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Das mit den Erziehungssätzen

Wenn Eltern erziehen, also ihren Kindern Grenzen aufzeigen, sie verbal maßregeln oder ihnen sonstige Erziehungsmaßnahmen mit auf den Weg geben, mische ich mich nicht ein. Auch wenn ich es nicht immer richtig finde oder zumindest den Sinn hinterfrage. Trotzdem: das geht mich als Nicht-Eltern nichts an. Allerdings ist mir wichtig, dass Kinder mit Respekt und Wertschätzung behandelt werden, dass ihnen auch in anstrengenden Phasen mit Verständnis begegnet wird. Und dass Eltern klarmachen, dass sie ihre Kinder immer lieb haben. Auch wenn sie mit ihrem Verhalten mal nicht einverstanden sind oder etwas nicht erlauben. Denn Erziehen bedeutet für mich: mit gutem Beispiel vorangehen, Werte aufzeigen und vor allem Verständnis hervorrufen. Manche Eltern reden so viel, dass ein Kind gar nicht mehr weiß, was richtig oder falsch ist. Manche Eltern strafen ihr Kind mit Missachtung, ohne zu erklären, was sie an seinem Verhalten nicht mögen. Und dass es auch noch körperliche Bestrafung gibt blende ich am liebsten aus…

Dazu hab ich einen Artikel gefunden, den ich aus meiner Tanten-Position gut finde. Und deshalb hiermit teilen möchte. Die wichtigsten Botschaften an Kinder zusammengefasst:

„Ich hab dich lieb, egal was tu tust. Und ich bin immer für dich da. Das schaffst du, ich trau dir das zu. Du darfst Fehler machen, das gehört dazu. Gut, wie du das machst. Schau, was du gemacht hast. Hast du Danke gesagt? Der andere ist uns nicht egal. Nein bedeutet Nein.“ (Quelle: eltern.de)

#Sonntagsfreude: Die Egos

Silvia Maria Engl: Meine 26 Egos und ich
Silvia Maria Engl: Meine 26 Egos und ich

Nachdem ich so viel darüber geschrieben habe, dass ich mich aufs Lesen freue, möchte ich ein paar Worte über das Buch und seine Autorin verlieren. Entdeckt habe ich das Buch auf einem Messestand auf der Yoga-Messe, der Titel hat mich direkt angesprochen: „Meine 26 Egos und ich“. Dann hatte ich die Freude, Autorin Silvia Maria Engl bei ihrem Vortrag „Mit Humor, Bewusstsein und einfachen Methoden das eigene Leben zu leben“ kennenzulernen. Nicht nur das Buch hört sich gut an. Geschrieben von einer Frau, die sich von ihren Egos befreit hat, sie hinterschaut hat, sich dabei nicht verändert hat, sondern mehr denn je bei sich und ihrem Leben ist. Ihr Vortrag war wie das Buch: sympathisch, wort- und bildreich, viele Beispiele, die in Erinnerung bleiben, sehr liebenswert, sehr tiefgründig, aufschlussreich, dabei einfach und ohne BlaBla. Allein, wie sie ihre Begegnung mit Oma Toppelreiter beschreibt, die mit Ü90 sagt: Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder wie sie mitten in einer Vipassana-Meditation von ihrer inneren Romantikerin heimgesucht wurde.  Eine Antwort auf die Frage, warum es mit der großen Liebe nicht klappt, hat ihr übrigens der Wald gegeben, „und das war zu ehrlich, alles andere als schonend …“.

Die 26 Egos sind ein Arbeitsbuch, das mich zur Auseinandersetzung mit meinen inneren Ichs anregt. Ich habe mich in den letzten Tagen immer wieder mit diesen inneren Stimmen beschäftigt, die mir beispielsweise zuflüstern, nicht gut genug zu sein, nicht kreativ genug zu sein. Die mich kleiner machen, als ich bin – oder auch mal superunabhängig sein lassen wollen. Es geht nicht um die Egos meiner Mitmenschen, nein, sondern ausschließlich um das, was ich von mir erwarte, von mir fordere, wie ich mich gerne sehen möchte … was mir anerzogen wurde, was tief in mir schlummert. Und was mich durchaus belastet. Ich kenne einen Teil meiner Egos sehr gut und habe mich bereits intensiv mit ihnen auseinandergesetzt. Doch einige waren mir bislang weniger bekannt, es tut gut, sie kennenzulernen. Um mich mit ihnen auseinanderzusetzen, sie zu überwinden.

Am meisten berührt hat mich die gemeinsam erlebte Herzintegration, mitten in einem Vortragsraum, inmitten eines Messegeschehens. Mit dem Buch habe ich die Methode wiederholt und verstehe mit jeder Wiederholung mehr, warum die Autorin sie so sehr liebt. Gut auch die 7 Tipps für den Alltag und das Ego-Notizbuch, denn möglicherweise braucht die Dramaqueen noch ein paar Auftritte, ehe sie mich verlassen mag? Und am schwersten wird es wahrscheinlich mein „Muss-Macher“ haben, er ist tief in mich heinein gewachsen, aber ich lasse ihn gerade Schritt für Schritt los! Wer ein Arbeitsbuch sucht, um zu seinem wahren Selbst zu finden und glücklich zu sein, das sich gleichzeitig gut liest, wertvolle Übungen und Anleitungen enthält, das aber auch viel zum Schmunzeln und sogar Lachen bringt, der sollte hier mal reinlesen. Ach, die Autorin hat eine klare Warnung auf den ersten Seiten eingebaut: „Solltest Du mit Deinem Leben, so wie es ist, zufrieden sein, dann leg dieses Buch am besten sofort wieder weg. Dann willst Du das, was hier steht, gar nicht wissen.“ Und Lesen allein reicht nicht, das Buch ist Freude und Aufgabe zugleich. Das Ziel Lebensfreude und Selbstverwirklichung.

Mehr Sonntagsfreude bitte hier nachlesen.

Von Kindern lernen: Selbstverständnis

Wenn ich so mit meinen Patenkindern zusammen bin, merke ich: in manchen Situationen fehlt mir ein Quentchen kindliche Selbstverständlichkeit. Natürlich können 4-jährige ihre Schuhe längst selbst anziehen. Wenn die Patentante da ist, kann die das doch für mich erledigen. Irgendwas liegt nicht in greifbarer Nähe, wofür gibts meine Patentante, die soll mir das holen. Oder für mich tragen, obwohl ich es sonst lieber selber trage … Das und einiges mehr wird ganz ohne Bitte und/oder Danke delegiert. Nicht um mich zu beschäftigen, sondern weil die kleinen Damen jetzt grade keine Zeit dafür haben, sie haben Wichtigeres zu tun.

Beim Spielen heißt es „Ich werde gewinnen“ – und das ohne Rücksicht oder schlechtes Gewissen. Weil sie sich nur Gedanken um sich machen, und nicht darüber, dass damit die Mitspieler verlieren müssen … Mein Gedankengang dazu: warum delegiere ich nicht öfter mal eine Aufgabe? Gerade im Job sollte ich mir hin und wieder bewusst machen: ich hab Wichtigeres zu tun, wer könnte diese Aufgabe für mich übernehmen 😉

Nachbars Garten bzw. Frau Nachbarin

Liebe Kinder und liebe Eltern,

es ist Kastanienzeit. Und ja, es fallen Kastanien vom Baum. Aber trotzdem gibts ein paar Regeln, die man einhalten sollte. Steht der Kastanienbaum, dessen Früchte ihr einsammeln wollt, auf Nachbars oder einem anderen fremden Grundstück, dann solltet ihr den Besitzer fragen, ob ihr sie sammeln bzw. vom Baum schmeißen dürft. Nicht wie die Nachbarskinder meiner Eltern, die samt Mutter einfach in den Garten stürmen und sich an fremdem Eigentum bedienen. Meine Eltern müssen grade schwer an sich halten, denn jeden Nachmittag betritt Frau Nachbarin, teilweise mit Besuchern, das Grundstück der Eltern. Ganz selbstverständlich. Als ob es ihr gehören würde. Sie sammeln sich im Garten, um den Kastanienbaum und sammeln alles ein. Wenn nix mehr da ist ziehen sie weiter. Und betreten ganz selbstverständlich andere Grundstücke, die anderen Menschen gehören.

Irgendwie ist das, als ob sie überall zu Hause wären? Sind sie aber nicht, im Gegenteil. Auf diesen Grundstücken leben die anderen Dorfbewohner, die das als Eindringen in ihre Privatsphäre Empfinden. Die sich durch die Selbstverständlichkeit, mit der dieses Eindringen geschieht, gestört fühlen. Bei allen wurde niemals gefragt „Dürfen wir uns die Kastanien aus dem Garten holen?“, „Dürfen wir mal einen Blick in den Kuhstall werfen“? „Ist es ok, wenn wir eine Runde um den Hof drehen?“. Wer gefragt wird, hat die Möglichkeit einer Antwort. Kann ja oder nein sagen und damit entscheiden, ob er fremde Menschen auf seinem Grundstück hat.

Das tut Frau Nachbarin nicht. Sie tut einfach. Dabei grüßt sie nicht einmal die Bewohner des Grundstücks. Oft reagiert sie auf keinerlei Ansprache. Meine Eltern – wie die anderen Dorfbewohner – schlucken den Ärger darüber runter, anstatt etwas zu sagen. Es bringe ja ohnehin nichts, sie sei eben unhöflich. Eigen. Ohne Anstand. Wisse nicht, was sich gehöre. Das könne man nicht ändern. Man müsse sie so nehmen. Und alle sprechen so über sie, grenzen sie aus, akzeptieren ihre Art nicht. Und selber sind alle zu gut erzogen, um daraus einen Streit vom Zaun zu brechen. Ich beobachte das aktuelle Kastanien-Klauen in unserem Garten schon den zweiten Tag. Und ärgere mich maßlos. Und überlege, ob ich mich heute mit meinem Kaffee nicht einfach mal auf ihre Terrasse setze. Oder meine Nichte beim nächsten Besuch animiere, dass wir in Nachbars Garten spielen gehen ….

Ob sie diese Botschaften überhaupt verstehen würde? Wahrscheinlich würde sie sich ärgern, dass jemand in ihren Garten und damit in ihre Privatsphäre eindringt. Und nichts sagen, man will es sich ja nicht mit den Nachbarn verscherzen. Hm.