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Das mit den Geschwisterkindern

Auch wenn zwei Geschwister dieselbe Mama und denselben Papa haben, im gleichen Haushalt leben und entsprechend ein Erziehungssystem genießen, auch wenn also quasi identische Rahmenbedingungen herrschen: das bedeutet niemals nicht, dass sie „gleich“ sind. Großer Bruder, kleine Schwester, umgekehrt, Päarchen, weitere Geschwister. Jeder ist einmalig, bringt sich, sein Sein und Wesen, seine Interessen ein. Fällt mir bei den bezaubernden Nichten und Mademoiselle und Monsieur immer wieder an Kleinigkeiten auf.

Ganz auffällig beobachten konnte ich den Unterschied vor einiger Zeit an einem Geschwisterpaar bei einem gemeinsamen Besuch auf dem Reiterhof. Die kleine Schwester war nicht zu bremsen, wollte, obwohl jünger, direkt in den Sattel, konnte kaum erwartet, dass das Pony reitbereit war. Sie saß stolz wie Bolle, grinste, war eins mit der Bewegung, keine Sekunde Unsicherheit oder gar Angst. Selbstbewusst, hier gehör ich hin.

Beim Wechsel fiel direkt auf, dass beim großen Bruder alles genau andersherum war. Er war unsicher, hing eher im Sattel, starrte ängstlich, fast verkrampft auf das Pony, das entsprechend – Tiere spüren sowas ja sofort – tänzelte, ebenfalls erst mal unruhig unter ihm war. Wir konnten ihm schnell Tipps geben, die Pferdefreundin hat schließlich schon viele Kids Probereiten lassen. Aber es hat gedauert. Und definitiv fühlte er sich auf dem Boden sicherer.

Mal sehen, manchmal stacheln sich Geschwister schließlich auch gegenseitig an? Vielleicht werden die zwei ja zumindest irgendwann mal wiederkommen und ihre Ponyfreundin im Stall besuchen? Die kleine Schwester will „auf jeden Fall“.

1.06

Meine zwei Nichten dürfen immer am Geburtstag der anderen ein halbes Lebensjahr feiern, insofern haben wir am 8. Geburtstag der Großen auch die 1,5 Jahre der Kleinen zelebriert. Insgesamt ist der letzte Monat förmlich vorbei geflogen:

  • Nichte 2.0 ist morgens jetzt immer sehr hibbelig, bis es endlich losgeht, denn sie geht gern zur Krippe. Und ein bisschen ist sie damit auch schon groß, weil sie ja wie die Großen morgens das Haus verlässt. Jawoll.
  • Das mit dem Schlafen funktioniert in der Krippe sogar wesentlich besser als daheim. Sobald es Zeit ist gschaftlt sie zu ihrem Schlafplatz, legt sich hin – und schläft. Bleibt die Frage, warum das zu Hause eben nicht so läuft …?
  • Trinken läuft problemlos, beim Essen allerdings scheint manchmal der Appetit hinter der Neugierde herzuhinken? Ist gerade nicht leicht, sie soll ja selbst essen, da wandert aber viel zu viel auf den Boden, auch oft der Teller. Hm.
  • Auf dem Spielplatz ist sie sehr mutig, teilweise braucht sie eine Hand, vor allem wenn was wackelt. Aber sie will überall rauf, rein, runter. Ein kleiner Wirbelwind.
  • Natürlich will sie immer genau das haben, was ein anderer hat. Vor allem die Hüpfpferde und Autos, auf denen gerade die große Schwester spielt. Und mit lauten, ungehaltenen Na-Na-Na-Rufen oder auch gezielt eingesetzten Tränen bekommt sie die dann auch, klar.
  • Ansonsten darf die Große aber wirklich alles, auch wenn’s mal weh tut, Nini verzeiht sie alles-alles-alles. Sie liebt ihre große Schwester, abgöttisch.
  • Im Wagen geschoben werden ist immer noch doof, aber das Übel wird zeitweise ertragen. Wenn’s nicht mehr geht hilft es, unerwartet eine kleine Renneinlage mit plötzlichem Bremsmanöver einzulegen. Schon lacht sie übers ganze Gesicht.
  • Noch besser, weil es auch von jedem anderen unangenehmen Tagesordnungspunkt ablenkt, ist DER Hit: Aramsamsam, aramsamsam, gulligulligulligulli, ramsamsam … da tanzt sie mit den Händen und von einem Ohr bis zum anderen grinsend mit.
  • Mutig ist sie, klettert überall hoch. Und meistens gibt’s einen Schutzengel – manchmal muss aber auch die Tante hüpfen. Was altersbedingt auch durchaus schmerzhaft enden kann – zum Glück nicht für Nichte 2.0. Na Bravo.
  • Eigentlich wäre Schlafen toll, aber es klappt dummerweise nicht immer, was jeden Tag unterschiedliche Laune bedeutet. Ich muss aber sagen, dass ich sie bislang selten richtig schlecht gelaunt erlebt habe.
  • Nein ist offensichtlich nix für sie, über Verbote setzt sie sich konsequent hinweg, manchmal spitzbübisch beobachtend, was passiert. Wenn man sie aber lieb bittet oder warnt, das kommt an. Wenn ich Obacht sag, da spitzt die die Ohren und ist super aufmerksam.
  • Wir zwei schaffen mittlerweile sogar das Wickeln, sie hilft fest mit, damit sich die Tante nicht gar so doof stellt 😉
  • Generell haben wir zwei jetzt schon einige Stunden allein ganz gut hinbekommen, und auch zu dritt mit der bezaubernden Nichte klappt. Was den Eltern hin und wieder etwas Luft verschafft.
  • Nur wenn sie mitbekommt, dass sich die Mama aus dem Staub machen will, da ist Alarm angesagt, laut und herzzerreißend …
  • Wenn ich dann allerdings nach ein paar gemeinsamen Tagen nicht mehr da bin bekomme ich einen Anruf, dann ruft sie mich durchs Telefon, laut, energisch, fordernd. Noch nicht in gesprochenen Worten, aber deutlich 😉
  • Auf den Zehenspitzen rumwuseln ist nach wie vor super, aber die vielen neuen festen Schuhe für den Kindergarten lassen sie auch ordentlich auftreten – und mittlerweile schaffts sogar die Tante ihr die so anzuziehen, dass sie stabil auftreten kann. Und beim nächsten Mal erinnert sie mich bestimmt, dass man die Schuhe erst nach dem dicken Schneeanzug anzieht …?
  • Einmal mehr beobachte ich, dass sie kein klares Lieblingsspielzeug hat – alles aus dem Arztkoffer kann toll zum Untersuchen, aber auch zum Malen oder Schaufeln oder oder oder. Die „Bubbe“ schmeißt sie am liebsten durch die Luft, Legosteine werden am allerliebsten auseinandergebaut und überall hingeworfen … nur wenn dann einer unter ihr liegt, das findet sie nicht so toll.
  • Schaun wir mal, was der Nikolaus heut so sagt, denn bestimmt bekommen die Kleinen in der Krippe Besuch – und den braven Kindern bringt er bekanntlich eine Kleinigkeit mit.

Nichten-Tanten-Logik

Bei der großen Gartenverschönerungsaktion rund ums neue Haus haben wir Großen für den Geschmack der bezaubernden Nichte viel zu viel vom liebgewordenen Wildwuchs entfernt, vor allem von ihrem Geheimgang … als wir uns kürzlich auf den Weg zum Mirabellenbaum machten, meinte ich zu ihr, dass wir da noch einiges rausschneiden sollten, denn wenn sie in Zukunft Besuch von Freunden bekommt und die hinter ihr durch den Garten rennen, wäre ja schon toll, wenn denen nicht die Zweige und Äste um die Ohren klatschen. Oder?

„Quatsch Coco, die sind ja nicht so groß wie du …“ – Thema erledigt. Njjjjja, nicht ganz. Weil sie ja vorausgeht und die Zweige wegschiebt, damit schnalzen die auf die kleineren Menschen wahrscheinlich eher noch mehr drauf. Oder so.

Meine wahrhaft schlaue Antwort lautete aber „Du weißt doch noch gar nicht, wie groß deine zukünftigen Freunde sind.“ Ja, Logik können wir zwei.

Schreibzeit #4 – Demut

Ich bin in den vergangenen zwei Wochen demütig geworden. Sehr. Räumurlaub, zwei Urlaubswochen zum Ausräumen, Verräumen, Leerräumen. Ein riesengroßes Projekt ist das, was ich mir vorgenommen habe, und um ehrlich zu sein: ich habe nicht mal ein Bruchteil geschafft. Durchaus viel, aber ein Haus ausräumen, in das seit Generationen nur reingeräumt wurde, ist nicht mal mit zwei Wochen Freizeit einfach so zu schaffen. Vor allem, wenn man nicht alles in den Container schmeißt. Sondern sortiert, zusammenbringt, filtert, Ordnung reinbringt. Wegschmeißt, wegstellt. Räume und Renovierungsbedarf finalisiert. Ich bin demütig, denn obwohl ich seit Monaten gedanklich alles durchgegangen bin und es im Schlaf hundert mal bereits gemacht habe: jetzt ist es soweit. Echtzeit. So etwa die Hälfte ist verräumt, der Rest muss umgezogen werden. Und dann geht’s los. Renovieren, seniorengerecht, das Alte, Besondere erhalten und bewahren, modernisieren, wo möglich. Ich habe einen Heidenrespekt vor allem, was bereits geschafft ist. Und was vor uns liegt. Viel Arbeit, aber zum Glück ein Familienprojekt. Ein ziemlich großes, ok. Aber ich bin einmal mehr dankbar, dass ich das nicht allein machen muss.

(Ja, auch wenn es auch mal einfacher wäre, so bei Entscheidungen und so)

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Bines Thema für die aktuelle Schreibzeit: Demut“