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Spruch zum Wochenende: Achtsam

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.
Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

(Charles Reade)

Dankbar für das Gute in 2021

Ich bin ein bisschen spät dran – „normalerweise“ macht man diese Art von Rückblicken ja im alten Jahr. Aber ganz ehrlich: auch dafür bin ich dankbar, dass uns 2020 und 2021 gelehrt haben, dass vieles, das wir für „normal“ gehalten haben es eben nicht ist. Sondern privilegiert …

Ich habe ja mit diesem Blog die schöne Tradition der Jahresrückblicke übernommen und halte mit bekannten Fragen „meine“ wesentlichen Impulse für Dankbarkeit im abgelaufenen Jahr fest:

Welches Ereignis hat meinem Leben eine neue Richtung gegeben?
Ich bin zurück aufs Land gezogen und nicht mehr nur am Wochenende ein Landkind. Und wisst ihr was: vor allem in den Sommermonaten habe ich mir zu diesem Entschluss täglich gratuliert. Das hat mir in diesen rundherum unruhigen Zeiten viel Ruhe gegeben und erfüllt mich mit großer Dankbarkeit.

Welche Menschen habe ich kennengelernt, die mein Leben neu bereichern?
Ich würde sagen ich habe einige Menschen in meinem Umfeld neu kennengelernt – das hat zu mehr Nähe aber auch zu mehr Abstand geführt. Am wichtigsten ist, dass ich mich selbst wichtiger nehme, immer öfter nein sage, wenn andere etwas von mir erwarten. Und das bereichert mein Leben. Sehr.

Habe ich mich weiterentwickelt? Wenn ja – in die richtige Richtung?
Da möchte ich mich aus dem Vorjahr wiederholen: Ich bleibe auf meinem Weg, „bin mittendrin in der Entwicklung und es ist definitiv die richtige Richtung für mich. Wie sagen wir immer so schön: es bleibt spannend. Und irgendwann darf es auch gerne mal so richtig langweilig werden, für einen Tag. Oder so.“

Was habe ich in diesem Jahr erreicht?
Ich bin zufrieden mit der Reduktion und schaffe es immer öfter, auf die Unzufriedenheit in der Umgebung nicht zu reagieren.

Was waren meine Highlights?
Da es in diesem Jahr selten und kostbar geworden ist fällt mir besonders auf, dass ich mich bei dieser Frage trotzdem Jahr für Jahr zitiere: Immer wieder jeder einzelne Moment mit meinen liebsten Menschen. Meine Freunde und meine Familie lassen jeden Augenblick mit ihnen zu einem Highlight werden.

Tun mir die Menschen in meinem Leben gut?
Mit der Pandemie hat sich etwas verändert, folglich bin ich dabei, die Menschen in meinem Leben neu zu positionieren. Das ist in Bewegung, denn am wichtigsten ist, dass meine Energie bei mir und für mich bleibt …

Habe ich mir meine Träume bewahrt oder sie aus dem Blick verloren?
Auch 2021 profitiere ich davon, dass ich wenig plane und tatsächlich wenig „brauche“. Insofern liegt mein großes Glück in den sogenannten kleinen Dingen: Gesundheit, ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, Freunde, auf die ich mich blind verlassen kann, und das Rausgehen in die Natur. Der Muskelfaserriss zum Ende des Sommers hat mich tatsächlich ordentlich in Schieflage gebracht, weil mir genau diese Bewegung in der Natur so viel Kraft gibt. Ich arbeite daran, wieder in Balance zu sein.

Wann habe ich mich so richtig lebendig gefühlt?
Frühmorgens unterwegs, wenn außer mir noch keiner das Bett verlässt – kommt immer wieder der faszinierende Moment des Sonnenaufgangs. Wenn die ersten Strahlen beginnen, die Nase zu kitzeln und in wenigen Sekunden wird es von hell strahlend … das ist gewaltig und oft auch magisch. Und so tief lebendig.

Habe ich genug von dem gemacht, was mich wirklich glücklich macht?
… aus übervollem Herzen: ja.

Welches ungewöhnliche Kompliment hat mich in diesem Jahr besonders berührt?
Eine Grafikdesignerin hat meine Bilder als besonders und berührend beschrieben – eine andere hat mir geraten, sie an Bildagenturen zu verkaufen …

Wofür bin ich besonders dankbar?
Mein engstes Umfeld ist gesund durch das Jahr gegangen. Und auch das weitere Umfeld ist im Großen und Ganzen von schlimmen Krankheiten verschont geblieben. Dafür bleibe ich dankbar und demütig.

Was kam im Jahr 2021 dazwischen?
Der „Schuss“ ins Wadl, ein simpler Muskelfaserriss, der mich aber ordentlich durchgerüttelt hat , mental und körperlich. Und ein bisschen hat sich mein Immunsystem dadurch heruntergefahren, so dass mich die letzten Wochen eine bakterielle Infektion ganz schön „gedämpft“ hat. Ich fühle mich seit kurzem kuriert und hoffe, das bleibt so.

Was hat mich geärgert – und welche Konsequenzen habe ich daraus gezogen?
Manches, die Konsequenz ist, dass ich mich um mehr Distanz bemühe. Das ist für einen hochsensiblen Menschen eine Herausforderung, der ich mich aber gezielt stelle.

Das Beste, was ich für jemand anders gemacht habe?
Mit dem Gassigehfreund spazieren gehen.

Das Beste, was ich für mich selbst gemacht habe?
Momente im Bild festgehalten und mich fotografisch weiterentwickelt.

Habe ich den Menschen, die mir wichtig sind, dies oft genug gezeigt?
Ich glaube, das habe ich.

Wer oder was hat mich herzlich zum Lachen gebracht?
Vor allem meine Nichten, meine Familie, meine Freunde, meine Kollegen. Situationskomik, Zufälle …

Wann und wodurch habe ich mich besonders geliebt gefühlt?

Jedes Mal, wenn die Nichten und ich zusammen waren.

Wem ich schon lange Danke sagen wollte?
Euch. Ein herzliches Dankeschön aus ganzem Herzen fürs Mitlesen, für den Gedankenaustausch und für die vielen Impulse.

Wie geht es mit dem Blog weiter?

Mitleser wissen: mein Umfeld liefert ausreichend Geschichten, die einfach aufgeschrieben werden müssen. Bezüglich der Frequenz habe ich mir in den vergangenen Wochen oft Gedanken gemacht, weil ich immer mal wieder ein schlechtes Gewissen habe, wenn es nicht regelmäßig ist. Dabei hab ich nie erwartet, jemals so viel, so häufig und so überhaupt zu bloggen. Deshalb: so, wie es sich ergibt und wie es mir reinpasst 😉

Euch allen wünsche ich einen guten Start für 2022 – ich hoffe, ihr habt mit dem vergangenen Jahr liebe- und friedvoll abgeschlossen und wünsche uns allen, dass es 2022 viel Miteinander und ein gutes Zusammen geben wird.

Sonntagsfreude: Internationaler Denkmaltag

Den Mottotag heute nehme ich einmal mehr zum Anlass, ein paar philosophische Gedanken darüber niederzuschreiben, dass gerade der Gebäudesektor ein Bereich ist, in dem heute leider aufgrund unseres Überflusses viel zu oft nicht nachhaltig gedacht wird. Nicht nur große Bauten sollten als Denkmal gesehen werden, jeder Bau ist darauf ausgelegt, nicht nur ein paar Abschreibungsjahre zu überdauern. Kaum ein Gebäude wird so schlecht und günstig errichtet, dass es nicht mal 50 Jahre „leben“ darf.

Allein in den vergangenen Wochen hatte ich mehrere Gespräche, immer drehte es sich um das Thema: wie leicht heute ein durchaus noch erhaltbares Gebäude aus dem Weg geräumt wird. Um „schön neu“ zu bauen. Was aber passiert mit dem, was darin verbaut wurde? Gar nicht mal so selten nicht abbaubarer Sondermüll. Mein alter Freund bekommt viel mit, was im Landkreis an Neubau geplant und umgesetzt wird. Er ist mittlerweile wirklich sorgenvoll, weil die Kommunen so oft Bauprojekte genehmigen, die schlicht an den Bestandsbewohnern vorbei geplant werden. Dass das für bestehende und neue Anwohner nicht zufriedenstellend ist? Ist den Planern wohl wurscht … seufz.

In meinem Heimatort ist wieder einmal ein süßes kleines Häuschen „weggeschoben“ worden – dumm, dass ich dem stolzen Bauarbeiter dafür kein „Like“ geben konnte. Auf meine kritische Frage, was da jetzt gebaut wird kam keine Antwort. Ich hab mich aber schlau gemacht, ein weiteres Mehrfamilienhaus. Mitren in einer Siedlung mit lauter kleinen Einfamilienhäusern. Der Neubau einer Mietanlage wurde trotz Wohnungsleerstand genehmigt. Da das kleine Häuschen auf einem kleinen Grundstück stand gibt’s da übrigens in Zukunft auch keinen Grashalm mehr drum herum … fügt sich richtig schön in so eine dörfliche Gemeinde ein.

Und gestern habe ich unerwartet ein langes Gespräch mit einer etwa gleichaltrigen Frau geführt. Ich habe angehalten, um den blühenden Kirschbaum vor dem wunderschönen Wohnhaus zu knipsen – und wurde von der Tochter des Hauses darauf hingewiesen, dass sie das nicht erlaube (was völlig ok ist, auch wenn ich ohnehin nicht das Bild machen konnte, das mir vorschwebte …). Die Mutter kam dazu, beide waren verwundert, dass ich das 1910 erbaute Haus so schön finde. Das Familienoberhaupt plane einen praktischen modernen Neubau, das alte Haus werde wohl „entsorgt“… Dann unterhält man sich und merkt, was als alt angesehen wird ist nur die in die Jahre gekommene Fassade. Ich hab einfach mal frech erwähnt, dass das auch bei einem modernen Haus nach ein paar Jährchen so kommen wird. Und dann mit meiner eigenen Renoviererfahrung ein paar Aspekte eingebracht … und die aktuelle Förderung durch staatliche Mittel erwähnt.

Ja, ich gestehe, dass ich mittlerweile viel zu viele, oft leerstehende, Häuser ins Herz geschlossen habe. Die alle wert wären, erhalten zu bleiben. Ich werde es hier auch hin und wieder mal „erwähnen“, denn auch ältere Bauten haben mindestens meine Wertschätzung verdient. Und es sollte zumindest geprüft werden, ob sie zukunftsfähig renoviert werden können, statt einfach nur Schutt auf die stetig wachsenden Müllberge zu schaufeln …

Schreibprojekt 2021 – Momentaufnahme #2

Im Mitmachprojekt stellt Aequitas et Veritas die zweite Frage: Wie gehst du mit Scheitern um – deinem eigenen und dem von anderen?

Spannend, denn durch die Frage wird implizit bereits die Definition von Scheitern mit etwas Negativem assoziiert? Und da fühle ich mich doch gleich doppelt herausgefordert, herauszufinden, ob es auch eine andere Betrachtungsweise für den Begriff Scheitern gibt. Sucht man also nach dem schwachen Verb scheitern, dann bekommt man als Bedeutungen:

1. ein angestrebtes Ziel, einen Plan o. Ä. nicht erreichen

2. keinen Erfolg haben

3. misslingen, missglücken, fehlschlagen

Sucht man weiter, kommt es zu einer Herkunft bzw. einer Herleitung des Wortes aus dem 17. Jahrhundert: aus „zerscheitern“, also in Stücke (Scheite bzw. Scheiter) gehen. Und daraus leite ich jetzt einfach mal ab, dass für mich Scheitern nicht ausschließlich negativ zu verstehen ist, Teile klappen. Vielleicht ist das auch schon ein Teil der Antwort: ich suche immer nach positiven Aspekten …

Das kann ich besonders gut, wenn für einen anderen etwas nicht ganz so klappt, wie er es sich gewünscht hat. Oder wie andere es von ihm erwartet haben. In dem Kontext gelingt es mir spielend, so viele positive Aspekte herauszufinden, dass sie das, was nicht geklappt hat, locker überwiegen.

Wenn ich etwas von einem anderen erwartet habe und das scheitert? Kommt es drauf an. Da fällt es mir unter Umständen nicht ganz so leicht, die positiven Aspekte herauszufinden. Aber ich gebe mir auf alle Fälle Mühe. Auch dann, wenn das Gegenüber möglicherweise zu viel versprochen hat …

Wenn jemand eine Erwartung an mich formuliert, die ich nicht erfüllen kann – kommt drauf an. Wenn ich es mir selbst zutraue und ich schaffe es nicht, dann nehme ich das so, bemühe mich trotzdem, um zumindest so viel möglich hinzubekommen. Wenn ich es von vornherein so einschätze dass ich es nicht oder nicht zu 100 Prozent kann, dann kommuniziere ich das auch entsprechend. Das empfinde ich nicht als Scheitern.

Ja, wenn ich mir ein Ziel setze – was nicht oft vorkommt, da ich nicht so viel plane – und das klappt nicht? Dann denke ich drüber nach, warum es misslungen ist. Und mache für ein mögliches nächstes Mal tatsächlich einen Plan. An den ich mich dann hoffentlich im Fall der Fälle erinnere. Denn einen Fehler zwei mal machen? Das empfinde ich wohl als Scheitern im wörtlichen Sinn.


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