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Spruch zum Wochenende: Erlösung

Eine meiner alten Chorfreundinnen ist gestern gestorben. In diesem Fall bezieht sich alt nicht nur auf eine langjährige Beziehung, sondern auch auf ihr Alter, sie ist fast 81 Jahre alt geworden. Allerdings war ihr kein schönes Altern geschenkt, sie war schwer krank, ist von ihrer Depression am Leben und vor allem am Glücklichsein gehindert worden. Ich widme meinem lieben Marerl meinen Spruch zum Wochenende:

„Einschlafen dürfen, wenn man müde ist und eine Last fallen lassen dürfen, die man sehr lange getragen hat, das ist eine köstliche, eine wunderbare Sache.“ (Hermann Hesse)

Ich bin traurig, aber gleichzeitig froh, denn der Tod war eine Erlösung für sie.

Es hört sich komisch an, aber ich habe mit dieser Mitteilung lange gerechnet, sie einige Jahre gefürchtet, in den letzten Jahren immer wieder fest damit gerechnet. War oft verwundert, dass sie weitergelebt hat, obwohl sie alles getan hat, um nicht mehr zu Leben …? Bei unserem Kennenlernen war ich ein Teenager, neu im Chor, wir Jungen wurden von den älteren Semestern gerne an den Rand gedrängt. Sie wollten uns nicht, und das haben sie uns deutlich zu verstehen gegeben. Nicht so das Marerl. Was hab ich dieses kleine Powerbündl von Frau mit den Jahren lieben und bewundern gelernt. Eine kleine Frau, damals schon im reifen Alter. Zumindest hat sie sich gern so bezeichnet. Lebenslustig und warmherzig von oben bis unten, immer lächelnd, immer freundlich, immer offen für uns Junge. Immer mit einem offenen Ohr, aber auch mit offenen Worten gegen die anderen Chormitglieder. Sie hat sich nie gescheut, für uns, speziell für mich Partei zu ergreifen. Und war dabei ehrlich, aber liebevoll. Sie hat sich nie im Ton vergriffen, sondern hat ihre Sichtweise neutral beigetragen. Ich habe viel von ihrer diplomatischen Art gelernt.

Freitag für Freitag haben wir uns gesehen, geplaudert, gelacht, erst in späteren Jahren habe ich entdeckt, wie oft es ihr eine Last war, uns allen dieses unbeschwerte Leben vorzuleben. Wie diese andere Seite, das Schwere, sie eingeschränkt hat. Auch mit ihrem Mann habe ich eine freundschaftliche Beziehung führen dürfen, ein Sonderling, ein Eigenbrötler. Dem sein zu Hause, der Garten, die Familie genug war. Der nicht gerne unter Menschen war. Wenn ich zu Besuch gekommen bin hat er mich liebevoll in den Arm genommen, sich gerne zu uns gesetzt, einen Tee mit uns getrunken, zugehört und auch gerne erzählt. Meistens ist er nach einer Stunde spätestens wieder verschwunden. Nur einmal ist er lange sitzengeblieben und hat aus seinem Leben berichtet, hat mir von seiner Zeit in der Kriegsgefangenschaft erzählt. Neutral, ohne Schmerz. Aber doch ganz deutlich, wie sehr ihn diese Phase seines Lebens bis heute begleitet, wie oft er nachts aus Alpträumen erwacht. Schweißgebadet und erschöpft!

Die beiden haben sich sehr geliebt, doch das Leben hat es ihnen nicht leicht gemacht. Beide haben sich Kinder gewünscht und es lange erfolglos probiert. Erst spät haben sie einen Sohn bekommen, auf dem nun alle Erwartungen lagen. Wie schwer es für sie gewesen sein muss, zu erkennen, dass er immer erwachsener wurde, sie irgendwann nicht mehr gebraucht wurden? Sie als Mutter und Hausfrau muss sich überflüssig gefühlt haben, nutzlos …

Meine Eltern erinnern sich, wie das Marerl lachend, strahlend und wirbelnd der Star jeder Veranstaltung war. Vor allem auf den Faschingsbällen war sie eine Stimmungskanone, auf Theaterbühnen hat sie jeden an die Wand gespielt. Dabei musste sie sich diese Aktivitäten erstreiten, wollte ihr Mann doch am liebsten, dass sie mit ihm zu Hause bleiben sollte. Nur sie beide. Ganz für sich. Immer wieder hat sie mir von ihren häuslichen Kriegen berichtet, von den Phasen, in denen sie sich durchgesetzt hat, in denen er unglücklich war. Und von den Phasen, in denen sie ihm zuliebe verzichtet hat und ihn zufrieden gemacht hat, um selbst unglücklich zu sein.
Vor einigen Jahren ist er gestorben, alle haben erwartet, dass das Marerl aufleben würde. Dass sie ihre Wünsche und Träume lebt, reist, unter Menschen geht … Doch stattdessen hat die Depression sie schon damals von uns allen weggeholt, hat sie gar nicht mehr zu sich kommen lassen, sie am Leben gehindert.

Sie ist gestern erlöst worden. Sie war ein tiefgläubiger Mensch, hat von ihrem Glauben immer gern als dem reinen, tiefen und unverfälschten Glauben eines Kindes gesprochen. Deshalb bin ich heute sicher, dass sie gestern von ihrem Schutzengel abgeholt wurde und schon heute vom Paradies auf uns alle herunterblickt. Mit ihrem so liebevollen und unvergesslichen Lächeln.

Spruch zum Wochenende: Glück gehabt

Was genau Glück bedeutet liegt im Auge des Betrachters. Gestern abend waren meine beiden Cousins in einem Auto unterwegs. Ihnen kam ein junger Mann entgegen, der einen LKW überholt hatte und dabei die Kontrolle über sein Auto verloren hat. Es kam zu einer Kollision, einem Frontalunfall. An dieser Stelle kann man nicht von Glück sprechen, denn die beiden waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber die Geschichte geht „zum Glück“ weiter: bei dem Unfall wurden alle Beteiligten verletzt, zwei davon leicht.Und hier beginnt die glücklichere Zeitrechnung, denn meine beiden lieben Cousins sind leichtverletzt, gehen einigermaßen heil aus dieser Situation heraus. Sie wurden behandelt, kommen wohl mit Prellungen, Schleudertrauma oder was auch immer davon. Aber sie sind nicht schwer verletzt worden. Und das nenne ich Glück.

Insofern widme ich meinen Spruch zum Wochenende dieses Mal dem Glück: „Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war.“ (Francoise Sagan) Auch wenn mir lieber gewesen wäre, wenns nicht passiert wär, ich denke, die beiden hatten Glück. Und natürlich hoffe ich, dass auch der Unfallverursacher Glück hat und sich bald erholt.

Ein kleiner Nebengedanke, da ich ja oftmals sehr über Facebook grummle und hin und wieder nicht so toll finde, wieviel Menschen hier von sich preisgeben: gestern abend war ich heilfroh, dass mein Cousin seinen simplen Eintrag „Da will man nur eben mal mit dem Auto nach X fahren und wird mit dem Heli nach Y geflogen…“ auch noch vielfach kommentiert, erklärt, auf Zeitungsartikel verwiesen hat. Muss man mal so sagen, das nimmt auch viel Ungewissheit und Unsicherheit raus, dieses Online-Leben, wenns für so einen positiven Zweck ist 🙂

 

Spruch zum Wochenende: Glückskeks

Und schon wieder hat es ein Glückskeks beim Asiaten heute mittag geschafft, mir den ganzen Nachmittag ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern – daran lass ich euch gerne teilhaben:

Du wirst immer von wahren Freunden umgeben sein.

Weiß ich, und dafür bin ich sehr dankbar! Ich wünsche euch, dass ihr ebenfalls mit diesem guten Gefühl durch euer Leben geht. Happy weekend!

Tanzen auf der Wiese

Eins hab ich am Wochenende gelernt: auf einer Wiese tanzen geht problemlos auch im Herbst. Dazu braucht man weder Sommer noch warme Temperaturen. Beigebracht hat mir alles, was es zum Spaßhaben beim Tanzen auf der Wiese braucht mal wieder meine noch nicht mal zweijährige Nichte.

Wichtiges Utensil sind Gummistiefel und eine Matschhose. Dann muss natürlich eine passende Wiese aufgesucht werden, am besten also die ganze Familie warm einpacken und bei fast irrsinnigem Spätnachmittaglicht mit ein paar guten Freunden losmarschieren. OK, besser ist es natürlich, sich von der Tante auf dem Dreirad schieben lassen. Mit dabei waren übrigens auch Kinderfreundinnen, die auf dem Fahrrad oder Laufrad ganz schön flott unterwegs waren. Aber wir sind gut hinterhergekommen. Erst mal die eigentliche Hauptattraktion, zwei Pferde in der Koppel, begutachten. Nachdem die beiden wichtigsten Fragen, also

1. wer ist das Mädchen, wer ist der Junge?

2. mögen die Kekse?

beantwortet waren, wars dann schnell nicht mehr sehr spannend. Und das hatte zur Folge, dass wir nach einem kurzen Brezenessen auf der Bank (V., L. und ich) von der kleinsten Mit-Spaziergängerin verlassen wurden.

Sie ist einfach mal ziemlich schnell die Wiese den Hügel runter gelaufen, ganz allein. Natürlich immer im Hinterkopf, dass ihr schon jemand (also ich) folgen wird. Und dann hat sie ganz einfach die Arme ausgestreckt und sich in der Wiese um die eigene Achse gedreht. Was war das für ein wunderschöner Anblick, lachend, glucksend vor Glück, mit sich und der Welt total im Reinen. Am lustigsten war übrigens, als sie dann etwas ins Torkeln kam und nach vorne mitten in den Matsch geplumpst ist. Und von der ebenfalls lachenden Tante einfach wieder hochgehoben wurde zur nächsten Tanzrunde. Ich hab mich natürlich angeschlossen, ebenfalls die Hände zum Propeller ausgestreckt, Kopf nach hinten und mit Blick in den Abendhimmel mitgetanzt.

Was kann das Leben herrlich unkompliziert sein?