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Das mit dem Nachmachen

Kinder imitieren gern, was sie sehen. Oder hören. Aktuell hat die bezaubernde Nichte eine Kindergartenfreundin, die lispelt. Nicht, weil sie das cool findet, sondern weil ihre Zunge beim s anschlägt. Die Nichte ist ganz gut mit Dialekten und Einfärbungen, sie hört ziemlich viel und findet schnell raus, wie sie das genauso hinbekommt. Deshalb lispelt sie hin und wieder ganz zauberhaft, wechselt aber ebenso schnell wieder zur normalen Aussprache.
Cool findet sie auch, dass Erwachsene beim Spazierengehen die Hand ausstrecken, um zum Beispiel durch hohes Gras zu streichen. Ganz sacht mit der Hand Natur spüren. Nicht so ganz bewusst war ihr beim letzten Spaziergang, was sie da, wie eine Große, gestreichelt hat: eine bitterbös brennende Brennessel. Die Tante war leider zu langsam, deshalb musste sie das leider „erspüren“. Hat sie aber tapfer ertragen – und nur in der nahegelegenen Kapelle ausprobiert, ob das Weihwasser aus dem Kessel eine lindernde Wirkung hat …

Hoffentlich nicht Nachmachen werden die Kinder im Kindergarten, dass ein kleiner Rabauke die Nichte kürzlich in die Nase gebissen hat. Ja, richtig gelesen – und auch ziemlich heftig. Die Nase war ein paar Tage geschwollen, links und rechts sieht man immer noch, dass seine Beisserchen ein ordentliches Aua hinterlassen haben. Warum, wieso, weshalb? Weiß niemand, war kein Erwachsener dabei – und die Kinder erzählen immer andere Variationen. Ist auch egal, das finde ich jetzt mal ein Beispiel, das keiner Imitation bedarf. Und Punkt.

Wenn Kinder wandern gehen

Wäre ich, als ich zwischen 7 und 12 Jahre alt war, begeistert gewesen, auf „den Berg“ zu gehen? Auf der Hütte schlafen? Ja! In einem Matratzenlager? Jaaaa! Und wie. Aber den Berg hochgehen, wandern, mal steil, mal mit Ausblick, mal ohne? Habe meine kleinen Mitwanderer letztes Wochenende immer mal wieder ganz aufmerksam beobachtet, da waren im Lauf des Tages so viele Stimmungswechsel. Am Anfang trotten alle mal los, nur wird das schnell langweilig. Soooo viel Abwechslung gibts dann am Berg nicht. Wir Erwachsenen lassen uns von einem idyllischen Bachlauf oder der Romantik schon mal zu einem Seufzer hinreißen. Für die Kids? Ja, ein schneller Blick zum Abschätzen wird schon hingeworfen – aber kann man mit dem Bach irgendwas machen? Anstauen, Steine werfen oder wenigstens drüberhüpfen? Nein? Nicht interessant. Berge? Ausblicke? Sind doch hier überall …

Eine Bergwanderung ist für Kinder ähnlich wie eine Autofahrt, sie sehen nicht den Weg als Ziel, sondern wollen immer wieder wissen: „Sind wir bald da?“ bzw. „Wann sind wir (denn endlich) da?“ Und trotzdem haben es die sechs Kinder vergangenes Wochenende scheinbar mühelos geschafft, die Wanderung in den dafür angesetzen 3,5 Stunden zu bewerkstelligen. Alle sind, manchmal etwas maulig und bockig, die meiste Zeit aber ganz selbstverständlich auch an den steilsten Stellen immer munter vorwärts getrabt. Und ich muss sagen: ich bin im Lauf der 2 Tage ein großer Fan dieser Kindertruppe geworden. Sie haben selbst den Abstieg im Regen problemlos geschafft. Wirklich toll.

Einige Dinge habe ich gelernt:

  • mit Kindern muss man viel Essen dabei haben, am besten alles in Happen vorbereitet, also Brotscheiben, Wurstsemmeln, Käse in Verzehrgröße, damit es direkt in den Mund geschoben und gegessen werden kann
  • Wasser ist kein Kinderdurstlöscher (igitt!) am Berg, Saftschorle dagegen gerne
  • Kinder scheinen keine Angst und keine Gefahr zu kennen, solange die Eltern dabei sind, würden sie überall hingehen. Wenn man wie ich unter Höhenangst leidet gibts oft kleine Schrecksekunden, weil eines der Kinder kurz ins Rutschen kommt. Sie fangen sich, schütteln sich ab und gehen unbeschwert weiter (Höhenangst scheint so ein Erwachsenending zu sein? Auch wenn ich mich schon als Kind erinnern kann, dass ich nicht soooo gern auf den höchsten Ast am Baum klettern wollte?)
  • Hunger ist relativ: auch wenn die Kids den ganzen Tag vor sich hin gegessen haben: den Apfelstrudel auf der Hütte haben alle bis auf den letzten Krümel verdrückt. Als später eine Brettljause am Tisch stand hat die tobende Schar sogar freiwillig die geheiligte, da erwachsenenfreie, Spielzone in unserem Matratzenlager verlassen, sich strategisch um unseren Tisch versammelt und alles aufgefuttert (und das, wo gar keiner Hunger hatte?). Auch das Mittagessen sollte ja auf Kinderwunsch ausfallen, weil alle nur heim wollten. Das wäre beinahe auf einen Im-Auto-Sitzenbleiben-Streik hinausgelaufen. Im Gasthof haben sie brav geordert – und hungrig aufgegessen. Vor allem das köstliche Stück Sachertorte, das der lautstärkste Streikforderer bestellt hatte, wurde genüsslich verzehrt und auf der Heimfahrt in höchsten Tönen gelobt 😉
  • auch Kindern hilft es, unterwegs öfter mal die Begleitperson zu wechseln, nicht immer neben dem gleichen Spielkameraden zu laufen. So bietet sich etwas mehr Abwechslung: der eine hat mehr den Blick für den Wegesrand, findet einen tollen Holzstab, mit dem man spielen kann, hat nur Blödsinn im Kopf. Die anderen tuscheln heimlich, darf aber keiner mitbekommen, wird trotzdem irgendwann langweilig. Dann sind sogar die eigenen Geschwister mal nicht peinlich, sondern man tröstet mal den kleinen Bruder oder fordert die große Schwester heraus.

Schade fand auch ich, dass wir abends alle zu müde für Stadt Land Fluss waren – beim nächsten Mal. Hoch und Heilig versprochen 🙂

 

 

 

Kinderwelt

Wenn ich mal wieder fast 24 Stunden mit meinen Patenkindern zusammen bin fallen mir so viele „Kleinigkeiten“ auf, diese immensen Unterschiede zu uns Erwachsenen. Die kleine Welt ist so sehr im Hier und Jetzt, manchmal so eigenartig, gar nicht Erwachsenenlogisch auf Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft ausgerichtet, dadurch schon mal voller Widersprüche in sich, und meistens doch ganz einfach:

  • Auch wenn man seine kleine Schwester abgöttisch liebt gibt es unzählige Situationen, in denen man egoistisch ist. Und sein will. Und in denen es definitiv das falscheste Argument ist, als Großer jetzt mal vernünftig zu sein.
  • Weinen ist oft Ausdruck von riesigem, individuell zu wertenden Unglück, manchmal aber auch einfach Zeichen für „grade eben war noch alles gut, jetzt muss ich irgendwie mit Heulen auf mich aufmerksam machen“
  • Als 3jährige hat man nicht das geringste Problem, minutenlang auf den Zehenspitzen zu stehen. Nicht zu balancieren und dabei zu kippeln, nein, einfach auf den Zehenspitzen stehen. Zum Beispiel beim Waschen und Zähneputzen. Oder beim Tanzen wie ein Schmetterling im Garten. Oder in den hochhackigen Schuhen der Mama, mit denen Mademoiselle besser laufen kann als ich. GNTM-verdächtig?
  • In einem Sandkasten sitzen 3 Kinder, es ist genug Spielzeug da. Allerdings will eine kleine Schwester trotzdem immer genau das, womit die anderen spielen. Und fühlt sich dabei vollkommen im Recht.
  • „In 10 Minuten“ oder jede andere Zeitangabe ist für Kids gut oder schwer aushaltbar, je nachdem, was gerade auf der eigenen Ideenliste steht. Wenn man Aufmerksamkeit braucht wird dieses „in 10 Minuten“ schon nach wenigen Sekunden hinterfragt. War das alles gar nicht so wichtig und ist in den nächsten Sekunde vergessen kann aus „in 10 Minuten“ auch eine Ewigkeit werden.
  • „Jetzt“ nach Hause zu gehen oder etwas zu beenden oder ins Bett zu gehen oder oder oder ist nur dann ein guter Plan, wenn es langweilig ist. Nur, weil es schon spät ist, das Spielen aber gerade so toll läuft, ist aber eine absolut nicht willkommene Unterbrechung.
  • Kinder sehen andere Dinge und nehmen andere Dinge wahr – wenn die große Freundin erklärt, dass sie beim Schwimmen kein Wasser in die Ohren bekommen darf bedeutet das noch lange nicht, dass man sie nicht tauchen darf. „Kannst ja die Ohren zuhalten….“
  • Liebe Eltern, wenn ihr euren Kindern verbietet, mit einem Strohhalm in einer Flasche zu blubbern, dann erklärt auch gefälligst die Konsequenzen: „Papa, das ist unfair. Du hast mir nicht gesagt, dass die Limo dann aus der Flasche rausspritzt, wenn ich Blubberblasen mache …“ Das gilt selbstverständlich für jedes Verbot, eh klar.
  • Mädchen sind anders, Jungs auch: was für mich und eine 3jährige ein wunderschönes Spiel ist ist dem 7jährigen viel zu langweilig. Die Frage ist an der Stelle dann eigentlich nur: wer motzt mehr? Denn da Erwachsene keine Lust auf motzende Kinder haben (zumindest ich) wähle ich den Weg des geschickten Ablenkungsmanövers, gar nicht immer so einfach, aber im Großen und Ganzen wollen wir ja viel schöne Zeit miteinander verbringen … oder?
  • Wenn mal ausnahmsweise die große Freundin da ist und man sich total freut, dann wacht ein 7jähriger um halb sechs auf, ist sofort in Plauderlaune und versteht nicht wirkllich, warum Erwachsene um diese Uhrzeit weder ansprechbar noch gut gelaunt sein können. Ist schließlich schon hell.
  • Schmeckt oder schmeckt nicht: auch wenn ein Kind mal was gerne mochte, kann sich der Geschmack ganz schnell verändern. Und während meines Besuchs in Franken saßen zwei verblüffte Eltern vor mir, weil ihre Kinder Dinge gegessen haben, die sie sonst nicht angerührt hätten. Meine neueste Erkenntnis bleibt aber: Mädchen so um die 3 essen gerne Butterbreze, es reicht ein kleines Stück Breze, aber viel Butter sollte es sein. Kann man so toll abschlecken 🙂iPhone_ 292
  • Erwachsene sehen in einem Garten die Blumen, die Farben, die Entspannungsmöglichkeiten, die Ruheoasen, einen herrlich angelegten Schwimmteich … Kinder? Haben dafür kein Auge, im Schwimmteich muss man schwimmen und toben, auf der Terrasse gibt es Schaukeln, im Garten gibt es geheime Verstecke, ein Trampolin, einen geheimen Gang (ja, ich musste mit, und nein, es war kein Gang, noch weniger ein Weg, an einer Stelle musste ich durchrobben, aber am Ende haben mich 2 strahlend blaue Augenpaare erwartet: „Jetzt kennst du unseren geheimen Weg!“iPhone_ 262
  • Wenn wir uns trennen ist der Große (7) immer sehr dramatisch: „Du sollst aber bleiben, immer, ich werd dich soooooooooooooo sehr vermissen“ – dieses Mal wurde er von der kleinen Schwester (3) getröstet: „Wir sehen die Doris doch schon ganz bald wieder, du musst nicht traurig sein“.

Die Welt ist ganz einfach und alles ist selbstverständlich so, wie Kinder es empfinden. Was wir Erwachsenen nur immer mit Erziehung wollen? Und überhaupt, was genau war jetzt noch mal die Trotzphase? Warum nenn ich euch beide eigentlich noch mal grade immer Motzkäfer …? Hab ich vergessen 🙂