppe vor der versammelten Hochzeitsgesellschaft die eigentliche Attraktion …
  • In der Kirche ist fast alles, was vorne passiert, ziemlich langweilig – außer der Herr Pfarrer reißt einen Witz (zum Glück hatte er davon ein paar mehr auf Lager). Wenn man nicht nach hinten schauen darf, dann muss man notgedrungen Bruder/Schwester schubsen, kneifen, sich gegenseitig ärgern …
  • Die Kirche dauert viel zu lang – auch wenn’s wie vom Herrn Pfarrer gewünscht „zackzackzack“ ging.
  • Fürbitten lesen bietet eine willkommene Abwechslung.
  • Kann die bezaubernde Nichte doch nicht ahnen, dass sie gemeint ist, wenn der Herr Pfarrer fragt, wer das Ringkissen halten will … ?
  • Die Dorfkinder halten die Hochzeitsgesellschaft auf und sahnen schon bei Hochzeit 1 richtig gut ab, nach Hochzeit 2 ist dann Wohlstand ausgebrochen (ein Dorfjunge hat seinen Papa genötigt, noch mal mit ihm in den Supermarkt zu fahren, um ein zuvor fürs Taschengeld zu teures Magazin zu erstehen …)
  • Vor lauter „wann sind wir endlich dran“ hat die bezaubernde Nichte ihre Brauttante doch beinah zu Fall gebracht, diese Gratulation war im wahrsten Sinn des Wortes umwerfend.
  • Im Hochzeitsstadl ist weniger wichtig, wo alle sitzen – wirklich wichtig ist, wo man spielen kann. Was, nur leere Blätter und Buntstifte? Pah – zum Glück haben Sohn und Tochter des Cousins ihre Federmäppchen (rosa und blau) dabei, mit Filzies !!! Papier wird gnädigst das vom Brautpaar bereitgelegte verwendet.
  • So können alle erst mal ein Bild fürs Brautpaar malen … und ein paar mehr für die Braut 🙂
  • Endlich essen, was ist das? Und das? Und das? Egal, erst mal alles, was Schinken oder Gselchtes ist, den anderen am Tisch weghappsen … ein Schnitzel in Hasenform? Haps! Obatzda – nein, nein, nein, bloß kein Brot dazu. Bei uns gibt’s kein Gselchtes mehr – ich schau mal bei den anderen …
  • Zum Glück kommt die Sonne raus, eeeeendlich – auf den Spielplatz, yiiippiiiieeehhhh!
  • Achso, erst noch ein Gruppenbild machen, maul, aber gut, wenigstens dürfen wir hüpfen, spingen, Grimassen schneiden, hahaha, die Fotografin ist lustig – manno, warum dürfen wir jetzt nicht gegen das Brautauto, den Bulli treten, ist doch auch sooooo lustig???
  • Mit Springseilen durchs Dorf hüpfen, auja – und Kastanien vom Baum werfen, Hurra!
  • An der Fotoboxen kann man x saudumme Bilder machen, toll!
  • Zum Gästebuch gibt’s x Stempel, kann man für alle Gäste schon mal im ganzen Buch vorarbeiten ….
  • Mit Mama und Papa und der kleinen Schwester schon vor Tanzbeginn eine Runde auf der Tanzfläche drehen, geht. Gut.
  • Immer der Braut hinterher, egal bei was. So ein bisserl verliebt dürfen wir auch in die Braut sein, oder Herr Bräutigam?
  • Kuchenhunger – warum müssen wir jetzt noch mal genau auf das doofe Anschneiden der Hochzeitstorte warten …?
  • Wenn man mit stolzgeschwellter Brust allen erzählen kann, dass man an der Grafik zur Werbung auf der letzten Seite der Hochzeitszeitung mitgearbeitet hat (und dann ist man auch gleich getröstet und nicht mehr gar so arg irritiert, dass nur zwei Zeichnungen es ins Blatt geschafft haben, der gestrengen Frau Schlusskorrektorin ist nämlich durchaus aufgefallen, dass ein weiteres Wie-ein-Kind-malt Zeichenwerk nicht der Feder der bezaubernden Nichte, sondern der ihrer Frau Mama entstammte …)
  • Wenn sonst alles langweilig ist hat die supertolle „Tante“, die sowieso einfach viel tollerer als alle anderen Anwesenden ist, weil sie schon so toll geboren wurde (sorry für den Sarkasmus, aber nach eingängigem Studium ihrer Website ist das die Zusammenfassung ihrer Vita) jede Menge hochinteressanter YouTube-Videos … kein Wunder, dass Abendessen und Tanzen hochwillkommene und doch etwas spannendere Programmpunkte waren.
  • Die bezaubernde Nichte war schon vor dem Abendessen stehend k.o., weshalb die ganze Familie nach Hause gefahren ist, was bei den erwachsenen Familienmitgliedern keinerlei Begeisterung hervorrief, obwohl bekanntermaßen an so einem Festtag genug Nahrungsaufnahme für mehrere Tage stattfindet …
  • In der Kids-Lounge, die mein Bruder für die kleinen Gäste aufgebaut hatte, sollen einige kleine, aber auch größere beim Nickerchen gesichtet worden sein …
  • Tochter und Sohn meines Cousins und ein paar andere Kids haben sogar noch bis spät auf der Tanzfläche mitgetobt, aber alle haben sie auf der Heimfahrt schon nach wenigen Metern seligst geschlummert.

Mein Eindruck war, dass es kleinen wie großen Gästen rundum gut gefallen hat, das bisschen Regen am Vormittag haben Wolken und Sonne am Nachmittag einfach weggeschoben. Und am schönsten war der nächtliche Sternenhimmel auf der Heimfahrt, würde ich doch wenigstens ein paar Sternbilder kennen, dann könnte ich berichten, so kann ich einfach nur schreiben: es war sternenklar und einfach wunderschön!

Die Hochzeits-Kuchenliste

  • Hochzeitstorte in den 3 Varianten Apfel-Creme, Schoko-Kirsch-Creme und Mokka-Creme
  • Apfel-Wein-Torte
  • Himbeertorte
  • Marmorkuchen

  • Marmor-Mini-Gugls (glutenfrei)
  • Schoko-Bananen-Kuchen vegan (Danke an Claudi fürs Grundrezept!!!)
  • MaracujaTorte
  • Rotweinkuchen
  • Muffins
  • Prinzregententorte

  • Busserl-Plätzchen
  • Hobelspäne
  • Schuxn
  • Karottenkuchen
  • Käsekuchen
  • Apfelschmandkuchen

  • Obstkuchen
  • Tiramisu
  • Strudel
  • Schneebälle
  • Johannisbeerkuchen
  • Apfelrosetten
  • BlaubeerkuchenUnd natürlich nicht zu vergessen den extra Mini-Bräutigam-Kuchen (Apfelschlupfkuchen, weil der arme Bub ja sonst fast nix essen kann/mag/darf/soll bzw. für den Fall der Fälle die längste Praline der Welt …)

     

    Musik am Mittwoch: Hochzeitstanz

    Der kleine Bruder und seine Frau haben sich ganz wunderbare Musik für ihren Hochzeitstanz ausgesucht – und es hat trotz Nicht-Probe großen Spaß gemacht, bei der Performance dabeizusein 🙂 Zur Musik dürft ihr euch zwei strahlende Honigkuchenpferde vorstellen, die sich ansingen, immer wieder umarmen, mittendrin in einer lächelnden Menge tanzen, dabei aber auch immer wieder ganz allein zu zweit sind. So schön. Da steckt so viel Liebe drin:

    „Do you hear me, I’m talking to you, across the water across the deep blue ocean – Under the open sky, oh my, baby I’m trying. Boy, I hear you in my dreams, I feel your whisper across the sea – I keep you with me in my heart. You make it easier when life gets hardI’m lucky I’m in love with my best friend. Lucky to have been where I have been – Lucky to be coming home again …
    They don’t know how long it takes, waiting for a love like this. Every time we say goodbye I wish we had one more kiss – I’ll wait for you, I promise you, I will. I’m lucky I’m in love with my best friend. Lucky to have been where I have beenLucky to be coming home again. Lucky we’re in love in every way. Lucky to have stayed where we have stayed. Lucky to be coming home someday. 
    And so I’m sailing through the sea to an island where we’ll meet. You’ll hear the music fill the air, I’ll put a flower in your hair. Though the breezes through the trees move so pretty you’re all I see – as the world keeps spinning round you hold me right here right now …“

    Bruno, das pubertierende Rindvieh


    Dieses Motiv hat uns die letzten Wochen und Tage „begleitet“: es wurde das Titelbild der Hochzeitszeitung. Wenn auch insgesamt ein recht zeitaufwendiges Projekt, die Ideen waren schnell geboren: wenn zwei Landkinder heiraten, in deren Elternhäusern die wöchentliche Lektüre des Bayerisch Landwirtschaftlichen Wochenblatts ein gepflegtes Ritual ist, dient diese selbstverständlich als Vorbild für Layout und Inhalt zur einmaligen Sonderedition des Bayerisch Landwirtschaftlichen Hochzeitsblatts (BLHB). Die einzelnen Rubriken wurden als Aufgaben verteilt, wir haben uns sehr genau an die Vorgaben gehalten. Insofern gabs auch einen Roman, den hab ich mir „geschnappt“ – denn dafür hatte ich eine Idee … und die darf auch auf den Blog, weil „Bruno, das pubertierende Rindvieh“ hat einfach verdient, dass so viele Menschen wie möglich von ihm hören 🙂


    Anmoderation des BLHB: „Gestatten: Mein Name ist Bruno. Im Frühjahr 2015 wurde ich mitten in meiner Pubertät brachial aus meinem gemütlichen niederbayerischen Heimatstall entführt und für ein halbes Jahr musste ich im Exil in der Hallertau, noch dazu im oberbayerischen Teil, darben – täglich auf meine Rettung wartend. Meine Erlebnisse den Sommer über, eingesperrt mit 3 weiblichen Kuhteenagern auf einer Weide, haben Sie sicher in meinem Erstlingswerk „Exil ok, aber Zickenalarm? Womit hab ich das nur verdient?“ gelesen. Eh klar, ein Bestseller, der Verlag bzw. unsere Namensgeber haben zahllose weitere Auflagen geplant. Denn wie sie sich vorstellen können: ein Klasse-Ochse, 3 doofe Mädels. Ich hätte ja damals schon Bücher über Bücher füllen können …. Und da ich der geborene Schnüffler bin, eigentlich zum Privatdetektiv geboren, widme ich mich in meinem zweiten Buch den aktuellen Geschehnissen rund um die Sommerweide. Leider bin ich nicht live dabei, hüstel, aber ich konnte die diesjährigen Bewohner vor ihrer Entführung genauestens instruieren. Ich habe mir wahrlich Mühe gegeben, den 3 dummen Dingern, nennen wir sie Tick, Trick und Track, beizubringen, wie Überwachen und Observieren funktioniert, wie sie am besten herumschnüffeln und Spuren lesen. Täglich liefern sie mir ihre Beobachtungen via Social Media. Irgendwas ist da im Busch, aber ich werde schon noch rausfinden, was genau. Wär doch gelacht! Auch wenn die ersten Kapitel noch keine klare Richtung ergeben, sie werden schon sehen: Ich bin der geborene Schnüffler. Jawoll.“

    EXKLUSIV VORAB IM BAYERISCH LANDWIRTSCHAFTLICHEN HOCHZEITSBLATT Bereits 2015 durften wir Ihnen das Aufsehen erregende Erstlingswerk von Bruno, dem pubertierenden Rindvieh, vorstellen. Die spektakulären Erlebnisse des Teenager-Ochsen war ab der Crowdfunding-Namensgebung eine der nachhaltigsten Entdeckungen der letzten Jahre im Bioland Bayern. Ende September 2017 bringt er seinen Folgeroman „Weidesommer – Ohne mich“ auf den Markt. Wir konnten Ihnen, liebe Leser, eine exklusive Vorab-Version des neuen Heimatromans sichern.

    Weidesommer – Ohne mich

    Was bisher geschah: Nach monatelangem Exil in der Hallertau durfte ich (und die 3 doofen Weiber, aber die sind ja wohl wirklich nicht wichtig) zurück in meinen gemütlichen Stall in der niederbayerischen Heimat. Da ich aber ein sehr schlaues Kerlchen bin wusste ich: eines Tages wird ES wieder passieren. Und tatsächlich: am 19. März kamen die Entführer zurück. Dieses Mal hatten sie sogar eine ganz Junge dabei, die hat ganz eifrig fotografiert – da kam mir eine Idee, schließlich: warum lassen die mich dieses Mal hier? Die haben sicher irgendwas zu verbergen, wenn sie das cleverste Rindvieh im Stall lassen? Schlau wie ich nun mal bin hab ich Tick, Trick und Track (so nenne ich die 3 dummen jungen Dinger, die dieses Jahr ins Exil geschickt wurden) mit modernstem Equipment ausgestattet. Instagram, WhatsApp, Blogsoftware, Facebook, Twitter (Snapchat checken sie nicht, seufz!). Ihre Aufgabe: sie versorgen mich täglich mit Informationen. Oder wofür sollte dieses ganze Social Media Zeugs sonst wohl gut sein? Und ganz ehrlich: Irgendwas geht da vor sich, ich hab noch nicht ganz rausgefunden, was. Aber keine Sorge: ich bin schlau, ich finds raus. Bald!

    März 2017. Am frühen Morgen sind sie gekommen. Wieder er und sie. Unsere Stallbesitzer haben noch mitgeholfen, Tick, Trick und Track in den Anhänger zu katapultieren. Mit dabei war auch so eine Kleine, ganz gschaftig hat sie mit ihrer Kamera alles fotografiert. Wahrscheinlich wegen dem Lösegeld? Oder? Im Exil angekommen hat sich nichts verändert. Hütte steht noch, nach wie vor kein Palast. Aber den Palast hätten sie ja ohnehin nur mir zu Ehren errichten müssen … Na ja, war unspektakulär. So. Wobei, Moment: neben der Kirche steht so ein großes gelbes Ding. Und wo ich mir die Bilder genauer anschaue: drum rum ist ein Gerüst? Was haben die denn vor? Den Bildern zu entnehmen: nix, da passiert einfach mal nix.

    April 2017. Nix los. Recht langweilig, so insgesamt. Klar, die 3 dummen Dinger fressen und fressen und fressen. Wetter hat gepasst. Nnnnja, so schlecht war der Sommer im Exil gar nicht, also so im nachhinein gesehen. Aber schon recht langweilig so. Ist zwar erst April, aber … Vielleicht ist ja doch gar nix los? Halt, Moment, was machen die denn da? Die Kirche hat plötzlich kein Dach mehr? Ganz schön groß da oben. Und dann turnen da ein paar Hanseln einfach oben rum? Was machen die da nur?

    Mai 2017. Beim Maibaumaufstellen waren sie wieder alle da. Also die Entführungswächter. Und aha. Jetzt hat die Kirche also ein neues Dach, aber sonst steht da immer noch das Gerüst blöd rum. Oder? Jetzt fahren öfter mal ganz viele Menschen da hin, schauen, deuten, schauen, deuten? Die gehen auch aufs Gerüst rauf, achso, dafür war das da: damit die Menschen da raufgehen können? Schön blöd, die Menschen. So. Recht amüsiert haben sich Tick, Trick und Track über eine Aktion im Garten: da haben zwei wohl was am Traktor festgemacht, um die schönen Pflanzen aus der Erde zu ziehen. Und die Erde auch noch hochgeworfen. Bäh. Dabei wäre das komische Ding beinahe in den Traktor reingezogen worden und der eine von den zwein musste ganz schön schnell hüpfen, während die andere a bisserl blöd geschaut hat – haben sie wohl was kaputt gemacht? Wär doch viel einfacher gewesen, sie hätten Tick, Trick und Track da reingelassen, dann wärs halt ganz gechillt abgefressen worden …

    Juni 2017. Zu dem Stück Wiese, das sie kaputtgemacht haben, pilgern sie jetzt permanent. Haben die da leckeres Gras für die doofen Dinger angesät? Oder was? Unverschämt! Für uns gabs nix Neues, im letzten Jahr. Aber alle unsere Wärter scheinen da permanent nach dem Rechten zu sehen? Was da nur los ist? Der Juni war übrigens vor allem in den ersten zwei Wochen ein bisschen sonderbar, da mussten die 3 Exil-Kühe wohl öfter mal aufs Fressen warten, weil ihre Wärter ganze Tage unterwegs waren. Und dann hatte die Kleine, die normalerweise fotografiert, an einem Tag noch so eine dabei, standen die ewig am neuen Grasstück, um die Schnecken zu schimpfen? Kinders, Schnecken mögen doch gar kein Gras – tststs! An der Kirche sind täglich Menschen zu Gange, die haben jetzt um das Gerüst rum eine Plane gezogen? Wollen wohl was verheimlichen, häh? Ich sags ja, irgendwas ist da los. Ich komm schon noch drauf.

    Juli 2017. Die Menschen, die tummeln sich permanent am neuen Grasstück. Ist das etwa deren Fressen? Ich muss ja gestehen, dass ich die noch nie beim Grasen auf der Weide gesehen hab? Aber sie scheinen da was abzupflücken, phhh, ist, als ob ich statt einmal richtig reinzubeißen mir nur einen einzelnen Grashalm ins Maul ziehen würde? Wohl Sterneküche, was? Da wird man ja auch nicht satt von, hab ich mir sagen lassen … Und dann ist klammheimlich das Gerüst an der Kirche weg. Gut, dass die Rindvieher auf der Weide ein anderes Farbspektrum sehen, als die Menschen, weil wenn ich das richtig deute, ist die Kirchturmuhr jetzt rot. Ihr wisst ja: Wilde Stiere, also nicht wie ich Klasse-Ochsen, die reagieren auf rot, gell? Aber sind ja nur Mädels, meine Informanten. Komisch bleibt: letztes Jahr, in meinem Exil, da hatten unsere Wächter auch so ein Gerüst rund ums Haus rum. Haben wir jetzt von unserem lauschigen Fleckchen, äääh, von unserer gar schrecklichen Exil-Weide aus nur gesehen, wenn wir gaaaanz weit ans äußerste Eck gelaufen sind. Aber hab ich natürlich abgecheckt. Ob die Kirche irgendwas mit denen zu tun hat? … Ich komm noch drauf, ganz bestimmt!

    August 2017. … kraxelt der in so einem Korb am großen Stall rum und kleckert eine riesengroße Sauerei überall hin? Meine Beobachtungsdamen sind schon vollkommen empört, weil der viel weiß auf dem schönen saftigen Grün rundrum hinterlässt? Was soll das? Bei den Gesprächen geht’s wohl permanent um Termine, Essen, Getränke, Blumen (ehrlich? Gras schmeckt doch wirklich viiiieeel besser) und andere uninteressante Dinge wie Kleider. Irgendwie scheinen die Menschen auch nicht so viel Zeit für Tick, Trick und Track zu haben? Deshalb hat eine von den dummen Dingern an einem Sonntag morgen Blödsinn gemacht, ist ausgebrochen – wollte strawanzen, man denke sich: eine junge Kuhdame. Wurde von den Bewachern im Triumph in den Stall zurückgebracht, die anderen dummen Dinger haben gebrüllt vor Lachen – keine Frage: kein Material zu verwenden seitdem, so keifen sie sich deswegen … Die Spitzelriege musste ich infolge erweitern, weil die drei stehen unter erhöhter Bewachung: neuerdings spioniert die Katzendame – auch sie wurde vor Jahren entführt und fristet ein recht karges Dasein im Exil, muss sogar öfter mal im Wohnhaus der Menschen schlafen – für mich. Unterstützt von der Hühnerbrigade. Immerhin, das ist neu: die haben jetzt ein luxuriöses Sommer-Häuschen nebenan. Na gut, verständlich, bei den ganzen Eierskandalen … Kommen aber auch nicht rum. Durch Cat-Woman verbreitert sich mein Informationsfluss im Radius aber sehr. Nur etwas doof ist sie halt, die Cookie. Was bitte kann bedeuten, dass die Menschen im Hof ein Blumenbeet angelegt haben, in dem sie himmlisch scharren kann. Rasen angesät, vielleicht ist der für die Kuhdamen? Bahh, für uns gabs nix neu. So nicht, Herrschaften! IRGENDWAS soll wohl im September sein, weil da reden alle drüber? Herrschaftszeiten, kreuzkruzifix. Immer noch keine echte Spur– aber es kann nur noch eine Frage der Zeit sein.

    September 2016. Die letzten zwei Wochen geht’s da zu. Volles Haus, permanent. Uns, äh Verzeihung, meine Spitzel natürlich, beachtet kein Schwein! Sie haben die schönen Buchsbäume geschnitten (hab zwar noch nie probiert, aber hallo: dafür sind doch Kühe da, um so was zu machen?). Dann sitzen alle zusammen, was auch immer sie da auf Tischen aufhäufen? Und machen und tun? Langsam hab ich nur noch Fragezeichen im Kopf. Anscheinend – man halte sich fest – haben sie sich darüber unterhalten, ob sie Tick, Trick und Track WASCHEN sollen? Langsam aber sicher vermute ich, da ist wirklich was Schlimmes im Gange. Ich fürchte um das Leben der 3 Mädels … eigentlich sollte ich los, um sie zu retten? Na ja, aber man(n) muss sich ja auch nicht immer in alles einmischen? Oder? … Ach, wenn ich nur wüsste, was da vor sich geht … Gestern, also das war komisch, da sind sie mit so grünen Ringen in die Kirche gegangen, ich hab die Katzendame hinterhergeschickt, aber na ja – jetzt erklär mir mal einer, was DAS soll?

    Fortsetzung folgt. Am 16. September 2017 (alle Rechte an den vergangenen und zukünftigen Erlebnissen, Beobachtungen und Vermutungen von Bruno, dem pubertierenden Rindvieh, gehören dem recht von sich selbst überzeugten Verfasser und dürfen nicht zweitverwertet werden. Und Punkt.)

    Die gesamte Hochzeitszeitung hat das Brautpaar direkt herzlich zum Lachen gebracht, am Morgen nach der Hochzeit saßen beide gechillt in Liegestühlen und studierten, wie früher, das 28seitige Magazin von vorne bis hinten …

    Ein Exemplar wurde versteigert – stolze 60 Euro hat die bezaubernde Nichte äußerst selbstbewusst geboten und den Zuschlag erhalten, sehr zum Amüsement der gesamten Hochzeitsgesellschaft, da wollte sie keiner mehr überbieten (schließlich ist der Bräutigam, ihr Onkel, ja auch von Kind auf 60er Fan, da darf man auch gar nicht …). Nur leider musste sie sich später eine betriebswirtschaftliche Standpauke ihres Herrn Papa zum Thema Taschengeld und so anhören ….

    Das Titelbild haben wir übrigens zweitverwertet: an allen 3 Zufahrtsstraßen zum Dorf stehen seit dem Jubiläum der örtlichen Feuerwehr vor vielen Jahren kleine Häuschen für Hinweise, die haben wir für Plakate genutzt. So erfährt jeder beim Reinfahren in den Ort, dass „G’heirat werd“, und zwar an einem Tag gleich zwei mal. Beim Rausfahren strahlen die beiden Brautpaare vom vergangenen Wochenende um die Wette 😉