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Spruch zum Wochenende: Haben und geben

„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt. Der Hortende, der ständig Angst hat, etwas zu verlieren, ist psychologisch gesehen ein armer Habenichts, ganz gleich, wie viel er besitzt. Wer dagegen die Fähigkeit hat, anderen etwas von sich zu geben, ist reich.“ (Erich Fromm)

Ein guter Gedanke, über den ich gern und öfter nachdenke … und der gerade in vielen, unendlich vielen Gesprächen auftaucht: wie sehr uns dieses Haben doch manchmal am Leben, vor allem am zufrieden sein hindert.

Wie hat ein alter Freund kürzlich so treffend angemerkt: ich habe genug. Mehr kann mich weder glücklicher noch gesünder machen. Ich kann nur hoffen, dass ich es auch genießen darf, was ich habe. Wer weiß, wie lang ich noch hier sein darf. Nein, er ist nicht krank, aber ein bewusster Realist. Dessen Vater in seinem Alter die ersten deutlichen Zeichen von Alzheimer hatte …

Habseligkeiten [*.txt]

Was hat man eigentlich? Also so richtig? Alles das, was zu einem gehört, unabänderlich? Das Leben. Den Körper. Den Geist. Die Seele. Den Charakter. Die Gedanken. Vielleicht Liebe. Vielleicht Zuneigung. Vielleicht Gefühle. Viel ist es nicht, was man HABEN kann. Besitzen, ja, besitzen kann man vieles. Aber wieviel ist all das wert, wenn man mit Besitztümern nicht vermag, sich Zuneigung zu erkaufen. Sich Gesundheit zu erhalten. Sich selbst zu akzeptieren, zu erkennen, anzuerkennen, wie, was und wer man ist … Und worüber keiner gerne nachdenkt: alles ist vergänglich. Gedanken eines Tages zu Ende gedacht. Mein Körper stirbt, mein Leben vorbei.

Irgendwann in der Geschichte muss dennoch jemand definiert haben, dass HABEN selig macht. Oder woher sonst stammt wohl die Kombination Habseligkeiten? Noch mehr verwundert dann wieder, wie abschätzig das Wort wohl gemeint ist. gemäß Wörterbüchern bezeichnet der Begriff armseligen Besitz nahezu mittelloser Personen“. Haben sich das etwa die ausgedacht, die viel hatten, um das wenige der anderen zu verlachen? Dabei ist HABEN in vielerlei Hinsicht relativ, wer viel besitzt, hat schließlich viel mehr zu verlieren. Meint man. Wer wenig hat, vermag Verlust vielleicht mehr zu spüren. Tut sich schwerer, noch weniger zu haben. So viele haben doch viel angesammelt. Ohne es zu schätzen.

Beim Wort Habseligkeiten muss ich immer an eine kleine, fast flüchtige Begegnung aus meiner Studienzeit denken. Ich habe für meine Magisterarbeit sehr viel Zeit in der Monacensia verbracht und kam dort eines Tages mit einer Frau ins Reden, die ebenfalls oft da war. Sie recherchierte im Nachlass eines Schauspielers , der dort aufbewahrt wird. Wir unterhielten uns über die vielen Seiten geschriebener Gedanken, die wohl nur selten gelesen werden. Und dass in diesem schriftlich fixierten Gedankengut so viel Leben, so viel Erleben, so viel Schönes stecke. Ihre Worte in etwa: „Da häufen Menschen Besitz an, streben nach Reichtum – und merken gar nicht, wie wenig all diese Habseligkeiten ihr Leben bereichern. …“ Klingen nach, diese Gedanken, oder?

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 5. Wort lautet “Habseligkeiten”.