Schlagwort-Archive: Facebook

Spruch zum Wochenende: Glück gehabt

Was genau Glück bedeutet liegt im Auge des Betrachters. Gestern abend waren meine beiden Cousins in einem Auto unterwegs. Ihnen kam ein junger Mann entgegen, der einen LKW überholt hatte und dabei die Kontrolle über sein Auto verloren hat. Es kam zu einer Kollision, einem Frontalunfall. An dieser Stelle kann man nicht von Glück sprechen, denn die beiden waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Aber die Geschichte geht „zum Glück“ weiter: bei dem Unfall wurden alle Beteiligten verletzt, zwei davon leicht.Und hier beginnt die glücklichere Zeitrechnung, denn meine beiden lieben Cousins sind leichtverletzt, gehen einigermaßen heil aus dieser Situation heraus. Sie wurden behandelt, kommen wohl mit Prellungen, Schleudertrauma oder was auch immer davon. Aber sie sind nicht schwer verletzt worden. Und das nenne ich Glück.

Insofern widme ich meinen Spruch zum Wochenende dieses Mal dem Glück: „Man weiß selten, was Glück ist, aber man weiß meistens, was Glück war.“ (Francoise Sagan) Auch wenn mir lieber gewesen wäre, wenns nicht passiert wär, ich denke, die beiden hatten Glück. Und natürlich hoffe ich, dass auch der Unfallverursacher Glück hat und sich bald erholt.

Ein kleiner Nebengedanke, da ich ja oftmals sehr über Facebook grummle und hin und wieder nicht so toll finde, wieviel Menschen hier von sich preisgeben: gestern abend war ich heilfroh, dass mein Cousin seinen simplen Eintrag „Da will man nur eben mal mit dem Auto nach X fahren und wird mit dem Heli nach Y geflogen…“ auch noch vielfach kommentiert, erklärt, auf Zeitungsartikel verwiesen hat. Muss man mal so sagen, das nimmt auch viel Ungewissheit und Unsicherheit raus, dieses Online-Leben, wenns für so einen positiven Zweck ist 🙂

 

Online versus Offline

Bin ich ein online-affiner Offliner? Oder eher ein offline-bestimmter Onliner? Und warum beschäftigt mich das überhaupt? Gestern abend saß ich mit einer Runde von 5 Mädels um einen Tisch, geplant war ein gemeinsamer Abend, ein persönliches Treffen, gemütlich zusammensitzen, Zeit miteinander verbringen, sich unterhalten, das Miteinander genießen. Offline. Nach einer knappen Stunde saßen wir zu sechst – mehr oder weniger aus eigenem inneren Antrieb – mit Blackberrys, iPhones und sonstigen Smartphones und sind in die Online-Welt eingetaucht … ich hab ziemlich schnell bezahlt und bin nach Hause.

Heute morgen dann eine Beobachtung, die ich in den letzten Wochen immer wieder mache: um mich rum an der Ampel Autofahrer, die die Rot-Phase allesamt nutzen, um ihre Mobilgeräte zu überprüfen. Können Mails tatsächlich nicht warten, bis man im Büro ankommt? Und muss man an jeder roten Ampel stehenbleiben und überprüfen, was Facebook und Twitter gerade hergeben? …

Ich weiß, dass es in den USA bereits vollkommen normal ist, sein Leben über das Smartphone zu steuern. Allerdings ist auch das Rahmenequipment im Auto beispielsweise anders als in Deutschland. Und ich muss ganz ehrlich gestehen: ich genieße meine morgendliche Autofahrt in die Arbeit, ganz bewusst mit meiner Musik, meinem Radiosender und allein. Weil das Ich-Zeit ist. Genauso gibts Wir-Zeit, die ich auch gerne verbringe – aber nicht so wie gestern abend, da waren zu viele Menschen über Mails, Facebook, Twitter, WhatssApp und Co dabei, die ich gar nicht kenne –

Also wahrscheinlich bin ich ein online-affiner Offliner? Online, wenn ich Lust dazu habe. Aber mit deutliche größerem Hang zum Offline sein, wann irgend möglich? Das ist zumidnest der Ist-Zustand – ich stelle mir ja wirklich oft die Frage, ob meine Patenkinder, wenn sie ins Alter kommen, sich mit solchen Gedanken zu beschäftigen, überhaupt noch wissen, was ein Offliner ist ….?

Ein Freund, ein guter Freund

Und wenn es noch so kitschig ist, ich mag das Lied. In meiner ältesten Erinnerung singen es Heinz Rühmann und seine Mannen im sicherlich noch viel älteren Schwarzweiß-Film „Die Drei von der Tankstelle“:
Schon damals fand ich nicht nur Text und Melodie sehr eingängig, sondern auch den Inhalt irgendwie besonders.

Gestern habe ich über den hohen Stellenwert einer Freundschaft geschrieben, das hat mich auch wieder an die Momente erinnert, in denen eine Freundschaft auf eine Zerreissprobe gestellt wird. Zeiten, in denen man sich voneinander entfernt. Oder einfach anderer Meinung ist. Sich nicht öffnen kann. Eine meiner ältesten Freundinnen aus der Kindheit war das Nachbarsmädchen. Wir sind gemeinsam aufgewachsen, haben uns täglich gesehen, miteinander gespielt. Genau genommen: Miteinander die Welt erobert. Dann trennten sich unsere Schulwege und damit auch einiges an möglichen gemeinsamen Zeiträumen. Als sie zwei Jahre später wieder den gleichen Bus zur Realschule nahm konnten wir uns tatsächlich für einige Jahre wieder annähern. Aber – was sich vielleicht schon vorher abgezeichnet hatte: es war eine Zweckgemeinschaft, die ausschließlich darauf basierte, dass es zufällig Gemeinsamkeiten im Tagesablauf gab. Ich habe mich ab dem Zeitpunkt abgenabelt, als sie neidisch auf einen Freund in der Teenagerzeit reagierte, mir vorgeworfen hat, dass ich einen Partner hatte. Fies versteckt hinter dem Vorwurf, mich jetzt für etwas Besseres zu halten, keine Zeit mehr für sie zu haben. Wir sehen uns hin und wieder – haben uns aber nicht wirklich etwas zu sagen.

Schon im Kindergarten, später zu Schulzeiten sammelt man viele Freunde. Sobald man Schreiben kann verteilt man Poesiealben (manchmal müssen im Kindergarten auch schon die Mamas reinschreiben?). Wenn ich heute in meinen Büchlein blättere kann ich mich tatsächlich an die meisten Namen mit Gesicht erinnern. Häufig stelle ich mir aber die Frage: hatten wir wirklich so eine enge Beziehung, wie das im Spruch ausgedrückt wird?

  • In allen 4 Ecken soll Liebe drinstecken (…?)
  • Rosen, Tulpen, Nelken, alle drei verwelken. Stahl und Eisen bricht, aber unsere Freundschaft nicht (…?)
  • Der beste Weg, Freunde zu gewinnen, ist selbst ein guter Freund zu sein (stimmt, ich vermute nur, ders geschrieben hat, ist längst aus meinem Leben verschwunden)
  • Freundschaft ist nicht nur ein wunderbares Geschenk, sondern auch eine dauernde Aufgabe (wie wahr!)

Ich besitze für fast jede Klasse ein Freunde-Buch, Poesie-Alben oder später auch die bereits vorgeschriebenen Ausgaben, in denen du neben einem Spruch auch sämtliche Angaben zu Alter, Größe, Gewicht, Lieblingsessen und Lieblings-Fernsehen machen musstest. Die gute alte offline-Version des heutigen Überblicks auf Sozialen Netzwerken 🙂 Faszinierend, was da für ein Aufwand dahintersteckte? Und wie wenige Eintragungen in meinem heutigen Leben noch eine Rolle spielen. Ich bin darüber nicht wirklich traurig, denn mir sind aus Kindergarten- und Schulzeiten einige wenige, dafür aber wirklich gute und enge Freundschaften geblieben.

Mit dem Ende meiner schulischen Laufbahn und dem Beginn des Studiums entdeckte ich, dass es Freundschaften gibt, die man selbst weiter pflegen möchte, andere werden von einem Freund gehalten. Es kommen neue Freunde hinzu, erst mal wieder viele, doch die natürliche Selektion sorgt dafür, dass wenige gute Freundschaften halten. Es gab Zeiten, vor allem im Studium, als wir so unendlich viel Freizeit hatten, ich habe so viele Menschen in meiner Umgebung gesammelt, jeden gut gekannt, kam mit jedem klar – weil ich auch die Muse hatte, mich auf jeden einzustellen, mit jedem lang und ausgiebig zu reden …

Seit knapp 10 Jahren sammle ich keine Freundschaften mehr, sondern gehe sie sehr bewusst und intensiv ein. Ich pflege meine alten Freundschaften mit Genuss, finde es herrlich, wieviel Menschen, die einen lange begleiten, bereits wissen. Ich mich nicht erst neu vorstellen muss. Ich schätze an „alten“ Freunden, dass sie mich, meine Konstanten und Veränderungen, meine Umgebung kennen – und an meiner Seite bleiben. Ich lasse sicherlich auch neue Menschen Freunde werden, allerdings bin ich nicht auf der Suche.

Würde ich heute noch mal ein Freundebuch ausgeben? Also für den Fall, dass es kein Facebook und Co gäbe? Wär ich nochmal in der Grundschule: auf alle Fälle. denn es hat aus heutiger Perspektive Nostalgie-Wert. Aus der Sicht der heute  Erwachsenen: nein. Ich führe so unendlich viele Adressbücher, pflege meine Kontakte über Datenbanken, online und offline. Nein. Die guten Freunde müssen keine Verse in ein Album schreiben, lieber erleben wir gemeinsame Zeit.

Impressionen von unterwegs auf der „Messe“welt

Die letzten Tage habe ich oft bedauert, keine Zeit zum Fotografieren zu haben, zum Beispiel als ich am Mittwoch auf dem ITB-Gelände angekommen bin (ich selbst zugegebenermaßen etwas übermüdet, wer steht schon gerne mitten in der Nacht auf?) und diese Gesichter gesehen habe, voll erwartungsvoller Vorfreude und Begeisterung. Das ist eigentlich schon beeindruckend, wie sich eine ganze Branche einfach nur freuen kann? Mit Sicherheit war der Sonnenschein ein kleiner Beitrag, dass so viele Gesichter einfach gestrahlt haben. Alle sind schick gekleidet, jeder will sein Bestes geben, um aus den Messetagen so viel möglich mitzunehmen. einfach eine ganz positive Stimmung!

Eine Beobachtung beim Warten auf den Bus: früher haben die Menschen gewartet, heute ist jeder beschäftigt. Mit seinem Samrtphone, ipad, Hallenpläne, ITB-App, Facebook, Twitter, Börsenkurse abrufen, Online-Schlagzeilen lesen, Blogs checken, touristische Fachmedien wie FVW dailies online lesen – neben mir standen ca. 10 wartende Menschen, aber niemand hat etwas um sich wahrgenommen, alle waren mit ihrer technischen Welt beschäftigt. Wie haben wir das früher nur gemacht? Kann sich noch jemand erinnern …?

Gestern in der Asienhalle bin ich für einen Moment ganz zur Ruhe gekommen, beim Anblick eines Ausstellers, ich glaube es war der Sri Lanka Stand, der für ein paar kurze Minuten die Augengeschlossen hat und vielleicht sogar ein Nickerchen inmitten des Trubels gehalten hat. Wow, hat mich abgeholt, mir etwas Tempo und Termindruck rausgenommen – das war so schön!

Am Taxistand steht kein Taxi aber 10 wartende Menschen. Alle wollen weg, sind ungeduldig – aber das gemeinsame Warten verbindet. Und nationenübergreifend entwickelt sich zwischen zehn vorher Unbekannten eine nette Plauderei. Ein Taxi nach dem anderen kommt und macht die Wartenden von der Gruppe zum einzelnen Fahrgast, aber jeder – auch ich – hat sich zu den noch wartenden umgedreht und sich verabschiedet, als ob man sich schon ewig kennen würde.

Es gibt besondere Begegnungen und aktuell ziehe ich sie magisch an: Mittwoch wurde ich nach meinem Telefonat von einer wirklich aufmerksamen quasi Kollegin auf meine Aussagen hingewiesen, die ich einfach besser sowieso nicht laut ausgesprochen hätte, vor allem aber nicht mit dem personalisierten Ausweis um den Hals, so dass sie auch noch zuordenbar sind. Wer müde ist wird unaufmerksam, für mich ein echtes Learning. Viel schöner aber war die Begegnung insgesamt, nicht nur, dass es ein Mensch ist, der sicherlich den Mund hält und es einfach nur gut gemeint hat, wir haben uns hinterher auf dem Weg von der Messe so gut unterhalten, war ein sehr positives Erlebnis, obwohl es schon eine Schrecksekunde gab.

So, und jetzt noch zum gestrigen Abend: ein Fest zu feiern ist immer ein tolles Erlebnis. Gestern abend war es eine Feier mit ganz viel Wohlfühlfaktor, ein besonderer Abend, den Gastgeber und Gäste nicht so schnell vergessen werden. So schön, macht mich irgendwie sehr stolz, die Party der ITB 2013 erlebt zu haben 🙂 Und leider mal wieder länger als anderen gefeiert zu haben. Ist das mein versteckter Ehrgeiz? Oder wirklich einfach meine Berufung? Ich habe einfach unwahrscheinlich gerne Spaß und bin nicht bereit, einen tollen Abend nur aus Vernunftgründen zu beenden. Oder weil ich heute darunter leide und nach knapp einer Stunde Schlaf nicht wirklich ansehnlich bin …

So, und jetzt stürze ich mich noch mal auf die Messe, versuche, mit etwas Ruhe tatsächlich noch mal zu sehen, was so die Reisetrends 2013 sein werden. Um mich nach dem Stress der letzten Tage auch mal in die Welt zu träumen und mich auf Erholung einzustellen!

Und noch mein Spruch zu diesem Wochenende, frei nach Mark Twain:

Reisen gefährdet Vorurteile, Bigotterie und Engherzigkeit, das ist der Grund, warum viel mehr Menschen reisen sollten.