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Sonntagsfreude: Online-Familie to be

Man glaubt es kaum, aber in dieser Sekunde videokonferieren meine Eltern mit meinem Schwager und ihrem jüngsten Enkelkind. Über das www. Bin etwas stolz – dass ich die Technik trotz widriger Umstände und die Generation trotz Anfängerstarrsinn zum Funktionieren gebracht hab. Und dass wir den Eltern in dieses Zeiten einen Kommunikationskanal eröffnen, den sie sonst nicht hätten nutzen wollen … Läuft. Langsam und selten, aber läuft.

Abenteuer auf dem Bauernhof

Am Wochenende haben die Nichten einen Überraschungsbesuch auf dem Bauernhof gemacht – weil sie am letzten Ferientag eh zum Friseur angereist sind und sich gedacht haben, zwei Tage kann man auch draus machen. Dummerweise waren die besuchten Großeltern nicht ganz fit (der Opa hat sich bei der Waldarbeit so verkühlt, dass er Schmerzen in allen Gelenken hatte, die Oma war kreislaufgeplagt, der Onkel faschingsgeschädigt …). Phhh. Gut. Skispringen im TV ging.

Besser, dass Samstag früh endlich die leicht übernächtige Tante Coco kam. Nach dem reichlichen Frühstück sind wir direkt rausgejagt worden, endlich:

  • Hühner füttern, Eier abtragen.
  • Auf dem Weg zum Friedhof Moos, Steine und Zapfen (und was nach dem Sturm sonst noch an Geschenken rumliegt) einsammeln und am Grab dekorativ verteilen.
  • Alle anderen Gräber „gießen“ (mit Weihwasser natürlich, beschäftigt groß und klein als Team und man kann auch mal was zurechtrücken oder ein paar Blumen pflücken oder so)
  • Danach wäre Nichte 2.0 vor lauter Gschafteln beinah eine Treppe runter gefallen – aber: sie wird groß, hat viel mehr Körperbeherrschung als noch vor ein paar Wochen, wow!
  • Ausgiebigst durch Pfützen hüpfend zurück zum Bauernhof, wo wir erst mal eine Runde hinten herum gelaufen sind. Weil da auch Pfützen sein könnten.
  • Gut so, da waren zwei freilaufende Hühner, die da nix verloren haben. Wir haben sie im Team zurück zum Nachbarn und mit vollem Körpereinsatz über den Misthaufen sogar zurück in ihr Zuhause im Hühnergartl getrieben.
  • Nichte 2.0 hatte Oma und Opa voll Stolz zu berichten, dass die „Hena“ wieder beim „Done“ sind 😉
  • Worauf wir direkt weiter auf den Heuboden geschickt wurden, um Heu und Stroh für die Hasen einzupacken.
  • Nichte 2.0 war zum ersten Mal mit droben und hat eifrigst mit angepackt.
  • Als dann die Cookie-Katze auf den Balken balancierend dazukam wollte die das auch – und mit Tantenhilfe geht das. Da werden sogar sonst iiiiiiaaaauuuuooohbäääääääääääääh Spinnweben erst gesehen, wenn die große Schwester darauf hinweist …
  • Weil die auf die Strohballen hochklettern konnte wollte die kleine das auch. Haben wir zumindest ein kleines Stück mit Tantenhilfe auch geschafft.
  • Dann haben sich die zwei Schwestern auf einen Strohballen gehockt – dummerweise hat die große den superrutschigen Schneeanzug der kleinen falsch eingeschätzt. Bums, lag die kopfüber im Stroh. Die paar Tränen waren mithilfe der immer für Ablenkungsmanöver einsatzbereiten Cookie-Katze schnell getrocknet.
  • Beim Abstieg hätte die Tante samt Nichte 2.0 beinah einen Salto gemacht – aber auch das war nur eine winzige Schrecksekunde.
  • Achso, wenn bei Opas kleinem Traktor die Batterie ausgebaut ist, darf man da nicht nur draufsitzen, sondern auch alle Knöpfe und Hebel ausgiebig bedienen. Was für eine wilde Fahrt – und da die bezaubernde Nichte auf dem ja schon mal in echt mitgefahren ist, hat sich „Gu“ vom Opa versprechen lassen, dass nächstes Mal sie mitdarf. Jawoll!
  • Wie immer, so viele kleine Abenteuer in so kurzer Zeit! Wir haben es schon schön, so, halt.
  • 1994

    Heute vor 25 Jahren ist meine Oma väterlicherseits gestorben. An ihrem Geburtstag, sodass wir uns bis heute nur einen Erinnerungstag merken müssen. Meine Erinnerungen an ihre alljährlichen Geburtstagsfeierlchkeiten sind eng mit der Hopfenzupf verbunden, in manchen Jahren war der Hopfen früher reif, dann ging die Ernte durchaus schon Ende August, Anfang September los. Wir waren also so oder so „zu Besuch“. Ich vermute, dass sie nie jemanden eingeladen hat, sondern dass, wie es in katholisch Bayern früher üblich war, all die lieben Verwandten zu Geburtstags- und Namenstag so oder so vorbeikamen. Auf alle Fälle gabs immer Kuchen für den Fall der Fälle. Wenn sie schon reif waren einen Zwetschgendatschi. Mit Sahne. Und später wurde, auch wenn alle gar nicht so lang bleiben wollten, eine Brotzeitplatte auf den Tisch gestellt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eines der letzten Jahre, in dem ihre Schwestern und ein paar Nachbarinnen zu Besuch waren. Alle hatten reichlich Zeit mitgebracht, weil zu Hause keiner mehr gewartet hat …

    Mit ihrem Tod hat das Jahr 1994 für mich und unsere gesamte Familie eine wesentliche Veränderung hervorgebracht: vorher war das Haus meiner Großeltern fast so etwas wie mein zweites Zuhause. Mein Vater hat den Hof mit bewirtschaftet, wir waren viel dabei, zum Spielen, bei den Großeltern, mit der Oma im Garten, mit dem Opa „unterwegs“. Zu Geburtstagen und an Feiertagen traf sich die ganze Großfamilie, Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins. Nicht alle, aber schon der feste Kern sind mehr als 25 Personen …

    Seitdem gibt es dieses rituelle Treffen nicht mehr. Das Haus und der Ort haben sich verändert. Auch wenn alles anders geworden ist hab ich mir die letzten Tage fest vorgenommen, mal wieder an diesen Ort meiner Kindheit zurückzukehren. Mir die schönen Bilder nicht nur im Kopf zu erhalten, sondern die Erinnerung auffrischen. Ich vermute, das ist so was wie Heimweh?

    Sonntagsfreude: Familientradition 2.0

    Es gibt so familiäre Traditionen bei uns, die sind besonders. Da gestern 4 neue Kälber als Sommergäste auf die Weide eingezogen sind mussten heute natürlich die Nichten zum Beschnuppern vorbeikommen. Keine Frage, die Neugierde ist auf beiden Seiten riesengroß. Die Jüngste ist, wie einst die große Schwester, ein Schisser … noch 😊

    Witzig auch die Wiederholungen beim familiären Mittagessen. Es gibt wie von den Enkeltöchtern bestellt Spätzle mit einer guten Soße – die Oma bekommt großes Lob. Und beide langen kräftig zu. Aber wie schon vor etwa 6 Jahren, die Jüngste konzentriert sich für den Geschmack ihrer Mutter viel zu sehr auf die anderen Teller und vergisst vor lauter Gschaftln immer wieder das selber essen. Und schon ein Stück weit urkomisch, wenn die große Schwester dann den Kopf über die kleine schüttelt und weiter Spätzle in sich rein schaufelt. Sie ist wirklich das beste Beispiel dafür, dass sich das Essverhalten der Jüngsten am großen Familienmittagstisch mit den Jahren ganz von selbst ändert …

    Und was für ein perfekter Nichten-Tanten-Tag: Frühlingswetter, Kälber und Hühner inspizieren, schaukeln, den neuen Traktor von Onkel und Tante in Augenschein nehmen, zu den Ponys und Hirschen spazieren, am Teich nach dem Herrn Reiher Ausschau halten, Steine mit echten Kristallen gefunden – und ziemlich lang über das glibberige Etwas diskutiert, das wir am Feldrand gesehen haben. Viele Themen, immer was zu quatschen. Groß und klein fix und fertig, aber mit roten Backen und einem strahlenden Lächeln. Hach!

    „Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.