Schlagwort-Archive: ferien

Warum es gut tut, immer mal wieder alte Fotoalben zu durchstöbern

Irgendwo habe ich kürzlich gelesen, wie unwahrscheinlich viele Bildaufnahmen (Fotos und Videos) Eltern heute von ihren Kindern machen. Klar, das digitale Zeitalter bietet unendliche Möglichkeiten und Speicherkapazitäten. Muss man wirklich alles festhalten? Im Bild? Auch ich bin manchmal unterwegs und habe permanent die Kamera im Anschlag, um kein Motiv zu verpassen. Darauf gibts keine allgemeingültige Antwort, muss jeder für sich entscheiden. Für mich gilt: es gibt keine schönere Erinnerung, als in alten Fotos und Alben zu stöbern. Habe ich gestern abend gemacht, eigentlich auf der Suche nach Fotos aus den ersten Lebensjahren meines mittlerweile riesengroßen, weil 7jährigen Patenkindes. (Wir machen immer Uns-ganz-doll-Umarmen-Bilder, schon als er noch ganz klein war, die wollte ich mal anschauen und mit den aktuellen „vergleichen“)

Aus der Suche wurde ein Fotoalben-Schauen-Abend, mit vielen Funden, Überraschungen und Erinnerungen. Mensch, was hatten wir in unserer Kindheit für eine wunderbare, farbenfrohe Mode? Diese 70er, Schlaghosenalarm, das Revival haben wir irgendwann in den 90ern freiwillig mitgemacht, mit Sonnenblumen im Haar und Dieter Thomas Kuhns Festivalmotto: „Leidenschaft, Lust und Liebe“. In meinen Fotoalben kleben neben Millionen Landschaftsbildern fein säuberlich Menschen, die eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt haben, alte Freunde, Mitschüler, viele, die ich heute wohl kaum mehr auf der Straße erkennen würde. Die mich aber trotzdem ein Stück des Weges begleitet haben, manche über viele Jahre.

Und da kommt auch eine Selbstreflektion: ich selber fühle mich ja sehr jugendlich, schaue schließlich längst nicht so alt aus, wie es mein Geburtsdatum im Ausweis glauben macht?! Nur: wenn ich dann alte Bilder von mir sehe, dann muss ich mir ehrlich eingestehen: du bist keine 20 mehr. Du hast dich weiterentwickelt, bist älter und reifer geworden. Damals sahst du anders aus. Nicht viel, aber schon sichtbar! Da ist dieses Bild im roten Kleid, das ich lange vergessen habe: da steht ein Mädchen. Heute bin ich nicht mehr ganz so mädchenhaft … Am schönsten sind die Erinnerungen an Momente, in denen man so unendlich Zeit hat, Bilder aufzunehmen plus die Motive: Urlaubstage, am Meer, in den Bergen, an der See, in Städten. Feiern, Geburtstage, außergewöhnliche Wochenenden. Das alles sind heute Impulse, lässt mich überlegen, Pläne schmieden … ach, es tut einfach gut, alte Fotoalben durchzublättern. Und wenn es nur ist, mittendrin einem lieben Menschen ein kurzes Lebenszeichen zu geben: „Weißt du noch? Damals …“

———————————–

Noch ein kurzer Exkurs zur andauernden Debatte Eltern-veröffentlichen-Bilder-ihrer-Kinder-im-Netz: Auch die Kinder von heute freuen sich garantiert nicht, wenn sie in 20 Jahren Fotos von ihren nackten Popos in der Community wiederfinden, die bis dahin noch Facebook heißt oder dieses abgelöst hat. Genauso wenig wie wir heute oder die generation vor uns amused war, über Aufnahmen, die uns einfach nur doof aussehen lassen. Bei der Veröffentlichung dieser Aufnahmen auf öffentlich einsehbaren Netzwerken, Communities o.ä. gehts aber nicht darum, dass sie gemacht wurden, sondern um unüberlegtes Handeln der Erziehungsberechtigten. Und damit ist nicht zu spaßen. Stolze Eltern werden im Internet quasi zu Mithelfern. Liebe Eltern: es gibt Möglichkeiten, Bilder, eigene und die eures Nachwuchses zu schützen. Probierts doch mal aus?

Ferienspaß

Am Sonntag habe ich mir, nach einem ausgiebigen Besuch im Mega-Planschbecken der bezaubernden Nichte, einen Tag wie in den Sommerferien gegönnt und bin auf Landstraßen durch meine Heimat gefahren. Bei flirrender Hitze, die mich mit wirklich berauschenden Farbtönen verwöhnt hat. Tiefgrüne Hopfengärten neben Getreidefeldern, von gelb über gold bis hin zu schon wieder braun, da umgeackert. Durch Wälder, die hügelige Landschaft – die Hallertau ist schon ein bezaubernder Flecken Erde. Ganz besonders an einem Hochsommertag, der sich anfühlt wie in den großen Ferien.

In meiner Kindheit hieß das: sich von morgens bis abends draußen herumtreiben. Bei schönem Wetter ein Traum. Auf den Feldern wurde die Ernte eingeholt, sehr spannend als Kind. Obwohls auch schon echte Mitarbeit war. Unser Papa hatte noch einen eigenen kleinen Mähdrescher. Nicht modern und klimatisiert, wie die großen Exemplare heute. „Klimaanlage“, das war kurze Hose und T-Shirt plus – unvergessen – ein Sonnenschirm, der die ungebremste Hitze abhalten sollte. Da konnte ich stundenlang zuschauen, wie gemäht wurde, wie Getreide in Wägen verteilt wurde. Hinterher durften wir Kinder das Stroh verteilen, ehe es von einer Strohpresse in handliche Pakete verpackt wurde. Als wir etwas größer waren mussten wir die dann auch noch auf den Wagen aufladen. Hab ich damals gehasst, weniger, weils so anstrengend war, vielmehr, weil man sich an scharfen Strohhalmen alles zerschnitten hat und das hinterher wie Hölle gejuckt hat …

Ende August dann das Highlight: die Hopfenernte. Dauert im Schnitt so 2-3 Wochen. Und war für uns als Kinder ein riesiger Spaß. Wir durften Traktorfahren. Irgendein Erwachsener hat erst mal Traktor und Ladewagen bis zum Hopfenfeld gefahren, dann ist einer mit einer großen Schere vorausgelaufen, um die Pflanzen unten abzuschneiden, eines der Kinder darf den Traktor durchlenken, was nicht sehr schwer ist, da die Spur vorgegeben ist, der zweite Erwachsene hinten drauf reißt den Hopfen ab und legt ihn auf den Wagen. Dann fahren alle zurück zum Hof, wo weitere fleißige Helfer warten, den Hopfen in die Pflückmaschine einzuhängen und auszuklauben. Am schönsten waren die Zeiten, als meine Eltern dafür witzige Studenten zur Mithilfe hatten, die sich in den Semesterferien etwas Geld verdient haben. Neben der Bezahlung waren die auch immer ganz glücklich über die Hopfenzupferverpflegung: mindestens zwei mal pro Tag eine Brotzeit, mittags ein sehr reichliches Mahl, oft abends noch ein kühles Bier und eine warme Mahlzeit. Für uns Kinder die schönste Zeit, hinsetzen, etwas mitessen, den Geschichten zuhören, die Großen bewundern und anhimmeln.

Die Sommermonate mit Erntezeit waren für uns als Kinder eher spielerisch, ein einziges großes Abenteuer: Heu mähen und einfahren, da kann man lustige Versteckspiele erfinden oder auf dem Heuboden im frischen Heu herumtoben. Bei der Hopfenzupf findet man immer wieder Marienkäfer, die gerettet werden müssen. Oder man klaubt runtergefallene Hopfenreben auf- am besten als Wettbewerb, „ich hab mehr als du“. Traktorfahren durch den Hopfen ist sehr abenteuerlich, man kann lauthals singen und keiner hört zu. Oder – wie meine Schwester es mal ausprobiert hat – testen, ob man wirklich in der Spur bleiben muss oder ob man auch mal quer durchs Feld fahren kann. Immer noch eine legendäre Geschichte bei Familienfeiern …

Letzte Schultage

Juchu, morgen ist endlich auch in Bayern der langersehnte letzte Schultag. Und es geht loooooooohohohohos in die GROSSEN Ferien. 6 Wochen Auszeit am Stück.

Weiß man diesen Luxus als Schulkind zu schätzen? Ich bin mir nicht sicher … In meinem letzten Kindergartenjahr zumindest kam mir jeder einzelne Ferientag zwischen dem letzten Tag im Kindergarten und dem 1. Schultag zu lang und vollkommen überflüssig vor. An der Schwelle von der Grundschule zum Gymnasium wars dann eher die Aufregung, die von Tag zu Tag stieg. Die nächsten neun Jahre? Das war unterschiedlich. Zumindest kann ich mich in all den Jahren einheitlich daran erinnern, wie lang ich die Ferien herbeigesehnt hatte. Das mit den Zeugnissen – überflüssiges Übel. Aber wieder ein Jahr geschafft. Endlich in der nächsthöheren Klasse, endlich Englisch lernen, endlich Fächer, die man nicht mag, ablegen können …

Erst kurz vor dem Abitur wurde mir bewusst: das letzte Mal im letzten Sommer, das waren deine letzten Schulferien. Im Studium hast du Semesterferien, das ist vollkommen anders. Und heute? Kann man als Erwachsener Urlaub mit Schulferien vergleichen? Selbst als Lehrer geht das wohl kaum.

Insofern meine lieben Patenkinder, und alle anderen, die hier mitlesen: freut euch auf die letzten Schultage – aber genießt vor allem die Ferienzeit. Ob zu Hause oder im Urlaub, ist es nicht herrlich 6 Wochen freie Zeit zu haben? Wenn das Wetter heiß ist können das mehr als 40 Schwimmbadbesuche oder Tage am See sein. Ich wünsch euch eine hochsommerliche Ferienzeit, mit Regen nachts, damit es auch mal etwas abkühlt.

Und ja, ich hätte morgen auch am liebsten einen letzten Schultag und dann ab in die Sommerferien. Das wär mal ein echter Erwachsenenwunsch? Noch einmal die großen Ferien erleben 🙂