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Mein (Gärtnerinnen-)Herz tanzt #4

Vor vielen Jahren hab ich zwei kleine Sanddorn-Pflanzen – eine weibliche und eine männliche, wie mir erklärt wurde – im großen Garten des elterlichen Bauernhofs in die Erde gesteckt. Dieses Jahr hab ich zum ersten Mal „geerntet“. Denn zumindest die eine haben meine männlichen Verwandten groß werden lassen, wenn auch immer wieder wild zugeschnitten. 

Egal, so kams, dass ich heute morgen von meinem Vater in der Traktorkanzel in luftige Höhen bugsiert wurde, um an die Orange leuchtenden Früchte heranzukommen. Jetzt weiß ich übrigens, warum Sanddorn so wertgeschätzt wird: es dauert Stunden, bis man noch nicht mal einen halben Eimer voll gepflückt hat. Dazu zerstechen die dicken Dornen sogar dickste Handschuhe. Und dann ist man weitere Stunden beschäftigt, Spinnen, Käfer, Tausendfüßler und viel Dreck auszuklauben, ehe es an die Verarbeitung gehen kann … aber die Mühe hat sich gelohnt, meine Tante, die den Saft einkochen wird, hat sich gefreut, und für mich wird auch ein Flascherl voll Vitamin-C abfallen. 

Alle zufrieden – achso, und dann hat mir meine Aktion auch noch einen kleinen Abstecher in die Lieblingsstadt Landshut eingebracht, wo ich tatsächlich die ersten LaHo-Mitwirkenden für 2017 entdeckt habe, die jetzt natürlich schon wieder fleißig dabei sind, Sich die Haare lang wachsen zu lassen. So kann man sie leicht erkennen. Und so schön herbstlich ist’s überall, und dann noch Sonnenschein. Irgendwie ist heut ein Tag, an dem mein Herz einfach tanzt …

Sonntagsfreude: Hopfenzupfzeit

Ich bin nicht nur gebürtige Holledauerin, sondern auch aufgewachsen auf einem Hopfenhof. Ganz genau genommen sogar auf zweien,  denn meine Eltern haben den mütterlichen und väterlichen Betrieb weitergeführt. Insofern war Anfang September in meiner Kindheit „Hopfazupf“. Sobald der Hopfen reif war – und das ist je nach Sorte und Standort unterschiedlich – hieß es: früh aufstehen und auf den Hof der Großeltern fahren, denn dort war die Hopfenzupfmaschine samt sämtlichen Anlagen, die es sonst noch braucht. Als kleine Kinder hat uns Geschwistern das großen Spaß gemacht, denn wir hatten Hopfenzupfer, junge Leute, meist Studenten, die uns nett „entertaint“ haben. Mein „Job“ in diesen Jahren: mit in die Hopfengärten fahren, zuschauen, wie die Großen durch die Reihe fahren und die Reben runterreißen, öfter auch mal den Traktor fahren –  anschließend gemeinsam mit dem Opa die abgerissenen Sträuße sammeln. Der Geruch mittendrin ist unvergleichlich, Hopfen riecht gleichermaßen süß und herb … In meinen Teenagerjahren war ich zum Ausklauben am Band, das hat nicht so großen Spaß gemacht. Insofern war ich nicht so sehr traurig, als meine Eltern den Hopfen aufgegeben haben. Wie so viele in den vergangenen Jahrzehnten. Hatte früher noch fast jeder ein paar Hopfengärten ist unser Dorf heute ohne einen einzigen Hopfenhof. Umso mehr freut mich, dass wenigstens noch ein paar Hopfengärten in der Nähe stehen. Und zumindest ein einsamer Traktor heute seine Ernte durchs Dorf fährt. Das riecht so gut, hmmmm!

Mehr Sonntagsfreude lest ihr bei Rita.

Sommerleicht

Manchmal reicht es aus, stundenlang dem Himmel zuzusehen, die Wolken beim Wandern zu beobachten, den Wind zu spüren, der sacht die Blätter bewegt. Und den Sonnenschein ganz tief in sich aufzusagen. Manchmal sind ein paar Stunden aufmerksames Nichtstun zu Hause erholsamer als 2 Wochen Pauschalurlaub irgendwo in der Welt, ohne Bezug zum Ich. Ruhe, lediglich gestört vom Vogelgezwitscher und den Geräuschen der Weide. Traktoren und Mähdrescher eilen emsig über die Felder, fleißig wird Korn und Getreide geerntet. Mein Fazit von diesen so unendlich wirkenden 4 Tagen Wochenende: Sommerleicht ist das Landleben in diesen Tagen, tut mir sehr, sehr gut.

Die Obstpflückerin

Kürzlich hab ich mich mittags 20 Minuten in den schönen Obstgarten, ab von der Straße, weitab von der Strandpromenade gesetzt. Und einer Frau zugeschaut, wie sie Obst vom Baum geholt hat. Sie hatte dazu eine eigene Technik und das perfekte Outfit: eine grüne Latzkose, dazu hohe Gummistiefel, eine langärmlige Bluse und ein Kopftuch. Hält Wespen, den Dreck vom Baum und matschiges Obst fern. Unter dem Baum hatte sie weitflächig eine Plane ausgelegt. Mit einem langen Stiehl mit Griff fasste sie die Äste und schüttelte. Sacht, damit nur das reife Obst runterfällt. Dann fasste sie die Enden der Plane zusammen. Ich wollte ihr zum Umfüllen in die beiden Eimer zur Hand gehen – aber „Nein, das ist lieb, vielen Dank. Ich muss jetzt erst mal alles rausfischen, was matschig ist, das dauert – und keine Sorge: ich hab da meine Technik, mache das seit Jahren alleine …“. Süß, die Frau Obstpflückerin, wie sie da ihren ganz eigenen Stil entwickelt hat? Da kommt nur handverlesene Qualität ins Glas, die Marmelade würd ich sofort kaufen.