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Spruch zum Wochenende: Gerangel

Was ich mir in diesen Tagen wieder mal aus ganzem Herzen wünschen würde? Menschen, die sich nicht auf Kosten von anderen Fehlern zu profilieren versuchen. Die nicht nach Macht gieren. Die nicht andere kleinmachen. Nicht geringschätzig und prestigeträchtig Schwächen aufdecken. Sich nicht größer, besser, … machen. Sondern ihre Mitmenschen achten und sich für gemeinsame Ziele stark machen, von denen jeder profitiert. In diesem Sinne hab ich einen Spruch fürs Wochenende gewählt – und etwas angepasst:

„Wir brauchen Anführer, die nicht in Geld und Macht verliebt sind, sondern Gerechtigkeit. Nicht in Ruhm verliebt sind, sondern in Menschlichkeit.“ (Martin Luther King Jr.)

Tante Coco, „helfe mir“

Feinfühlig wie ich bin weiß ich ganz genau, dass meine Nichten viel von ihrer Liebe nicht in ebendiesen Worten, sondern beispielsweise in Befehlen ausdrücken. Wenn also Nichte 2.0 bei mir Dinge, die sie schon recht gut selbst und vor allem allein hinbekommt, mit den Worten „Tante Coco, helfe mir“ kommentiert, bedeutet das, dass sie damit keine Frage, sondern eine Aufforderung verpackt. Im Prinzip gehts darum, etwas gemeinsam zu machen – mit mir, „meiner“ Tante. Mit der einfach alles viel besser gelingt. Und dass ich ihr dabei meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenke ist wohl selbstredend.

Also beispielsweise, wenn wir zusammen eine noch grüne Zwetschge mit einem aufgesammelten Ast öffnen und eine Riesensauerei dabei machen. Und zugegeben: sie war es nicht allein, ich hab ihr schon ziemlich dabei geholfen 😉

Paula und die Steinschlange: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Die Nachbarsmädels unterhalten sich seit Tagen über „ihre“ Steinschlange. Am Anfang hat Paula nicht so ganz verstanden, was jetzt bitte schön an einer Schlange toll sein soll. Aber vor ein paar Tagen ist ihr Herrchen Andi beim Spazierengehen einen kleinen Umweg mit ihr gegangen, und jetzt weiß sie: da gehts nicht um eine „echte“ Schlange. Sondern um Steine, die alle von Kindern wunderschön angemalt worden sind. Und einer nach dem anderen wird am Zaun entlang des Kindergartens in Schlangenform gelegt. Die Mädels haben erzählt, dass das am Anfang nur ein paar waren. Und jetzt wächst die Schlange beinahe täglich. Immer wieder kommt ein Kind vorbei und legt „seinen“ Stein dazu. Meter um Meter …

Paula seufzt, zu gerne würde sie da mitmachen.. Aber wie so oft: Hunde können nicht alles, was Menschen können. Gilt umgekehrt ja auch. Aber das mit den bunten Steinen gefällt der Hundedame einfach richtig gut. Weil das aktuell ja auch mehr bedeutet, als ein Zeitvertreib. Mit jedem Stein zeigen die Kinder, dass sie zusammenhalten, dass sie durchhalten, dass sie sich zurücknehmen – für später. Und da möchte Paula doch auch zu gern mitmachen. Sie gehört schließlich auch dazu.

Aber malen kann sie nicht. Etwas missmutig läuft sie heute deshalb die Gassirunde neben ihrem Herrchen her. Doch Moment mal, was liegt denn da? Es ist ein Stein, der sieht aber ganz ungewöhnlich, gar nicht wie ein „normaler“ Stein aus. Er schimmert in ganz vielen bunten Farben und fast könnte man von der Form her meinen, das sei ein kleiner Regenbogen. Paula freut sich so über ihren Zufallsfund. Und sie bellt ihr Herrchen laut an. Und weigert sich, weiterzugehen. Erst ist Andi verblüfft, dann zieht er an der Leine. Als das auch nichts hilft kommt er näher ran. Paula stupst mit der Schnauze auf den kleinen Findling.

„Achso,“ sagt Andi und grinst. „Du willst, dass ich den Stein mitnehme und an die Schlange anbaue? Da hast du recht Paula, der ist wirklich schön, der Regenbogenstein.“ Schon hat er den Stein hochgenommen. Mit stolzgeschwellter Brust läuft Paula direkt zum Kindergarten, wo ihr Herrchen den Stein zu den anderen legt. „So,“ denkt sie, „jetzt ist es auch ein bisschen „meine“ Steinschlange.“ Und der Gedanke macht ihr so viel Freude, dass sie ganz glücklich im heimischen Garten sitzt und jeden, der vorbeikommt, einfach nur selig anlächelt.

Sonntagsfreude: Miteinander

Zeit mit der besten Freundin ist immer kostbar, die letzten Tage waren aber noch wertvoller. 2019 war vieles anders, Ich-Zeit. Erholung. Heilung. Zum ersten Mal seit langer Zeit war unsere räumliche Entfernung nicht nur doof, sondern auch ein Hindernis. Planung nicht möglich. Gemeinsame Zeit nicht nur schöne Gelegenheit. Sondern komplex … oder sogar kompliziert. Zusätzlich Energie fressend. Nicht vorhandene Energie wohlgemerkt.

Umso schöner, dass wir diese frühen Tage des Jahres 2020 miteinander hatten. Inmitten der großen lauten Familie auch mal ein paar tiefsinnige, intime und zweisame Gespräche. Leise. Intensiv. Gnadenlos ehrlich. Wenig Neues, aber einiges, das jetzt zusammenpasst. Ein Bild ergibt. Ein Bild, über das ich mich oft gewundert habe. Unzusammenhängend. Das aber heute erklärt, warum es ihr so wenig gut getan hat. Wieviel Energie es sie gekostet hat …

Ich bin glücklich, dass neben den ernsten Themen viel Raum für Lachen, Leben, Lieben und Genießen geblieben ist. Herrlich schön war dieses gefühlt ewig lange Wochenende. Sehr energiegeladen. Gut, dass die zwei (sie und der Mo) heute früh nach Hause gefahren sind – und jetzt noch etwas Stille mit viel Nachklang genießen dürfen. Und ich auch ❤️

Und noch eines möchte ich festhalten: so viele Bilder in meinem Kopf, so viele Augenblicke und Momente, im Herzen abgespeichert. Denn trotz der wunderbaren Umgebung und der 1000 Motive hab ich keine einzige Erinnerung als Foto festgehalten … keine Zeit.