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Auszeit im Zauberwald

P1000580 Manchmal geben schon 3 Tage Auszeit das Gefühl eines richtig erholsamen Urlaubs. Das Rezept ist einfach, aber wirksam: man nehme
– 3 Tage Auszeit, ohne Uhrzeiten, ohne Programm
– 3 alte Freundinnen, die bereits zum 5. Mal gemeinsam verreisen und langsam wie alte Ehepaare aufeinander eingespielt sind, ohne sich zu zanken, und die sich immer was zu erzählen haben
– im vorab eine gelungene Hotelauswahl (dieses Mal den Mooshof in Bodenmais, ein familiengeführtes Haus mit einer Gastfreundschaft, die ich so ausgeprägt selten erlebt habe) mit einem wunderbar dezenten, unaufdringlichen Service
– passendes Wetter, in diesem Fall goldene Oktobertage mit Temperaturen um die 20 Grad, Sonne, Sonne, SonneP1000586
– schöne Rahmenbedingungen, also nette Mitreisende, die uns anlächeln und selber so was von rundum glücklich und zufrieden sind, eine Sonnenterrasse, ein warmes, einladendes Hotelambiente, ein abwechslungsreicher Wellnessbereich mit Saunen, Saunen, Saunen, Ruhemöglichkeiten ohne Ende, einem tollen Pavillon mit einem beheizten Verwöhnpool und vor allem ein Außenpool, an dem wir jeden Morgen unseren Frühsport absolviert haben – ausgestattet mit Sonnenliegen, an dem wir Samstag knapp 3 Stunden „abhängen“ konnten, ohne Termindruck, mit ausreichend Lesestoff – allein nach den 3 Stunden war ich rundum tiefenentspannt.
– eine Wanderrunde durch den Bayerischen Wald, der in dieser Jahreszeit zum Zauberwald wird, das Licht sucht sich einen Weg durch das stellenweise noch grüne, von schillerndem Rot über sattes Orange bis Gold ins Gelbe hinein strahlende Laub, schon die Ausblicke auf der Hinfahrt waren ein einziger Indian Summer, der Blick von der Hotelterrasse, unser Zimmerblick, die Ausblicke auf der Wanderung – alles ein einziges Farbenmeer, zauberhaft. Irgendwie hab ich die letzten Tage den Eindruck, der Herbst belohnt uns für den lichtarmen Start ins Jahr?

P1000583Meine Erkenntnisse des Auszeitwochenendes:
– eine morgendliche Schwimmrunde im Pool ist nach einer viel zu kurzen Nacht mit zu wenig Schlaf genau richtig, um wach und tiefenentspannt in den Tag zu kommen – warum hab ich nur zu Hause keinen Pool?
– ein familiengeführtes Hotel spürt man, der Mooshof hat eine sehr angenehme, äußerst einladende Atmosphäre. Schon die Begrüßung ist sehr persönlich. Familie Holzer ist sehr präsent, die Besitzer sind schon beim Check-in anwesend, schauen abends auf eine Runde durch den Speisesaal, unterhalten sich interessiert mit ihren Gästen, geben Tipps und Empfehlungen und machen den Aufenthalt damit besonders. Man fühlt sich, wie bei guten Freunden. Kein Wunder, dass das Haus so viele Stammgäste hat – man kommt gerne wieder.
– die Mädels Haben sich was einfallen lassen: nachdem ihnen mein Geburtstag vor einigen Monaten „durchgerutscht“ war haben sie sich als Wiedergutmachung an das Hotel gewandt. So kam es, dass im Verlauf eines Abendessens gefühlt jeder Mitarbeiter im Service an unserem Tisch vorbeikam, um mir persönlich zu gratulieren. Nach einem dummen Gesicht beim ersten Mal und auch insgesamt einer Gewöhnungsphase (ich bin nicht gerne soooo im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses) habe ich mich in die Rolle eingefunden. Mir ohne Grund gratulieren lassen. Und ich kann immer noch Schmunzeln über diese Art der Wiedergutmachung. Und überlege schon, wie ich mich, ähnlich charmant, revanchieren kann 😉

PS: ich empfehle unser Hotel, ohne daraus irgendeinen Vorteil zu bekommen. Einfach nur, weil es mir so gut gefallen hat.

Schokoschnute

Gestern hat mich meine bezaubernde Nichte angerufen, also eigentlich meine Schwester – aber nur als Bedienstete, denn das mittlerweile 2+3/4-jährige jüngste Familienmitglied ist schon ganz prima im Telefonieren. Gestern durfte sie nicht, weil sie den Schokokuchen überall hatte, im Gesicht, an den Händen, am Shirt, an der Schnute. Irgendjemand hat ihr mal den Begriff „schnell mal die Tante anrufen“ beigebracht, das bedeutet in unserer Familie: nicht irgendwann, sondern jetzt, sofort, unmittelbar. Dieser Plan wurde also mithilfe der Mutter, wahrscheinlich in einem nennen wir es gelinde befehlend quengligen Ton, schnell und unverzüglich ausgeführt. Und bei der Beschreibung des Schokokuchen-Schnabulierens hatte ich natürlich sofort Bilder von der süßen Schokoschnute im Kopf, die, obwohl sie sonst schon sehr deutlich spricht, kaum zu verstehen war, wahrscheinlich musste noch ein großes Stück Schokokuchen hinterhergeschoben werden, also während des Telefonierens? Soll schließlich keine unnötige Zeit vergeudet werden … 🙂

Wenn Kinder wandern gehen

Wäre ich, als ich zwischen 7 und 12 Jahre alt war, begeistert gewesen, auf „den Berg“ zu gehen? Auf der Hütte schlafen? Ja! In einem Matratzenlager? Jaaaa! Und wie. Aber den Berg hochgehen, wandern, mal steil, mal mit Ausblick, mal ohne? Habe meine kleinen Mitwanderer letztes Wochenende immer mal wieder ganz aufmerksam beobachtet, da waren im Lauf des Tages so viele Stimmungswechsel. Am Anfang trotten alle mal los, nur wird das schnell langweilig. Soooo viel Abwechslung gibts dann am Berg nicht. Wir Erwachsenen lassen uns von einem idyllischen Bachlauf oder der Romantik schon mal zu einem Seufzer hinreißen. Für die Kids? Ja, ein schneller Blick zum Abschätzen wird schon hingeworfen – aber kann man mit dem Bach irgendwas machen? Anstauen, Steine werfen oder wenigstens drüberhüpfen? Nein? Nicht interessant. Berge? Ausblicke? Sind doch hier überall …

Eine Bergwanderung ist für Kinder ähnlich wie eine Autofahrt, sie sehen nicht den Weg als Ziel, sondern wollen immer wieder wissen: „Sind wir bald da?“ bzw. „Wann sind wir (denn endlich) da?“ Und trotzdem haben es die sechs Kinder vergangenes Wochenende scheinbar mühelos geschafft, die Wanderung in den dafür angesetzen 3,5 Stunden zu bewerkstelligen. Alle sind, manchmal etwas maulig und bockig, die meiste Zeit aber ganz selbstverständlich auch an den steilsten Stellen immer munter vorwärts getrabt. Und ich muss sagen: ich bin im Lauf der 2 Tage ein großer Fan dieser Kindertruppe geworden. Sie haben selbst den Abstieg im Regen problemlos geschafft. Wirklich toll.

Einige Dinge habe ich gelernt:

  • mit Kindern muss man viel Essen dabei haben, am besten alles in Happen vorbereitet, also Brotscheiben, Wurstsemmeln, Käse in Verzehrgröße, damit es direkt in den Mund geschoben und gegessen werden kann
  • Wasser ist kein Kinderdurstlöscher (igitt!) am Berg, Saftschorle dagegen gerne
  • Kinder scheinen keine Angst und keine Gefahr zu kennen, solange die Eltern dabei sind, würden sie überall hingehen. Wenn man wie ich unter Höhenangst leidet gibts oft kleine Schrecksekunden, weil eines der Kinder kurz ins Rutschen kommt. Sie fangen sich, schütteln sich ab und gehen unbeschwert weiter (Höhenangst scheint so ein Erwachsenending zu sein? Auch wenn ich mich schon als Kind erinnern kann, dass ich nicht soooo gern auf den höchsten Ast am Baum klettern wollte?)
  • Hunger ist relativ: auch wenn die Kids den ganzen Tag vor sich hin gegessen haben: den Apfelstrudel auf der Hütte haben alle bis auf den letzten Krümel verdrückt. Als später eine Brettljause am Tisch stand hat die tobende Schar sogar freiwillig die geheiligte, da erwachsenenfreie, Spielzone in unserem Matratzenlager verlassen, sich strategisch um unseren Tisch versammelt und alles aufgefuttert (und das, wo gar keiner Hunger hatte?). Auch das Mittagessen sollte ja auf Kinderwunsch ausfallen, weil alle nur heim wollten. Das wäre beinahe auf einen Im-Auto-Sitzenbleiben-Streik hinausgelaufen. Im Gasthof haben sie brav geordert – und hungrig aufgegessen. Vor allem das köstliche Stück Sachertorte, das der lautstärkste Streikforderer bestellt hatte, wurde genüsslich verzehrt und auf der Heimfahrt in höchsten Tönen gelobt 😉
  • auch Kindern hilft es, unterwegs öfter mal die Begleitperson zu wechseln, nicht immer neben dem gleichen Spielkameraden zu laufen. So bietet sich etwas mehr Abwechslung: der eine hat mehr den Blick für den Wegesrand, findet einen tollen Holzstab, mit dem man spielen kann, hat nur Blödsinn im Kopf. Die anderen tuscheln heimlich, darf aber keiner mitbekommen, wird trotzdem irgendwann langweilig. Dann sind sogar die eigenen Geschwister mal nicht peinlich, sondern man tröstet mal den kleinen Bruder oder fordert die große Schwester heraus.

Schade fand auch ich, dass wir abends alle zu müde für Stadt Land Fluss waren – beim nächsten Mal. Hoch und Heilig versprochen 🙂

 

 

 

Geschwisterliebe und -hiebe

Nirgendwo auf der Welt sitzt tiefe Liebe und bodenloser Hass so eng aufeinander wie in einer Familie. Zwischen Geschwistern. Ich kenne kein Geschwisterkind, das Bruder/Schwester im tiefsten Inneren nicht heiß und innig liebt – und trotzdem sind wir in der Kindheit (und vielleicht nicht nur da?) zu niemandem so fies, so grenzenlos gemein, so gnadenlos, wie zu den eigenen Geschwistern. Habe am Bergwochenende mit 6 Kindern viele kleine Beobachtungen gesammelt, da waren Geschwister dabei, aber auch Cousin/Cousine. Man kennt sich gut, trotz des unterschiedlichen Alters von 7 bis knapp 13 kommen alle gut miteinander aus. Im Großen und Ganzen. Nur wenn man dann mal genauer hinschaut:

  • ist die große Schwester dauergenervt vom kleinen Bruder
  • machen die großen Jungs auf beste Kumpels und erteilen dem Jüngsten doofe Befehle – amüsieren sich dann aber noch nicht mal köstlich
  • ärgert die kleine Schwester ihren großen Bruder permanent, wehe aber, er rächt sich, dann geht das Kämpfen und das Geheule los
  • manchmal sinds kleine versteckte Hiebe, meistens aber schlicht verletztende Worte, „mein Bruder ist so blöd“, „die kann ja nix dafür, ist halt ein Mädchen“, „groß ist gleich doof“, „der bekommt immer eine Extrawurst“, und das war alles jetzt lang nicht das Schlimmste, was ich so mitgehört habe
  • wehe, jemand anders ärgert den kleinen Bruder/die kleine Schwester, dann werden die größeren Geschwister zu tapferen Löwen, stellen sich schützend vor denjenigen, den sie noch vor Minuten selber getriezt haben
  • Mädels gegen Jungs, schon klar – aber wenns dann wirklich ernst wird, dann halten doch die Geschwister zusammen wie Pech und Schwefel
  • manchmal hilft es nur, sich gegen den Willen der Eltern zusammenzurotten, auch wenn das in dem Moment ganz doof ist, weil man auch seinen Bruder/seine Schwester grade gar nicht leiden kann, aber: lieber diesen Schatten überspringen, als am Ende vor den Erziehungsberechtigten klein beizugeben
  • das kindliche Ego ist ein grausiges Ding, weil es so vollkommen irrational ist: schon ein Biss von einem Schokoriegel kann zu stundenlangem Bocken führen, ja, am Berg war hin und wieder ein ganzer Schwarm einheimischer Bockkäfer unterwegs, zum Glück wurden sie immer schnell abgelöst von munteren schmetterlingsgleichen Wesen, die lachend, gackernd, schnabulierend und scheinbar mühelos immer weiter in die Höhe tanzten 😉

Schön ist, wenn Geschwister aufeinander nicht neidisch sind oder sein müssen. Wird vielleicht erleichtert, wenn Eltern weniger „Das kann deine Schwester aber viel besser als du…“ oder „Unser Erstgeborener ist ein geborener Siegertyp, seine kleine Schwester, tja, da haben wir unsere Erwartungen schon sehr zurückgeschraubt…“ sagen? Keine Ahnung, ich geb auch immer ganz offen zu: als Kind fand ichs nicht sooo toll, Geschwister zu haben. Wäre jahrelang gerne ein Einzelkind gewesen. Das hat sich gründlich geändert: heute weiß ich, was ich an jedem meiner Geschwister hatte und habe. Wenn es drauf ankommt halten wir zusammen wie Pech und Schwefel, sidn füreinander da. Können uns aber auch gut loslassen. Manchmal gibts auch heute noch Hiebe in Form von spitzen Bemerkungen, aber so sind wir eben, das wird nicht übel genommen, zumindest nicht lang. Und ich möchte es nicht missen, keine Sekunde meines Lebens.