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#Heimatverliebt – Sommer in der Hallertau


Meine Heimatregion ist touristisch nicht überrannt – und gerade im Sommer im Verhältnis recht leer, da alle in die Ferien anderswohin fahren. Obwohl ich sagen muss: gerade in diesen Wochen ist es einfach herrlich schön bei uns. Einmal ist da die immer noch landwirtschaftliche Prägung, Wiesen werden gemäht, das Heu eingefahren. Die ersten Mähdrescher sind unterwegs. Es duftet überall nach Sommer. Kühe und Pferde grasen auf ihren Weiden. Dann haben wir rundherum viele Wälder, die Schatten spenden. Also ideal, um zu radeln oder auch bei großer Hitze spazieren zu gehen. Gibt auch mittlerweile ein schönes Radstreckennetz, einige Touren sind wirklich empfehlenswert. Genauso bietet es sich an, gemütlich auf einem „Roadtrip“ durch die Hallertau zu fahren, kurze Strecken, unterwegs in den Dörfern und Ortschaften anhalten und sich umschauen – das ist eine sehr entspannte Sommerfrische. Das gute Gefühl ist, dass hier vieles zu entdecken, aber wenig zu verpassen ist.


Besonders ist, dass in diesen heißen Wochen der Hopfen in den Gärten schnell nach oben schießt. Jetzt kommt die Blüte, kaum zu sehen, dann wächst auch schon die Hopfendolde heran. Das ist jetzt nicht so bunt und farbenfroh, wie etwa die Obstblüte. Aber unterwegs mal einen Blick in die facettenreich grünen Hopfengärten in unterschiedlichsten Stadien von Blüte bis hin zur Dolde werfen macht viel Spaß. Und bietet übrigens jetzt schon schön Schatten. Ach so: nur die weibliche Hopfenpflanze treibt die bekannte Dolde aus, die männliche ist nur zum Bestäuben da …


Und dann muss ich einfach mal sagen, dass die Hopfenregion so schöne Biergärten hat, dass es sich schon allein deshalb lohnt, hier mal eine Zeit zu verbringen, weil sie gerade im Sommer einladen, sie kennen zu lernen.

Über die Region hinaus bekannt sind:

Weniger bekannt, aber ebenfalls sehr zu empfehlen:

Und bestimmt noch viele viele mehr, denn: wer einen schönen Biergarten in der Region entdeckt sollte einfach anhalten und verweilen, jeder Ort in meiner Heimat hat seine schönen Ecken und Stellen.


Manchmal muss es für die Pause zwischendurch auch gar kein Biergarten sein. Die Holledau ist ein Hügelland. Unterwegs auf den Straßen und Wegen bieten sich immer wieder Rastplätze, oft mit einem Marterl, einer Bank und im Idealfall noch mit einem Baum für ein bisschen Schatten. Und immer mit einem einmaligen Ausblick auf die Region.


Und dann noch ein Wort zum Thema Baden gehen: ich habe bei der Biergartenempfehlung schon das Waldbad in Nandlstadt erwähnt, ein Naturbad mit schöner Liegewiese und schattenspendenden Bäumen. In der Umgebung sind zahlreiche Schwimm- und Freibäder, z.B. Wolnzach, Pfaffenhofen, Mainburg … Oft haben auch kleinere Ortschaften ein kleines Bad. Dazu kommen die Seen und Weiher. Am besten fragt man unterwegs, wo man am schönsten baden gehen kann, die Einheimischen werden sicher nicht ihre ganz geheimen Platzerl verraten, aber so einen groben Hinweis wirds schon geben 🙂
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Jule lädt zum Schreibprojekt „Heimatverliebt“, in diesem Monat lautet das Thema „Sommer in deiner Heimat“. Und der ein oder andere weiß es ja schon: ich mache gerade Sommerurlaub in der Heimat. Weils einfach so schön ist. Und weil es sich alle vier Jahre so herrlich mit einer Tradition verbinden lässt, die in der gleich an grenzenden Region Niederbayern beheimatet ist: der Landshuter Hochzeit 1475, die 2017 noch bis 23. Juli stattfindet … Mehr Heimatliebe aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“.

Heimatverliebt: Kultur in der Hallertau (5)

Und abschließen möchte ich meine recht ausführlich gewordene Empfehlungsliste zur Kultur in der Hallertau mit dem Hinweis, dass in meiner Heimat unzählige Künstler, Kunsthandwerker, Musiker, … leben. Über Eindrücke berichte ich ja lieber aktuell, aber ein paar Tipps sind von Dauer:

Der Prielhof gehört zu Kloster Scheyern, bereits seit 2005 finden dort alljährlich Ausstellungen statt, auch wieder im Herbst 2017. Aussteller sind Künstler aus der Region, es ist eine schöne, bunte Veranstaltung, sehr unterschiedlich.  Seitdem füllt sich in der parkähnlichen Gartenanlage ein Skulpturengarten, den man ganzjährig besuchen kann. Sehr zu empfehlen.

Genau wie das Kuchlbauer-Hundertwasser-Areal in Abensberg. Von weitem zu sehen ist der Turm, er wirkt wie ein Gebilde aus 1001 Nacht. Besonders schön ist, dass die Kunst mit der Tradition der Hallertau kombiniert worden ist, rund um den Turm ist ein gemütlicher Biergarten eröffnet worden, sodass man nicht nur hinaufsteigen, sondern auch drumrum sitzen kann und jedes Detail bei einer kühlen Mass Bier bewundern.

Und dann kann ich rundherum in der Region nur empfehlen. Augen auf und auf Details achten. Im kleinen Ort Weihmichl zum Beispiel gibt’s den Volkssänger Roider Jackl als Brunnenfigur, genau wie am weltweit bekannten Münchner Viktualienmarkt. Er wurde in der Hallertau geboren, genau wie Joseph Maria Lutz, in dessen „Dichterstube“ in Pfaffenhofen findet sich Korrespondenz des Heimatdichters mit seinen Zeitgenossen Thomas Mann oder Stefan Zweig. Und in vielen Dörfer entdeckt man kleine, liebevolle Kunstwerke an Häusern und Fassaden, in den Gärten, Erzeugnisse der Töpfer, Kunstschmiede, Kunsthandwerker, Maler …

Ein Kulturgut, das oft in Vergessenheit gerät, haben einige Orte in den letzten Jahren übrigens wieder aufleben lassen. Früher wussten die wenigsten den Familiennamen ihres Nachbarn, der war der Moar, Stolz, Knaller, … heute weisen kleine Schilder am Haus auf den alten Hofnamen hin. Das begeistert mich sehr und ich überlege, ob wir bei uns am fertig renovierten Bauernhof ein Schild mit dem alten Hofnamen anbringen …

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Jule lädt zum Schreibprojekt „Heimatverliebt„, in diesem Monat lautete das Thema „Kultur in deiner Heimat“ und dazu ist mir richtig viel eingefallen … Mehr Heimatliebe aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“.

Heimatverliebt: Kultur in der Hallertau (4)

Und: was wäre die Hallertau ohne ihre markanten Kirchen, klein und groß, Zwiebelturm oder hohe Spitztürme, aus allen Epochen und auch ganz modern. Die Kirchen und der katholische Glaube prägen die Region, es gibt viele Wallfahrten, die Segensbitten kann man auch an den unzähligen „Marterln“ allüberall spüren. Ich habe durch meine frühere Karriere als (Hochzeitstag-)Sängerin unzählige Kirchen der Region kennengelernt, jede wäre wert, sie zu empfehlen. Ich werde mich bei meinen Tipps trotzdem „bewährt souverän“ beschränken.

Nicht fehlen darf St. Stephan in Enzelhausen, im Hopfenland als Schimmelkapelle bekannt. Um den Holledauer Schimmel ranken sich zahlreiche Sagen, eine sagt, dass  junge Burschen, die beim Pferdediebstahl erwischt wurden, den Schimmel hier versteckt haben, anderen Erzählungen zufolge lockten frische Birken das gefräßige Tier ins Kircheninnere. Immer wurden die Türen für lange Zeit geschlossen und der arme Schimmel musste verhungern … häufig hört man, dass die Holledauer dem verhungerten Pferd beim Fund noch ein frisches Büschel Heu hinwarfen, in der Hoffnung, es würde wieder zum Leben erweckt. Kein Wunder, ein Pferd zu haben machte die Menschen damals   reich.  

Alljährlich am zweiten Oktoberwochenende besucht nah und fern die Wallfahrtskirche Hellring. Besonders ist, dass nach altem Brauchtum überall im Dorf die  Bauernstuben offen sind, um die „Pilger“ mit regional-typischen Speisen zu bewirten. St. Ottilia ist ein Frührokokobau, auch ganzjährig für einen Besuch empfehlenswert, es gehört zum Kloster Paring. 

Es gibt auch einen Dom der Hallertau, Resultat des wirtschaftlichen Aufschwungs der Marktgemeinde Siegenburg durch den erfolgreichen Handel mit Hopfen im 19. Jahrhundert. Wie überall in der Region machten sich die guten Einnahmen der Hopfenbauern auch durch Wohlstand beim restlichen Bürgertum bemerkbar. Die alte Kirche war zu klein, nach nur 2 Jahren Bauzeit wurde St. Nikolaus 1894 geweiht. Unter „Dom der Hallertau“ finden sich übrigens auch Erwähnungen für Pfeffenhausen und Wolnzach und womöglich noch ein paar Anwärter mehr…

Wer durch die westliche Hallertau unterwegs ist kann die markante Fassade von St. Arsatius in Ilmmünster im untypisch flachen Umland schon von weitem bewundern. Die aus dem 13. Jahrhundert stammende Basilika fällt durch den sogenannten charakteristischen Treppengiebel auf. Im Inneren wurde zu allen Jahrhunderten an die jeweilige Kunstrichtung angepasst, eine Restaurierung ermöglicht uns heute, dass wir die wiederhergestellte neuromanische Form sehen dürfen.

Wer auf der A9 aus dem Süden in den Norden fährt hat vielleicht schon mal auf der Fahrt durch die Hallertau ein kleines Kirchlein auf einem Hügel im Wald auf der rechten Seite entdeckt. Das ist St. Kastl, seit 1447 steht die spätgotische Wallfahrtskirche, daneben eine kleinere Barockkapelle und ein Gasthof fürs leibliche Wohl. Im angrenzenden Wald kann man wunderbar Spazierengehen, erreichbar über die Autobahnausfahrt Langenbruck.

In der kleinen Kirche von Enghausen, einem ebenfalls kleinen Ortsteil des nicht viel größeren Dorfes Priel, ist das älteste lebensgroße Kruzifix und damit die älteste monumentale Christus-Darstellung überhaupt. Das aus Holz geschnitzte Kreuz dürfte um 900, also im vorletzten Jahrtausend, entstanden sein.

Ein paar Kilometer weiter liegt das alte Wallfahrtskirchlein St. Alban, eine der kältesten Kirchen, die ich kenne. Angeblich wanderte der heilige Alban mit abgeschlagenem Kopf bis hierher, wo er begraben liegen wollte. Eine der ältesten Hallertauer Fußwallfahrten macht hier alljährlich im Frühjahr Station, mittlerweile dank des Engagements aus der Bevölkerung auch wieder mit wachsendem Zulauf.

Im Geisenfelder Ortsteil Ainau steht etwas versteckt St. Ulrich. Allein vor dem romanischen Portal kann ich meine Zeit staunend verbringen. Von außen gut sichtbar die großen Blöcke aus Kehlheimer Sandstein, auch Relief und Sonnenuhr begeistern mich. Im Inneren findet sich in den Fenstern, die im Zuge einer umfassenden Restaurierung erneuert werden mussten, auch zeitgenössische Kunst.

Und last but not least: St. Anton bei Ratzenhofen ist für Kunstgeschichtler spannend,  einige Werke gehen wohl auf italienische Künstler und Einflüsse zurück. Die heutige Kapelle ist von Barock und Rokoko beeinflusst, im Inneren die auffällige Kümmernis-Figur: die gläubige Tochter eines heidnischen Königs, ans Kreuz genagelt, mit nur einem goldenen Schuh und Bart, vor ihr ein im Knien geigender Spielmann. Lädt zu Spekulation ein – oder man befragt das www. Zur Kapelle wallfahren alljährlich am Pfingstmontag die Reservistenvereine und gedenken der Opfer der Kriege.

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Jule lädt zum Schreibprojekt „Heimatverliebt„, in diesem Monat lautet das Thema „Kultur in deiner Heimat“. Im heutigen vierten Teil habe ich euch von Kirchen in der Hallertau erzählt, ich habe noch ein paar Ideen für kulturelle Tipps in den kommenden Tagen. Mehr Heimatliebe aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“.

Heimatverliebt: Kultur in der Hallertau (3)

… nicht zu vergessen die Klöster der Hallertau. Von Weltenburg, das gaaanz knapp dran noch in der Region liegt, hab ich im letzten Jahr schon geschwärmt.

Ein bei mir sehr beliebtes Ausflugsziel ist Kloster Scheyern. Ursprünglich stand hier eine Burg der späteren Wittelsbacher, die im 12. Jahrhundert den Benediktinermönchen vom Petersberg geschenkt und als Abtei umgebaut wurde. Besonders ist ein Stück des Heiligen Kreuzes, als Reliquie ausgestellt. Wunderbar die Akustik der Klosterkirche, sehenswert die barocke Klosterbibliothek und Sakristei. Nach Vereinbarung gibt es Führungen durch Kloster und angeschlossene Brauerei. Ich treffe mich gern mit Freunden in der Klosterschenke oder im Biergarten, wunderschön sind Chriskindlmarkt und  Adventskonzerte, empfehlenswert das Kulturprogramm. Und: Zeit für einen Rundgang durch den Kräuterklostergarten muss sein.

Die Brüder Asam haben ihre Spuren im Kloster Rohr hinterlassen. Unter dem barocken Baumeister Christoph Dientzenhofer, der die heutige Anlage verantwortete, haben sie im Kloster und der zugehörigen Kirche unverwechselbare Altar-Bilder, Fresken und Stuckierungen geschaffen. Die Geschichte des Klosters war wechselhaft, ursprünglich gehörte Rohr zu einem böhmischen Kloster, das aufgelöst wurde. Bis heute betreibt der Chorherrenstift ein angeschlossenes Internat und unterstützt soziale Projekte. Auch hier möchte ich die kulturellen Veranstaltungen empfehlen, Informationen auf der Website.

Angeblich gab es in Paring bei Langquaid schon im späten 8. Jahrhundert ein Kloster. St. Michael, die dazugehörige Klosterkirche  wurde dann Urkunden zufolge im Jahr 1141 geweiht. Bis jetzt erhalten ist das Kirchenportal und romanische Wandmalereien. Heute leben mehr als 10 Chorherren mit einem Durchschnittsalter von jungen 35 Jahren im Konvent. Interessant sind die wissenschaftlichen Arbeiten, die im eigenen Verlag publiziert werden. Führungen in der Klosterkirche nach Absprache.

Ein Überbleibsel des ehemaligen Klosters Biburg ist St. Maria Immaculata. Die Gebäude der Anlage sind seit dem frühen 19. Jahrhundert in Privatbesitz, die romanische Klosterkirche wurde 1785 für die Gemeinde geöffnet. Das romanische Gebäude gilt als Schmuckstück, gerade weil es im Inneren schmucklos, fast asketisch ist. Die Basilika wird gerne mit Prüfening und Windberg verglichen, kein Wunder, alle drei Klöster gründete der Bamberger Bischof Otto I. Unbedingt sollte man rundherum laufen, um den Blick auf das Gebäude aus verschiedenen Blickwinkeln zu erfassen.

Auch Kloster Geisenfeld, früher eines der größten und reichsten im ganzen Bayernland, mit eigenen Ländereien, Wäldern, Brauerei, Sattlerei, Mühle, Bäckerei, Apotheke und vielen Handwerksbetrieben, gibt es nicht mehr. Nach der Auflösung um 1800 bekam die Pfarrei die Klosterkirche als Geschenk. Alle anderen Gebäude der Anlage gehören heute der Stadt Geisenfeld und dem Freistaat Bayern. Aus dem ehemaligen Klostergarten wirde ein Sinnesgarten mit Hochbeet, Klang, Wasser und Freiluft-Aktivitäten: fühlen, hören, riechen, sehen, spüren. Ganz einfach mit allen Sinnen genießen. Auf Anfrage gibt es Führungen.

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Jule lädt zum Schreibprojekt „Heimatverliebt„, in diesem Monat lautet das Thema „Kultur in deiner Heimat“. Je mehr ich in meiner Erinnerung krame, desto mehr nehme ich mir vor, die Ausflüge meiner Kindheit bald mal mit Kamera zu wiederholen. Im dritten Teil habe ich euch heute von Klöstern in der Hallertau berichtet, weitere Tipps folgen. Mehr Heimatliebe aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“.