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Musik & Du 005: Fall in love

Als Teenager war ich dauerverliebt. Ich gestehe: Meistens schon nicht mehr in meinen aktuellen Freund … Das bedeutet nicht, dass ich für den Jungen nichts übrig hatte, es war eher so, dass das Gefühl „Jetzt bin ich mit ihm zusammen“ durch Zusammensein und -bleiben nicht mehr größer wurde. Schade eigentlich. Zumindest hatte ich in dem Alter den Nächsten immer schnell ausgemacht. Und so ging das Miteinander-gehen meist nahtlos ineinander über. Da konnte es also durchaus vorkommen, dass ich engumschlungen mit dem Einen auf der Tanzfläche stehendtanzte, während der Andere mich und ich ihn fixierte. Oft nicht sehr unauffällig, wie ich leider eingestehen muss.

Nur einmal, da war ich richtig richtig verliebt. Er so viel älter, ich viel zu jung. Wir haben es ein paar Monate geschafft, aber es konnte eigentlich nicht wirklich gut gehen, dafür war auch die räumliche Distanz viel zu groß. Wir haben uns getrennt, waren aber viele Jahre gute, sogar enge Freunde. Vielleicht, weil wir uns einfach nicht loslassen konnten? Es nicht aus Vernunftgründen enden lassen wollten? Musik, die mit dieser Zeit untrennbar verbunden ist“Don’t let it end“ von Styx.

Diesen Monat bittet Maribel um musikalische Erinnerungen zu Fall in Love – „DAS Lied, das dich an die erste Liebe erinnert“.

Musik & Du 004: Das Konzert, von dem ich noch in Jahrzehnten erzählen werde

Ich tue mich ja nicht leicht, wenn mir jemand ultimative Fragen stellt. Das Beste, das du jemals erlebt hast? Wird bei mir sehr von Tagesform, aktueller Laune und so was beeinflusst … Aber als ich Maribels aktuelle Frage gelesen habe, hatte ich sofort und vollkommen klar ein Bild in meinem Kopf: von mir selbst, mit Gänsehaut von oben bis unten. Tränen in den Augen. Emotion pur. Dazu gebracht hat mich eines der besten Live-Konzerte, die ich jemals erlebt habe. Die perfekte Symbiose. Moderne Musik, begleitet von einem Symphonie-Orchester. Sting im Juli 2011 in München. Neben mir die Konzertfreundin Claudi, beide mit Vorfreude. Aber dass sie so übertroffen wurde, das haben wir beide nicht erwartet. Wenn ich übrigens von Gänsehaut spreche, dann beschreibe ich nicht einen Moment, eine Sekunde, einen Augenblick. Sondern viele Minuten, eigentlich wahrscheinlich eher Stunden. Ich war durchgeschwitzt wie nach einem Rock-Konzert, bei dem ich von der ersten bis zur letzten Minute tanze, ohne mich groß bewegt zu haben. Ich war mitten in der Musik, statt wie so häufig in Locations nur beschallt zu werden. Ach, es war einfach eines der besten Konzert meines Lebens, von dem ich immer wieder erzählen werde. Und das war für mich im Konzert der musikalische Höhepunkt, kann ich auch heute nicht ohne Gänsehaut hören …

Diesen Monat fragt Maribel nach Best of Concerts, „DAS Konzert, von dem du noch in Jahrzehnten erzählen wirst“.

Familiengeschichten: Omas Nusszopf

Kürzlich „rügte“ mein Vater, dass ich mich in diesem Jahr an Stollen versuchen wollte, schließlich habe seine Mutter einen vielgerühmten weihnachtlichen Nusszopf gemacht. Das sei ein altes Familienrezept und solle erhalten bleiben. In seinem Heimatdorf würden ihn Bekannte noch heute darauf ansprechen und davon schwärmen. Bekanntlich nehme ich Anregungen gerne an, auf der Suche nach dem Rezept konnten aber weder Tanten noch Onkel helfen. Also frage ich bei meiner Mutter nach – die mir erklärt, dass das weder ein Nusszopf noch Omas noch alte Tradition gewesen sei. Tatsächlich habe sie meiner Großmutter in den 70er Jahren das Stollenrezept einer Flüchtlingsfrau aus der Nachbarschaft weitergegeben, das diese dann mit ihrem eigenen Hefeteig variiert hat, statt in Stollenform einfach als Zopf. Und weil die Variation so gut gelungen war, musste sie sogar mal einen Backkurs für die Frauen aus dem Dorf geben. Hm, werd das dann mal in den nächsten Jahren als Tradition aufgreifen? …

Dann aus aktuellem Anlass eine Erinnerung: ich dürfte so 8 oder 9 Jahre alt gewesen sein, in den Weihnachtsferien durfte ich mit meiner Schwester ein paar Tage zu den Cousinen „in die Ferien“. Und da lief Musik rauf und runter, Best of Udo Jürgens. Danach kannte ich jeden Titel auswendig, wir haben gesungen, getanzt, gelacht.

„… wenn ein Blatt, irgendein Blatt vom Baume fällt, weil der Herbstwind es so bestimmt, wenn das Schicksal uns etwas nimmt, vertraue der Zeit. Denn: Immer, immer wieder geht die Sonne auf und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht. Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf,  denn Dunkelheit für immer gibt es nicht, die gibt es nicht, die gibt es nicht. Hör‘ ich ein Lied, Irgendein Lied, das wir gekannt, denk‘ ich noch immer, wie schön es war. Wir waren glücklich, wird mir dann klar denn du warst hier. Und wenn dir irgendein Mensch von mir erzählt, ich hätt‘ vergessen, dann denk‘ daran, ich glaub an Morgen, denn irgendwann stehst du vor mir.
Denn: Immer, immer wieder geht die Sonne auf und wieder bringt ein Tag für uns ein Licht. Ja, immer, immer wieder geht die Sonne auf, denn Dunkelheit für immer gibt es nicht, die gibt es nicht, die gibt es nicht.“

Danke für die Musik, die bleibt

#Sonntagsfreude: Berlin feiert 25 Jahre Mauerfall

25 Jahre ist es her. Davor musste ich in Geschichte und Erdkunde die Aufteilung Deutschlands in Ost und West lernen, die mich zunächst verwirrt, dann gedanklich rebellieren machte. Was haben wir diskutiert, über Recht und Unrecht, über Demokratie, das Mitbestimmungsrecht des Volkes, freie Wahlen. Dann kam das Jahr 89, und ich erinnere mich an viele Kleinigkeiten auf dem Weg zur Wiedervereinigung. Besonders in Erinnerung bleibt der Mauerfall – weil die Eltern meiner Schulfreundin direkt nach den ersten Hinweisen ihr Auto vollgepackt haben. Um als gebürtige Berliner dabeizusein. Sie waren an der Mauer, haben wildfremde Menschen umarmt und gefeiert. Ihre Erzählungen waren so lebhaft, so intensiv, besser als jedes Bild in den Nachrichten. Daran erinnere ich mich heute – und bin sicher, die zwei sind auch jetzt in Berlin, um sich zu erinnern und die Feierlichkeiten mitzuerleben.
Mehr Sonntagsfreude bitte hier nachlesen.