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Ur-Opa

Diese Woche haben mich zwei Bilder sehr berührt.

Einmal meine kleine Freundin Lena, die dem Ur-Opa bei schönem Frühlingswetter Gesellschaft auf seiner Bank vor dem Haus leistet. Da sitzen zusammen mehr als 100 Jahre auf der Bank, ein kleines, abenteuerlustiges Mädchen, das die Welt erobern wird. Und ein Junge, junger Mann, liebevoller Ehemann, Vater, Opa und mittlerweile Urgroßvater. Was da wohl durch seinen Kopf zieht, welche Erinnerungen er hat, an andere schöne Frühlings Tage seines Lebens? Gerade, wo die kleine Lena optisch viel von ihrer Oma haben soll? Was er ihr erzählt, welche Geheimnisse die beiden teilen? Und dazu kommen ihre Tagträumereien, Ideen, die Vorstellungen vom Leben … Mehr als 100 Jahre geballte Lebenserfahrung. Wie schön!

Im zweiten Bild, das ich beim Maifeiertagsspaziergang zufällig gesehen habe, sitzt ebenfalls ein gut über 90jähriger Ur-Opa auf einem Brunnen. Die ganze Familie ist beschäftigt, jeder hat seine Aufgabe: Urenkel 1 ist Handlanger, Urenkel 2 reinigt den Rasenmäher, Urenkel 3 planscht mit der Gießkanne. Enkel (Vater der 3) holt gerade den Rasenmähertraktor, der Opa pflanzt ein Erdbeerfeld, die Oma und Ur-Oma arbeiten in den Blumenbeeten, der Ur-Opa passt auf, dass Urenkel 3 nicht in den Brunnen fällt und nicht zu nass wird … Und da macht es nix, dass der Ur-Opa nicht mehr so fit ist und selbst nicht mehr zu langen kann. Jeder hat seine Aufgabe, ganz selbstverständlich. Toll, oder?

Das Osterwochenende war viel zu kurz!

Und das mein ich genau so, wie ich es sage. Es liegt nicht nur an der einen Stunde, die uns durch die Zeitumstellung geklaut wurde! Nein, irgendwie waren die letzten Jahre 4 Tage 4 Tage, also 4 x 24 Stunden. In diesem Jahr waren es gefühlt maximal 2 x 24 Stunden, so schnell ist die Zeit verflogen … Dabei hab ich vieles genau so gemacht, wie immer. Also zum Beispiel Freitag einen Frühlings-Wohnungsputz à la Katzenwäsche. Also ist zumindest die ganze Wohnung mal wieder gesaugt worden. Danach ein kurzer Ausflug ins Spa. Dann wars schon Abend. Am Samstag Ostereier färben und Mama beim Oster Hausputz helfen. Den Abend am Kachelofen genießen. Dann wars schon vorbei. Sonntag Osterfrühstück mit der ganzen Familie. Nicht ganz so, wie üblich, denn mit einer Zweijährigen am Tisch wirds etwas bunter. mein gelbes Ei ist mit Schale im Salat gelandet. Schale entfernen mit Dressing? geht, aber dauert. Nachmittags muss die Tante mit Nichte schlafen gehen. Danach waren wir megakurz draußen – dann wars schon wieder Abend. Montag endlich mal bei zwei ausgiebigen Spaziergängen viel frische Luft getankt, bei Eiseskälte, aber immerhin. Nur wars danach schon wieder abend. Und wo sind jetzt genau meine 4 freien Tage am Stück geblieben? Gut, dass eine kurze Woche ist und der erste Tag bis zum Wochenende schon rum ist 🙂

4 Highlights der letzten 4 Tage:

1. Tante zur Nichte: „Ja, is klar, du hast nur Blödsinn im Kopf – ich kenn dich schon.“ Antwort der (zweijährigen) Nichte: „Ich dich auch!“ (grinst schelmisch)

2. Ein lieber Freund wird Papa, ich freu mich, die beiden werden wunderbare Eltern!

3. Mein Hundefreund Frodo hat ein Auge weniger, dafür keinen Krebs mehr. gestern beim Spazierengehen hart man ihm das fehlende Auge schon fast nicht mehr angemerkt, ich bin so erleichtert!

4. Ich mag Ostern, Osterbräuche, bunte Eier, den Osterhasen, die Geschichten – Ostern ist toll!

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Essen gegen Langeweile

Immer wieder stolpere ich über Berichte, wie dicke Kinder lernen, sich gesund zu ernähren. Und frage mich dann, ob es wirklich so ist, dass Kinder mit unter 10 Jahren Verantwortung übernehmen müssen? Oder können? Für den Einkauf und fürs Kochen?
Kürzlich in einem TV-Beitrag: Dem kleinen Korbinian hilft eine Box mit Beschriftung „Ich esse nicht, weil mir langweilig ist“. Drin je ein Zettel mit einer Aktivität: Sport, Lesen, Hörbuch, Radfahren steht da drauf – und das macht er dann anstatt zu naschen…?

Als Kind kam mir bei Hunger nicht der Gedanke, mich vom Essen ablenken zu müssen? Ich hatte Hunger, weil ich vorher aktiv war. Über Spielen, Herumtoben, Draußensein, Abenteuer erleben und allem, was unseren Tag bestimmt hat, haben wir auch manchmal den Hunger schlicht vollkommen vergessen. Klar, wir haben 10-Pfennig-Stücke gesammelt, um uns im Sommer die besondere Leckerei 10erl-Eis (wer kann sich daran erinnern? Eine Köstlichkeit für Kinder: gefrorenes Zuckerwasser in allen Farbschattierungen, Geschmacksverstärker jenseits jeder Akzeptanzgrenze, aber himmlisch und bitte immer viel davon) zu leisten. Im Winter gabs einen Kaba, nur den Echten, von der Oma zubereitet, bloß keine Haut auf der Flüssigkeit, sonst war der Genuss komplett vernichtet und das getränk musste leider stehenbleiben.

Aus Langeweile essen kannte ich als Kind nicht, in meiner Familie ist es üblich, sich zum Essen an einen Tisch zusammenzusetzen. Auch beim Frühstück wenn möglich, zum Mittagessen sowieso und die schönste Mahlzeit des Tages für uns als Kinder: die Brotzeit. Klar mochte – besonders ich – nicht immer jeder alles, was da auf den Tisch kam. Aber zum Glück gabs am nächsten Tag eine Alternative. Und wir haben auch genascht, mal, mit Genuss. Aber nicht aus Langeweile, sondern eher als Ausnahme, Belohnung, zu besonderen Anlässen – eben einfach nicht unbedacht.

Hätte ich als Kind selber meinen Speiseplan bestimmen können? Hätte es unter Umständen über Jahre eine frische, resche Semmel (hochdeutsch Brötchen) und dazu eine Banane gegeben. Morgens, mittags, abends. Das war meine Leibspeise, die meine Familie zum Glück nicht täglich im Programm hatte … Oder meine vegetarisch-vegane Phase als etwas naiver Teenager: einfach wochenlang auf tierische noch sonstige Produkte verzichten, also eigentlich gar nichts essen. Nicht nachahmenswert, obwohl die Unwissenheit in meinem Fall zum Glück keine Krankheiten oder langfristigen Mangelerscheinungen ausgelöst hat: nach etwa zwei Monaten ist mir der Kreislauf weggeklappt, ich habe angefangen, wieder etwas zu essen und da war dann auch mal Fleisch, Ei, Milch oder Wurst dabei. In Maßen, und so halte ich das eigentlich bis heute.

Dass man Kindern, die sich falsch ernähren hilft, ist logisch, aber ich frage mich bei entsprechenden Berichten trotzdem, ob es nicht vielmehr eine Kombination sein muss, ein Coaching für das Kind, um es an eine vernünftige Ernährung heranzuführen, ein Coaching für die Eltern, die Familie, damit die vernünftige Ernährung im Umfeld des Kindes natürlich ist und gelebt wird. Und dass ein 10jähriger selbst einkaufen gehen muss, weil seine Familie ihm keine vernünftige Ernährungsumgebung bietet? Für mich irgendwie nur eine Teillösung.

Was heißt wohl „Daumenlutscher“ …?

Heute hab ich Stunden damit verbracht, zu versuchen, mit meinem gar nicht mal so schlechten Schulfranzösisch AGBs in französischer Sprache zu entwirren – hat mich aber eher verwirrt. Und ales kleine Entspannungsübung zwischendurch hab ich dann mal – liegt bei so viel französisch ja nicht ganz fern – allen Ernstes darüber sinniert, was man in der Schweiz wohl sagen würde, wenn man einen kleinen Daumenlutscher vor sich hat? Der Google Übersetzer hat kein Ergebnis für Daumenlutscher, zum Thema Finger in den Mund stecken gibts auch keine wirklich gute Idee … Wie ich darauf komme? Der Gedankenweg ist zugegebenermaßen nicht ganz leicht nachvollziehbar:

Im südlichen Teil der Schweiz spricht man französisch. Meine Schweizer Patenkinder bekomme ich aufgrund der Entfernung nicht so oft „in natura“ zu Gesicht. Klar gibts Skype und WhatsApp, aber das ist für 2einhalb-Jährige bei weitem nicht abwechslungsreich genug, um sich der Patentante stundenlang in allen Facetten zu präsentieren. Insofern sind meine Live-Erlebnisse selten und äusserst kostbar! Hin und wieder bekomme ich mal einen Anruf, in dem auch ein paar Brocken französische Sprache einfließen.
Zum Jahresende war die ganze Familie zu Besuch in der alten Heimat, für die Jüngste in der Familie ja eigentlich gar nicht, denn sie hat hier nie gelebt. Dennoch scheint sie sich in der Umgebung genauso wohl zu fühlen wie der Rest der Familie. Um etwas Energie abzuleiten hab ich mir angewöhnt, mit ihrem großen Bruder nicht nur zu toben, sondern ich versuche immer, ein paar Yoga-Übungen einzubauen, damit der wilde Übermut verbissen versuchen muss, im Gleichgewicht zu bleiben. Gar nicht so einfach – wir gehen ins Dreieck, der Große findet’s sogar ganz schön schwer. Rücken strecken, Fersen auf den Boden, geht gar nicht bei ihm.

Plötzlich ein überraschter Ausruf des uns beobachtenden Herrn Papas: S. macht’s nämlich ohne Anstrengung, mit natürlicher Eleganz und kindlicher Begeisterung macht sie einfach mit. Das muss auf Foto gebannt werden … Danach ist sie mächtig energiegeladen, sehr positiv, doch irgendwann schläft sie – selig am Mittel- und Ringfinger nuckelnd – im Buggy ein. Finger im Mund haben auf den kleinen Sonnenschein eine herrlich beruhigende Wirkung 🙂 Hoffentlich hat’s später auch geholfen, denn sie hört in der fremden Umgebung ungewohnte Geräusche – und hat Angst, dass ein Elefant in die Wohnung eindringen könnte….

So süss, wie selbstbewusst und gleichzeitig ängstlich Mademoiselle ist. Und es erinnert mich an ein anderes kleines Mädchen, das permanent am Daumen gelutscht hat. Und wer jetzt immer noch nicht nachvollziehen kann, wie sich meine Gedankenschleife dreht: ich wollte einfach mal wissen, was Daumenlutscher auf französisch heißt 🙂