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#Sonntagsfreude: Stade Zeit in der Holledau

Schneefall, außer dem eifrigen Schneeräumdient ist wenig los an diesem Sonntag vormittag. Auf den Holledauer Hügeln haben sich ein paar Jungs mit Schlitten versammelt, vereinzelt sieht man dick eingemummte Spaziergänger, die sich durch die eiskalte Winterluft bewegen. Autos fahren langsam und vorsichtig. Gut so, denn Schneeverwehungen und vereister Schnee machen das Fahren gefährlich./home/wpcom/public_html/wp-content/blogs.dir/6ef/30265910/files/2014/12/img_1289.jpgDie Hopfenfelder der Hallertau sind eingezuckert, oben auf den Drähten glitzert Schnee und Eis. Ansonsten auch hier stade Zeit. Da ist mir in diesen Tagen ein Text in bairischer Mundart in die Hände gefallen:

„Dem Hopfabauern sei stade Zeit

Am waschechten Hopfabauern muas ma wahrlich ned erklärn, dass da Hopfa mecht seng an jedem Dog sein Herrn. Wia is des nachad im Winta, wenns saukoid is, dass‘ s kracht, bleibst gscheida glei dahoam, vagiss den Spruch, guad Nacht.

Nix mehr geht do im Schnee, scho gmiatlicha is’s am Kanapä. Liaba no an Zug aus da Bipp ois wia vom koidn Zug a Gripp. Do faid zum Gartn da Kontakt, wia’s da Baua no dabackt. Doch ganz aso is’s wieda ned, dass er gor koa Arwad nimma häd.

Hod’s gor an Hopfa gschmissn und etliche Sain umgrissn, na miassn de Telegrafa kemma, han bsonders starke Männa. San ebba de Anker a no locker dann is da Bauer von de Sogga.

Wundern duads oan aba scho, geht’s mit’m Droht aufhenga o: ma steckt de Kaitn weg und Wind, wer ned wagt, der ned gewinnt. Mit Haum und warme Schuah, ja griagn denn de Hopfabauern gor nimma gnua? Oana im Schleppa und drei auf da Kanzl, is des no für’n Winta des richtige Schanzl? Bei Gott, ’s hod ois sein Sinn, is’s z’batze, na haut des a ned hin.

Im Winter is des a Gschicht, do werd koa Bodn vadicht. Obindn deans om de drei, gwis hams an Schnaps dabei. Is’s Weda oiwei no beschissn haud se da Bauer aufs Hopfakissn unta de Woideckn vom Schof hoid er nahad Wintaschlof.“

(Fred Hofstetter)

Mehr Sonntagsfreude bitte hier nachlesen.

 

 

 

Die Fanny und er

Was darf man erwarten, wenn ein klassischer Musiker, Echo-Preisträger, Kabarett auf dem Land macht? Den ich  ja mehr so als Musiker der kultigen La Brass Banda kenne. Und dann bricht sich sein geplanter Harfinist auch noch den Arm – und muss durch brasilianischen Gitarristen und  Alternativprogramm „Kein Aufwand“ ersetzt werden. Wenn er dann loslegt, der Andreas Martin Hofmeir, dann sind die ganzen Gedankenschwurbel zum Glück schnell aus dem Kopf. Man hört ihm zu. Hört ihm sehr gerne zu.  Und ich weiß jetzt, was eine musikalisch-kabarettistische Lesung ist. Seine geliebte Fanny kommt im Programm deutlich häufiger zum Einsatz, als bei so manchem Klassikkonzert. Und er entlockt ihr zauberhafte Töne, auch wenn es erst mal etwas gewöhnungsbedürftig ist, so Gitarre zur Tuba, oder umgekehrt.  Dass die Gitarre jetzt „per se sexy“ macht? Also mehr als die Tuba? Hm.

Die Musik ist beeindruckend, vor allem, wie er sie erklärt. Die begleitenden Geschichten erzählt er mit diesem kleinen Blitzen in den Augen, gerade seine Erlebnisse als Jugendlicher in der Holledau konnten viele förmlich mitfühlen. Witzig, er hat auch wieder eine Geschichte erzählt, die ich kürzlich bei einem Radio-Interview schon mal gehört hatte: wenn er mit seiner Tuba auf Reisen geht. Die bekommt einen eigenen Platz im Flugzeug, direkt neben ihm natürlich, die Fanny. Weil in den Gepäckraum …? Nicht wirklich!

Danke für den kurzweiligen Abend, auf das Programm mit Harfe bin ich jetzt noch neugieriger geworden – und wer auch etwas reinhören mag: bitte hier entlang.

#Sonntagsfreude: Einsamkeit

Das war ein Sonntag, an dem ich mich bewusst gegen beliebte und stark frequentierte Münchner Ausflugsziele entschieden habe, statt dessen war ich bei Spätsommer-Sonnenschein unterwegs im herbstlich eingefärbten Wald. Die ersten beiden Stunden mutterseelenallein – unterwegs hatte ich tatsächlich nur Begegnungen mit Schmetterlingen und Marienkäfern. Und so viel Ruhe um mich. Das hat richtig gut getan. Danach kamen auch im Voralpenwald Ausflügler an, fast alle bewaffnet mit Eimern, um die letzten Pilze zu sammeln. Da hab ich mich auf den Heimweg und es mir mit einem guten Buch in der Sonne bequem gemacht. Perfekt!
Mehr Sonntagsfreude bitte hier nachlesen.

Erinnerungstag

Wir gehen in meiner Familie „gut“ mit unserem Verlust um. Sprechen, tauschen Erinnerungen lebendig aus, sind offen, lachen oft gemeinsam. In der Ecke des Küchentisches steht ein Bild meiner verstorbenen Schwester. Sie ist jung gestorben, aber wir behalten sie in unserer Mitte – ein Stück weit lebendig. Für uns ist das normal, es gehört zu unserem Leben. Für Außenstehende mag es manchmal sonderbar anmuten. Da ich selbst mit gelebter Erinnerung schon immer besser klarkomme, als mit Totschweigen, kann ich auf Irritation in solchen Situationen gut eingehen. Und ich habe bislang niemanden erlebt, der nach Erklärung gar nicht damit umgehen konnte. Im Gegenteil.
Heute ist ihr Geburtstag, 35 Jahre wäre sie geworden. Ich stelle mir nie die Frage, wie sie heute wohl wäre. Tief in mir drin bin ich überzeugt, dass sie sich nicht sehr verändert hätte. Natürlich wäre sie 15 Jahre älter, aber ihr Wesen, ihr so liebevoller Charakter, hätte sich einfach mit ihr und den Jahren weiterentwickelt. Wo und wie sie leben würde, das hätte sich aus ihren Erlebnissen in diesen 15 Jahren ergeben.
Jeder in unserer Familie hat seine eigene Verlustgeschichte, irgendwie haben wir es trotzdem gemeinsam geschafft, ihren Tod zu verarbeiten. Und daraus haben wir familiäre Traditionen gebildet. Zu denen auch der unkomplizierte Umgang mit Erinnerungstagen gehört, also Geburtstag und Todestag.
Insofern hab ich heute morgen eine frühlingshafte Autofahrt durch die Heimat gemacht, um bei ihrer alten Freundin, die mittlerweile einen süßen, kleinen Laden betreibt, ein paar Blümchen zu besorgen. Dieses Jahr passend zum Wetter einen kunterbunten Frühlingsstrauß. Den meine Mama am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein zum Grab gebracht und an der besten Stelle platziert hat. Auf dem Friedhof trifft sie immer jemanden zum Ratschen, sie fühlt sich dort wohl, kümmert sich liebevoll um die Grabgestaltung. Das hilft ihr und meinem Vater.
Wir Geschwister haben andere Wege. Jeder so, wie er es am besten findet. Genau wie sie sich immer einen eigenen Weg gesucht hat. Sie war besonders. Nicht nur für mich. Auch ein Grund, warum wir sie niemals totschweigen werden.

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„Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.“
(Astrid Lindgren)