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Spruch zum Wochenende: Alles gut

„Es geht nicht darum, jemanden zu fragen, wie es ihm geht. Es geht darum ihm zuzuhören, wenn er antwortet.“ (Unbekannt)

Ein Gespräch in den letzten Tagen hat mich sehr berührt. Ein Freund hat sich über eine so typische Standardantwort mokiert, „Du fragst aufrichtig: Wie geht es dir? Und wirst mit diesem oberflächlichen „Alles gut.“ oder noch schlimmer „Gut, also echt, gut, alles ok.“ abgefertigt.“ Seine Gedanken gehen dahin, warum jeder denkt, dass er dieses Signal von „alles gut“ geben muss. Alles? Echt? Muss man dann nachfragen, oder soll man einfach abwarten? Denn im Gespräch zeigt sich doch oft: alles ist selten gut. Muss aber auch gar nicht sein. Sonst würden uns die kleinen, seltenen Momente von vollkommener Zufriedenheit ja gar nicht mehr auffallen. Oder?

Es berührt mich so, weil ich die letzten Monate quasi damit beschäftigt bin, mich zu wundern, wie gut alles sein kann. Weil ich es sein lasse. Weil ich mich im neuen Job zwar anstrengen, aber nicht quälen muss. Weil ich mich recht schnell in meiner neuen Arbeitswelt eingelebt habe und mich wohlfühlen darf. Weil ich pünktlich heimgehen kann, darf und sogar soll. Weil ich aber auch akzeptiere, dass sich mein Leben insgesamt verändert. Ich stehe früher auf und muss deshalb früher ins Bett. Ich schlafe generell viel und das tut gut. Das, was ich am bunten Treiben verpasse, fehlt nicht. Aber Schlaf würde mir fehlen …

Ich bin weniger online unterwegs, lese mehr offline. Die Begegnungen mit Menschen werden selektiver, dafür intensiv. Und damit kostbar.

Wenn man sich für eine Veränderung im Leben entscheidet, dann tritt auch Veränderung ein, die man nicht selbst definiert. Alles im Leben ist Entwicklung. Wie schon im letzten Jahr stehe ich der Veränderung für mich fast überraschend ruhig und gelassen gegenüber, statt aktiv vorwärts zu treiben lasse ich eher geschehen, beobachte und nehme an. Es scheint tatsächlich, dass ich eine Nuance mehr Geduld entwickle? Vor allem mit mir selbst. Fühlt sich gut an. Das bedeutet längst nicht, dass alles gut ist. Aber erstaunlich viel.

Und eben deshalb relativiere ich aktuell oft meine Antwort, bin zögerlich, hinterfrage gedanklich. Weil ich ja auch die letzten Jahre auf die Frage nach meinem Wohlergehen recht schnell mit „Alles gut. Im Job zu viel, aber das kompensiere ich durch mein rundum erfülltes Privatleben …“ geantwortet habe. Interessant, diese Reflektion, aber hinterher ist man immer klüger?