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Das mit dem Kraftplatz

An Tagen wie diesen fühl ich mich wie Aschenputtel. Schmutzig, staubig, und das hört irgendwie nicht auf. Seufz. Zwei Hauswände sind fast „putzfrei“, natürlich gibt es ein paar Stellen, die einfach runter fallen, die anderen halten dafür wie mit Zement festgeklebt. Äh, ja, sind sie ja auch. Gut, dass wir uns ein Gerät ausleihen konnten, das zwar nur Männer bedienen können, aber als Frau darf ich ja dafür den Dreck wegputzen. So sieht es die praxisorientierte Aufgabenverteilung vor. Auch wenn das wieder eine der Arbeiten ist, die keiner braucht: mir wird mehr und mehr klar, wie viel Energie dieses Renovierungsprojekt freisetzt. Ob das nur so ist, weil es das Elternhaus ist? Das ich ohnehin schon seit vielen Jahren als meinen persönlichen Kraftplatz entdeckt habe. Nicht nur das Haus, sondern auch die Lage, mitten im Dorf. Mit einem freien Blick über das kleine Tal im Osten. Schnell draußen, aus dem Ort, einfach über die Wiese laufen und ich bin unterwegs. Dann führen Feldwege kilometerweit an Äckern vorbei, in ein großes Waldgebiet. Wenn ich mag, schaffe ich es, stundenlang zu laufen und keiner Menschenseele zu begegnen. Für mich ist es genau diese Freiheit, die mir so ein überwältigendes Heimatgefühl gibt. Obwohl ich hier schon so viel gelaufen bin und gefühlt jeden Stein kenne, immer wieder darf ich aufs Neue die kleinen Wunder der Natur entdecken. Schön ist es, mein Wochenend-Zuhause.

Meine (mittlerweile frischgeduschte) Antwort auf Michaelas Frage nach Kraftorten.

Das mit den Werten

P1030548Wie ist das mit den eigenen Werten? Wann werden diese geprägt und vor allem: ändern sich Werte im Lauf des Lebens? Ein Thema, über das ich immer wieder sinniere. Vor allem weil ich hin und wieder den Eindruck gewinne, dass Werte gerne mit Zielen verwechselt werden? Nachlesen kann man als Definition vielerorts etwa „Werte sind ein System, das die eigene Identität mit prägt. Es sind Überzeugungen, die wir von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen übernehmen, sie beeinflussen Denken, Entscheidungen und Tun als oberste Orientierungsinstanz. Sie sind grundsätzlich stabil, aber nicht unveränderlich. Wer nach seinen Werten lebt, ist mit sich im Einklang.“

Meine wichtigste Überzeugung, und damit der für mich elementarste Wert, ist, dass ich sehr dankbar bin, dieses, mein Leben, leben zu dürfen. Ich wertschätze dieses Geschenk sehr, feiere die vielen kleinen kostbaren Momente, die dazu gehören, so gerne so sehr. Zum Beispiel erlebe ich die letzten Tage intensiv, der Frühling schenkt uns unendlich viele kleine Wunder. Ich darf sie wahrnehmen, sie entdecken, sie tief in mich aufnehmen und mich an ihrer Schönheit erfreuen.

Dankbarkeit und Liebe zum Leben, wenn ich versuchen müsste, zu kategorisieren, wären das wohl die Werte, die mich am meisten und schon immer leiten. Dazu ein bunter Mix, Herz und Kopf bestimmen mit, in etwa

  • Menschlichkeit, Feinfühligkeit & Freiheit
  • Liebe, Respekt & Vertrauen
  • Freundschaft & Gemeinschaft
  • Achtsamkeit, Aufmerksamkeit & Bewusstsein
  • Ausgeglichenheit, Zufriedenheit & Balance
  • Heimat & Harmonie
  • Anstand & Wohltätigkeit
  • Sensibilität, Stabilität & Stärke
  • Gelassenheit, Unkompliziertheit & Leichtigkeit
  • Aufrichtigkeit & Höflichkeit
  • Begeisterung, Lebendigkeit & Tatkraft
  • Selbstständigkeit, Gesundheit & Beweglichkeit
  • Großherzigkeit, Güte & Gerechtigkeit
  • Heiterkeit, Optimismus & Hoffnung
  • Selbstsicherheit, Klarheit & Konzentration
  • Wahrheit, Neugier & Entschlossenheit

Interessant, dass es für mich immer „Pakete“ sind, die eine Einheit bilden. Zum Beispiel ist es nicht Gesundheit allein, die mir wichtig ist, ich verstehe, dass zu meinem Wert ganz unabdingbar gehört, voll und ganz bewegungsfähig und selbstständig zu bleiben, also unabhängig von anderen zu sein …

Angeregt zu diesem Text hat mich Brigitte Windt, die aufgerufen hatte, 30 Tage lang die eigenen Werte in den Mittelpunkt zu stellen. Durch ihre Blogparade ist mir einmal mehr klargeworden, was ich wertschätze, an mir selbst, vor allem aber auch an anderen Menschen. Vielen Dank für die kleine Erinnerung!

Mein Wort 2016

wordleSchon die ersten Wochen des Jahres haben deutlich gemacht, mein Wort des Jahres lautet ENERGIE. Das betrifft sowohl meine eigene, wie auch die der wichtigen Menschen in meinem Leben.  Wenn ich an die letzten Monate zurückdenke, dann war mein Wort 2015 ganz klar FUNKTIONIEREN. Das hat richtig gut geklappt, zum Jahresende waren die Energiereserven aber doch ein Stück weit aufgebraucht. Das große Renovierungsprojekt hat unwahrscheinlich viel gegeben, aber, na ja, einfach auch eine Menge Zeit und Kraft gekostet. Trotzdem, ich halte meine Balance, weiß, wo ich neue Energie auftanken kann. Und vor allem rechtzeitig. Aber da war dann doch so der ein oder andere kleinere und auch größere Räuber mit am Werk. Eine Zeit, in der ich gelernt habe, zu funktionieren, aber für mich selbst. Mich weniger daran orientiert habe, was andere von mir erwarten. Ich achte auf mich, passe auf meine Energie auf. Und das merkt man mittlerweile , denn ich werde in den letzten Wochen von ganz vielen, teilweise auch ganz neuen Menschen in meinem Leben auf meine Energie angesprochen. Eine sehr positive, tiefe Kraft, die da aus mir strahlt. Auch für andere.
Sucht man nach Synonymen zu meinem Wort 2016, dann findet man tolle Begriffe: Aktivität, Arbeitslust, Dynamik, Einsatz, Feuer, Initiative, Kraft, Lebendigkeit, Lebenskraft, Schaffenskraft, Schwung, Tatendrang, Tatkraft, Temperament, Unternehmungslust, Vitalität, Willenskraft, Drive, Elan, Engagement, Vehemenz, Power, Eindringlichkeit und – was mir besonders gefällt – Bestimmtheit, Entschiedenheit, Entschlossenheit, Festigkeit sowie Nachdruck. Das alles, und noch viel mehr! Meine Aufgabe für 2016: diese Energie verwalten. Damit ich in meiner Balance bleibe. Sie dann freisetzen, wenn es mich weiterbringt, sie dann bewahren, wenn sie nur verpufft …
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Tanja fragt: Was ist dein Wort 2016? Warum genau dieses eine Wort? Mehr über ihr Blog-Projekt lest ihr direkt bei ihr.

Das mit Thailand

Als meine Schwester zu Beginn des Jahres freudestrahlend verkündet hat, dass sie dieses Jahr die großen Ferien in Thailand verbringen werden, war ich etwas neidisch. Klar, die können weg – ich hab eine Baustelle. Die vergangenen Wochen und Monate hab ich der bezaubernden Nichte dann immer vorgeschwärmt, wie toll es in Asien ist, dass sie im Flugzeug über mich hinweg fliegen wird und mir zuwinken darf … Dann sind die 3 Anfang August verreist – und alles kam anders. Die Erwachsenen wurden von einer bösen kleinen Mücke gestochen – und ein paar Tage später ging’s erst meinem Schwager dreckig, nachdem im Krankenhaus auf Ko Samui Denguefieber konstatiert wurde und meine Schwester auch erste Anzeichen hatte: vorzeitiger Heimflug. 

Die Info kam in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, wir sollten sie Samstag vom Flughafen abholen. Viele Fragezeichen, dann kamen sie, schlapp, vom Flug geschlaucht. Statt einem Wochenende auf der Baustelle war ich als Begleiteskorte abkommandiert, denn die Nichte war – zum Glück – topfit. Und wollte spielen, alle Freundinnen besuchen und und und. Das haben wir Samstag hinbekommen, damit die Eltern sich gesundschlafen. Sonntag morgen dann Angst, Nasenbluten, Einblutungen in den Beinen. Notaufnahme, Untersuchungen, Warten. Meinen Schwager mussten wir für ein paar Tage im Krankenhaus lassen, seine Werte waren gar nicht gut. Bei meiner Schwester war alles zeitversetzt, insgesamt war ihr Immunsystem etwas stabiler. Mittlerweile sind beide wieder einigermaßen fit – aber das mit den Fernreisen ist von der Wunschliste erst mal gestrichen.

Für mich war es ein großer Schock, schon einmal hab ich einen Anruf aus dem Ausland bekommen, auch damals war es eine schwere Erkrankung. Damals war es eine Meningitis mit tödlichem Ausgang – ich bin einfach nur dankbar, dass dieses Denguefieber zwar langwierig, höchst schmerzhaft und unangenehm war – aber vorbeigeht. 

Ja, das hat mich unerwartet erwischt, unvorbereitet. Und ich hab in den letzten Wochen etwas Zeit zum Verarbeiten gebraucht, dazu der zwar erwartete Verlust meines Onkels und die 7-Tage Wochen mit der Baustelle. Alle Energiereserven angezapft, um zu funktionieren. Jetzt? Mach ich weiter, schalte aber öfter mal einen Gang runter. Auch, was den Blog angeht. Etwas entspannter, etwas weniger, so, wie es sich für mich gut anfühlt.