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Wenn …

Wenn ich auf dem Wochenendlandsitz aus der Tür gehe und Schritt für Schritt durch die Natur machen darf, dann erfüllt mich schon oft eine tiefer gehende Dankbarkeit.

Wie herrlich ist es, dass mich meine Füße tragen, sogar wenn ich einen Umweg gehe. Wie schön ist es, einfach rausgehen zu können, in eine zwar nicht unberührte, aber doch schon noch sehr natürliche Natur. Wie gut es tut, dass ich manchmal mutterseelenallein bin.

Ich atme, tief ein, tief aus. Und setze einen Fuß vor den anderen, auf altbekannten, neuen oder gar keinen Wegen. Ich sehe, nehme die Umgebung wie Nahrung in meine Seele auf. Wie schön, dass in solchen Momenten alles ganz nah, aber doch unendlich fern zu sein scheint.

Das sind immer wieder meine ganz persönlichen Glückspilz-Momente …

Sonntagsfreude: Zeitfenster

Aus Gründen verbringe ich ein verhältnismäßig unverplantes Wochenende – und genieße das geschenkte Zeitfenster. Durch und durch. Gestern hab ich seit Monaten zum ersten Mal wieder einen Spaziergang mit meinem Hundefreund durch die Holledauer Wälder geschafft. Keine Ahnung, wer sich am meisten gefreut hat, aber die Stunde Laufen und Gedankenteilen hat so gut getan. Dazu hat der Wind kräftig geblasen und alles, was nicht so schön ist, sobald es ausgesprochen wurde, hoffentlich unwiederkehrbar fortgewirbelt.

Der Start in den heutigen Sonntag war früh und ehrlich gesagt waren sowohl der Gassirunden-Freund (wir haben keinen Hund, sondern gehen unsere sonst einsamen Runden eben zu zweit) und ich etwas zögerlich. Und dann haben wir einen neuen Weg ausprobiert, der jede Sekunde wert war. Und ganz oben auf den Hügeln der Holledau hatten wir ungetrübten Alpenblick. Einmal das komplette Bergpanorama … was für ein Geschenk. Ich bin sehr dankbar, dass mein Zeitfenster mit so wunderbarem Inhalt gefüllt werden konnte ❤️

Das mit dem Plan

John Lennon soll mal gesagt haben „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, Pläne zu machen“. Es gibt bessere Zeitpunkte für ein neues Knie als so mitten in einer Renovierungsphase, aber gut – meine Mama konnte schon seit Jahren nicht mehr gut laufen, das Bein war schnell überlastet. Schon die vielleicht 300 Meter vom Haus zum Friedhof waren für sie eine weite und anstrengende Strecke. Ausgedehnte Spaziergänge hat sie aus dem Grund gar nicht erst gemacht … Jetzt ging es nicht mehr anders, die OP ist gut gelaufen, das neue Knie sitzt und passt gut. Sie hat die letzten Tage fleissig mit den Therapeuten gearbeitet, seit Freitag übt sie Treppensteigen – eben wird sie bequem zur Kur gebracht und es geht ihr gut. Sie ist fröhlich, erzählt, lacht, freut sich auf die 3 Wochen, in denen sie sich ganz auf sich und ihr Gesundwerden konzentrieren kann – schön! Und wir kümmern uns mit vereinten Kräften, dass sie zur Rückkehr dann schon in ihr frisch renoviertes zu Hause kommt.

Im Krankenhaus lag im Bett nebenan eine Frau Ende 60. Auch sie wurde letzte Woche operiert, hat ein neues Hüftgelenk bekommen. Auch bei ihr hat alles gut geklappt. Auch sie sollte heute in die Kur kommen. Alles war vom Zeitpunkt her perfekt aufeinander abgestimmt denn sie wollte in eine Kurklinik ganz nah bei ihrer Familie, hat den Krankenhaustermin seit Monaten verschoben, damit sie dort einen Termin für ihren Kuraufenthalt bekommt. Samstag wollte sie zur Toilette gehen und ist dumm gefallen. Die Hüfte ist gebrochen, sie muss wahrscheinlich noch mal operiert werden. Heute Ärzte-Konsultation statt Kur. Dass da die Tränen fließen ist nachvollziehbar – und es ist zu traurig, weil alles so gut geplant war, und dann kommt das Leben dazwischen …

Und bevor das jemand falsch versteht: auch für uns kam die Knie-OP zum falschen Zeitpunkt, aber da es sein muss nutzt alles nichts. Wir bekommen das irgendwie hin. Und genauso wird das die Familie der netten Bettnachbarin hinbekommen, eben anders als geplant.