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#Sonntagsschreck

Eigentlich sollte die Überschrift Sonntagsfreude lauten, denn heute war ein ganz toller Sonntag, fast perfekt:
Zum Auftakt ein Gefühl von Ausschlafen, dann ein Mädelsvormittag mit Eierkochen und Ostereier färben. Die bezaubernde Nichte hat zugeteilt: für die Mädels (Oma, Mama, Tante und Nichte) rote und lila farbene, Jungs und „alle anderen“ die Farben, die sie nicht so gerne mag. Danach bei schönstem Frühlingswetter eine Runde durch den Garten, zu den Kälbern auf der Weide, Schaukeln.
Nach dem Mittagessen hatten wir einen ganz besonderen Ausflug vor: wir sind zu einem neugeborenen Baby gefahren. Die kleine Cäcilia ist an meinem Geburtstag nachmittags zur Welt gekommen. Winzig, ganz brav, schläft viel, die kleine Widder-Dame. Besucht haben wir natürlich auch die glückliche Mama, die beiden Stolz-wie-Oskar großen Schwestern und den zufriedenen Papa seines mittlerweile 4-Mäderl-Hauses. Nach dem genauen Bestaunen des Babys wollten die Erwachsenen auf der Sonnenterrasse Kaffee trinken – die Kinder spielen, toben, tollen. Tante Coco als größte Kleine musste mit … Die erste Runde Trampolin mit Johanna und Luisa war der plötzlich ganz verschüchterten Nichte zu wild, später allein mit Luisa wars dann toll. Ich sag nur „Osterhase -Pfeffernase“, hüpfen, jubeln, singen, lachen. Was hatten wir 3 Spaß, der Osterhase hat nämlich 2 lange Ohren, einen Puschelschwanz, einen weißen Bauch – und 4 Eier. Wer es noch nicht gewusst hat. Und darüber kann man minutenlang kichern-kichern-kichern. Alles klar?
Die kleinen Damen wurden heute aber auch geärgert, eine hinterlistige Wespe hat sich unter Johannas T-Shirt verkrochen und sie böse gestochen. Das verdirbt dann sogar einer fast 6jährigen den eigentlich verdammt lustigen Nachmittag. Und Luisa hat eine verletzte Lippe. Die ständig wieder aufspringt. Zum großen Glück gibts Kühlpacks und Salbe…
Zurück bei Oma und Opa Erdbeerkuchen, eine Runde Schaukeln mit der Babyschaukel „bis in Himmel“, Kälbern „Pfiade“ sagen. Nichte fix und fertig nach Hause. Morgen kann sie im Kindergarten noch mal allen Berichten, was sie erlebt hat, danach sind Ferien.
Ich skype noch entspannt mit den Schweizer Patenkindern. Monsieur kuschelt sich an seine Mami, ich störe, sie sollte ihm gerade eine Geschichte vorlesen… Und der Grund seines Frusts eigentlich nur wegen einer typisch italienischen Handbewegung. Hm, aber gegen den eigenen Papa? Schwierig, dieses Bockkäferleben. Und leider, das dauert jetzt noch ein paar Jahre. Dafür war die kleine Mademoiselle glänzender Laune, lächelnd, mitteilsam, ausgeglichen – kein Wunder, sie macht Yoga. Auf Mamas grüner Matte. Und war beim Friseur. Sieht supersüß aus, etwas kürzer. Keine Rattenschwänzchen mehr. Eher ein Bob, unten eine kleine Innenwelle. Und nein, kein Justin Bieber-Look, den hat ihr großer Bruder jetzt, gefällt mir an ihm aber besser, als am Original. Wir könnten noch Stunden quatschen, Bilder und Gedanken austauschen. Aber es ist Sonntag Abend – und ich muss noch nach München.
Schnell alles ins Auto gepackt, bei fast Vollmond und sternenklarem Himmel los. Freu mich auf zu Hause. Dann der große Schreck, mir kommt auf der Landstraße ein Auto entgegen, der dahinter, sieht mich nicht? Oder denkt, er ist schneller? Oder…? Überholt, ich muss eine Vollbremsung hinlegen, stehe von etwa hundert auf 0. Atme erst mal. Tief ein und aus. Zittere, weil das sehr knapp war. Und ärgere mich seitdem über den Vollidioten. Zum Glück konnten ich bremsen. Aber was denkt der sich eigentlich? Dem war ich scheißegal. Und DAS fühlt sich gerade gar nicht gut an ….

Geschwisterliebe und -hiebe

Nirgendwo auf der Welt sitzt tiefe Liebe und bodenloser Hass so eng aufeinander wie in einer Familie. Zwischen Geschwistern. Ich kenne kein Geschwisterkind, das Bruder/Schwester im tiefsten Inneren nicht heiß und innig liebt – und trotzdem sind wir in der Kindheit (und vielleicht nicht nur da?) zu niemandem so fies, so grenzenlos gemein, so gnadenlos, wie zu den eigenen Geschwistern. Habe am Bergwochenende mit 6 Kindern viele kleine Beobachtungen gesammelt, da waren Geschwister dabei, aber auch Cousin/Cousine. Man kennt sich gut, trotz des unterschiedlichen Alters von 7 bis knapp 13 kommen alle gut miteinander aus. Im Großen und Ganzen. Nur wenn man dann mal genauer hinschaut:

  • ist die große Schwester dauergenervt vom kleinen Bruder
  • machen die großen Jungs auf beste Kumpels und erteilen dem Jüngsten doofe Befehle – amüsieren sich dann aber noch nicht mal köstlich
  • ärgert die kleine Schwester ihren großen Bruder permanent, wehe aber, er rächt sich, dann geht das Kämpfen und das Geheule los
  • manchmal sinds kleine versteckte Hiebe, meistens aber schlicht verletztende Worte, „mein Bruder ist so blöd“, „die kann ja nix dafür, ist halt ein Mädchen“, „groß ist gleich doof“, „der bekommt immer eine Extrawurst“, und das war alles jetzt lang nicht das Schlimmste, was ich so mitgehört habe
  • wehe, jemand anders ärgert den kleinen Bruder/die kleine Schwester, dann werden die größeren Geschwister zu tapferen Löwen, stellen sich schützend vor denjenigen, den sie noch vor Minuten selber getriezt haben
  • Mädels gegen Jungs, schon klar – aber wenns dann wirklich ernst wird, dann halten doch die Geschwister zusammen wie Pech und Schwefel
  • manchmal hilft es nur, sich gegen den Willen der Eltern zusammenzurotten, auch wenn das in dem Moment ganz doof ist, weil man auch seinen Bruder/seine Schwester grade gar nicht leiden kann, aber: lieber diesen Schatten überspringen, als am Ende vor den Erziehungsberechtigten klein beizugeben
  • das kindliche Ego ist ein grausiges Ding, weil es so vollkommen irrational ist: schon ein Biss von einem Schokoriegel kann zu stundenlangem Bocken führen, ja, am Berg war hin und wieder ein ganzer Schwarm einheimischer Bockkäfer unterwegs, zum Glück wurden sie immer schnell abgelöst von munteren schmetterlingsgleichen Wesen, die lachend, gackernd, schnabulierend und scheinbar mühelos immer weiter in die Höhe tanzten 😉

Schön ist, wenn Geschwister aufeinander nicht neidisch sind oder sein müssen. Wird vielleicht erleichtert, wenn Eltern weniger „Das kann deine Schwester aber viel besser als du…“ oder „Unser Erstgeborener ist ein geborener Siegertyp, seine kleine Schwester, tja, da haben wir unsere Erwartungen schon sehr zurückgeschraubt…“ sagen? Keine Ahnung, ich geb auch immer ganz offen zu: als Kind fand ichs nicht sooo toll, Geschwister zu haben. Wäre jahrelang gerne ein Einzelkind gewesen. Das hat sich gründlich geändert: heute weiß ich, was ich an jedem meiner Geschwister hatte und habe. Wenn es drauf ankommt halten wir zusammen wie Pech und Schwefel, sidn füreinander da. Können uns aber auch gut loslassen. Manchmal gibts auch heute noch Hiebe in Form von spitzen Bemerkungen, aber so sind wir eben, das wird nicht übel genommen, zumindest nicht lang. Und ich möchte es nicht missen, keine Sekunde meines Lebens.